Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Nanette Pivany in Kun St. Marton v. 20.1.1842 (Blankenburg)


F. an Nanette Pivany in Kun St. Marton v. 20.1.1842 (Blankenburg)
(BN 398, Bl 1-6, Dispositionen 3 B 4°12 S.; BN 398, Bl 7-10V, erster undat. Entwurf 2 B 4° 7 S.; BN 398, Bl 21-28 zweiter dat. Entwurf 4 B 4°16 S. mit zwei Datierungen (24V: 13. Januar 1842“ und 19.Jan. 1842“); BN 398, Bl 95-96 datiertes Reinschriftfragment (95: „20ter Januar 1842“) 1 B 4° 2 ½ S.; BN 398, Bl 97-105 datierte Abschrift (Reinschrift) mit gleichem Datum wie Reinschriftfragment, 4 ½ nummerierte Bogen 4° 17 S ohne Briefschluß. - Ebenso wie F.s Brief an Gräfin Brunszvik ist auch sein Brief an Pivany 1944 von Erika Hoffmann ediert worden,vgl. Hoffmann 1944, 1-19. Hoffmann hat das Reinschriftfragment Bl 95-96 nicht ediert und ferner S.161 moniert, der 3. Bogen der Reinschrift (Abschrift) fehle. Hoffmann greift daher zur Textrekonstruktion auf den Briefentwurf zurück. Die im BN liegende Abschrift ist aber vollständig und der 3. Bogen = Bl.101-102 vorhanden.)

F. bezieht sich in seinen beiden Briefen an Pivany bzw. Gräfin Brunszvik auf die Anfrage Pivanys vom 14.10.1841, die an „Franz von Fröbel in Blankenburg in Deutschland“ adressiert war. Dieser Brief liegt als Original in BN 398,109-110V, 2 B 4°, 2 ½ S. s. Adresse 110R. Ediert durch Hoffmann 1944,IX-X.
Der Brief von Nanette Pivany an F. lautet:

[109]
„Kun St. Marton den 14. Oktober / 41
An Herrn Fr. Fröbel in Blankenburg
Geehrter Herr!
Mit vielem Interesse habe ich in vaterländischen Blättern von Ihrem Institut gelesen. Mich beseelt der Wunsch, einen von Ihnen so genannten Kindergarten in Ungarns Hauptstadt ins Leben treten zu sehen. Einige sehr hochgestellte Personen wollen dies Unternehmen befördern helfen.
Nennen Sie es nicht unbescheiden, geehrter Herr! wenn ich, Ihnen ganz fremd, es wage, Sie mit einer Bitte zu belästigen. Ich ersuche Sie, die Gefälligkeit zu haben, mir, so viel die Kürze eines Briefes es gestattet, die Grundsätze Ihrer Methode gütigst mitzutheilen; mir zu sagen, ob Sie den Kleinen und wie Sie ihnen Unterricht ertheilen; /
[109R]
wie Sie Ihre sogenannten Gaben anwenden, was für Strafen und was für Belohnungen Sie haben, was Sie thun, um Lust und Neuheit in den Spielen zu erhalten. Sogar über die äußere Ausstattung und die Anzahl der dazu nöthigen Personen möchte ich von Ihnen belehrt seyn.
Von Ihrer Menschenfreundlichkeit hoffe ich die Gewährung meiner Bitte, und um des Guten willen werden Sie sich eine Stunde abgewinnen, mir zu antworten. Auch ersuche ich Sie, zwey Exemplare Ihrer 6 Nummern und Sonntagblatts unter Adresse: Gräfin Theresia Brunsvik von Korompa, Stiftsdame, an die Herren Buchhändler Eggenberger und Heckenast in Pesth sogleich zu übermachen, die das Geld dafür in Empfang nehmen sollen. Belieben Sie auch das verursachte Postporto zu den Preisen zu rechnen, da ich keinen andern Weg weiß, es vergüten zu /
[110]
können. Mit der Bitte um eine unverzögerte Antwort bin ich mit <werter> Hochachtung Ihre ergebenste Dienerin
Nanette Pivany
Die Adresse an Herrn I. P. Nachod ehemal. K.K. Oberarzt nunmehr Stadtarzt in Kun St. Marton per Pesth per Szentes für N. Pivany.“

