Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 24.11./25.11.1841 (Hildburghausen)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 24.11./25.11.1841 (Hildburghausen)
(BN 566, Bl 16-21, Brieforiginal 3 B 8° 12 S. - Der anfangs erwähnte [vierte] Brief an Middendorff aus Hildburghausen [5 Oktavblätter = Oktavbögen ?], den F. am 23.11.1841 auf die Post gegeben hat sowie der dort beiliegende Brief an die Frau des Blankenburger Superintendenten sind offenbar verlorengegangen.)

No 5.)
Hildburghausen Mittwoch am 24' Novbr 1841.


  Gott zum Gruß mein lieber Middendorff

Deinen lieben Brief vom 23 Novbr also vom Gestrigen habe ich heut Mittags
12 Uhr empfangen nebst seinem Inhalt; ich danke Dir dafür. Wenn nun
die Briefe von hier aus eben so schnell in Deiner Hand wären, so
hättest Du nicht allein meinen Brief, welchen ich am 20en d. M. mit
Rth. 50 prCt an Dich auf die Post gegeben habe, schon vor Abgang des
Deinen haben müssen, sondern auch heut schon den empfangen ha-
ben müssen, welchen ich ebenfalls gestern in 5 solchen Blättern, nebst einem
Briefe an die Frau Superint: in Blkbrg an Dich auf die Post gegeben
habe. Letzteres wird nun wohl noch nicht der Fall seyn, doch hoffe
ich daß Du gewiß heut den zweyten ersten mit dem Gelde empfangen hast.
Ich will zuerst ehe ich fortfahre Dir Mittheilungen von hier zu
machen, welche sich nur auf zwey Tage beziehen in Deinem Briefe be-
antworten, was nöthig ist, und hier Zeile vor Zeile demselben folgen.
1. Daß Dir mein zweyter Brief gleich dem ersten in Form und In-
halt lieb war freut mich. Ich werde von nun an meine Briefe an
Dich nummeriren und so ist dann dieser wie bemerkt N. 5.
2., Da Du das Gedicht von Herrn Müller trefflich nennst, so könnte
es ja auch als ein Zeichen mehr allgemeiner Theilnahme, wie man
ja dieß bey ähnlichen Gelegenheiten und deren Beschreibung hat, der
Deinigen auch am Ende, als "von ferner Theilnahme eingesandt" ange-
fügt werden.
3.) Auch der Gebrauch welchen Du von meinem Briefe namentlich
bey dem Bruder und der lieben treuen Schwägerin gemacht hast
ist mir sehr lieb.
4. Siehst Du den Herrn Rath so erwiedere [sc.: erwidere] ihm seinen Gruß auf gleiche
Weise und sage ihm meinen Dank für seine freundschaftliche Gefäl[li]gk[ei]t.
5. Auch ich habe hier noch nichts von Gotha gehört, da es merkwürdig
schwer fällt hier den Allgem. Anz. d. D. zu bekommen.
6. Für die baldige Übersendung des Briefes aus Darmstadt danke ich[.] /
[16R]
Man freut sich immer, wenn man nur über eine Sache klar ist. Jedoch
scheint mir der Inhalt des Briefes eine Art Rückzug zu seyn, welcher
sich mir auch aus dem Enthusiasmus des ersteren Briefes ganz
gut erklärt. Ich bin sehr begierig ob ich mich teusche und will
denn [sc.: den] Herrn L. gern um Verzeihung bitten. Aber bis jetzt bin
ich von Enthusiasten auch nicht viel gefördert worden.
