Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karoline Prinzessin von Schaumburg-Lippe in Rudolstadt v. 21.4.1841 (Blankenburg)


F. an Karoline Prinzessin von Schaumburg-Lippe in Rudolstadt v. 21.4.1841 (Blankenburg)
(BN 624, Bl 4-5, hier: 4V-5V, dat. Entwurf 1 B fol. 3 S. - Bl 5R enthält Zeugnisentwurf für Johann Friedrich Emil Menger v. 14.5.1841 und Briefentwurf an einen Superintendenten in Rudolstadt v. 14.5.1841.)

           Blkbg am 21 April 1841.


Durchlauchtigste Frau Prinzeß
Gnädigste fürstliche Frau.

Ew. Hochfürstliche Durchlaucht äußerten huldvoll und theilnehmend
am ersten Osterfest den Gedanken: daß vielleicht des regirenden
Herrn Herzogs von Dessau Durchlaucht für den Entschluß zu ge-
winnen sey, zu dem im künftigen Monat hier beginnenden oder zu
einem späteren Bildungscurse für umfassende Kinderpflege einen
jungen dazu fähigen jungen Mann seines Landes zur Ausführung
und Leitung eines Kindergartens in Dessau hierher zu senden.
Durch diese gnädige Äußerung Ew: H Durchlaucht veranlaßt erwog
ich die mir bekannten Verhältnisse Dessau's und mußte als Ergeb-
niß einsehen, daß es ganz gewiß bey der ehrenvollen Stellung, welche schon
früher Dessau in der Wirksamkeit für Erziehung einnahm und noch
einnimmt, es gewiß eine recht erfreuliche Vervollständigung für Dessaus
menschenbildendes Wirken und Bestreben seyn würde in des Herrn
Durch Herzogs Durchlaucht nicht nur jenen Entschluß hervorzurufen, son-
dern ihn auch für dessen Ausführung zu gewinnen. ; indem Dadurch
würde nicht nur Dessau's gegenwärtiges erziehendes Wirksamkeit ein
Fundament erlangen würde was mir scheint ihn noch zu mangeln scheint
sondern als dadurch auch auch dem Geiste der die den Menschenwesen angemessenere
Erziehungsweise zuerst früher dort anbahnenden Basedow und als besonders auch
dem des hohen Beschützers beyder, jenem edlen Herzoge von Dessau
ein Denkmal gesetzt, und jener eine Fortwirkung gegeben würde,
welches nur seegnend auf Fürst und Volk, auf Stadt und
Land zurück wirken müßte.-
Um nun Ew. Durchlaucht zu einer so gewiß seegensreichen An-
regung, die von HöchstIhnen vielleicht selbst gewünschten Thatsachen
in die Hand zu geben, wage ich es Höchstdenselben das letzterschienen[e]
Rudolstadter Wochenblatt so wie eine frühere Anzeige von
mir, welche b[e]yde auf diesen Bildungscurse Bezug hat, unterthä-
nigst zu überreichen; auch in Abschrift den Auszug aus dem Briefe
des Herrn Gerichtsdirectors Otto Heubner zu Mühltroff nächst
Plauen im königl. sächsi. Voigtlande beyzufügen, welcher sich
besonders auch des gnädigen Beyfalls der durchlauchtigsten Frau Fürstin
Mutter
erfreute. /
[4R]
Noch wage ich einige besondere Abdrucke der gedachten jüngsten
Anzeige so wie der früheren unterthänigst beyzulegen, im
Fall es Ew: Hochfürstlichen Durchlaucht gefallen wünschen sollte, davon
weitern Gebrauch zu machen.
Wenn von verschiedenen Punkten aus Fürsten, Regierungen u Behörden - bey dem allgemeinen Anklang, welchen die Sache wirklich
ihres unverrückbaren Werthes halber findet - bestimmt werden könnten, junge Männer oder um sie zur Ausführung und Leitung von Kindergärten
auszubilden, hierher zu senden, so wäre dieß das aller wirksamste Mittel, um den Gegenstand wie in seiner Quelle so nach allen Seiten hin
auf das Fördersamste zu unterstützen.
In Hinsicht Was auf die Ausführung des deutschen Kindergartens in
Blankenburg bin ich hochbeglückt, Ew Hochfürstlichen Durchlaucht
und höchstIhrer fürstlichen Frau Schwester der Durchlauchtigsten Frau
