Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 25.11./29.11./30.11.1841 (Hildburghausen)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 25.11./29.11./30.11.1841 (Hildburghausen)
(BN 566, Bl 22-29, Brieforiginal 4 B 8° 16 S.)

No 6.
Hildburghausen, Donnerstags am 25 Novbr 1841.


          Guten Abend lieber Middendorff.

Ob ich gleich erst heut Nachmittags den Brief No 5 an Dich auf die Post
gegeben habe, so will ich doch obgleich es eben 10 Uhr schlägt Dir auch
den Rest des Tages in Beziehung auf den Zweck meines Hierseyns berichten.
Nach 4 Uhr mags Nachmittags gewesen seyn, da kam der Herr Hofdiako[-]
nus Wölfing
(Schwiegersohn von Nonne) zu mir. Wir sprachen erst ganz
Allgemeines kamen so auf die Schweiz und dort endlich auf die frühere Kinder[-]
pflege in Burgdorf u Bern durch Langeth[al]s und so endlich zum Kindergarten[.]
Er sagte nun daß er sich sehr freue etwas davon Genügenderes zu hören
und mich selbst hier zu wissen, da es ihm nicht möglich sey nach Blanken-
burg zu kommen, was alles ihm wohl Ernst schien. Wir sprachen nun
mehreres darüber, besonders da er mir sagte daß er selbst bey Wirth
in Augsburg gewesen sey. Ich theilte ihm vom Blkenbg mit und da er
mir die Darmstädter Schulzeitung besorgt hatte, so theilte ich, oder
vielmehr gab ihm die Lieder zu den Kinderspielen beym Concert, ja
wir giengen solche sogar wörtlich durch. Sie schienen ihm oder vielmehr
die Spiele und der Geist derselben sehr zu gefallen. Durch Mittheilungen
von Langethal kamen wir auf das Sonntagsbl. indem ich ihm sagte daß
es Aufsätze von Langethal enthielt, so kamen wir immer tiefer in die Sache
ich theilte ihm mehreres von Karl Schneider in Frkfurt mit und da er
immer mehr warm für die Sache wurde theilte ich ihm von dessen Spiel[-]
festen mit, und bey Gelegenheit des allgem. Geburtstagsfestes sprach
ich ihm den Gedanken aus, daß es sehr gut wäre wenn auch kirchlich
wie ein allgemeines Todenfest [sc.: Totenfest], so auch ein allgemeines Geburtstags[-]
fest gefeyert würde; es würde dieß vor allem Gelegenheit geben über
Erziehung eingreifend zu sprechen, denn die Erziehungspredigten welche
hier und da und besonders auch bey uns gehalten werden müßten
ständen viel zu vereinzelt und so nackt und erfolglos fürs Leben
da. Ich sprach ihm aus man sollte es versuchen diesen Gedanken Consi-
storio nahe zu bringen. Er schien den Gedanken mit Ernst zu erfassen[.] /
[22R]
Der Gedanke bildet sich mir immer bestimmter aus und wir sollten ihn
wenigstens in unsern [sc.: unserm] Eichfelder Pfarrspiele, dann in Blankenburg
auszuführen suchen, wozu ich wirklich die Möglichkeit einsehe.
Zum Abschied gab ich Herrn Wölfing da er es wünschte den 1[.] Bd. d. S. Bl.
mit, dann Karl Schneiders Darstellung seines Geburtsfestes. Auch
theilte ich ihm die Briefe von Frl Pivany und Herr[n] Lang in Darmst.
mit. Er gieng sehr warm fort und versprach bald zum Spiele wie[-]
der zu kommen. Nun die Erfahrung wirds lehren obs wahr wird.
Auch versprach er mir eine Schrift von Wirth und eine zweyte von
einem Heidelberger zu senden. So war es schon über 5 gegen 6 Uhr
geworden. Ich glaubte meine kleine Welt einstweilen durch Malchen
beschäftigt, doch als ich in die Spielstube trat fand ich, da Malchen an-
dere Beschäftigung hatte, meine Kinder nicht nur wie gewöhnlich beschäf-
tigt oder vielmehr unbeschäftigt sondern ich fand die Zahl derselben
sogar um zwey Gäste vermehrt, nemlich Klara Scheller eine
Tochter der im gestrigen Brief erwähnten Fr: Scheller ohngefähr 8 Jahr
alt und Mathilde Nonne vielleicht 12 Jahr alt.- Alles war also
sehr spiellustig und spielerwartend und die Kleinen flogen mir
mit dem Ausruf entgegen: "Ah! da kommt Herr Fröbel -" (:der
kleine Wilhelm sagt immer "der gute Herr" in seiner noch unvollkomme-
nen Kinder Aussprache[:)]. Die Kinder hatten besonders Lust zu Hüpfen
was ihre Freude ist, doch hielt ich es für gut die Sachen von den Vor-
übungen an herauf zu führen, was auch alles recht gut gieng
meine zwey kleinen Bucks waren auch da, auch die (17jährige) Tochter
von Hause Frl. Mathilde spielte nebst Malchen die nun auch
dazu kam mit, so daß es ein recht schöner Spielkreis war.