7. Du schreibst die "Kinder" haben unterzeichnet; wen verstehest Du
darunter die Zöglinge oder Eure eigenen Kinder, für welche zu
unterzeichnen Barop ja auch den Gedanken geäußerte. Ganz
abgesehen von den [sc.: dem] an sich ja ganz unbedeutenden Betrag so fände ich im
tiefsten Ernste das eine ganz so schön wie das andere und die
Feyer würde dadurch wie so einfach in der Gegenwart, so mehr[-]
seitig bedeutungsvoll in und für die Zukunft, wenn ich mich
als Kind und Knabe in ein ähnliches Verhältniß denke, so
glaube ich kaum aussprechen zu können wie es mich erheben
und durch mein ganzes Leben erhoben haben würde, mir sagen
zu dürfen schon als Knabe und Kind der Theilnahme an einem
ächten Volks- oder gar Menschheitswerk gewürdigt zu seyn.
Erfreut es mich doch schon ja erhebt und ermuthigt mich sogar, daß
mein Vater den Plan hatte durch 2 seiner ältesten Söhne Bruder
August (+) und Christian auf dem Industriellen Weg die Fa-
milien Verhältnisse und das bürgerliche Leben zunächst seines Pfarr[-]
spieles zu heben rc. Sollten die Zöglinge unterzeichnen so fände
[ich] es wirklich schön wenn es auch die (4) Lehrer als ein Ganzes
thäten obgleich Herr Kohl schon für seine Person unterzeichnet
hat. Daß Eichfeld unterzeichnen würde bin ich in mir fest
überzeugt wenn ich mit Keitel, Herren, und dem Schullehrer
darüber verkehren würde, nur darf es nicht durch den
Herrn Pfarrer hindurch gehen.- Aber auch die Unterzeichnung
des Herrn Pfarrer sehe ich nicht sowohl persönlich, sondern aus einem
höhern Standpunkt als Ortgeistlichen an.- Daß Keilhau und /
[17]
die übrigen Ortschaften, das Unternehmen kommt es zu Stande
auf bestimmte Weise, sey sie auch welche sie wolle, unterstützen
werden bin ich fest überzeugt, nur hätte ich um ihretwillen ge-
wünscht, daß sie sich zur Feyer des Tages bestimmt darüber ausge-
sprochen hätten.
8. Daß Deine Bemühung hinsichtlich der abendlichen Feyer allgemeine
Anerkennung gefunden hat ist mir besonders lieb, da die Frucht
derselben, so weit sie vor mir liegt es wohl verdient. So
viel ist aber ganz geb gewiß: dem [sc.: den] dadurch Euch neuerworbenen
Grund und Boden dürft Ihr nicht unbebaut liegen lassen.
Der Mensch ist nicht wie ein Acker der durch Brachliegen an Kraft
gewinnt, sondern er wächst vielmehr dadurch leicht mit Dornen
und Disteln zu und leicht vergißt man der edlen Früchte welche
er einst trug. Ich glaube wir sind in dieser Hinsicht nicht ganz
fehlerfrey.
9. Die Didaskalia würde gewiß gern einen Aufsatz über die Feyer
aufnehmen. Vielleicht (?) auch jetzt da ich hier bin die Dorfzeitung[.]
