Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 14.11.1841 (Hildburghausen)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 14.11.1841 (Hildburghausen)
(BN 566, Bl 6-7; Brieforiginal 1 B 8° 3 ½ S. + Adresse, mit Bleistift geschrieben)

Hildburghausen am 14 Novbr 1841 Abends 9½ Uhr


           Mein theurer Middendorff

Nun ist der Lebenswichtige Tag bald vorüber ! wie werdet Ihr ihn
erlebt haben oder vielleicht erst noch beschließen. Ich kann zunächst
nur sagen, daß ich hier bin, daß ich heut zwey sehr gesunde
kräftige Kinder gesehen habe, die kleine einjährige Luise Litz
in Eisfeld und den kleinen 2½ jährigen Max <Herr>, beyde waren
freundlich zutraulich und hatten einen sehr reinen kindlichen
Ausdruck; dieß sind für mich am heutigen Tage die schönsten und
bedeutungsvollsten Gaben geben [sc.: gewesen]; dann habe ich wohl bey
äußerlich oft häßlichen stürmischen Wetter dennoch einen
Tag in einer selten schönen Natur verlebt. Um nur etwas
mit dem was ich thun wollte zu Rande zu kommen hatte ich
die ganze Nacht hindurch gepackt und gekramt und war
natürlich sehr müde, daher schlief ich fast vom Hause
weg bis gegen Mellenbach hin wo auch das Morgenlicht
bestimmt hervortrat. Welch schöne Natur aber umgab
mich da! Schon vor Schwarzburg in dem schönen Tannenwald
pfiffen und riefen die Meisen. Nun aber welches frische
dunkle Grün zeigte der Nadelwald, welches helle Grün
die Wiesen. In der Gegend von Blumenau bis gegen
die Schwarzemühle und Katzhütte erreichte dieß im Ganzen
besonders auf der Mittagsseite seinen höchsten Glanz
und mit Schnee leicht bedeckte Höhen leuchteten von Oben[.]
War es nun schon schön bis Katzhütte wie viel schöner
wurde es hinter diesem Orte, und immer höher hinauf bis
gegen Scheibe und noch höher hinauf bis auf den
Rennsteig des hohen Thüringer Waldes. Keilhau habe
ich wohl schon oft schön im schneeigen Weyhnachtsschmu[c]ke
gesehen allein so schön noch nicht. Die Nadelbäume
mit einer seltenen Frische des Grünes, wie im /
[6R]
Frühlinge nur dicht mit Schnee querhandhoch bedeckt, die Wasser von allen Seiten strömend
und schäumend
eine Perlenschnur größerer und kleinerer Wasser[-]
fälle und die Ufer mit Plätzen glänzend in Äther[-]
glanz wie der schönste Smaragd, dann weiter
hinauf alles bedeckt mit Handhohen ja Fuß spann-
hohen Schnee, die Bäume sich soch gleich Pyramiden
wie sonst zu Weyhnacht unter ihrer Last beugend
dabey vom Wagen hinaus eben nicht kalt und immer
das hastig und sprudelnd, ja schäumend zur Tiefe
Ei eilende Wasser zur Seite, besonder[s] die
rauschende Werra; Nein! diese Schönheit läßt
sich kaum andeuten. Es war ein wahrhaft fest[-]
licher Tag ob man gleich kaum Leute sah. Wie würde
ich mich gefreut haben hättet Ihr ihn zugleich mit
mir verleben können, wie ich ihn ganz mit Euch
verlebte. Doch auch Ihr werdet einen schönen Tag
verlebt haben und ich freue mich sehr auf die Be-
schreibung desselben. Ich bin mit dem meinen
zu Ende, als daß ich wie M- sehr freundlich aufge[-]
nommen wurden und daß wir ein Glas Wein zum
Wohl des der zweyten 25 Jahre tranken.-
Nun zu den Geschäftssachen dieses Briefes
1., Erhältst Du beykommend den Mantel, gieb ihn
       den [sc.: dem] Schneider Hänold sogleich ab.
2. In 14 Tagen bis 3 Wochen werde ich vom Kürschner
       meinen Schlafpelz bekommen dann sende nur
       beydes zusammen durch den Fuhrmann Tanzberger
       aus Eisfeld, wenn ich dann nicht schon selbst zurück /
[7]
kehre.
3. Frage Frau Wolfram ob sie das Stückchen
       Zeug, den <Bund> an Frau Girbert abgegeben
       hat um es zum Kirschner zu bringen.
4. Ob durch die <Mörchen> der Brief zur Post ge-
       kommen.
5. Hast Du die 2 rth durch Menger empfangen?-
6. Frage ob der Tuchmacher Schulz aus Stadtilm dage[-]
       wesen ist und das Geld (22 rth) in Empfang genommen
       und dagegen eine Quittung gegeben hast [sc.: hat]. Nimm dann
       entweder das Geld oder die Quittung in Empfang.
7. Vergieß nicht mich bey der Frau Superintendentin
       zu entschuldigen.
8. Für Dich habe ich die Abhandlungen von Scheider, von
       Schneider und den Brief an Fr Mag. Schmidt zurück
       gelassen.
9[.] Und so weiß ich zunächst nicht mehr als Dich
       die Keilhauer - Frau Pastorin - Wetzels -
       Mengern u Stephani zu grüßen.
10[.] Doch noch eines: Laß auf dem Chrysopras das
       Essen absagen. Sag ich habe es im Vorbeyfahren
       thun wollen; allein alles habe noch geschlafen.
11. Wegen der zu zahlenden Rechnungen in dem
       nächsten Briefe. Ich habe eben als ich abreisen
       wollte den gewünschten Brief aus B. [sc.: Bern?]- noch
       erhalten. Mit Liebe Treue u Dank
DFrFr. /
[7R]
Sag der Frau Gerbert: Sie möchte mein Feder-
und Rassiermesser in Rudolstadt nicht vergessen
und dann sende es mir wenigstens mit dem Ma[n]tel
die eine Kiste halb mit Pap[p]deckel benagelt, gehört
nach Erfurt -

[Adresse, quer:]
Herrn Wilhelm Middendorff
Abzugeben in der Pulvermühle
zu
Blankenburg
nebst einem eingepackten Mantel