Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Gottlieb Becker / Redaktion des Allgemeinen Anzeigers der Deutschen in Gotha v. <um> 26.4. 1841 (Blankenburg)


F. an Friedrich Gottlieb Becker / Redaktion des Allgemeinen Anzeigers der Deutschen in Gotha v. <um> 26.4. 1841 (Blankenburg)
(Erhalten sind zwei undatierte Dokumente zu diesem Brief: a) ein ausführlicher Entwurf BN 717, Bl 15-16, 1 B 4°2 ½ S. und b) ein knappes Reinschriftfragment BN 717, Bl 17, 1 Bl 8° quer 1 S. - Zur Datierung: Briefliste vermutet irrig 1839. – F. weist auf das Spielfest Karl Schneiders am „5en d. M.“ in Frankfurt/M hin, das laut Brief F.s. an F. Schmidt v.4.4.41 „morgen“ , also am 5.4. statt fand. Wie im Brief an Kohl v.26.4. wird auch hier eine Anzeige bez. des Kindergarten in Sondershausen offeriert.- 15V ist der Rand rechts teilweise abgebrochen, daher Textergänzung.)

a) Entwurf

Hochverehrter Herr Senator.

Sie haben mir gütig und theilnehmend erlaubt Ihnen von Zeit zu Zeit Nachricht von dem Fort-
gange meiner erziehenden Bestrebungen zu geben; in dieser Beziehung bin ich frey Ihnen ange-
schlossen die weiter erschienenen Nummern des SonntagsBlattes, so weit solche eben vor mir
liegen ergebenst zu übersenden. Ich hoffe daß Sie mir den stillen Wunsch der sie begleitet nicht
übel deuten werden, daß den Wunsch es möge Ihnen nach geneigter prüfenden Durchsicht derselben gefallen möge das
scheue und noch blöde Kind deutschen Gemüthes und Geistes da als Spielgenosse freundlich ein[-]
zuführen wo es gerne heimisch seyn möchte, in Familien und in Kleinkinderbewahranstalten.
Nach den mir bis jetzt zu Kunde gekommenen Aussprüchen einfacher Wahrheit soll es überall, wo es, [als]
Begleit seiner Spiele und deren Geist, vertrauend aufgenommen worden ist, ein, Freude und reines
Kinderleben entwickelnder Gast gewesen seyn. Ja, hochverehrter Herr Senator! Ich darf es Ihnen
dem, an der Sache der Kindheit und so der, der aufkeimenden Menschheit, so förderlichen Antheil nehmen
den Manne, ohne fürchten zu müssen mißverstanden zu werden, gewiß aussprechen, daß sich der
Geist der erziehend und bildend[en] Wirksamkeit der Spiel-Spielweise, der Kinderbeachtung und
Kinderpflege, welchen das Sonntagsblatt das Wort redet, in größerer und kleinerer Anwendung
bis jetzt überall, man darf in Wahrheit sagen, über Erwarten bestätigt hat. So sind neu-
erdings wieder in Gera am 13 Jenner d. J. nachdem die Spiele sich vorher in ihren bildenden Eigenschaften in Familien bew[ährten] zur Vorbereitung eines umfassenden Kindergarte[ns]
Spielstunden in dem von mir mehrfach dargelegten Geiste mit 16 kleineren Kindern, durch den freyen Zusammentritt mehrerer Eltern und
Verbindung mit einer Töchterschule eröffnet worden. Seit jener Zeit ist die Anzahl der theilneh-
menden Kleinen auf 24 gestiegen. Die vor mir liegenden reichhaltigen und ausführlichen
Nachrichten sprechen sich über den Erfolg und die Wirkung der von mir angebahnten angewandten Spiele [und]
Spielweise auf eine so günstige als einfache, die Thatsachen selbst vorführende Weise, aus
daß ich wohl wünschte, Ihnen dem prüfend theilnehmenden Manne, die OriginalMittheilungen [da-]
rüber vorlegen zu können. Vergönnt es mir aber die Zeit, so füge ich wenigstens ein paa[r]
Auszüge aus den Nachrichten der Mitbegründerin und Führerin dieser Anstalt abschriftlich hier [bey.]
Ebenso sind die Nachrichten von dem Fortgange der Spiel- und Beschäftigungsanstalten, der [Kinder-]
gärten zu Frankfurt a/M stetig gut. Am 5en d. M. feyerte die Anstalt des Herrn K. Schn[eider]
zum Schluß des Winterhalbjahres ein Spielfest. Vielleicht ist es mir vergönnt darübe[r]
etwas öffentlich mitzutheilen. /
[15R]
Der Kindergarten in Rudolstadt hat bis jetzt gleichfalls den erfreulichsten Fortgang; und
es wird mir auf die glaubhafteste Weise die steigende Zufriedenheit der zum Theil streng
prüfenden, theilnehmenden Eltern ausgesprochen. Was wohl um so wichtiger ist als keine
Stunde vergeht wo nicht mehrere die Spiele ihrer Kinder theilende Mütter gegenwärtig
sind. Ich wünschte wohl, daß Sie das, was mir darüber von Vätern, Müttern und Anderen
mitgetheilt worden ist, persönlich gehört hätten, weil ich es Ihnen nicht einmal wiederholen
mag um nicht einen falschen Schein auf mich zu laden.