Nur ist mir über die Bemerkung "eingesendet" so häßlich, sie hat
im[m]er etwas so Trübes und Trübendes, Zweifelhaftes und zwar
ganz besonders in der Dorfztg.- Aber mit wahrem Dank wird
eine Anzeige die allgem. Schulzeitung in Darmstadt aufnehmen,
denn wie ich Dir schon schrieb hat S sie den Aufsatz des Herrn Dr
und Adj. Hermann obgleich im Vaterlandsfreund abgedruckt, dennoch
in seine Spalten aufgenommen und wird das Blatt auch wie ich sehe
wirklich im Ganzen nicht allgemein gelesen und es kommt doch da
und dorthin die Nachricht daß wenigstens die Menschen sich nicht er[-]
frechen können zu sagen wir seyn todt d.h. in ihrem Sinn hinab[-]
gearbeitet. Wenigstens werde ich gewiß, wenn Ihr wie ich hoffe
die Beschreibung drucken laßt ein Exemplar dahin senden. Allein
die Hanauer Zeitung nimmt in ihre "Blätter für Gegenwart u Vergangenhei[t"]
auch oft derartige Aufsätze auf. Auch die Abendzeitung von <Th. Hell> /
[17R]
(Winkler) in Dresden nimmt vielleicht etwas darüber auf; be-
sonders wenn man sich vielleicht vermittelnd durch Frankenberg
oder die Fr: v. Ahlefeld an S sie wendet. Vielleicht kann sich die Fr
v. A. wenn man sich an sie wendet noch manchen manches zweckmäßige
Blatt dafür nachweisen und sich für Aufnahme einer Notiz in dem-
selben verwenden. Es ist weiter gar nichts als daß die Menschen
nur Lebenszeichen sehen. Die eigentliche Förderung der Sache darf
man davon keinesweges erwarten sondern die muß anders
woher kommen; allein ein Anstoß bleibt doch nicht ohne Wirkung,
man fühlt doch wenigstens daß etwas da ist und sieht sich nach ihm
um. Doch ich habe mich ja schon in meinem vorigen Briefe ich
glaube No 3 darüber ausgesprochen.-
19 10. Möget Ihr schon mit der Fortsetzung der Blätter recht weitge-
diehen seyn, ich sehe derselben mit wirklicher Erwartung entgegen.
11., Ferdinand Weißer hat ganz recht. Ich freue mich daß Ihr
nun schon meine Ansicht über den von ihm ausgesprochenen
Gedanken habt. Ja jeder Zögling sollte einen Abdruck von der Fest[-]
beschreibung bekommen er stehe in sich gerad oder schief, vielleicht
lernt er es nur erst kennen, sollte er auch wirklich nicht einsehen daß
seine Ansicht schief ist und ihr das Fundament der Wahrheit mangelt
so sieht er doch wenigstens daß man mit offenem Visir da steht.
Man könnte ja gleich um die Sache in höchster Allgemeinheit zu <setzen>
die [sc.: sie] Beschreiben - "den Gliedern, den Zöglingen u den Freunden und
Befördern, der Anstalt widmen." Je mehr ich mich nur mit dem
Gedanken des Abdrucks beschäftige um so mehr tritt mir dessen
Forderung mit Klarheit u Bestimmtheit entgegen selbst in Beziehung
auf Rudolstadt, auf den Hofe rc, wir treten dadurch aus dem
Dunkel welches man uns immer vorwirft.
12., Ich bin durch alles dieß nun Deiner Aufforderung entgegen
gekommen und habe meine bestimmte Ansicht über den Abdruck
sowohl im vorigen Briefe, als auch hier wieder mehrfach ausgesprochen. /
[18]
13., Du fragst mich wie mir die Durchführung erscheint? Im Ganzen sehr
gut nur etwas mehr Gleichheit und Bestimmtheit. In ersterer
Beziehung z.B. da Du doch die Landschaft und den Geburtsort von
Euch beyden von Dir und Lgthl angiebst so gestehe ich, daß ich es nicht
verstehe daß Du meines Geburtsortes nicht erwähnst; meynst
Du daß es jeder wisse dem die Beschreibung zu Gesicht komme, so
ließe sich das Gleiche wohl auch von Euch beyden sagen. Allein der Ort
selbst hat eben wirklich durch seine hohe Lage rc mit seiner weiten
Aussicht von dem Berge an dessen Fuß es [sc.: er] liegt, eine eigenthümliche
erziehende Wirksamkeit. Nun erwähnst Du aber einmal einige
Einzelheiten aus meiner frühesten Jugend warum nun nicht das was
ich keinesweges für unwesentlich halte auch darum wohl öfters gegen
Dich und Euch erwähnt habe. Daß meine Erziehung 3 Factoren ge-
habt habe das Leben, die Natur und die Kirche (hier den Religions Unter-
richt in der Dorfschule mit eingeschlossen. Dieß jedoch nur als Anmerkung für Dich:)[.]