Ich schloß das Ganze mit einem Schlußgesang. Und alles gieng
sogleich nach Hause.- Abends war ich mit den Kindern allein, denn
Herr Scheller ist nach Meiningen verreist und Frau u Frl[.] Rosalie
Scheller waren im Cassino.- Heut Nachmittags habe ich Herr[n] Meyer
die Beschreibung des Jubelfestes geschickt. Ich werde sehen was er dazu sagt.-
Gute Nacht.- /

[23]
Montag den 29n Novbr 1841. Zuerst unserm Barop die herzlichen Glückwünsche
zu seinem Lebensfeste. Gott erhalte uns ihn und seiner Familie noch viele
Jahre und schenke ihm Gesundheit, Heiterkeit und Kraft um ununterbrochen
zum Wohl der Menschheit und der Kinder, z durch die Kindheit zum Heil der Mensch[-]
heit zu wirken. Sprich ihm dieß mit der innigsten Theilnahme aus; ich erachte
daß ihm dieß noch lieber wäre als wenn ich mit einer gewissen Feyerlichkeit
zu ihm käme. Finde ich was ich suche, so soll auch noch der Gegenstand
meinen seelenvollen Wunsch aussprechen. Auch der treusinnigen, lieben
Emilie sprich meine aufrichtige Theilnahme aus. Die Lebenstheilnahme
und die Andeutung derselben muß Ihnen [sc.: ihnen] genügen.-
Du wirst Dich mein lieber M wundern daß 3 Tage, Freytag, Sonnabend
und Sonntag verfließen konnten ohne schriftliche Mittheilungen für Dich
und Euch niederzuschreiben. Meynet nicht daß ich keinen Stoff dazu
gehabt hätte, denn fast jede Beschäftigungszeit mit den Kindern reicht mir reiches
Material dazu allein ich habe nicht Zeit es niederzuschreiben.
Am Freytag habe ich nemlich (oder früher schon?) "Beneke's Skizzen
zur Naturlehre der Gefühle["] bekommen seit der Zeit bin ich mit dem
Buche b zusammengewachsen und in jeder Zeit welche nicht einer be-
stimmten Beschäftigung hier gewidmet ist suche ich mich mit dem
Inhalte desselben bekannt zu machen, das Buch ist gewiß wichtig
ist besonders für die Erzieher und ganz namentlich für uns wichtig
dies Buch reicht mir ganz was ich längst suchte oder vielmehr durch
dasselbe ist mir nun ganz klar geworden was ich seit Jahren ersehn-
te und erstrebte. So weit ich jetzt Beneke und gerad über den von
Barop bezeichneten Punkt gelesen habe, so beruht das von Barop
angegebene auf diesem Mißverständniß Beneke meynt es ganz
anders. Doch darüber später. Daß übrigens Beneke ein recht <wacke[-]>
<rer> Theoretiker seyn kann, gebe ich recht gern zu, fühle auch nicht
die geringste Lust in mir mich mittheilend an ihn zu wenden
er würde mich tro[t]z seines Buches und ohngeachtet ich glaube daß ich
es verstehe und daß wir gleichartiges Streben haben, dennoch /
[22R]
nicht verstehen ob wir gleich beyde an das Leben ja an die Erfahrung
appelliren: allein das Gemälde ist nun etwas anders als die Natur
und das en façe etwas anders als die Silhouette. Aber so viel ist
gewiß Leben, Erfahrung, Thatsachen sind in dem Buche und es ist
warm und verständlich (für den welcher die Anschauungen für die
Bezeichnungen und Worte hat) ja einfach geschrieben; eben durch
diese ganz reine cursiv deutsche Sprache zieht es auch bei weitem
mehr an als Krause. Die Krause'aner würden mich, wenn sie es
wüßten deßhalb verke[t]zern allein wenigstens ist es im Augenblick
so. Genug ich habe durch das Buch gefunden was ich längst suchte. Da-
durch bin ich mir nun in meinem Streben nach Quelle u Ausgang
Weg u Mittel, wie Ziel und Zweck ganz klar. Wenigstens habe ich
nicht nur das Knauel, sondern auch den Anfang desselben klar.
Ich danke Euch beyden sowohl Barop als Dir recht in der Seele
für die baldige Mittheilung dieser Bemerkung. Seyd ja in solchen
Mittheilungen im Leben recht treu sie geben am Ende uns allen
unberechenbar viel. Doch darüber später, giebts Gott vielleicht
in diesem Briefe noch.
Nun sollte ich E eigentlich wohl zuerst zur Beantwortung Des Deines
letzteren l. Briefes (No 3 vom 26 Novbr mit dem Postzeichen
Rudolst: 28 welchen ich heut 29en Mittag 11 Uhr erhalten habe[)] gehen
doch da meine Bemerkungen hier für Euch wie Du so schön schreibst
so vielseitig Anregung zu Mittheilungen s[in]d, so will ich Dir
aus der Menge derselben wenigstens ein Paar herschreiben.