Fürstin Mutter, die erfreuendsten Hoffnungen aussprechen zu können.
Durch die gläubigen und erhebenden Worte, von HöchstIhnen beyden
mir ausgesprochen, ermuthigt habe ich im unumwandelbaren Gott[-]
vertrauen den baldigen Gedanken einer baldigen Verwirklichung
dieses sich der allseitigen, mindestens der seelenvollsten Wünsche, erfreu-
enden Unternehmens völlig in mir Raum gegeben und für dessen
Ausführung in diesen Gesin[n]ungen sogleich zu wirken begonnen. und
Es ist mir dabey auch alsbald so viel thatsächlich fördernde Theilnahme
entgegengekommen, daß sich in mir nun die freudige Hoffnung in mir noch
mehr belebt und gesteigert hat, es werde vielleicht noch
in diesem Sommer noch an die wirkliche Ausführung die Hand zu legen
möglich seyn. In diesem Augenblick ist jedoch alles noch in
der ersten stillen Entwickelung, die ich ruhig ihren Gang gehen
lassen muß, <auf> daß es mir also jetzt noch nicht vergönnt ist
etwas besonderes darüber zu auszusprechen zu können, doch hoffe ich
daß sich schon im Laufe der nächsten Woche etwas bestimmtes
deßhalb entscheiden wird und es wird mir die beglückende Pflicht
seyn Ew: Durchlaucht und HöchstIhrer Fürstl. Fr: Schwester
sogleich davon Rechenschaft (abzulegen) zu geben.
Bey diesem, wie ein geistiger Frühling, wie ein reiner Frühling
der Menschheit sich entwickelnden schönen Hoffnungen, welche -
was mein Gemüth wohl so sicher als schüchtern ahnete - am
ersten Tage des Auferstehungsfeste[s] mir zu keimen begannen, empfehle
ich das noch so zarte Kindlein vertrauensvoll Ew Hoch-
fürstlichsten Durchlaucht und der Durchlauchtigsten Frau Fürstin Mutter ferneren
huldvollen Mutterliebe u Muttersorgfalt, denn ein hoher Frauensinn
und solches Frauengemüth vermag die Keime des Menschheit Heiles
genügend zu pflegen.- /
[5]
Dieß erscheint auch jetzt als allgemein anerkannt. So wurde
mir jüngst durch einen glücklichen Zufall ein im vorigen Jahr heraus[-]
gekommenes Buch bekannt "Mittheil[un]gen über Kleinkinderwahranstalten und
aus denselben["] (von einem gewissen Wirth Oberleiter der 3 Kinderbewahr
Anstalten in Augsburg) bekannt.
welches in gleichem Bewußtseyn Ihrer Majestät der regierenden Königin
von Dannemark [sc.: Dänemark] gewidmet ist.
Wie wurde ich freudig überrascht, als ich darinn auch sehr ausführlich
unserer Blankenb[ur]ger Anstalt erwähnt fand, und zwar auf die gemüthvol[l]e
sinnige Weise wie ihrer der allgem: Anzeiger der Deutschen und die Didaskalia
Blätter für Geist, Gemüth u Publizität, gedru[c]kt, indem auch der Heraus-
geber des Buches als Anmerkung noch achtend freundliche Worte hinzugefügt <hat>.
Ich zweifle nicht, daß dadurch geleitet Ihre Majestät die Königin von
Dannemark auch der Darstellung selbst einige theilnehmende Aufmerksam-
keit geschenkt hat.
Solche Blicke, die gewiß, auch auf das Ganze gelenkt, auch da gewiß für dasselbe meist förderlich
mitwirken werden, können mich nur ermuthigen, als treuer Diener des Gedankens
an dessen Ausführung die größte Sorgfalt zu wenden, des Gedankens
von welchem der Abbé <Kaspar Burgbruchtner> in dem eben erwähnten Buche S. 184 sagt:
Dieser Gedanke schließt keine gesellschaftlicher Wiedergeburt
in sich, u trägt augenscheinlich den Charakter eines jener großen
Mittel, die von Gott angewandt wurden, um in gewissen
Zeitpunkten die Vervollkommnung des Menschengeschlechtes zu be[-]
fördern.
Vertrauensvoll empfehle ich
Mit den Gefühlen reinster Ehrfurcht Ihrer Hochfürstlichen Durchl. der Fr: Fürstin
Mutter und
Ew Hochfürstliche Durchlaucht
Unterthänigster