Ich meyne auch durch das Angegebene keinesweges daß Du eine Biogra-
phie meiner geben sollst wozu hier weder Ort noch Raum ist, nur
glaube ich ist eine ganz natürliche Frage jedes Lesenden wo ist der Gründer geboren und unter
welchen ganz allgemeinen, jedoch wesentl:
Verhältnissen ist er zuerst herauf gewachsen. Mich dünkt beym Druck des
Ganzen könnt Ihr dieß nicht wohl umgeben [sc.: umgehen], auch glaube ich benimmst Du
dem Ganzen in Beziehung auf mich sein wahres Fundament und seine
Gleichmäßigkeit zumal da Du das religiöse Element so bestimmt
und so mehrfach hervorhebst und später bey Keilhau wieder das
Natur Element. Überdieß hat Oberweißbach nun auch in großen
Maaßstabe und in anderen Verhältnissen eine etwas ähnliche
Lage mit Keilhau. Der Kirchberg welcher sich vom Pfarrhause nach
Süden zu erhebt = dem Dissau; die Cursdorfer Kuppe in [sc.: im] Westen =
dem Colm; ja wie vom Dissau u Colm, so sieht man auch vom Kirchberg
und der Cursdorfer Kuppe, die <Bruchtenburg> rc. südlich die Lichtenheyner[-]
höhe = dem Kirschberg [sc.: Kirchberg]; nur ist jene im Verhältniß niedriger als dieser. /
[18R]
Dieß jedoch nur als Andeutung ganz für Dich zur Rechtfertigung meines
Gefühles und meiner Meynung. Übrigens überlasse ich den Gebrauch
davon gern Deinem u Eurem Ermessen. Jedoch weißt Du 3 Berge
oder Gebirge haben in unserm Leben und dessen Darstellung immer ihre Rollen, so in der
Schrift "An unser Volk" der Thüringer Wald
- der Harz und die Ruhr- oder Rheingebirge.
14. Was ich sonst noch in e In Hinsicht nun auf das Unbestimmte meyne
ich warum nennst Du nicht Gerade Zu auch Osterode? ebenso Ber[-]
lin? es hat dieß etwas was sich weder erklären noch rechtfertigen
läßt. Da Du sagst wo Du und L. hergekommen seyd, warum nicht auch
wo mein Bruder?-
14. Was ich sonst noch einzelne Kleinigkeiten zu bemerken habe werde
ich entweder auf einem besonderen Blatte oder am Ende dieses Brie[-]
fes hinzufügen.-
15. Was den Keilhauer Kindergarten d.h. der Dorfkinder betrifft so
hätte ich nur gewünscht, daß er mit einem gewissen gemeinsamen Willensact
der Eltern ins Leben getreten sey. So wie Du es mir in Deinem
Briefe [dar]stellst ist weder ein Wille der Eltern noch weniger ein
gemeinsamer dabey thätig. Doch ich weiß ja noch nicht wie Du
die Sache vorbereitet hast und als einen Act der Feyer in Deiner
Festbeschreibung aufnimmst; soll es aber ein solcher werden, so gehört
bestimmter Elternwille dazu. Nun aber zu dem was und wie es
ist Gottes Seegen (:Es ist nemlich zweyerley oder vielmehr dreyer[-]
lich: a) ob ein Kindergarten der Anstalt besteht an welchem Dorf-
kinder Theil nehmen; dieß hatten wir aber schon ist also nichts
Neues, höchstens ist es eine Erweiterung daß jetzt mehrere Antheil
nehmen. b) ob ein Kindergarten des Dorfes besteht an welchem
künftighin nun auch die Kinder Anstalt Antheil nehmen; nun
das wäre etwas neues, oder c) ob ein Kinde[r]garten der Anstalt
und ein Kindergarten des Dorfes besteht. Nun daß das wäre auch neu.