A. Ich habe Dir l. M. schon früher einmal bey Gelegenheit von
Langethals Mittheilungen (S. S. Bl.) wo derselbe der Kinder
Reden und Sprechen "vom lieben Gott" für Entwicklungen des der
Ahnung, des Gefühles u Begriffes für Gott hält gesagt, daß
jenes Reden der Kinder von Gott, wie ein von Außen ange-
eignetes sey, was keinen inneren Grund habe; ich glaube Dir jetzt
einen Beweis g dafür geben zu können. Auch die 2 kleinst kleinen Kinder /
[24]
Kinder sprechen hier schon von Gott und was er thut. Natürlich suche
ich dieß nun auf alle nur mögliche Weise eigentlich in dem
Kinde zu begründen.So sprechen wir denn ich und der mittlere
5jährige (wird am 7[.] Xbr 5 J.) Knabe von den Pflänzchen die wir
wie Du weißt, in einem Asch haben, wir sahen ganz deutlich wie jedes
aus seinem Saamenkörnchen gekommen war. Auf einmal nach[-]
dem er einige Zeit ruhig gewesen war wandte er sich ganz ernst zu
mir und sagte: "aber sag' mir wo ist denn nur der liebe Gott
hergekommen?" - "dann: wächst denn der l. Gott auch?" - Mich
dünkt solche Fragen dürften und könnten nicht in der Seele eines
Kindes kommen in welchem sich die ursprünglich im Kinde noth-
wendig schlummernde Ahnung von Gott nach und nach selbstthätig
zum Bewußtseyn entwickelt hat. Mir wenigstens ist dieß ganz
fremd. Wie ist in dieser Hinsicht Deine und Eure Erfahrung?-
Wird nun auf jenem Punkt auf Treu und Glauben fortgebaut, so
sieht man, was das für das spätere Leben für ein Fundament geben
muß, und so dünkt mich erklären sich die Erscheinungen des gewöhnlichen
Lebens die sind, wie sie sind. Auch die sehr liebe, milde, achtsame und
wirklich sinnige 7jährige L. zeichnete mir vor ein Paar Tagen auf den
Tisch wie groß Gottes Augen seyen; und doch schien sie sonst die sinn-
bildliche Weise von manchen Darstellungsweisen Gottes
recht gut zu verstehen.-
B. "Wie sehr die ersten Eindrücke haften!" Du weißt ich gehe mit
der kleinen 7jährigen L. am [sc.: an] ein paar Tagen am Morgen kleine Sprüche
rc. durch. Nun ist das Kind sehr achtsam und fleißig. Um nun bey
mir zu rechter Zeit zum Ziel zu kommen, so ließ liest sie am Abend
oder Morgen, vorher die Sachen erst einige mal durch; da ist es
dann merkwürdig, daß sich das, <wo> sie da fehlerhaft gelesen und
sich angeeignet hat, kaum, aber gewiß nur mit der größten
Anstrengung nur zu entfernen ist, so hatte sie sich z.B. heut "Deiner["]
statt Deinem angeeignet, was einen ganz falschen Sinn gab, dennoch /
[24R]
mußte ich ordentlich studiren wie ich ihr das Richtige: "Deinem", festhalten
machen wollte.
C., Bey der Betrachtung der Bilder und besonders der Pflänzchen sahen
wir, daß sie nicht blos Wasser und Nahrung Stoff aus der Erde
zögen, sondern auch Licht und Wärme zu ihrem Bestehen und Wachs[-]
thum also auch zu ihrer Nahrung bedürfe[n] und so erkannten wir
daß auch der Mensch, das Kind zu seinem freudigen Bestehen und
frohen Leben nicht nur der Speise und leiblichen sichtbaren Nahrung
sondern auch unsichtbare[n]: der Liebe, der Mittheilung (Erzählung)
Rede bedürfe. Und wie das Pflänzchen sich zum Lichte wende
so neige sich das Kind dahin wo ihm etwas klar gezeigt werde rc[.]
D., Wir haben schon in Blankenb[u]rg und zwar in Gemeinsamkeit mit Herrn <St.>
und M[.] die Erfahrung gemacht das [sc.: , daß] die Spiele mit der Kugel u dem Würfel
die Kinder sehr anziehen, nur müssen solche von Seite des Spielführers
mit Gewandtheit gespielt werden. Diese Bemerkung bestätigt sich
auch hier wieder. Wir haben ganz namentlich die E einfachen ersten
Würfelspiele heut wieder mit grossem Interesse der Kinder ge-
spielt. Die Kugelspiele ziehen überhaupt in ihrer einfachsten Form
gar sehr an: die beyden älteren der 10jährige K. und das 12jährige
M. entfernten sich sonst bey diesen einfachen Spielen, heut waren
auch sie dadurch festgehalten. Der kleine 5jährige Mx hörte
gar nicht auf das Drehen des Würfels auf einer Ecke unter
der Fingerspitze "Auf einem Bein, ://:" zu versuchen und brachte
es wirklich heraus.
