Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v.15.11.1841 (Hildburghausen)


F. an Friederike Schmidt in Gera v.15.11.1841 (Hildburghausen)
(Brieforiginal BLV, Kriegsverlust, ed. Lück 1929, 92-94. Ein Abschnitt fehlt.)

Hildburghausen am 15. Novbr. 1841.


Meine liebe teure Muhme.

„Geteilte Freud' ist doppelte Freude!“ Doch Sie meine
gütige Muhme, Sie haben mir mehr als doppelte, Sie haben
mir vielfache Freude gemacht, daß Sie meinen Wunsch so
freundlich erfüllt ja dem was ich ersehnte so gütig ent-
gegengekommen sind und mich in den für mich so fest- /
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lichen Tagen mit Ihrem lieben, lieben Brief erfreut haben;
möchte es Ihnen ein kleiner Dank und ein wenig Ersatz
für Ihre mir dadurch abermals geopferte Zeit sein wenn ich
Ihnen ausspreche, daß ich viel vermißt haben würde, wenn
ich gerad in diesen Tagen Ihre liebe Zuschrift und die
freundlichen Beweise Ihrer innigen Teilnahme entbehrt
hätte; es war meinem Gemüte gar zu wichtig diese Tage
gerad im Geiste mit Ihnen zu verleben. Aber auch Ihrem
Herrn Kollegen Müller meinen herzlichen Dank für den so
schönen, lieben Beweis seiner warmen männlichen Teilnahme;
allein auch nicht minder Ihnen, denn ich weiß doch daß
ich zuletzt auch diesen Beweis seelenvoller Teilnahme Ihnen
verdanke; geben Sie ihm wenn ich bitten darf eine deutsche
Hand aus meinem Gemüte zum Dank. Ich will es Ihnen
liebe Muhme ganz offen gestehen, und möge dieses offene
Geständnis Ihnen ein Beweis der Wahrheit meines Dank-
gefühles sein, - bei den harten Lebenskämpfen die Nie-
mand als ich kenne sind mir solche Beweise edler männ-
licher Lebensteilnahme wahrhaft stärkend. Den Sonntag den
14. den eigentlichen Tag der Festfeier habe ich auf dem
Wege von Blankenburg nach Hildburghausen zwar bei außen
sehr unfreundlichem Wetter doch vom Wagen aus in einer
selten schönen Natur verlebt, der Nadelwald war so frisch
grün wie ich ihn selten sah und dabei die Bäume. mit frisch-
gefallenem Schnee unter der Last wie sonst zur Weihnachts-
zeit sich beugend; die Bergflüsse rauschend und schäumend
zur Tiefe eilend, eilend zur Einigung, die Ufer mit den
glänzendsten reinsten smaragdgrünen Rasen- und Mooswie-
sen und Waldplätzen gesäumt; es war von dieser Seite Weih-
nachts- und Pfingstzeit geeint, denn oben auf dem höchsten
Rücken des Thüringerwaldes über welchen ich mußte lag
der jungfräuliche Schnee fast Querhand hoch. O es ist
etwas Hohes um die schöne freie Natur. Dann im Tale
durchpiepten und durchpfiffen die Meisen den Wald. So
heiter und geist- und leiblich gesund gestimmt kam ich
gestern Abend hier an; wo ich auch von Eltern und Kind /
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im Hause des Herrn Kaufmann Erdmann Scheller [Lück: Schiller] hier recht
freundlich empfangen wurde.
[Lück: „Es folgen allerlei Nachrichten über gemeinsame Bekannte; dann ge-
schäftliche Mitteilungen und Anweisung zum Gebrauch der gesandten
Ausstechhefte.“]
Werden Sie mein Gekritzel lesen können? – Wir haben
diese Nacht hier vollständigen Winter bekommen. -
Die hochachtungsvollsten, dankbarsten und herzlichsten
Grüße an Sie liebe Muhme und ihre [sc.. Ihre] liebe Familie wie an alle
teilnehmenden Freunde von
Ihrem Vetter

Friedrich Fröbel.