Doch auch a) kann Neu seyn wenn Ihr Eure Spielstunden bisher noch nicht /
[19]
als Kindergarten betrachtet habt. So wird es wohl seyn: so wer[-]
dert [sc.: werdet] Du und Ihr meynen und so habt Ihr denn auch Recht. Ihr
sprecht also von nun an in Beziehung auf die Anstalt im Verein
mit dem Dorfe von einem Kindergarten, und als dann ist er auch
durch einen bestimmten Act zur Feyer des Festes ins Leben gerufen.
16. Was Du mir wegen der Beschäftigung von Fr. Past.[ors Richter Tochter] Lina und HE. M[en]g[e]r
schreibst ist mir lieb. Letzterer geht also wöchentlich nur 1 mal
vom Montag zum Dienstag nach Keilhau?-
17. Daß Stephani sein eigenes Leben Jugend u Kindheit als Grundlage
zur Würdigung und zum Verständniß des Kinderlebens erfaßt
ist mir lieb. Sage ihm er soll etwas Tüchtiges zu dem 3fachen
Gebrauch, für sich, für Herrn Ludloff oder sein Consistorium und
für mich ausarbeiten.
18. Von den vom Tischler Friedrich gelieferten 112 Stück Kugeln sollen
100 Stück an den Nadler Haferburg abgeliefert werden, daß er sobald
als möglich wie ihm bekannt Öse hineinmache, aber recht fest
daß sie nicht so leicht herausfahren, vielleicht dadurch, daß
sich ein Stückchen Draht oder alle zwey oben schraubenförmig
zusammen winde zu[m] B. [*Zeichnung*], [*Zeichnung*] zeige ihm dieß, er wird es schon
verstehen; sobald Meister Löhn die 100 Stück 2 zolligen
Würfel fertig hat, sollen sie auch an M[ei]st[e]r Haferburg
oder Nadler abgegeben werden, daß er auf die bekannte
Weise 3 Öse[n] in jeden mache. Würfel und Kugeln gehören
bekanntlich zusammen.
19. Auch muß Mster Haferburg noch bunte Litzen haben um
Senkel oder Nadeln davon zu machen; er soll sie fertig machen.
20. Mit dem Rathswirth ist es hoffentlich nun besorgt.
21. Wenn das mit der Fr. Sup. und M. gegründet ist, warum hat
sie dann doch letztere zuletzt noch gern behalten wollen?-
22. Frage doch Mengern ob er die allgemeinen Lieder nicht für
mich abgeschrieben habe; ich finde nemlich hier das Heft mit den [sc.: dem]
röthlichen Umschlage nicht[.] /
[19R]
23. Das Rasirmesser mag nun, da ich es einmal in K[.] zurück ge-
lassen habe, dort bleiben.
24. Oben bey den Keilhauer Kindern wollte ich noch fragen: führt
den[n] Jemand der Keilhauer Frauen die von der Doris besorgte
Strickstunde fort? Es wäre doch gut wenn es geschähe, könnte
es nicht Luise Frkbg meinetwegen abwechselnd mit der Eise-
nacher Gehülfin besorgen?-

---*---
Nun ein paar Worte über die Beschäftigung der letztern 3 Tage
doch eben schlägt es 1 ½1 Uhr. Also gute Nacht für heute.