E. Heut habe ich ordentlich beym kl. Mx beym Ballspiel: "Herüber pp[."]
die Kraft des Kindes wachsen sehen. Ich war selbst erstaunt
allein ich gieng ganz stetig aber gab immer ein Wenig zu, wie
man sagt daß die Störche ihre Jungen auf dem Dachforste
gehen und ihnen sie fliegen lehren.-
F. Heut Vormittags. 10-11 begann ich mit der 3e Gabe. Ich nahm
erst den ganzen Würfel (2e Gabe) sagte ich wolle ihn theilen /
[25]
nun stellte ich das Kästchen mit der 3n Gabe (schon geöffnet d.h.
aufgeschnitten) umgekehrt auch vor mir hin, so daß es wie ein
Würfel aussah und that auch als wolle ich es theilen, ebenso
machte ich es mit den [sc.: dem] noch in der Papiercapsel oder Hülle eingeschlossen[en]
(getheilten) Würfel, entlich ließ ich denselben aus der umgekehrten
Kapsel vor mir erscheinen und theilte ihn nun wirklich mit meinem
Messer in 2 Halbe und sprach: ein Ganzes, 2 Halbe; 2 Halbe ein G[an]z[e]s;
dieß zog den kleinen 5jährigen Mx so an daß er es nachmachte und
nachsprach. Auf den zu meiner Rechten spielenden 2½jährigen Wlhlm
hatte ich wenig geachtet, doch hatte ich ihm auch eine 3[e] Gabe geöffnet,
allein er hatte meinem Spiel aufmerksam gefolgt und forderte nun
auch mein Messer zum Theilen, da dieß zu scharf war, fiel mir
der Deckel des Kästchens ein, ich gab ihm denselben als Trenninstru-
ment öffnete ein Wenig die Trennungsebene und nun steckte er
den Deckel trennend dazwischen; und wir sagten uns nun auch:
- "Ein Ganzes 2 Halbe rc"[.] Und siehe da ich sah jetzt daß diese
Erkenntnißformen gleich von Vorn herein, und vielleicht da gleich
am meisten beschäftigen und das Kind festhalten. Im Verfolg spielte
nun sehr bald, wie bekannt das Ein- und Auspacken eine große Rolle.
Siehe so hatten im eben erwähnten Fall mir 2 Kinder ganz verschiedener
Art ein mehr ausdauernder Mx und ein ungemein lebhaftes dazu
nur ½ so altes Kind Wlhlm den Beweis der Richtigkeit mei-
nes Spielverfahrens gegeben. Es ist mir dieß für mich und die Sache
recht wichtig.
G. Daß die Würfel in bestimmter Anzahl und in Kästchen gegeben auch je-
derzeit alle angewendet werden ist recht wichtig, ich habe es heut
wieder gesehen und nie sollte man davon abweichen.
H. Besuch habe ich auch wieder gehabt. Am Sonnabend Fritzens Schwester
Klara Scheller, <dann eine kleine von Maren und Groß>, nebst schon früher
genannten. Gestern Sonntags Nachmittags kam auch Fritzens älterer
Bruder vielleicht 9-10 Jahr alt. Da ich <auf> Zeit halte spielte Malchen mit ihnen /
[25R]
sie sagte nachher es sey gut gegangen. Diese Knaben springen besonders gern.
Heut Abend nach 4 Uhr besuchte mich wieder der Herr Hofdiacon[u]s
Wölfing
(:Schwiegersohn von Herrn rc Nonne:)[.] Er traf uns gerad beym
Würfelspiel. Bald wurde er in dasselbe hereingezogen und er ward
dadurch so erfreut, daß er sagte: schade daß ich meine Kleine nicht
hier habe; die Mad: Scheller welche gegenwärtig war erbot sich sogleich
sie holen zu lassen, und bald brachte man die wirklich liebliche
kleine 2½jährige Anna (:also eine Enkelin Nonnes, daß die ältere
Nonne früher einmal an den Spielen Antheil genommen habe ich schon gesagt:)
der Vater nahm sie nun auf den Schoos und wie ein klarer ruhiger
Engel spielte sogleich die kleine mit. Ich wählte jedoch zu mehr
Freude für sie bald nachher statt des Würfels die Kugel. Immer
theilte sie ruhig das Spiel. Dann wählte ich Bewegungsspiele um von:
"2 Kugeln kommen in = Lauf pp." den Übungen ins Leben zu zeigen: "
"2 Kinder laufen im = Lauf" pp.- Nun Füße auswärts in allen Richtungen
"dann Kindchen drehe Dich" endlich "w Wir gehen in gleichem Schritte."-
Das Kind spielte alle diese Spiele so still eingehend u ruhig mit als sey
ihm das alles etwas Bekanntes u Geübtes. Zwischen dem kleinen
Wilhelm und ihr entwickelte sich eine ganz merkwürdig innige
Freundschaft und ich glaube kaum daß sie sich noch eigentlich gesehen
hatten. Nach 6 Uhr schlossen wir das Spiel. Das Mädchen holte das
Kind ab und vom Wlhlm nahm sie g[an]z lieblich zärtlich Abschied. Der Vater
sprach mehrseitig seine Zufriedenheit mit der Spielweise aus. Er sagte
mir auch daß sich sein Schwiegervater bey mir entschuldigen lasse
noch nicht bey mir gewesen zu seyn; ich sagte, daß ich dieß von einem
so beschäftigten Manne gar nicht erwarten könne. Ich bat Herrn Hof-
diacon: noch mit mir in mein Zimmer zu treten um ihn [sc.: ihm] den Allgem. Anz[.]
