Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 18.4.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 18.4.1841 (Blankenburg)
(BlM XIV,14, Bl 79-80, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., tw. ed. Pösche 93-94)

Blankenburg bey Rudolstadt am 18 April 1841.


Gütige, geliebte Muhme.

Sie haben mich durch Ihr jüngstes liebes Briefchen mehrfach
wieder recht erfreut. Zuerst war ich recht freudig überrascht
zu hören daß Ihr lieber Robert schon so heran gewachsen ist,
daß er an dem schönen Friedens- und Auferstehungsfest mit
Bewußtseyn in den beglückendsten der Lebens- und Wesens-
Bünde getreten ist. Ich nehme den herzinnigsten Antheil an
diesem freudigen Ereignisse Ihrer ganzen lieben mir so
werthen und theu[r]en Familie. Erlauben Sie mir daß ich mei-
ne besten Wünsche für sein Wohl, sein einstiges Wirken
und dessen seegensreiche Früchte mit den Ihrigen vereinigen
darf; möge er einst so zum Seegen, in welchem äußeren Be-
rufe auch immer, der Menschheit wirken, wie seine gewiß
von ihm hochverehrten Eltern wie seine ihm gewiß über Alles
theure Mutter. Grüßen Sie den lieben Vetter auf das
theilnehmendste von mir. Möge ihm mein seegnender Gruß
auch nach längerer Feyer nicht ganz gleichgültig seyn.-
Mit dieser lieben Kunde verbanden Sie noch die freudige
Nachricht, daß Ihr lieblicher Kindergarten auch im nächsten
Sommer fortbestehen wird; welche frohere Nachricht hätten Sie
mir noch schreiben können. Es ist zwar wahr, ich habe gar
nicht an die Möglichkeit gedacht, daß er aufhören könne;
allein wenn ich jetzt den Gedanken denke, so würde mir
diese Nachricht wirklich unaussprechlich viel geraubt haben.
Ich will auch, weil Ihre Bescheidenheit mir es so oft aus-
gesprochen hat, wirklich annehmen, daß die Gesammtheit
der Erscheinungen in Ihrem, aber deßhalb immer hocherfreu-
lichen Kindergarten, noch manche Unvollkommenheit an sich trägt; /
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so halte ich dennoch Ihre Wirksamkeit und Ihren Kindergarten viel
wichtiger als den meinen hier in Blankenburg, denn an dem Ihrigen
wirkt ein, tief von der Wahrheit des Ganzen ergriffenes und durch[-]
drungenes weibliches Gemüth, wirkt eine Mutter, wirkt in innigem
Einverständniß mit männlicher Einsicht und Vätern. Ich will
durch alles dieß weder Ihnen noch dem ganzen Verein weder
etwas Schönes noch etwas Angenehmes, sondern damit nur
die reine Wahrheit sagen. Solch ein Zusammentreffen von gün-
stigen Verhältnissen unter welchen durch Sie und all die mit
Ihnen hierin Einstimmenden der Kindergarten zu Gera
empor wächst, blühet und fruchtet; solche Einigung und solcher
Einklang findet sich höchst selten. Darum ist es auch meine
aber erfreuliche Pflicht denselben auf das allersorglichste
zu pflegen und ihn wozu er alle Bedingungen jetzt schon in
sich trägt - zu einem Musterkindergarten für Deutschland
zu erheben. Ich werde alles thun um diese meine Pflicht gegen
Sie alle und die vertrauenden Eltern Ihrer Stadt zu erfüllen.
Deßhalb ist es mir denn auch in sehr vielen Beziehungen recht
lieb, daß sich mir eine Aussicht darbietet innerhalb vielleicht
14 Tagen bis 3 Wochen einmal Gera besuchen zu dürfen. Es
ist mir dieser Gedanke jetzt nun noch vielfach recht innig
lieb, weil ich hoffen darf, daß Ihnen nicht nur mein
Einsprechen bey Ihnen nicht unangenehm seyn und in Ihrer
Häuslichkeit keine Stöhrung machen wird, sondern Sie mir im
Gegentheil mit einer so gar freundlichen herzlichen Einladung
entgegen kommen. So wie ich darüber etwas gewisses weiß
werde ich mir erlauben es Ihnen zu schreiben um außer Ihrem
lieben Gemahl dem hochgeehrtesten Vetter auch die beyden anderen Herrn
P. Lang u C. [sc.: College] Müller zu treffen.- Werden Sie für den
Sommer einen kleinen Gartenraum für Ihre Kindlein bekommen?- /
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Dieß würde sehr wichtig seyn auch zur Bearbeitung für die Kinder
und zwar im Allgemeinen so, daß vielleicht der mittlere Raum
die Gärtchen der Kinder enthielt, der Raum an der Seite dagegen
den allgemeinen Garten wo Gewächse zur allgemeinen Beachtung
und Pflege zusammengestellt wären z.B[.] ohngefähr so...
[*Planzeichnung einer Gartenanlage mit
              der Beschriftung einzelner Beete*]

[außen:]
Ölgewächse
Getreidearten[:] Waizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel
Hülsenfrüchte[:] Felderbsen, Garten- hohe Busch Erbsen, Linsen, Bohnen hohe Buschb.
Kohl und Rübengewächse
Kräuter
Blumengewächse;

[innen:]
Ein breiter Weg zum Laufen 2½ bis 3 F[u]ß
          Gärtchen der Kinder
          Lauf Weg
          Gärtchen der Kinder
          Lauf Weg
Es ist dieß nur ein roher Entwurf welcher sich auf die mannich-
fachste Weise ausführen läßt. Der Hauptgedanke ist: daß
die Bildung für das Allgemeine und besondere durchdringt, - daß
das Besondere von dem Allgemeinen gleichsam schützend um-
schlossen wird; - daß Ruhe u Bewegung geeint ist - daß Feld u
Garten wohl u Nutzen u Vergnügen - Blumen u Gemüse - und
jedes in seiner Art wieder vergleichend nebeneinander steht
und so das Kind sogleich durch und in seinem Erscheinen belehrt.
Für heut muß mir dieß genügen.-
Beyliegendes Druckblatt wird Ihnen einige Kunde von meinem
Wirken im nächsten Sommer geben. Könnte die Anzeige vielleicht
ohne große Kosten in Ihrem Localblatte abgedruckt werden, so würde
es mir lieb und dem Ganzen glaub ich zuträglich seyn. Die Ein[-]
rückungskosten bitte ich in Abrechnung zu bringen. Es ist keines[-]
weges dabey der Gedanke, daß Jemand bewogen werden sollte
an dem Curs Theil zu nehmen, sondern es handelt sich blos darum
daß es zur öffentlichen Kunde kommt vielseitig wird für die Ausbildung /
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des Gedankens gearbeitet.
Die Beylagen erklären sich selbst; kein Wort habe
ich Zeit dazu hinzuzufügen indem die Post drängt.
Mit den besten u schönsten Grüßen an alle unver-
ändert
Ihr

innig dankbarer Vetter
FriedrichFröbel