Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 25.7.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 25.7.1841 (Blankenburg)
(KN 56,12, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.)

Blankenburg am 25en July 1841.


  Meine theure, liebe Muhme

Was haben Sie zu meinen jüngsten zerstückelten und wohl
kaum lesbaren Zeilen - von denen ich dennoch wünsche, daß
solche zu rechter Zeit in Ihre liebe Hand gekommen seyn
mögen, - gesagt?- Ich war so im Drange der äußeren Störungen,
daß ich nur als schnelle Antwort auf Ihren lieben, lieben
Brief Ihnen die Worte schreiben wollte: - "Halten Sie Ihren
gefaßten schönen Vorsatz, mich und uns zu besuchen, ja fest,
kommen Sie bald, kommen Sie zum nächsten Sonntag zum
1en August wo der musikalische Kreis meiner Keilhauer
Erziehungsanstalt im Verein mit einigen der ersten
Musiker Rudolstadts zum Besten der armen Kinder Blan-
kenburgs, welche meine Spielstunden besuchen, ein Concert
geben wird, dessen Ausführung wie ich hoffen darf, auch
Ihnen meine theure Muhme Freude machen wird." Diese
wenigen Worte wollte ich Ihnen nur eiligst schreiben - allein
ich war durch Besuch und durch, sich zusammendrängende Um-
stände so gestört, daß ich solches nicht einmal klar zu Papier
bringen konnte; mögen Sie mir deßhalb verziehen haben
oder wenigstens nun verzeihen und mögen sich Ihre gesammten
Verhältnisse so ordnen lassen, daß Sie meinen herzinnigen
Wunsch erfüllen können. Ich kann Ihnen gar nicht sagen
wie sehr ich mich nach einem Besuch in Ihrer lieben Familie gefreut
habe und um mich besonders über, ich darf ja mit so freudiger
Gewißheit sagen - unser gemeinsames Wollen und Wirken
bey den und für die lieben Kleinen und die Kindheit überhaupt /
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zu besprechen und nun soll es hier geschehen können, wie freue ich mich darauf, alle meine hiesige Thä-
tigkeit hat darauf Bezug, all die wenigen Personen welche
gegenwärtig hier sind haben sämtlich den gleichen einen Zweck
erster Kinderpflege, früher Kindererziehung wie soll uns da
keine Stunde für den Gegenstand unserer Mittheilungen
und unseres gemeinsamen Verständnisses verlohren gehen.
Zwar hätte ich recht gern gesehen, wenn in den Kranz dieses
wie ich sicher hoffe schönen Einverständnisses auch all Ihre
lieben Mitpflegenden, Ihr Herr Gema[h]l diesen Ihr schönes
Wirken theilenden Herrn Collegen besonders auch Herrn Müller
und ganz namentlich der Herr Pastor Lang getreten wären
doch dazu findet sich sicher noch später Gelegenheit und wird sicher
durch Ihre eigenen Mittheilungen an dieselben geschehen.
Jetzt freue ich mich nur recht sehr darüber und darauf daß
wir beide; Sie theure Muhme und ich, uns klar verständigen
und in unseren, wenn auch getrennten doch gemeinsamen Wirken
recht innig einigen können. Ich weiß gar nicht warum ich
mich so sehr darauf freue; es ist mehr als wenn dann die
Grenzen und die Entfernungen zwischen Gera und Blanken-
burg schwinden würden und unser Wirken dann auch äußer-
lich ein gemeinsames und so sich gegenseitig förderndes, erheben-
des und vervollkommendes; ja von allem andern ein um
so mehr ins Leben eingreifendes werden würde. Wie das
erste sehe ich freylich nicht ein; allein ich spreche Ihnen offen
mein Gefühl und meine Freude darüber aus. Allein
eines muß ich Sie vor allem bitten, kommen Sie ja und ja
mit stark verminderten Erwartungen von hier, ich bitte gar
sehr darum, nichts wirkt nachtheiliger auf das Gemüth und
auf Einigung als die Teuschung; ich aber wünsche jene und deßhalb /
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wünsche ich letztere so fern als nur möglich. Mein Wirken hier
ist aber viel unvollkommener als das Ihrige, denn nur ein solches
Frauengemüth ein solcher Muttersinn wie der Ihre und das Ihre
wirkt; da ist viel schöneres Leben als wo überwiegend Mannes-
geist herrscht, wenn auch wohl, was vielleicht noch der Fall seyn
könnte, ich aber nicht einmal bey mir voraussetzen mag - einige
Formen, klarer und bestimmter hervortreten. Das Leben, die Liebe
der Frauensinn und das Muttergemüth sind das wahre Ele-
ment für das Kindheit Leben und Kindheit Entfalten und dieß
alles reichen Sie Ihren lieben Kindlein in so reichem Maaße
in so schöner Gestalt. Nun wir wollen aber nicht so streng
gegen einander abwägen, sondern uns gemeinsam des Lebens
der Kinder freuen. Kommen Sie nur. Allein eine volle Woche
bleiben Sie doch wenigstens hier, nachher besuchen wir Keilhau,
Königsee, Paulinzella, Schwarzburg und s.w. Doch wir wollen
keine festen Pläne machen, sondern uns willig an den freundlichen
Gaben der günstigen Horen erfreuen.
Noch eines, der hochgeehrte Vetter Ihr lieber Mann wird
Ihnen beschreiben, daß meine Wohnung noch vor der Stadt
und da ist, wo man eben über die zweyte die eigentliche
Schwarza Brücke fährt. In dem Sie erwartenden Stübchen
finden Sie wie ich schon erwähnte Ihre liebe Familie in
der Erinnerung wieder, möge es Ihnen dadurch ein Wenig
lieb werden.
Alles worauf ich noch zu antworten hatte sey auf
mündliche Mittheilung verschoben. Mit den freundlichsten
Grüßen an all die lieben Ihrigen mit der frohen Hoffnung
im Herzen Sie bald persönlich bey sich zu sehn
             Ihr
aufrichtiger Vetter FrFröbel /
[2R]
[leer]