Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 24.2.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 24.2.1841 (Blankenburg)
(BlM XIV,10, Bl 61-62, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Theuerste, liebste Muhme.

Es war mein Vorsatz Ihnen heut auf Ihre beyden letzte-
ren Briefe recht ausführlich zu antworten; allein es ist
jetzt so spät gegen Mitternacht durch das Drängen des
Tages geworden, daß ich jetzt, da ich wünsche daß morgen
die für Sie bestimmte Sendung mit dem Tage an Sie ab-
gehen soll, nur froh bin Ihnen dieß noch [mit] einem Worte
melden zu können. Schon stand diese Sendung für Sie beste
Muhme bereit als ich gestern Ihr jüngstes liebes Brief-
chen empfing, sonst hätte ich wohl die Sendung auf Ihre
so gütevolle Erlaubniß noch um etwas vermehrt;
doch scheint sich mir dazu binnen 14 Tagen oder 3 Wochen
eine Gelegenheit zu zeigen, die ich dann benutzen werde[.]
Sollten Sie jedoch meinen, daß Sie an der jetzt folgenden
Sendung bis dahin nicht genug haben, so werde ich Ihnen
auf Ihren leisesten Wunsch sogleich durch Fracht mehr zu
Ihrer Verfügen [sc.: Verfügung] übersenden.
Heut empfangen Sie dazu einstweilen
1. ½ Dzzd. Spielkästen erster Gabe à 6 gl. prß. Ct[.]
2. ½ Dzzd. Texte nebst Lithographie à 4 gl. do do.
        Ich habe hier ebensoviel Texte als Spiele zu Ihrer Verfüg-
        ung gestellt, weil diese Spiele wohl Niemand kauft
        als der sich sogleich auch von der Anwendung unterrichten will.
3. ½ Dzzd Spielkästen 2e Gabe ohne Lithogr: à 8 gl. prß. Ct.
        Laut Ihres Briefes für Ihren Kindergarten bestimmt.
4. ½ Dzzd. Spielkästen 2. Gabe ohne Lith: à 8 gl. prCt.
        zu Ihrer besondern Verfügung. Hierzu habe ich
5. 4 Dzzd. Texte zu etwaiger Nachfrage beygelegt à 6 gl. pr. C. /
[61R]
6. 1 Dzzd Spielkästen 3e Gabe nebst Lithographien à 10 gl.
7., 1 Dzzd Spielkästen 4' Gabe nebst Lithographien à 10 gl.
Beyde Gaben zu Ihrer freyen Verfügung.
8. Für Sie theure Muhme liegt bey
a, No 14-16 des SonntagsBlattes als Fortsetzung. Es
        freut mich daß Sie darinn auch wieder mit einigen
        Spielen bekannt werden.
b. Weiter ein kleiner Heft Lieder mit Noten, theil[s] all-
        gemeine Lieder: Anfangs- und Schlußliedchen; dann Liedchen
        zur 2n Spielgabe und zwar namentl[ich] Würfelliedchen.
c, Hierzu habe ich irre ich nicht ½ Dzzd Anzeigen von der
        hiesigen Anstalt zur Bildung von Kinderpflegerinnen pp bey-
        gelegt. Sie können wenn Sie da- oder dorthin etwas verschicken
        solches darinn einpacken, so kommen vielleicht die Anzeigen
        am ersten an ihren rechten Ort.-
d. Für die beyden lieben Vetterchen M. u R. lege ich den
         Rest der Lithographien zur 3n Spielgabe No XIII bis XX
        nebst Gruß und dem Wunsche bey, daß ihnen das Nach-
        bauen derselben Freude machen möge.