d. D. zu geben; Es [sc.: es] ergab sich daß er ihn selbst hielt und morgen bekommen
wird, so ist's noch besser. Bis nach 7 Uhr wurde gesprochen. Er scheint wohl
die Sache für hier festhalten zu wollen pp. Zunächst versprach er bald wieder zu
kommen. Er hat jetzt den 2en Band des Sonntagsblattes rc, rc, rc. /
[26]
Am Sonntag war ich zweymal in der Kirche früh hier in der Kirche der
Neustadt wo He. Diac. Gleichmann und Nachmittags in der Stadtkirche
wo d[er] He[.] Hofdiaconus Wölfing predigte. Abend von 7-½11 war ich
im Concert wo ich einige schöne Sachen von den Seminaristen als
Männerchöre hörte der Jasminstrauch ich glaube von Muth und das
Türkische Schenkenlied von Mendelsohn-Bartholdy. Letzteres gefiel
mir ganz vorzüglich wohl und wäre der Inhalt für uns passender würde ich es
Euch empfehlen; aber auch das erste kleine Liedchen machte sich sehr gut[.]
Nachher wurde eine große Symphonie von Schubert gegeben, die ich
aber nicht verstand und somit mir auch nicht gefiel. So lebte ich fast
den ganzen Sonntag nach Außen allein ich that es mit Bedacht; schrei[-]
be es Dir aber damit Du weißt warum ich 3 Tage ohne etwas nieder
zu schreiben verstreichen ließ.
Nun endlich zur Beantwortung Deines Briefes No 3 vom 26 Novbr.
1. Des Bruders Zufriedenheit mit dem Ganzen freut mich vor Allem,
wenn er nur endlich das (Saamen) Senfkorn sich entfalten sieht und er
in sich die Überzeugung bekommt, daß er, wenn auch mit Aufopferung
und Schmerz es zum Heil der Menschheit gepflegt hat; grüße
ihn ganz vor allem brüderlich und sage ihm, daß es mir selbst merk-
würdig sey, wie die Menschen, wenn sie sich nur ein wenig mit der
Sache selbst bekannt machten, dann so ganz dafür wären; dann
höre immer alles Halbe auf, nur dann die Klage daß keine Mittel
und keine Personen zur Aus- und Einführung daseyen. Sage dem
Bruder ganz vor allem, daß ich seiner in den Tagen des Festes mit
dem innigsten Danke gedacht habe und mir gesagt, daß sich schwer[-]
lich das Ganze so entwickelt hätte, hätte er dortmals die Kinder
von uns genommen und noch vielmehr hätte er sie mir gar nicht
anvertraut. Sage ihm, daß ich wohl wisse und nie vergesse daß
wenn etwas d[urc]h mich zum Wohle der Menschheit u Kindheit geschehe
es in seinem Brudertrauen wurzele; nur wollte ich lieber
daß die Sache geschehe als daß ich darüber spreche. Gottes Seegen Ihm [sc.:ihm]. /
[26R]
2., Bey dem Herr S. Z. muß ich fast glauben, daß früher einmal
durch mich sein Ehrgeize stark beleidigt worden ist, wenigstens
kann ich mir sonst sein Betragen nicht erklären. Auch habe ich
gehört, daß er Beleidigungen nicht vergessen soll.
3. Daß Du mir die Sache wegen Menger gleich geschrieben hast ist
mir sehr lieb. Ich schaue in der Sache wirklich feindliche Absichten
von Z. Zwey Sachen sind nun zu thun. Erstlich daß M[en]g[e]r sich alle
Mühe gebe die von Seite des Consistoriums oder vielmehr
Zehs geforderte Vorkenntniß sich zu erwerben., Zweytens
daß man denselben in pecuniärer Hinsicht so stelle, daß eine
Präceptor Stelle für ihn den Reiz verliere. Und man muß
sich gar sehr hüten daß beydes nicht post festum geschehe.
