Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. u. Wilhelm Middendorff an den Konsistorialrat Ludloff in Sondershausen v. 2.1.1842 (Blankenburg)


F. u. Wilhelm Middendorff an den Konsistorialrat Ludloff in Sondershausen v. 2.1.1842 (Blankenburg)
(2 Dokumente; a) in BN 712, Bl 4-5, hier: Bl 4, undat. Entwurf 1 Bl fol. 1 ½ S., Handschrift Middendorffs und b) in PFH Berlin dat. Abschrift 1 B fol 4 S. Handschrift Middendorffs, Unterschriften von F. und Middendorff. - Der Bogen in BN 712 enthält noch 2 weitere Dokumente: dat. Zeugnisentwurf für Gustav Stephani v. 2.1.1842 [4V] ½ S. und Briefentwurf an den Magistrat Blankenburgs v. 6.1.1842, 5VR)

a) Entwurf

         Wohlgeboren[er]
Hochverehrte[r] Herr Consistorialrath!

So eben ist der von Ihrem geneigten Vertrauen
uns zur Ausbildung für Kinderpflege vor ungefähr
einem halben Jahr übersandte HE Candidat Stephani
im Begriff, nach dem ihm von Ihrem durchlauchtigsten
Fürstenhause ausgesprochenen Wunsche, im Begriff
zu Ihnen zurückzukehren. Wir sind hocherfreut
denselben nach menschl. Erwartungen u Vermuthungen
mit großem Vertrauen zu Ihnen u zu seinem
ihn erwartenden Berufe zurückgehen [zu] sehen, wie dieß
des mehrern aus dem ihm von uns ausgestellten Zeugniß
erhellt. Auch er geht mit Freudigkeit u wenn auch
schüchtern, doch mit Zutrauen zu dem ihn erwarten[den] Lehr-
geschäfte, obgleich [er,] wie Sie wissen, sehr gern, u nun /
[4R]
da er die Wichtigk[ei]t des Gegenst[an]des wie die Entsprechendheit
seines Bildungsganges erkannte, selbst mit Aufopferung
gern noch längere Zeit hier verweilt hätte. Auch wir
hätten dieß sehr gern so wohl um seiner selbst als um
des Gegenstandes wie um der ihn erwartenden Wirksam-
keit gar sehr gewünscht; den Ew. Wohlgeb. werden sich
aus den Mittheilungen mit HE Stephani sich überzeugen, daß
die von uns angestrebte entwickelnde Kinderpflege
u Beschäftigung eben das innigste Wesen der Menschenerziehung
erfaßt u sie auf klare u praktisch fruchtbare u anschaul. nachzuweisende weisbare Grund-
sätze zurückzubringen sucht. Doch
wir hielten den ihn erwartenden Beruf (u die ihn fordernde
Wirksamkeit) viel zu wichtig als daß wir es nicht für Pflicht
erkannt hätten den zwar noch etwas schwachen Muth zu
dieser Wirksamkeit zu beleben u ihn aufzufordern freudigst
u dankbar den ihm gewordenen Aufforderungen entgegen zu
kommen. Darum erlauben Sie uns auch Ihnen auszu-
sprechen was wir in dieser Beziehung ihm gern versicherten:
daß wir jeder uns von ihm zukommenden Auffor-
derung um Rath u fernere Nachweisung stets gern
u willfährig entgegen kommen werden, wie wir denn
auch seine Wirksamkeit unt[er] Ihren Augen keinesweges
als ein[e] v. der unsrigen getrennte sondern stets als eine
mit unserm Leben u Thun innig lebendig u bleibend verbundene
ansehen werden.
Möchte in diesen Versicherungen das Durchlauchtigste Fürstenpaar
einen kleinen Beweis finden, wie dankbar wir das uns ge-
wordene Vertrauen erkennen, wie sehr wir aber auch in
uns überzeugt sind, daß wenn das bis jetzt so schön ange-
bahnte u aufrichtig allseitig gepflegte Verhältniß durch
den Austritt des HE Stephani kein abgebrochenes wird, daraus
einst wirkl. Seegen für das ganze Land hervorgehen
könnte u würde, wenn sich dadurch der Mittelpunkt
zu einer Anstalt für allseitige u frühe Kinderpflege, beson-
ders durch zweckmäßige Beschäftigung entwickelte. Wir sind ununterbrochen tief u fest in uns überzeugt, daß von dem Lande, in
welchem dieß zuerst in Ausführung kommt, sich Seegen über unser gesammtes Vaterland verbreiten wird.- Mögen Sie u das durch
Sie uns vertrauende Fürstenhaus darin den reichen Lohn für die dafür gehabte Mühe u gebrachten Opfer finden. Erlauben Sie
mir noch zum Schluß, daß ich mir gelegentl. die Ihnen frühe[r] übersandten handschriftl. Mittheilungen zurück erbitten darf, weil
ich vielleicht in einer Lage bin davon nächstens weitern Gebrauch zu machen. Empfehle[n] Sie uns der fernern menschenfreundl. Huld
u Gnade des Durchl. Fürstenpaares so wie wir v. Herzen wünschen, daß HE Stephani zu wahrem Seegen der ihm <zu vertrauenden> fürstlichen Kinder wirk[en] m[ö]ge.
Sie besonders bitten wir, wenn es Ihre Geschäft[e] erlauben, uns einige Kunde v. d[er] Wirksamkeit HE St.s, so wie wir uns auch angelegentl. d freundschaftl. zur Fortdauer Ihr[es]
herzl. Wohlwollens u wahren Fr[eun]dsch[a]ft empfehlen[.]
Mit [au]sgezeichneter Hochachtung Ew Wohlg
ergebenste
[Unterschrift fehlt]