Guten Tag. Donnerstags Mittags. Besuch habe ich gestern Abends beym Spielen auch
wieder gehabt; es war die andere Fr: Scheller die Mutter des Fritz. Es
waren der Spielenden 8. Bewegungsspiele wurden gespielt und es gieng
sehr gut. Beym Weggehen sagte sie: "Sie würde auch schon einige
Recruten gesandt haben, doch seyen sie in den letzten Tagen nicht gz
wohl gewesen und das Wetter zu schlecht um hierher zu gehen".-
Meine Tagesordnung habe ich Euch versprochen, sie ist diese: Um 8 Uhr
Morgens kommt die kleine Laura zu mir, mit welcher ich mich in Be-
ziehung auf ihren Schulunterricht besonders hinsichtlich auf Religion
beschäftige. Es ist mir dieß höchst wichtig um zu sehen, wie der Schul[-]
unterricht, der sich doch gewiß zu den Besten zählt, zu dem Kinder-
leben verhält. Er scheint mir dasselbe weder dem Geist noch dem Ge-
müthe nach zu erfassen. Doch erkenne ich dadurch, daß das Religiö-
se ein bestimmtes Element des Kinderlebens ist, daß man sich aber, besonders bey
Mädchen gar sehr hüten muß den Begriff von Gott
nicht zu sehr zu gestalten, die Kinder thun es so fast zu viel, man
muß sich vielmehr bemühen den Begriff Gott immer mehr in leise
Umrisse zu hüllen d.h. Gott mehr in seinen Wirkungen als ihn in
Form und Gestalt erfassen zu machen, mehr ihn in seiner Thätigkeit wahr[-]
nehmen als in seiner Ruhe anschaulich überhaupt mehr subjectiv
als objectiv zu machen, es gehört dazu aber wie mich dünkt ein längeres Zusammen[-]
leben mit den Kindern, ein gelegentliches Erfassen ihres Innern /
[20]
der Thätigkeit und des eigentlichen Lebens derselben; dadurch ist aber auch
nur ein einziges geschickt, dazu giebt es nur ein unfehlbares Mittel
es ist die unmittelbare Erfassung des Lebens selbst; da nun nur
die Eltern, namentlich nur die Mutter und ihre Stellvertreterinnen
immer um die Kinder sind und jede Gelegenheit dazu benutzen können;
so müssen wir Erzieher immer einen Kunstweg betreten; da es
also die Beachtung der Natur und besonders des Lebens es ist in welcher sich dem [sc.: den]
Kindern das höhere [sc.: Höhere] und Höchste offenbart, so brauche ich jetzt dazu zwey
Mittel, es ist dieß der Stuben- oder der Fenster-Garten und das Bild.
Von ersteren [sc.: ersterem] und dessen Anlegung habe ich Dir schon geschrieben. Jetzt ist
meine Kresse aufgegangen und heut haben wir in ihrem Thun im Spiegel
des Menschen- und Kinderlebens, und das Menschen- und Kinderleben in sei[-]
nem Spiegel betrachtet "durch Luft, Wärme, also durch Sonnenschein giebt
Gott dem Pflänzchen Wachsthum, Stärke und Gedeihen" dieß ohngefähr
immer das Ergebniß vom Ganzen. Die Sache liegt, nun einmal erkannt, für
den sinnigen Erzieher zu nahe als daß es weiterer Andeutung bedürfe.
Einige Blumentöpfchen klein, ganz klein damit jedes das seine haben kann
weniger und ganz gewöhnlicher Saame der bald Keime[n], Wachse[n] Blüthen und Früchte bringe
z.B. Kresse, Möhren auch Nachtschatten mit schöner klarer Erde in Körbchen
oder Kästchen, das dünkt mich wären für Kinder fast noch zweckmäßige[re]
Weyhnachts- besonders Geburtstagsgeschenke als manches andere.
Das Kind kann so sein physisches, sein moralisches und sein religiöses
selbst sein intellectuelles und praktisches Leben im Spiegel sehen. Dieß
ist ein Gegenstand den ich schon längst in mir trage und welchen ich jetzt
durch die [sc.: das] Leben etwas mehr kenne, weil ich mit den Kinder[n] ein mehr[-]
<wöchiges> stetiges Leben führe. Ich gedenke die Sache mir nun immer mehr
für Familien wie für Kindergärten zu bearbeiten, <wär nur> Zeit min[-]
destens eingehende Hülfe dazu hätte. Das zweyte Mittel sind die
Bilder, gruppirte Lebens- und Naturbilder, wo also Verhältnisse
und Thätigkeiten dargestellt sind, wenn auch nur ganz einfache. Die[-]
se Spielbeschäftigung giebt mir jetzt sehr viel allein sie hat auch ihre
ganz eigenen Eigenthümlichk[eiten] /
[20R]
ganz eigene Eigenthümlichkeit: man muß sich dabey nicht sowohl auf das
unmittelbar Dargestellte beziehen sondern sowohl auf die Ursachen des
Dargestellten sondern auch auf dessen Folgen schauen. Man muß die
Darstellungen nicht blos auf ihr Äußeres Form, Gestalt, Farbe rc, rc
sondern auch in Hinsicht auf ihr Inneres auf ihren Geist, so bekommt
man gleichsam von der Gegenwart zur Zukunft und Vergan[gen]heit übergehend
immer eine stetige Reihe bis zum letzteren Urgrund aller Erscheinungen.
