Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 2.8.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 2.8.1841 (Blankenburg)
(KN 56,13, teildat. Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. Die Lücke in der Datierung deutet darauf hin, daß F. das genaue Datum nachtragen wollte und das dann vergessen hat. Abschrift des Briefs im BlM F 1058, Kasten 2, 38 trägt das Datum 2.8.1841.)

Blankenburg bey Rudolstadt am [Lücke: 2.] August 1841


Meine theure, liebste Muhme

Offen will ich es Ihnen gestehen, daß ich heut mit Sicherheit auf einige
liebe Zeilen von Ihnen hoffte welche mir Ihre glückliche Ankunft
zu Hause und den frischen freudigen Empfang von all den lieben Ihrigen
besonders des hochgeschätzten Vetters melden würden; doch jetzt ist
die Berufabgabe vorüber, so daß ich nun nichts mehr zu erwarten
habe, darum will ich wenigstens nicht versäumen Ihnen zu sagen
daß ich das hausfrauliche Leben, daß ich besonders Ihr häusliches
Leben Ihren stillen häuslichen Sinn, Ihre mütterliche Pflege, Ihre
innige Lebenstheilnahme seit Ihrer Abreise recht sehr vermisse.
Eigentlich habe ich Ihnen nichts als dieß zu sagen und dennoch könnte
ich den ganzen Brief darüber schreiben, deßhalb aber sage ich nichts
mehr darüber.- So sehr mich nun auch einige Zeilen von Ihnen
erfreut haben und mir Ihre Abwesenheit weniger fühlbar ge-
macht haben würden, so begebe ich mich doch gern der Erfüllung
meines Wunsches da ich mir wohl sagen kann daß mir 14 Ta-
ge Abwesenheit der Gattin, Mutter, Hausfrau und Kinderpfle[-]
gerin eine Menge Anforderung an die ersehnte Wiedergekehrte
gemacht haben wird.
Besuch habe ich wieder mehrfach gehabt, so unter andern auch aus
Plauen, wo nun zu hoffen ist daß auch ein Kindergarten erstehe.
In Gera sollen 2 Familien Kanz und Hänlein glaub ich,
seyn welche mit Plauen in Verbindung stehen. Stehen die
Frauen dieser Familien mit Ihnen im freundlichen Verkehr?-
Mit der Gesundheit unserer Fr: Pastorin Richter geht es
immer besser. Gestern Nachmittags war sie in der Gesangs-
stunde gegenwärtig. Fräulein Günther will noch nicht völlig erstehen. /
[1R]
Unsere Engländerin nimmt an allem thätigen Antheil, ist aber auch
viel in Keilhau wo sie der Geist der Anstalt in mehrfacher
Beziehung festhält.
Als ich vor einigen Tagen nach Keilhau kam ertönte es mir so-
gleich entgegen daß Sie liebe Muhme auch da sich die Herzen
namentlich der Frauen gewonnen haben, was mir gar sehr
erfreulich war.
Auch in Keilhau ist wieder mehrfach Besuch gewesen, so
eine Schwestertochter meiner lieben Schwägerin mit ihrem kleinen
Töchterlein und einem Bruder der ersteren, ihnen zur Freude
wurde die Glocke gesungen.
Beyliegend sende ich Ihnen 2 Ex. der versprochenen Anzeige
des Herrn Dr. Hermann von unserm Consist. Da Sie so
ganz wesentlich thätigen Antheil an unserer Spiel Aufführung
nehmen so gehört das darin darüber Ausgesprochene auch Ihnen
mit an.
Könnte man dieß vielleicht zu einer Anzeige von der
Sache in Ihr Gerasches Wochenblatt benutzen um vielleicht
die Musiker daselbst zu veranlassen auch einmal etwas
Musikalisches zur Förderung u Verbreitung der Kindergärten in Gera
aus- und aufzuführen.
Doch ich muß schließen damit Sie wenigstens unser
aller Grüße in diesen Zeilen empfangen. Ich erhalte
nun doch auch bald einige - aber deren nicht zu wenige
von Ihnen?
Mit herzlichen Grüßen an all Ihre lieben besonders
Ihren lieben Mann
           Ihr
stets gleich treugesinnter Vetter
        FrFröbel. /
[2VR]
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