Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Maria Catharina Dreyer in Brechten v.12.9.1841 (Blankenburg)


F. an Maria Catharina Dreyer in Brechten v.12.9.1841 (Blankenburg)
(BN 294, Bl 27 u 30V, undat. Entwurf 8° 3 S. auf gefaltetem Folioblatt mit Adressatangabe; datiertes Reinschriftfragment 1 Bl 8° 2 S. in BN 415, Bl 1. Der fehlende Schlussteil des Reinschriftfragments liegt im Entwurf vor.)

a) Entwurf

An Fr M Cath Dreyer


Liebe Muhme.

Allem zuvor einen herzinnigen
Gruß an Sie u Ihren lieben
hochgeachteten Mann u lieben
Vetter. –
Sie werden sich wohl
Sie waren es liebe
Muhme welche schon vor
fast 25 Jahren mich
ohne alles Wort von mir
in meinem Wirken
u Wollen verstanden
und in dieser Zeit
haben Sie sehr für ununterbrochen
daru für mein
Unternehmen auf
die mannichfachste
Weise wie fördernd gewirkt[.] /
[27R]
Was Sie frühe ahneten was Ihnen bald in
Ihrem <stillen> einfachen Gemüth klar wurde, daß [sc.: das]
scheint jetzt mehrfach in den Gemüthe[rn] der Frauen die
meinem Leben nahe stehen u es verstehen aufzugehen
u klar zu werden, so sehe ich mich denn mehrfach
von weibl[icher] Theilnahme u Frauen Sorgfalt unter[-]
stützt, so daß ich wirklich nun Hoffnung habe daß
meine Bestrebung in Erfüllung gehe u ich eine Muster Bildungs-
Anstalt für erste Kinderpflege d h. zugl[eich]
eine Bildungsanstalt für Kinderpflegerinnen Kinderm[ädchen]
u Kinderwärterinnen und zugl[eich] eine Pflegeanstalt
für kleine Kinder – einen deutschen Kindergarten
werde ausführen können. /
[30]
Schon sind edle Frauen der Stadt beschäftigt um Kleidungs[-]
Stücke für diese Armen Kinder welche an derselben Antheil
nehmen zu verfertigen pp. Vieles geschieht allein auch vieles fehlt
noch u vieles ist nöthig u manches fehlt noch so z. B. Leinwand
zu Hemdchen für die Armen Kleinen; da fiel mir dann ein wie
wie Ihre eingehende Theilnahme eins[t]mals auch hierinn Sorgen von uns nahm, u so komme
ich mit der Frage wenn es dürften wir Ihrer theilnehmend[en] Güte in Verein mit der Güte Ihrer Verwandten
Schwestern u Nichten wohl für unsere kleinen Kindlein wohl um
einige Leinwand zu Hemdchen für unsre K[in]d[er]
bitten. Ich will nicht sagen welchen Saamen Sie d[a]d[urc]h ausstreuen welche Pflänzchen sie [sc.: Sie] dad[urc]h
pflegen Ihr Gemüth sagt es Ihnen klarer u lebenvoller als ich es aussprechen kann.
Ich erlaubte mir blos jetzt diese Bitte aus zusprechen weil Sie dad[urc]h daß ich
ho[f]fe daß Ihr lieber kl[einer]Vetter von der Mutter wieder hieher gebracht <werde> einsehen
wie auch in der Ferne gepflegtes Guthe <am> Ende doch auch für die Nähe fruchte
[27R] [*] bringt doch für Sie be[-]
deutet ja solche <Erfahrung> ja recht <einmal> [*]
wie Ihre Güte unbewußt aus in dem reinsten Interesse uneigennützigsten Antheil an der guten für die an der guten Sache eine Wirkung förderte woran auch die lieben Ihrigen Blum u Früchte pflücken [.]

b) Reinschriftfragment

[1]
An Frau Maria Catharina Dreyer geborene Middendorff
zu Brechten.


Blankenburg bey Rudolstadt am 12 Septbr. 41.


  Liebe Muhme.
Allem zuvor einen herzinnigen Gruß Ihnen, Ihrem
hochgeschätzten Mann, meinem werthen Vetter
und all den lieben Ihrigen.
Sie waren es, liebe Muhme, welche schon vor
25 Jahren mich, ohne alles Wort von mir, in
meinem Wollen und Wirken, rein aus Ihrem
klaren Gemüth verstanden, und seit jener Zeit
habe Sie ununterbrochen für mein Werk und
Unternehmen auf die mannichfachste Weise wesent-
lich fördernd mitgewirkt; darum glaube ich nicht
daß Sie mir es übel deuten werde[n], wenn ich mich in
Angelegenheit desselben unmittelbar an Sie
wende mindestens Ihnen selbst einige Kunde da-
von gebe.
Was Sie früh ahnten, was Ihnen bald in
Ihrem einfachen Gemüth klar wurde, das scheint
jetzt mehrfach in den Gemüthern der sinnigen
Frauen welche meinem Leben nahe stehen, aufzu-
gehen; so sehe ich mich denn gegenwärtig wirk-
lich mehrfach von Frauensorgfalt und weiblicher
Theilnahme unterstützt und habe nun wirklich /
[1R]
Hoffnung habe mein Bestreben in Erfüllung gehen
zu sehen und eine Musterbildungsanstalt für
erste Kinderpflege und frühe angemessene Kinder-
beachtung, Behandlung und Erziehung, verbunden mit
einer Bildungsanstalt für Kinderpflegerinnen: Kin-
derwärterinnen und Kindermädchen - welches ich
in seiner Verbindung "deutscher Kindergarten"
nenne - ausführen zu können.
Durch den Erfolg eines Concertes welches die Keilhauer
Erziehungsanstalt im Verein mit einigen der vorzüg[-]
lichsten Musiker Rudolstadts, wie Sie vielleicht durch
Ihre liebe Sophie oder <Wilm[a]> gehört haben, am 1[.] Aug:
hier in Blankenburg gab, konnte der Gedanke fest
gehalten werden für die Bekleidung der ärmeren
Kinder welche den Kindergarten besuchen, Sorge
zu tragen und schon sind viele der achtbaren und
edlen Frauen und Jungfrauen des hiesigen Städtchens
wieder in innigem Vereine mit menschenfreundlich
gesinnten weiblichen Badegästen damit beschäftigt
für jene bezeichneten armen Kinder Kleidungsstücke
zweckmäßig und einfach vom Schnitt und von Zeug zu
verfertigen. Vieles geschiehet und gar manches ist
schon geschehen; Beyträge an Zeug und Kleidchen sind
schon eingegangen andere sind uns noch in Nähe und
Ferne zugesichert allein vieles ist auch noch nöthig
und manches fehlt noch fast ganz so z.B.
Leinwand zu Hemdchen für die armen Kleinen.
Da fiel mir dann ein wie einstmals, theure Muhme,
Ihre eingehende Theilnahme auch hierinn eine
große Sorge von uns nahm, wie Ihre Güte in dem [Text bricht ab]