Also ohne erst auf mich zu warten kannst Du zu gelegener Zeit
seinen Jahrgehalt auf 24 rth prCt oder 25 Rth Rudolst: wie Du
willst festsetzen. Denn jetzt ist Menger für uns schwer zu ent-
behren. Endlich drittens kann man noch versuchen ihm immer mehr
das geistige Auge für den Werth und die Würde seines Beru-
fes zu erwecken. Leider hat uns die Erfahrung gelehrt daß
daß [2x] wenig bey dieser Art Menschen fruchtet. Wenn er für die
Sache zu gewinnen wäre, so sagte ich er soll die Schulmeiste-
rey ganz aufgeben; er findet ganz bestimmt durch diese einst
sein Brod; (davon ist's möglich noch in diesem Briefe) Aber
diese Menschen meynen es giebt gar kein anderes Brod
auf der Welt als Präceptor- und SchulmeisterBrod;
Auch weiß man nicht ob nicht, setzt er die Schulmeisterey
an die Seite nicht einmal die Militärpflichtigkeit wieder
in Anspruch nimmt. Du schreibst: - "jeden falls wärs mir lieb
"daß Unterricht und Stellung auch für einen Nichtlehrenwollen[-]
den so entsprechend und für seine Ausbildung so günstig er-
kannt werden müßte[n]." Soll ich dieß auf den G. S. Z. be-
ziehen?- Dann ließe doch vielleicht ein Einsehen von ihm hoffen. /
[27]
4. Die Fortsetzung des Kindergartens auch während des Winters
muß alles [sc.: allen] Ernstes betrieben werden. Außer dem Herrn
Oberbürgermeister haben auch der Herr Syndicus Tieroff; der Stadt-
älteste Seifensieder Bähring und die beyden Stadtdeputirten
Seiler Heinemann und Bäcker Eberhardt auf dem Markte dabey
Stimme. Du kannst ihnen geradzu durchfühlen lassen, wenn sie mich
nicht unterstützten so würde ich gewiß eine Gelegenheit ergreifen
die Sache anderswo durchzuführen.- Doch wir in uns dürfen auch
bey den größten Opfern die Sache in Blankenb[ur]g wenigstens so
wie jetzt im Gange nicht ins Stocken gerathen lassen und sollte
ich selbst einige Schock Reisig von Zesky kaufen müssen. Ich
glaube so daß dort Reisig - wo es schnell warm werden muß -
besser ist, als Stöcke. Sonst will ich die Stöcke nehmen und Reisig
dafür geben d.h. kaufen. Jetzt mußt Du die Sache fest und ernst
meinethalben zugleich mit Barop oder Kohl (?) hinsichtlich des
Syndicus bearbeiten und betreiben Du hast ja wieder von
Keilhau aus die Theilnahme, die Theilnahme von Weimar.
unser Concert (Kleider, Strümpfchen rc.) die Wirksamkeit
der Frau Pastorin. Man muß alles in die Wagschaale legen
Zuletzt zieht eine Flaumenfeder. Sprich doch auch einmal
mit dem Herr Dr Bähring er ist ja der Br[u]d[e]r von dem Stadt-
ältesten. Du mußt sehen ob Du Beckers Aufsatz ein Gewicht
geben kannst; daß er zieht. Barop hat ja auch das Recht ein
Wort zu <S> reden.
5. Daß die Anzeige des Festes nach Gotha ist, ist mir sehr lieb.
Sende mir ja gleich das Blatt welches es aufgenommen hat, denn
hier ist es spät und schwer, eigentlich nicht zu bekommen. Möch[-]
test Du mir im nächsten Briefe schreiben daß die Sache auch
nach Erfurt abgegangen wäre. Ich würde an Eurer Stelle
doch auch eine Abschrift irgend einer Anzeige zu beliebigen
Gebrauch an die Fr: von Ahlefeld nach W. senden (d.h. zum Einwirken lassen) /
[27R]
6. Eigentlich hatte d[er] He. Pfarrer v. Eichfeld (oder der Schulmeister
oder Schulze von Keilhau) eine Anzeige der Festfeyer, als
einer Dorfangelegenheit an die Exped: der Dorfzeitung sen-
den sollen; man würde dann gesehen haben was sie ge-
than hätten die Herren Herausgeber (noch ist es Nonne immer
mit wie ich höre)[.] Es thut mir recht leid daß ich Euch diesen Ge[-]
danken nicht früher ausgesprochen habe. Hattet Ihr Hartmann
den ehemal: Lehrer nicht eingeladen?-
7. Was Du mir von den Unterzeichnungen schreibst kann mir
nur lieb seyn.
8. Deine Pflege der (Richter) Güntherschen Schwester kann ich nur dankbar
erkennen so Deine Benutzung meiner Mittheilungen dazu. Freu-
en wird es mich wenn sie sich veranlaßt sehen mir zu
schreiben, wie ich glaube ich schon ausgesprochen habe daß es
mich freuen wird wenn Herr Stephani die Sache bearbeitet.
(NB. NB. Eben fällt mir ein daß ich im vorigen Briefe vergessen habe zu be[-]
merken: die Bauern sagten nicht: frankische Stiftung, sondern da
wird oder pp "ein Hallisches Waisenhaus" dieß ist wörtlich wahr:)
9. In Beziehung auf Deine Mittheilung von Menger sage ich Dir daß
er sehr geneigt ist sich gehen zu lassen und daß er ganz streng
genommen werden muß. In unserm Wirken muß Verlass
seyn.
10. Daß die Bauern Deine Darstellung "wahr" gefunden ist das beste Zeug[-]
niß für sie; darum aber halte gleichsam von Bauern aus
wie die sich dann gern was neues erzählen in die Dorfzeitung
aber ja nicht ins Plauderstübchen <genießt>.
