Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 4.4.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 4.4.1841 (Blankenburg)
(BlM XIV,13, Bl 77-78, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. + nicht foliierter Zettel, tw. ed. Pösche 1887, 91-93. Pösche 1887 erweckt den Eindruck der Vollständigkeit, kürzt aber.)

         Blankenburg am 4' April 1841.


Theuerste, hochverehrte Muhme.

Sie werden mir hoffentlich verzeihen wenn ich einer sich mir darbie-
thenden Gelegenheit nachgebe um schon wieder schriftlich bey Ihnen
einzusprechen. Unser lieber Zögling Karl Wild will nemlich
morgen mit zwey seiner Bildungsgenossen die Heimreise zu
seiner Mutter machen, da glaubte ich nun diese schöne Veranlassung
nicht vorbeygehen zu lassen Ihnen und Ihrem ganzen lieben Hause
wenigstens einen herzlichen Gruß zu senden; auch wohl Sie zu
bitten, wenn es den jungen Leuten Freude macht, denselben zu er[-]
lauben einmal Ihre schönen Spielstunden besuchen zu dürfen. Ob-
gleich natürlich diese 3 Jünglinge den Spielstunden mit den Kleineren
in Keilhau ganz entwachsen sind, so könnte es doch vielleicht seyn
daß einer oder der andere derselben Ihnen eine gewünschte Aus[-]
kunft geben könnte, was freylich immer nur zufällig aber doch möglich
wäre. Auch freut es mich Sie alle wenigstens von Jemandem aus un[-]
serem Kreise persönlich grüßen zu lassen. Der eine, der größere die[-]
ser Genossen Karl Wild[s] ist Lothar Deckner aus Bückeburg, der
zweyte kleinere heißt irre ich nicht Justus Rust aus K Berlin.
Ich habe mich sehr gefreut in diesen Tagen Gutes und Liebes aus
Ihrem lieben Spielkreise von Jemand zu hören welcher in demselben
beym Spiel gegenwärtg war. Man sagte mir unter anderem:
Sie theure Muhme seyen ganz für eine solche Wirksamkeit geboren.
Ich weiß und wußte es zwar schon, allein es ist immer erfreulich wenn
solche Bemerkungen auch von Anderen gemacht werden; damit man
eine solche hingebende Wirksamkeit wie die Ihre auch achtend anerkennt.
Zugleich benutze ich diese Gelegenheit Ihnen die Fortsetzung des S. Bl[.]
von No 19 bis No  22 (beyde eingeschl:) zu übersenden. Es soll mir sehr
sehr lieb seyn wenn irgend Jemand von Ihnen in der Beschreibung der 5en /
[77R]
Spielgabe welche diese Nummer unter anderem enthält etwas Er[-]
freuliches findet. Seyn Sie so gütig mir Ihre Bemerkungen
über diese Beschreibung gelegentlich mitzutheilen, damit mir [sc.: man] solche
bey einer etwaigen späteren Bearbeitung benutzen kann.
Meine Absicht war Ihnen heut noch manches über den Fortgang
unseres Unternehmens mitzutheilen allein ich habe den Brief
welcher mir dazu Veranlassung geben sollte leider verlegt; die
Sache ist daß sich der Hof in Sondershausen d.h[.] reg Fürst u Fürstin
geeint entschlossen haben einen vollständigen Kindergarten in Son[-]
dershausen zu begründen und daß dem gemäß ein sehr fähiger
junger Mann und zugleich so gebildet so besonders mit Lust u Liebe zur
Kinderführung ausgerüstet im Monat May hierher gesandt werden
soll um sich theoretisch-praktisch zur Führung einer solchen Anstalt
hier auszubilden; wie es scheint so hat man den Gegenstand dort
so ernstlich als lebenvoll aufgefaßt. Wenn es mir erst gelänge, daß
man von dem innersten Leben aus eine fürstliche Familie für die
Sache gewinnen könnte oder was noch besser wäre derselben in dem
gesammten bürgerlichen und Familienleben wahrhaften Eingang zu verschaffen.
- Die Frau Pastor Richter in Leipzig von welcher ich Ihnen in einem früh[-]
eren Briefe Mittheilungen machte, wird in der Mitte [des] Mays auf
einige Wochen hierher kommen um sich mit Spiel- und Spielweise
bekannt zu machen. Nach so mehrseitig sich zeigender thatsäch[-]
licher Theilnahme wünsche ich, daß auch die Theilnahme in
Gera so wüchs daß ein vollständiger Kindergarten nach
dem Plane des deutschen Kindergartens in Gera entständ
und daß die 3 Herren Vorsteher der Mädchen- der Töchterschule
mit Ihnen hochgeschätzte liebe Muhme leitend und führend
da ständen; dann würden sich erst die Seegnungen einer solchen An-
stalt entwickeln.- Doch meine theure Muhme es ist mir nun Leid,
wenn ich so etwas im innern Drang ausgesprochen habe, daß es nemlich /
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störenden Schein haben könnte, als sey ich nicht auf das innigste pflegend
und schützend auch für das dankbar hingegeben, was die Wirklichkeit uns schon
so schönes zeigt und gegeben hat. O, ich bin in meinem Innern schon
so auf das innigste dankbar für alles Daseyende, daß ich nichts als
eine stille, ruhige, stetige Fortentwickelung desselben wünsche.
Morgen feyert Herr Karl Schneider in Frankfurt a/m zum
Schluß des Winterhalbjahres seines Kindergartens ein Spielfest;
dazu eingeladen konnte ich leider nur schriftlich erscheinen[.]
Doch der Brief soll abgeholt werden.
Herzliche Grüße an Ihr ganzes liebes Haus und die besten
Wünsche zu erfreulichen Feyertagen           von
Ihrem

freundschaftlichst ergeben[en]
Vetter
FriedrichFröbel /

[78R]
 [leer] /
[Beiliegender, nicht foliierter Zettel als Postscriptum mit Bezug auf 77V]
Der jüngere von Karl Wilds Genossen heißt nicht
Justus Rust sondern Rudolph Just.