Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 7.11.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 7.11.1841 (Blankenburg)
(GSA 96/4239a, Brieforiginal 1 B 8° 2 S.+Adr.)

Blankenburg b. Rudolstadt am 7 Novbr 1841.


Innig hochgeschätzte liebste Muhme.

Es hat mir fast Leid gethan, daß Sie glauben konnten Ihre ver-
neinende Antwort in Beziehung auf eine Anfrage wegen M.
H. könne irgend störend auf mich einwirken. Das Urtheil
und die Bestimmung einer achtungswerthen Hausfrau in Beziehung
auf die Führung und Einrichtung ihres Hauswesens hat für mich
schon ein solches Gewicht daß selbst eine fühlbare hemmende Ein[-]
wirkung in mein eigenes Leben <daran> [sc.: darum] nicht störend auf mich
und besonders mein Gemüth einwirken kann, wie vielmehr
noch wenn solche Bestimmungen von Ihnen ausgiengen; überdieß lag
meiner Frage keine bestimmte Erwartung im Hintergrunde.
Doch darüber genug, wie sich M.s Schicksal entwickeln wird
weiß ich noch nicht, in diesem Augenblick ist sie noch in dem
Hause der Fr: Superintendentin, wo sie wie ich glaube tüchtig
dran muß, was ihr wohl sehr wohlthätig ist.
Nun zu einem zweyten als dem zweyten Grunde meines heutigen
Briefes an Sie liebe Muhme. Sie mit Ihrem ganzen Hause
Mann und Kinder nehmen so freundlich gütigen Theil an mei-
nem Leben daß ich hinwiederum auch alle meine wichtigen
Lebensbegegnisse gern mit Ihnen feyre, und so lade ich Sie
auch ein dieß im Gedanken mit mir nächsten 13 u 14n d. Mon[.]
zu thun. Am 13' ist nemlich der 25jährige Gründungs- oder
Stiftungstag der allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt zu Keil-
hau; die Anstalt wird diesen Tag ohne Zweifel ganz still
an dem darauf folgenden Sonntag also heut über 8 Tage feyern.
Ich persönlich hoffe ihn dadurch zu feyern, daß ich ohne Zwei-
fel Sonntags den 14 ganz frühe von hier abreise um /
[1R]
in Hildburghausen den Saamen zu einer neuen Wirksam[-]
keit, mindestens zu einem ächten Familiengarten auszu[-]
streuen. Von der Sache und der Wirksamkeit selbst
weiß ich persönlich selbst noch so wenig, daß ich noch
nichts darüber schreiben kann. Ich bin von einer Fa-
milie dazu auf einige Zeit eingeladen und mein
Aufenthalt in H. könnte darum wohl einen Monat
dauern. Herr Middendorff mit der Fr. Pastor Richter
ihrer Schwester Lina Günther, Menger u.s.w[.] werd[en]
dann einstweilen hier das Ganze fortführen, welches
auch still u langsam einer weiteren Entwickelung ent-
gegen geht. Herr Middendorff ist in dieser Beziehung
heut nach Gotha zu dem Verleger des Allgem: Anzeigers
gereist und gestern Abend bekam ich aus Weimar
die Nachricht, daß sich der Großherzog von Weimar
entschlossen hat 5. Actien zu unterzeichnen; auch sonst
sind jüngst noch einige hier angegangen [sc.: eingegangen] so daß die
Anzahl derselben jetzt zwischen 125 und 130 seyn mag.
Wollen Sie mir nicht die Freude machen und mir
zum 14 nach Hildburghausen schreiben und zwar poste
restante, so daß ich Ihren lieben Gruß dort vor[-]
fände. Aber überschreiben Sie den Brief ja und ja
nicht an den Professor, bitte recht sehr, sondern blos
an Friedr: Fr: Nochmals nur nicht Professor, ich bin ja
weder Dr noch Professor.
Ihren l. Söhnen meinen Dank für die Freude die sie mir durch
ihre Figuren gemacht haben, und ihnen meinen Gruß,
so ganz vor allem Ihrem lieben Mann dem hochgeehrtesten
Vetter, Herrn Prediger Lang und Herrn Müller. Wie geht
es mit Hrn L[an]gs Verwahranstalt. Immer Ihr treusinniger Vetter
FrFröbel

Ist Herr Buri noch da so grüßen Sie ihn von mir und kehrt er zurück so bitte ich in Burgdorf meinen Neffen
und in Bern Herrn L[ang]ethal von mir zu grüßen. /
[2]
[leer] /
[2R]
[Adresse:]
Ihrer Wohlgeboren
der Frau Mag. Frd. Schmidt
geborene Hoffmann
          in
Gera
frey!