[1]
a) Disposition (1) [dazugehörig Disposition 2 und 3]
Aus d[em] Br.[ief] an Fr M. Schmidt. Bemerkungen
A. Verehrte.
Ihrer vertrauenden Zuschrift
kann nur mit Vertrauen u Offenh[ei]t
geantwortet werden
B. Für das wofür Sie Auskunft Belehrung
u Mittel suchen - für die Kindheit-
pflege näml[ich] - ist das Höchste wofür
in der Zeit nur zu streben ist.
C. Von der rechten Erfassung u Führung dKindh[ei]t
hängt die bessere Zukunft, dVölker
Glück u Freyheit ab, die ersehnt wird.
D. Da Sie d[urc]h Ihre Zuschrift solche
Überzeugung ausdrücken müssen wir
Ihnen erwie[dern], daß wir solche theilen
u darum an unserm Theil gern thun
was wir vermögen Ihrem Wunsche
nach zu kommen.
E. Sie wollen Aufschluß über die von
Blkburg (v. mir) angebahnten Kindergärten.
F. Nicht bloß daß hierd[urc]h dKinder erzogen
sond.[ern auch] d Mütter in ihrem innersten
Leben erweckt u vereint werden für
Kinder.
G. Von den Spielgewandten sich bald
welche zu Gehülfen heranbilden d[urc]h
Nachbilden nach der Stunde - - dad[urc]h
Aufmunterung für die Kleinen Nacheifrung.

Disposition (2)
[„Auszug aus einem Brief Fröbels an Muhme Schmidt vom
18. Januar 1841 bis Nr.30.“ Vermerk Erika Hoffmanns]


An Nanette Pivany
1. Lebensein[i]gung gehörig zum Emporwachsen,
zu Muth und Kraft
zu Äußernwollen dGemüths
2. Gegenseitiges Verstehen und sich helfen [un]ter Frauen, Müttern
3. wie Thautropfen dSonne spiegeln in Farben
so Frauen d M[en]schh[ei]tleben im einfach häuslichen [Leben]
wie vereinte Wassertropfen im Regenbogen Himmel u Erde einen
4. Drum Beruf dWeibes dFrauen zur Christgabe
5. Wer allgem[einem] Berufe dient, verdoppelt O [sc.: Gottes] Kraft z[um] bess[ern]
6. Freudigk[ei]t fürs Einzelne wächst [mi]t dBew[ußtsein] fürs Allg[emeine] [zu w[irken]
7: DPflege dM[en]schh[ei]t in dKindh[ei]t, so dOtth[sc.: Gottheit] in M[en]schh[ei]t
ist wahrer O[Gott]esdienst den die jetzige Entw[icklung] fordert
8. DGesetze [des] Lebens offen im Baum, Sonne, Jahrzeit Ehe
9. Ehe Einigung von Gemüth u Geist, Weib u Mann
10. DGemüth erhält Klarh[ei]t, Haltung d[urc]h d Geist
11. DGeist erhält Einigung, Leben d[urc]hs Gemüth
12. Menschh[eitliches] Leben als ächte Kindheitpflege erscheint als Ehe
13. Ehe zielt zur Darst[ellung] des göttl[ichen] Lebens (Schöpfung)
14. Ehe bedingt Klarh[ei]t über dGesam[m]theit dLebensverh[ältnisse]
giebt wenigstens dMittel dazu
15. Möglichst das in sich zu seyn was man darzustellen strebt
16. Seine Stellung im Leben beachten - Ausdauer achten
17. Richtige Stellung <nach> Ort, richtige Wirksamk[ei]t <nach> Zeit
18. So in jedem Sonnen [-] Weltensystem[,] <deren Friede>
19. Was thut ein einziger Regen Thau zur rechten
Zeit, am [rechten] Ort , [im rechten] Maaße
20. Was geschieht, soll jetzt mit Bewußts[eyn] gesch[ehen]/
[1R]
21. hübsch u schön – letzte[re]s einfach
22. für gemeinsame Kinderbeachtung
23. Ohne Gemeinsamk[ei]t ist k[eine] sichere Frucht
24. Einigung dFrauen in Bew[ußtseyn] u That für
Kindheit – Menschh[ei]tentw[icklung] im Kinde
25. Eine Mutter u Familie - [sollten] ihr Leben
in andern verschönt schauen, zeigen
wie eine Aurikel sich in den andern [Aurikeln]
26. Einheit unter dFrauenwelt bei
uns frey entw[ickeln] wie Gewächse [un]ter dSonne
27. Jede soll sich frey entwickeln
dann folgt Einh[ei]t Übereinstimmung v[on] s[elbs]t
28. Was für Frauen[-] Mutterleben
gilt eben so für Familienleben
29. Zeige d Frau solche wahre Liebe
für d Kinder – so werde dMann
acht[en]d seyn u sich <selbst ein> Männerdrey finden
30. Einer muß nur dGedanken lebendig haben[.]