9. Da eben in dem Kistchen noch ein angemessener Raum frey
        war welchen ich nicht besser benutzen konnte und doch
        auch nicht ganz mit Papierspänen ausfüllen wollte,
        so habe ich noch 2 Ex. Stichap[p]arate beygelegt. Über
        deren Gebrauch, welcher jedoch sonst ganz von Ihrer Be-
        stimmung abhängt werde ich mich in meinem nächsten Briefe
        aussprechen.-
Bey Übersendung der eingegangenen Gelder, womit ich
bitte nicht so zu eilen, bringen Sie nun wie fest bestimmt
immer 1/5 als Rabbat in Abzug. Doch Sie bitte ich die
Kästen nur nach den angegebenen Preisen zu verkaufen. /
[62]
So möchte ich wohl mit dem, was ich zu dieser Sendung hinzuzu[-]
fügen hatte zu Ende seyn. Eine ausführliche Rechnung werde
ich dem nächsten Briefe beylegen.
Finden Sie es nicht zu viel wenn ich Ihnen bey nächster
Sendung zu etwaniger weiterer Nachfrage und sonstigen
Gebrauch noch übersendete:
½ Dzzd Spiel 1e Gabe nebst Text.
1 Dzzd Spiel 2e nebst ½ Dzzd Text.
2 Dzzd Spiel 3e Gabe nebst Lithographien
2 Dzzd Spiel 4e Gabe nebst Lithographien
¼ Dzzd Spiele 5' Gabe nebst Lithographien 48 Tafeln
(<35 39> in 8° und <12 14> 4°) à Rth 1- pr Ct.
Es wird mich freuen darüber ganz offen Ihre Meinung zu
hören, es kommt ja gar nicht darauf an, daß die Sachen in den
nächsten Monaten in Verbrauch und Absatz kommen.
Sagen muß ich Ihnen doch auch warum ich besonders seit
gestern mit meiner Zeit etwas gedrängt bin; im Ganzen
ziemlich unerwartet ist gestern nemlich auf mehrere Tage,
vielleicht ein paar Wochen, die Schwester eines unserer lieben
Lehrer, des Herrn Kohl, welche als Kinderpflegerin pp. nach
Weida zu Herrn Kaufmann Stark <in> der Mitte des nächsten
Monats gehen wird - zu mir gekommen um sich so viel als
es in einer solchen Zeit möglich ist hier an Ort und Stelle mit
der von mir angebahnten Kinderspiel- und Beschäftigungsweise
bekannt zu machen. Ich hoffe daß sie auch von diesem kurzen
Aufenthalt hier Nutzen haben soll indem sie schon 7 Monate
in Keilhau zwar als Gast, doch besonders als Wirthschaftsge-
hülfin lebte sich aber besonders auch mit den Kindern beschäftigte
und namentlich in der letzteren Zeit ordentlich dort an den
Spielstunden der Kinder Antheil nahm. Warum ich Ihnen /
[62R]
dieß so ausführlich schreibe?- Weil es mir Freude macht
Jemanden zu belehren der bald persönlich zu Ihnen kommt
- denn ich werde mir erlauben Fräulein Emilie Kohl mit
einem schriftlichen und mündlichen Gruß an Sie zu beauftragen
- und Ihnen manches bey uns gespielte Spiel und gesungene
Liedchen zum Besten geben kann. Vielleicht daß sich, da wie
ich höre Weida keine 2 Stündchen von Gera ist, ist irgend
ein Wechselverkehr zwischen Ihnen beyden möglich macht
zu gegenseitiger Lebensförderung. Doch darüber vielleicht später
mehr. Für heut eine herzliche gute Nacht.-
Eines muß ich aber doch noch erwähnen: Herr Prof. D. P. M.
hat mir noch nicht geantwortet. Wird es geschehen und er
auf meinen Vorschlag eingehen, so werde ich offen dem
Mädchen alles zur Selbstentscheidung vorlegen.-
Dankbar bescheinige ich den Eingang der Sendung der Rth 4 prC.
Die freundschaftlichsten Grüße an alle die lieben Ihrigen
und die, welche mit Ihnen das Werk so treu fördern.-
Haben Sie [die beiden] Fräulein Reimschüssel aus Ronneburg
in Ihrem Kindergarten noch nicht besucht?-
Mit hoher Achtung und seelenvollem Dank
Ihr
ewig ergebener Vetter
FriedrichFröbel.
Blkbg
24/II 1841.