Nur muß man dabey nicht gerad zu, zu einem bestimmten Resultat
kommen wollen sondern das Kind sich frey entfalten, äußern, frey
gewähren lassen, nur muß man still in sich Weg und Ziel, Art
und Weise festhalten. Ich muß mich mit dieser Andeutung jetzt
begnügen, die Zeit ist zu einer belehrenderen Ausführung zu kurz;
doch glaube ich lehrt die Sache leicht schnell, wenn man, wie mit
dem rechten angedeuteten Sinn: in dem Einzelnen stets die Einheit
in dem Theile das Ganze in dem Bilde das Leben nach Kraft
Ursache Wirkung und Ziel zu sehen. Dieß ist das Wesentlichste
was ich Dir und Euch von den Erfahrungen der letzteren Tage bis
heut früh mitzutheilen habe. Das Kind unterscheidet aber un[-]
terscheidet Bild und Sache wesentlich. So sagte ich heut zu den
beyden Kleinsten: nun will Euch Pflänzchen (eben die Kresse)
zeigen wie sie wachsen, da sagte der 5jährige Max: "ordentliche"
ich antwortete: ja! nun nochmals fragte er mit erhöhter freudigerer
Stimme: "ordentliche"?- Wir hatten nemlich eben Bilder betrach[-]
tet und das (Wachsthum) Wachsen gleichsam im Bilde gesehen. Es geht
mir also daraus, daß ihn der Wunsch unbewußt belebte
das im Bilde geschaute, auch im Leben zu sehen. Noch eines:
Gestern sah sich zufällig der 2½jährige Wilhelm in meinem Spiegel.
Ich bemerkte daß er die S Zunge herausstreckte und zurück zog[.]
Wie ich darauf aufmerksam wurde hörte er sogleich auf, wand[-]
te sich zu mir und sagte: "vor zurück" ://: was wir Tags vorher
mit den beyden Armen gemacht hatte[n]. Welch' eine vergleichende GeistesThätigkeit! /
[21]
Endlich
Die einzelnen Bemerkungen zu Deiner Festbeschreibung.
1. Nach "Können die Repräsentanten unserer Flur .....["] dünkt mich
müßte als Zwischensatz kommen - "die drey Berge"-. Wenigsten[s] ich
verstand es nicht gleich.
2. Mein Bruder Christoph in Griesheim war nicht mein jüngster sondern
mein ältester der noch lebenden Brüder; er war ich glaube 4
Jahre älter als Bruder Christian jetzt in Keilhau. Darum sage ich
in [sc.: im] zweyten Satz. "Dieser war ihm stets so theuer gewesen, nicht nur,
weil er als der ältere durch liebend erziehendes Wort ihm["] rc, rc.
3. Sechs Zeilen weiter: und ihn in seinem Ziel für Vollendung zur Aus[-]
dauer angefeuert, dünkt mich ganz unklar, was heißt es: zum
Ziele anfeuern?- Mich dünkt es muß heißen: - und ihn in seinem
Streben zum Ziele für rc angefeuert.
4. Wieder 6 Zeilen weiter: nach "Erstaunt über" muß es heißen: -
erstaunt über seinen Vorsatz und sein Kommen rc.