11. Noch in Beziehung auf meinem Geburtsort u Ort meines Kindheit[s]lebens
"Meiner Eltern Haus war umgeben von Garten: Obst- Gemüse- und
Grasgarten, unmittelbar davor das Dorf mit seinem regen Leben
gegenüber die beyden Schulen wovon ich die nächste besuchte und
weiter gegenüber entfernt die Kirche mit ihrem schönen Kirchweg und
Geläute rc.["] Aber dieß halte ich jetzt für meine erste Entwickelung wichtig - dieß Dir[.] /

[28]
Guten Morgen. Am 30n früh. 12., Daß ich gerad jetzt in dieser Zeit nicht zu Haus
bin, laß wie ich schon aussprach weder Dir noch Euch leid thun, denn ich mein
Wegseyn bringt Euch <neue> Erfahrungen, meine Beziehungen und Interessen
wie neue wenigstens, regere Bestrebungen; wir erfassen die Sache bestimm-
ter vollkommener, werden dadurch wie in jener so auch in der wörtlichen Darstellung bestimmter
und <wie> sicherer, so klarer; ich glaube selbst Menschen wie Menger und St. werden
fester in sich und dieß alles ist uns zunächst mehr Gewinn als jene Darstel-
lung, so wichtig sie an sich ist. Denn lieber theurer Middendorff! nur so weit
als ich mir und wir uns selbst helfen, helfen mir und uns andere.
Um die vollkommenste eigne Darstellung handelt es sich. Alles wechst [sc.: wächst],
alles drängt dahin, selbst ein Becker. Darum müssen wir diesen Punkt ganz vor
Allem, ja in sofern und einzig und allein im Augen haben, als wir alles
Nahes und Fernes, Hemmendes und Förderliches darauf beziehen; darum wird
dieß auch eines meiner nächsten wichtigsten Mittheilungen an Dich und Euch seyn.
Blankenburg müssen wir vor allem dafür fest im Auge behalten und dafür
mußt Du jetzt meine Abwesenheit so sorgsam als nur möglich beachten,
wie? wo? wann?- das kann nur der Augenblick zeigen allein der
muß ergriffen werden; alles muß uns lehren auch die Daguerrotyp Bilder
Im Nu! und die Metallplatte hält das Bild fest. Ist das menschliche
Gemüth, der menschliche Geist weniger als Metall. Allein behandelt muß
vorher das Metall recht werden, das Wesen des Lichtes arbeitet rc[.]
Wie wichtig der Augenblick ist davon hast Du mir wieder in Deinem jüngsten
Briefe Beweiß gegeben und darinn ist es, worin ich wünschte daß mich Keilhau
in Beziehung auf Blankenburg verstünde und auch Du!-
13. Wenn ich aussprach mein lieber Middendorff! daß ich neuen Blättern
entgegen sehe, siehe, so war dieß weder fordernd noch drängend; ich glaube
nur Ihr würdet um Eurer selbst willen das Ganze jetzt wo es noch in frischem
Andenken ist, so schnell als möglich bey Seit[e] bringen. Überhaupt wenn ich die
Sachen hier gleich so ausspreche, wie sie mir einzeln und oft abgerissen vor
die Seele treten, so ist damit keineswegs die Forderung gemacht, daß sie
im Ganzen auf gleiche Weise über beachtet werden sollen, dieß überlasse /
[28R]
ich Dir jederzeit mit vollem Vertrauen. Du trägst ja das Ganze nicht minder einig und warm in Dir. Für die gemachten Zahlungen meinen Dank.
14. Wegen des combinirten Aufsatzes aus den Briefen an Fr Mag Schmidt
und der Schneiderschen Darstellung glaubte ich, daß er leicht u Dir lieb
sey auch glaubte ich Stephani könnte dabey thätig seyn. Doch da Du
nun das Gegentheil sagst will ich ihn gern hier besorgen; ein Ab[-]
schreiber wird sich wohl finden. Allein freylich ist dann nöthig, daß Du
mir ihn bald sendest. Jedenfalls aber wünsche ich, daß Du die Fertigung
der Festbeschreibung darüber nicht zurück setzest. Ja lieber M.
was Du abermals über die Wichtigkeit der Sache aussprichst, da-
von bin ich mit Dir auf das vollkommenste überzeugt, und hängt ganz
mit dem zusammen was ich Dir sagte, daß wir uns selbst helfen müssen
und über die Wichtigkeit Blankenburgs. Alle Strahlen des
Keilhauer Festes leuchtende u wärmende müssen sich zuletzt auf
das neue Keimen und Wachsen Blankenburgs beziehen, selbst
meine Nichtanwesenheit in Keilhau beym Feste muß in dieser Be-
ziehung mit aufgefaßt zu werden: um die Prüfung und Förderung
von Blankenburgs Wirken herbeyzuführen.
15. Was Stephani wegen der Pivany sagt ist wohl wahr; aber den-
noch glaube ich ist ein sorgfältiges Nachgehen ihrer Wünsche nicht
zurück zu stellen. Die anderen beyden Gedanken entweder Träger
des Gedankens bilden oder kommen zu lassen habe ich wohl gehabt
und ich denke ihr auch beyde anzudeuten; allein dazu muß ich
mir durch einiges Geben ein Recht und ein Fundament bilden.-
Was Du mir über diesen Punkt geschrieben soll nicht unbenutzt bleiben.
16. Das Blatt welches ich meyne gehört zu Karl Schneiders Aufsatz
ist ½ Bogen gebl. Conceptpapier und enthält ich glaube nur auf der
ersten halbbrüchigen Seite die Einleitung zum Ball als Notiz.