b) Abschrift

[1]
        Wohlgeborner,
Hochverehrter Herr Consistorialrath!

So eben ist der von Ihrem geneigten Vertrauen uns zur
Ausbildung für Kinderpflege vor ungefähr einem halben
Jahre übersandte HE Candidat Stephani, nach dem ihm von
Ihrem durchlauchtigsten Fürstenhause ausgesprochenen Wun-
sche, im Begriff, zu Ihnen zurückzureisen. Wir sind hoch-
erfreut, denselben nach menschlichen Erwartungen und Ver-
muthungen mit großem Vertrauen zu Ihnen und zu seinem
ihn erwartenden Berufe zurückkehren zu sehen, wie des mehrern
aus dem ihm von uns ausgestellten Zeugniß erhellt. Auch er geht,
wenn auch noch schüchtern doch mit Zutrauen zu dem ihn erwar-
tenden Wirkungskreise, obgleich er, wie Sie wissen, als er die
Wichtigkeit des Gegenstandes wie die Entsprechendheit des Bildungs-
ganges erst klarer eingesehen, gern auch längere Zeit, selbst
mit Aufopferung, verweilt hätte. Auch wir hätten dieses,
sowohl um seiner selbst, als um der Sache, wie um der ihn er-
wartenden Wirksamkeit gar sehr gewünscht, denn Ew. Wohlgeb. /
[1R]
werden sich aus den Mittheilungen mit HE Stephani über-
zeugen, daß die von uns angestrebte entwickelnde Kinderpflege
eben das innerste Wesen der Menschenerziehung erfaßt und
sie auf klare, praktisch fruchtbare und anschaulich nachzuwei-
sende Grundsätze zurückzubringen sucht: doch wir hielten die
ihn fordernde Wirksamkeit viel zu wichtig, als daß wir es
nicht für Pflicht erkannt hätten, den noch etwas schwachen Muth
zu diesem Wirken zu beleben und HE Stephani aufzufordern,
freudigst und dankbar dem ihm gewordenen Rufe entgegen
zu kommen. Darum erlauben Sie uns auch, Ihnen aus-
zusprechen, was wir in dieser Beziehung ihm versicherten:
daß wir jeder uns von ihm zukommenden Aufforderung um
Rath und fernere Nachweisung stets gern entgegen kommen werden,
wie wir denn auch seine Wirksamkeit unter Ihren Augen
keinesweges als eine von der unsrigen getrennte, sondern mit
unserm Leben innig verbundene und lebendig mit ihm fortent-
wickelnde ansehen mögen.
Wir wünschen, daß diese aufrichtige Versicherung dem
Durchlauchtigsten Fürstenpaare einen kleinen Beweis gebe, /
[2]
wie dankbar wir das uns gewordene Vertrauen erkennen;
wie sehr wir aber auch in uns überzeugt sind, daß, wenn
das bis jetzt so schön angebahnte und allseitig gepflegte
Verhältniß durch den Austritt des HE Stephani kein ab-
gebrochenes wird, daraus einst wirklicher Seegen für das
