Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 14.2.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 14.2.1841 (Blankenburg)
(BlM XIV,9, Bl 59-60, Brieforiginal 1 B 8° 2 S.+Adr.)

Blkbg b. R. am 14 Febr 1841.


Hochgeschätzte liebe Muhme.

Heut komme ich in Angelegenheit des Herrn Prof. Meyer zu Ihnen, durch
dessen Güte Sie auch diese Zeilen erhalten werden. Es hat sich nemlich ein
junges Mädchen von 19-20 Jahren gefunden, welche[s] mir nicht allein dem Bedürfnisse
des Herrn Prof. genügend erscheint, sondern auch den von ihm angetragenen
Dienst anzunehmen gewilligt ist. Sie ist zwar die Tochter eines gewissen
Herrn Dr Med: Nicolai, gewesenen ausübenden Arztes zu Rudolstadt
besitzt auch eine gewisse Bildung und soll auch gute weibliche Kenntnisse
und Fertigkeiten namentlich auch im Nähen besitzen; durch den frühen
Tod des Vaters sind aber die ökonomischen Verhältnisse für Mutter u[n]d
Tochter so schwer, daß beyde wünschen es möchte sich ein entsprechender
Dienst für die Tochter finden. Nun würde sie wohl lieber einen anderen
als den eines Kindermädchens wählen, allein sie hat doch auch Liebe zu den
Kindern, Entsagung und Gemüth genug um auch willig und gern in eine
solche Wirksamkeit zu treten. Nach allem was ich nun von ihr höre
und wie sie mir erscheint - (:gesund, kräftig, bescheiden, einfach,
anspruchslos, willig, eingehend auch mit dem Ausdruck einer gewissen
Bildung:) - glaube ich solche nun mit der Überzeugung welche ein erst-
maliges s Sehen geben kann dem Herrn Prof: empfehlen zu können.
Ich frage hierdurch nun nur bey Ihnen ab an, ob ich das Mädchen
durch Aufforderung den ihr angetragenen Dienst zu übernehmen
nicht in eine zu schwierige Lage leg bringen [sc.: bringe]. Ich habe dem Mäd-
chen alles was Sie mir mitgetheilt haben ausgesprochen; sie will
sich gern allem, selbst den untergeordneten weibl häuslichen Arbeiten z.B[.] /
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Scheuern unterziehen. Im Gegensatz davon hat sie selbst ein
Wenig Kenntniß von Music u Gesang indem ihr Vater, welche[r]
sehr Music liebend war sie früher selbst etwas im Gesang u
Clavier unterrichtet hat. Ich hebe dieß nur heraus, dam weil
K ich wie Sie wissen bey Kinderwartung u Pflege vielen Werth
auf Music besonders auch natürlicher Lust am Gesang lege.
Ich habe nach allem diesen zu der jungen Tochter wohl Zutrauen
daß sie den [sc.: dem] ihr übertragen[en] Dienste entsprechen werde, doch
kennen Sie gewiß ohne daß ich es Ihnen bekenne, meine Schwäche
daß ich leicht zu den Menschen Zutrauen fasse, allein auch oft ge-
teuscht worden bin.- Es fragt sich nun nur, ob s Sie einem
einfachen, anständigen, ernstlichen Mädchen zu dem Dienste bey
d[em] He. Prof. rathen und - im Fall der Erfolg unsern Erwartungen
ent nicht entspräche sich sie wohl im Bereiche Ihrer Bekannt-
schaft ein anderweitiger Dienst für das Mädchen finden würde.
Ich habe zu dem Mädchen wirklich das gute Zutrauen, daß
es sich unter Ihrer Leitu[n]g beste Muhme, zu einer ganz vor[-]
trefflichen Kinderpflegerin herauf bilden würde und wir
sie dann später in ein gutes Haus und gute Verhältnisse
empfehlen könnten.- Wagen muß man im Leben immer und
durch Entsagen, Dulden und sich Fügen den Weg zu entsprechenden
Lagen und Wirksamkeiten bahnen. Ich habe dieß auch der Emilie
Nicolai ausgesprochen. Bitte, bitte bald um einige Antwort.-
Meine beyden Sendung[en] heut vor 8 u vor 14 Tagen haben Sie doch erhalten?-
Mit den herzlichsten Grüßen Ihr treusinniger Vetter FriedrichFröbel /
[60]
[leer] /
[60R]
[Adresse:]
  Der
Frau Mag. Friederike Schmidt
  gebornen Hoffmann
  Wohlgeb.
               in
               Gera.
d. g. <E.>