Auch weitere neue Entwickelungen begründen sich, so hat sich das hohe und edle Fürstenpaar
zu Sondershausen entschlossen einen vollständigen Kindergarten in Sondershausen auszuführen
und demgemäß gegen die Mitte des nächsten Monats einen jungen gebildeten kinderlie-
benden Mann hierher zu senden um sich hier zur Leitung und Führung eines wahren Kindergar-
tens auszubilden.- Hierauf bezieht sich denn auch die Anzeige welche ich mir erlaube
zur Aufnahme und zum Abdruck in dem Allgem: Anz. d. Deutschen, hier beyzulegen.
Ich weiß recht wohl, daß dieß als Abdruck eigentlich blos Sache der Expedition des
Blattes ist; allein ich wage es mich auch damit an die verehrliche Redaction zu wenden,
da ich weiß daß bey derartiger öffentlicher Mittheilungen nicht einmal der Platz auf
<welchen und nach voriger die hier in welchen sie aufgenommen> wird gleichgültig ist
und ich deßhalb Sie, so gütig als förderlich theilnehmender Herr Senator wohl bitten möchte den
Gegenstand abermals auf die freundliche Weise wie im April 1829 in Ihr Blatt aufzunehmen; indem ich ja hoffen darf,
daß Sie die Überzeugung in sich tragen sich nicht für eine persönliche noch weniger industrielle
und merkantilische, sondern für eine reine Sache der Menschheit mindestens der auf[-]
keimenden Kindheit zu verwenden und dieselbe schlechterdings auch gar keine andere Stütze
hat als ihre innere Wahrheit und den Wiederhall derselben in jedes einzelnen Menschen
Brust, also - die öffentliche Stimme.
Ich darf es Ihnen hochverehrter Mann kühn aussprechen, Hunderte von <wohl> nur mir bekannten
Herzen in allen Städten von dem höchsten bis zu dem geringsten schlagen der allgemeinen Verbreitung des Gegenstandes entgegen allein es fehlt uns
an einem öffentlichen Vertreter des Gegenstandes an einer diese[r] Herzen u Gesi[n]nungen eigenen öffentlichen Stimme derselben
denn daß es aber ein Gegenstand ist der wirklich in seiner Wichtigkeit von lebenserfahre-
nen und denkenden, das Wohl der Kindheit und unseres Volkes wünschenden Männern
erkannt und anerkannt ist, davon kommen mir mehrseitig die sprechendsten Beweise.
So erlauben Sie mir in der Abschrift Ihnen den Auszug aus dem Briefe eines Mannes,
des Herrn Gerichtsdirectors Otto Heubner in Mühltroff nächst Plauen beylegen zu
dürfen, eines Mannes dem die Bildung der heraufwachsenden Jugend unseres Volkes Herzens[-]
und Lebensangelegenheit ist, ein Mann von ächt deutscher Geradheit, welcher Ihnen vielleicht
aus und durch dessen Beschreibung des Gutenbergs[-] und Turnfestes zu der Stadt Plauen, bekannt ist.- /
[16]
Was die weitere Anwendung und Verbreitung der von mir aufgestellten Spielmittel
betrifft, so darf ich mir die Freude nicht versagen Ihnen auch mitzutheilen, daß mir von
einem Freunde aus Frankfurt a/M geschrieben worden: in Breslau seyn solche in den Klein-
kinderschulen eingeführt worden; was uns auch glaubhaft ist indem so wohl von hier als
von Keilhau aus, darüber ganz bestimmte Mittheilungen nach Breslau gekommen sind.
Bey dieser Veranlassung erlaube ich mir auch anzufragen, ist wohl von den Spielen,
welche ich durch Ew: Wohlgeboren an die Kleinkinderbewahranstalt zu Gotha zu senden
hatte, in dieser Anstalt Gebrauch gemacht worden und mit welchem Erfolge?- Da diese
Spiele aus dem Leben und aus der That hervorgegangen sind, so pflanzt sich ihre weitere An-
wendung ohne Anschauung des Gebrauches nur schwierig fort, besonders wenn man dabey nicht
den Forderungen der Entwickelung des Kindes streng nachgehend ist seyn kann [Text bricht ab]

b) Reinschriftfragment

[17]
Hochverehrter Herr Senator.

Sie haben mir erlaubt Ihnen von Zeit zu Zeit Nachricht von dem Fortgange meiner erziehenden
Bestrebungen zu geben; in dieser Beziehung bin ich so frey Ihnen angeschlossen die weiter er-
schienenen Sonntagsblätter so weit solche eben vor mir liegen, zu übersenden. Möchten
Sie solche bey geneigter Durchsicht derselben geeignet finden um das Ganze, wegen des Geistes
der darinn aufgestellten Kinderspiele und Spiele überhaupt Pflege- und Beachtungsweise kleiner
Kinder, sowohl Familien als Kinderbewahranstalten als ein entsprechendes Hülfsblatt zu nennen,
indem sich besonders auch der Geist und die erziehende überhaupt bildende Wirksamkeit dieser
Spiele in beschränkter und ausgedehnterer Anwendung nach den mir bekannt gewordenen Erfahrungen
[Text bricht ab]