17. Barops Lebensfest kam mir unerwartet schnell. Ich habe meine Theilnahme
an eine Gabe geknüpft die hoffentlich heut noch mit der Post abgeht und
so in den nächsten Tagen zu ihm gelangen wird. Schreibe mir wie er sich
darüber äußert.- /
[29]
18. Sagt mir was soll ich nur mit Beckers Aufsatz machen, dieß ist
nun das zweyt wichtigste nach der Festbeschreibung, soll ich seinen
- soll ich meinen - soll ich gar keinen besonders abdrucken
lassen?- Soll ich ihn besonders, oder soll ich ihn als eine
Art Anfang zur Festbeschreibung drucken lassen[?] Darüber
wünsche ich sehnlich Deine u Eure Ansicht. Noch habe ich von Beckers
Aufsatz nichts als das Ende gelesen aber dieß finde ich doch minde[-]
stens gesagt sehr schwach: "Wen n irgendwo rc rc. der werde
rc, rc.["] Mich dünkt es spricht sich gar keine Meynung in der Sache
aus, und dieß ist die Hauptsache. Nun ich bin begierig Dein und
Euer Urtheil darüber zu hören.
19. Meyers Urtheil ist etwas anders gemeynt als Du es genommen, er
bezieht es nur auf das Blatt, nicht auf Becker persönlich, und ich
weiß nicht Becker will mir doch jetzt, nachdem er so viel von uns
zur Einsicht in das Wesen bekommen, gar nicht gefallen. Auch sein
Brief an Dich ist so lau und halb. Will er nicht ganz kalt und Geg-
ner seyn so weiß ich wirklich nicht wie er weniger sagen kann.
Doch dieß ist nun zwischen uns abgemacht.
20., Hat Menger wohl Zeit die allgemeinen Lieder abzuschreiben?-
Weißt Du etwas recht Nützliches für ihn zur Weyhnacht z.B.
etwas Geographisches ein Globus oder HandAtlas findest Du
etwas so nimm es für mich.
Ob ich es gleich für heut vermeiden wollte so muß ich doch ein
Paar Aufträge außer denen im Briefe eingestreuten noch
besonders erwähnen.
I. Erstlich soll so wohl Löhn beym Abgeben als nochmehr August beym
Einpacken der Würfel recht Acht geben daß keine schadhaften
ausgesprungenen rc Würfel eingepackt werden, dann auch
in ein Kästchen nicht Würfel ungleicher Größe [packen]. August soll
beym Sortiren sehr sorgsam seyn. Ich sehe jetzt was es für ein
unangenehmes Gefühl ist unter so wenig Würfeln schadhafte zu finden. /
[29R]
II. Beym Tisch[l]er Truppel habe ich Spielkästen 5' Gabe dritter Größe
aus Kiefern Holz bestellt (Du weißt jeder enthält 21 ganze 3 hal-
birte und 3 geviertelte Würfel) sind sie fertig so sende mir
einen Kasten durch Fuhrmann Tanzberger, er kehrt im Chry[-]
sopras ein, dort mußt Du Dich erkundigen wann er dort vor-
bey nach Leipzig fährt und ihm sagen lassen, bey der Rückkehr
soll er bey Wolframs anfragen und dort ein Kästchen mit
hierher nehmen. Melde mir zugleich den Preis von einem Kästchen
damit ich hier darüber Antwort geben kann.
III. Auch möchte ich gern einen Kasten 4er Gabe dritter Größe
hier haben; ich hatte ihn schon ausgesucht, dann war mir des beson-
ders [sc.: besonderen] Gepäckes zu viel und so blieb er zurück. Ich weiß nur
nicht wie er sich gut mit einem Kästchen 5er Gabe dritter
Größe zusammenpacken läßt, jeden besonders zu schicken will auch
sich nicht gut machen. Den Kasten den ich als den besten, wo alle
Steine unter sich gleich waren, ausgesucht hatte, war am Boden
leimlos. Löhn oder Truppel müßte ihn, den Boden fest machen.
Ich wollte nur der Kasten stände noch im Hause, sonst müßte
Menger oder Stephani von neuem ganz gleiche Klötzchen aussuchen.
Ehe Du diese Sachen absendest habe ich vielleicht noch anderes zu
bestellen.
IV. Für Deinem [sc.: Deinen] Wilhelm als Pathen meiner Frau hatte ich zu Weyh-
nachten den historischen Atlas welcher in Gotha heraus kommt be-
stimmt, wenn Du es anders in Übereinstimmung mit den Lehrern zweck-
zweckmäßig findest. Nun ist aber hier nur das 4Heft auch ist
das Werk noch nicht vollendet. Stimmst Du also mit mir über-
ein so laß' es sogleich von Gotha von Perthes für mich kommen,
ich will dann den Preiß f der Anstalt bezahlen. Ob wohl von
Gotha aus auch ein billiger Schulatlas für Menger zu bekommen
sey. Er versprach Euch ja Sachen zur Ansicht zu senden.-
Meine Theilnahme an Frl. Lina so wie sonst allen mein Gruß DFrFr
Was den Dank an Becker betrifft, so bin ich nicht dagegen; allein wie gesagt, besonders erfreut hat mich selbst sein Brief an Dich nicht.