ganze Land hervorgehen könne und werde, wenn sich da-
durch der Mittelpunkt zu einer Anstalt für allseitige
frühe Kinderpflege, besonders durch zweckmäßige Be-
schäftigung, entwickelt.
Wir sind ununterbrochen tief in uns überzeugt, daß von
dem Lande, in welchem dieß zuerst in Ausführung kommt,
Seegen über unser ganzes Vaterland sich verbreiten wird.-
Mögen Sie und das durch Sie uns vertrauende Fürstenhaus
darin den reichen Lohn für die dafür gehabte Mühe und ge-
brachten Opfer finden.
Erlauben Sie mir noch zum Schluß, daß ich mir gelegent-
lich, die Ihnen früher übersandten handschriftlichen Mitthei-
lungen zurückerbitten darf, weil ich vielleicht in einer Lage
bin, davon nächstens weitern Gebrauch zu machen. /
[2R]
Empfehlen Sie uns der menschenfreundlichen Huld und
Gnade des durchlauchtigen Fürstenpaares, so wie wir
von Herzen wünschen, daß HE Stephani zu wahrem Seegen
der ihm vertraut werden sollenden fürstlichen Kinder wir-
ken möge.
Sie besonders bitten wir, wenn es Ihre Geschäfte erlauben,
uns einige Kunde von der Wirksamkeit HE Stephani's zukom-
men zu lassen, so wie wir uns angelegentlich der Fortdauer
Ihres herzlichen Wohlwollens und warhren [sc.: wahren] Freundschaft
empfehlen.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ew. Wohlgeboren
         ergebenste

FrFröbel WMiddendorff.
Blankenburg bey Rudolstadt
am 2. Januar 1842.

[Zeugnis für Gustav Stephani]
Bkb. den 2Jan. 1842.
Zeugniß für HE Stephani. Daß der Herr Candidat Gustav Stephani aus
Sondershausen, welcher durch die menschenfreund-
liche Huld des durchlauchtigsten Fürstenpaares
zu Schwarzburg-Sondershausen vom 23ten
May d.J. bis zu Ende dieses Jahres in der un-
terzeichneten Bildungsanstalt der Führung u Bild[ung] der
Beschäftigung kleiner Kinder bis zur Schulfähigkeit,
überhaupt der frühen entwickelnden Erziehung sich
widmete, - diese ganze Zeit seines Aufenthaltes
hier, nicht nur mit seltener Treue u Gewissen-
haftigkeit u mit Fleiß aus <demwid[erum]> [Fleiß] floß benutzt, sondern auch die wesentlichsten
Anlagen zu einer solchen Kinderführung u Kindesliebe,
Milde, Bescheidenheit, frommen Sinn u ganz
besonders strenge Sittlichkeit gezeigt hat -
solches wird demselben bey seinem jetzigen Aus <->
scheiden aus d Anstalt – von dieser der Wahrheit ge-
mäß gern u freudig bescheinigt.
Keilhau Blkbg den 2Jan. 1842.       Die Anstalt