5. Abermals 6 Zeilen weiter muß das Ganze mehr Bestimmtheit
durch einige Einfügungen erhalten: - Seine Liebe führte ihn darum
weiter zu einem andern, dem nächst jüngern Bruder nach jenem
dortmals in Osterode am Harz in dessen Hause er oft, als er nach 10jährigem
Zwischenraume, mit unmittelbarer Beziehung auf seinen erzieh[-]
enden Zweck eine Universität (Göttingen:) besuchte
eine liebende
Freystatt u.s.w.
6. Vor den neuen Perioden "Bevor aber beyde["] 6 Zeilen vor-
wärts darf es nicht heißen Frau, sondern Wittwe seines B. pp.
7. Nach "Rousseau gedenken und" ist wohl einzufügen ["]unwillkür[-]
lich sich" aussprechen müssen: hier wäre der Platz zu einer pp[.]
8. Zwey Zeilen weiter, Hier kann es noch nicht heißen: daß die Anstalt
sondern daß Fröbel, denn es war dort alles persönliche Nöthigung[.]
9. Aber gleich darauf kann es heißen: denn nun hatte die Anstalt pp[.] /
[21R]
10. Mich dünkt da [Du] Schleyermacher und Weiß Namentlich erwähntest hättest Du
es nothwendig mit Zeh auch thun sollen. Die beste Stelle dazu
erscheint mir, wo es heißt: mit Hingabe und Treue das Wort
zum Ziele geführt. Hier ohngefähr die Einfügung: Ein hochverehrter Mann
den wir jetzt abermals theilnehmend in unserer Mitte zu sehen so glücklich sind (:Herr Gen:
Sup. Zeh:) und in welchem sich frühe
die Anstalt einen wahren Freund gewann, wirkte besonders
durch dieß ausgesproche[ne] Wort dafür
. Der Lebendigkeit des rc, rc.
11. Endlich gegen das Ende, ohngefähr 20 Zeilen davon zurück.
Darum wundert es nicht (die Redensweise ist mir ganz ungewöhnlich
man sagt wohl wundert es uns nicht; allein jene Form kenne ich gar
nicht ist mir auch und ich fürchte ebenso andern ganz unverständlich.)
wenn man es auch bewundern muß, daß sie aus den geord-
netsten Mangel und Entbehrung nicht kennenden häuslichen Ver[-]
hältnissen, da sie das einzige Kind (denn sie hätte ja mehrere Brüder
haben können wenn sie nur einzige Tochter gewesen wäre) eines geach-
teten Staatsmannes war, in dieser ganz beschränkten Lage
oft des Nöthigsten entbehrenden Lage eintrat u.s.w. rc[.]
12. Zeil[e] 7 vom Ende muß das "später" gleich nach: "ja daß
sie" stehen also muß es heißen: ja daß sie später. Vor
"in der Schweiz["] muß also das "später" wegfallen.
Dieß ist es was ich [zu] Deiner und Eurer Prüfung zu bemerken
habe. Sendet mir nun nur recht bald die Fortsetzung.
Mich dünkt Ihr solltet den Druck schleunigst begründenginnen lassen.
Der Titel muß möglichst kurz aller [sc.: aber] elegant gesetzt seyn.
Nun grüße in Keilhau alle ich wünschte daß Du für jeden etwas
in diesen [sc.: diesem] Briefe fändest was ihm lieb wäre.- Ich beginne jetzt die
Skizzen zur Naturlehre der Gefühle von Beneke zu lesen, sie sind schon
1825 geschrieben wo er Professor in Gött[in]gen war. Er muß also Krause u
Leonhardi, diese wenigstens ihn kennen. In Blkbg an alle herzliche Grüße
sage allen daß ich mich sehr zurück sehnte, und gern lieber heut als morgen
käme wenn ich nicht einem höheren Rufe folgte                DFrFr.
Grüße mir ganz namentlich Fr. v[.] Born und den erstarkenden Louis, recht herzlich.