---------------
31. Beym Mann gehts von der Idee zur Gestalt
bey der Frau von der Gestalt zur Idee
Bällchen, bleibe liegen - auf, ab, senkrecht
32. Die Spiele können entweder so seyn: das Kinderleben
besteht <stellt> sich in den Spielen dar - oder die
Spiele gehen wieder in d Kinderleben über
d Kind ruht u bewegt - so d Ball
d Ball wandert – das Kind wandert /
[2]
33. Das Spiel vertritt also dLehrer
Erwachs[enen] Erzieher, Eltern, Beyspiel
Jesu O [sc.: Gott] - d Vater – indem das
Kind den Spielgeg[en]st[an]d sein[e] Thätigk[ei]t
nachbildet
34. Ebenso dKind macht was es ist
u thut den Spielgeg[en]st[an]d nachahmen
das Kind ist da Beyspiel, Erzieher O [sc.: Gott]
Und so ist dKind in dThat für Andere
Vorbild, Erzieher O [sc.: Gott] d[urc]h seyn Thun Spiel
35. Die Arbeit dErwachs[enen] ist beym K[inde] Spiel
die Arbeit dErw[achsenen] soll O[Gott]eswerk seyn
so d Kindes Spiel
36. Der todte Ball weckt dLeben dKinder
In allen Dingen Ein Leben
37. Worin bestehen dStrafen, Belohnungen?
38. Der Ball ist der Ausdruck des
absolut Schönen, den[n] alle äußere
Mannigfaltigk[ei]t verhält sich entgegengesetzt gleich
zur innern Einheit
Wie der Ball absolut schön ist, so
muß er absolut wahr absol[ut] gut seyn
also n[icht] nur Bild des All sond[ern] des Ein, O [Gott]esseyn
Ball ist Bild Einh[ei]t Punkt, vergröß[erter] Punkt
Meine Seele eine Einheit, ein Tropfen
dBall versinnbildlicht mir so m[eine] Seele -
darin dAnziehung (sphaira). In der ab[-] in
sich geschlossen[en] Einheit ist bedingt seine Beweglichk[ei]t/
[1R]
39. Spielen sei Kräfte u Anlagen
frey nach Selbstbestimmung entfalten
sei Bedürfniß zuerst nach jeder
Seite ausbilden - an und d[urc]h dSpielgeg[en]st[an]d
(Ball)
40. Spielen also wie O [Gottes]schaffen
das göttl[iche] Leben auf d Kindesstufe
wie dArbeit auf d Mannesstufe
41. Im Spiel ist d. größte Selbst-
offenbarung, die höchste Erfüllung unsrer
Bestimmung = S[elbst-] od.[er] O[Gott]esoffenbarung
42. Ein tüchtig gespielt hab[en]der Mensch
wird fortfahren wollen sich zu offenbaren
ein göttl[iches] Leben zu führen
43. D Kind erfaßt im Ball immer
ein Ganzes; nie sind wir zufrieden
wenn wir nur 1 Theil v[on] etw[as] erfassen
so [woIIen wir] O[Gott] g[an]z erfassen[.]

Disposition (3) [Bl 1R links unten, Disposition in 12 Punkten,
aber mit Nr. 44 Nummerierung von Disp. 2 fortführend; datiert „5/XII“,
evtl. dazugehörig Bl 3 oben links, 3 Zeilen, datiert „5/XII“
und Bl 2R oben links, 1 Zeile, datiert „6/XII“]


44. Grunds.[ätze]
1. Ausgang v[om] Wesen dMenschen Bild des Göttlic[hen]
2. DMenschen Wesen spricht sich in Thätigk[ei]t aus
wie O [Gott]es Wesen ein schaffendes thätiges ist
3. Der Thun Trieb zum Thätigseyn muß früh wahr[-]
genommen, besorgt, richtig geleitet werden
4. DMensch ist auf allen Stufen frühe also auf allen
Lebensstufen dO[Gott]eswesen darstellend
5. Beym Kinde ist d Spiel was später Werk und Arbeit ist
6. O [Gott]es Wirken ist ein allseitiges– beym Mensch[en] ist das
in [sc.: nun] ein nach ein ander der Grundthätigkeiten
7. Die Grundthätigkeiten sind Schaffen, Empfinden u Denken
8. [fehlt]
9. Beym Kinde wo noch alles wie beym Keime inein ander
werden d[ie]se Thätigkeit[en] möglichst geeint, d[urc]h Sache
u Anschauung, d[urc]h Gedanke u Wort, d[urc]h Empfindung
u Ton.
10. DSpiel ist nun die Darstellungsweise dKindes
11. Das Spiel <zeigt> also s[ein]e Entw[icklung] - aus Einheit in dMan[ni]gf[alti]gk[ei]t
12. Darlegung d Zusammenhangs dSpiele
[3]
5/XII 1. Der Spielgegenst[an]d muß dem Wesen dK[indes] entsprechen
2. Der Spielgegenst[an]d muß sich wirkend entw[ickeln]
3. Das Kind entw[ickelt] sich aus Einh[ei]t in Man[ni]gfaltigk[ei]t [.]
[2R]
6/XII Wort, aus d <Klaren> bringend, klarmachend


[3]
Disposition (4) [3-6R rechts, 2 Teile; Bl 3 datiert „5/XII“ Gliederung eines Aufsatzes von Frau von Mannsbach über Erziehung. 1.Teil Bl 3-4 in 33 Sätzen, 2. Teil Bl 4-6R in 44 Sätzen]
5/XII Aufs.[atz] dMannsbach
1. Es geht aus bey dErziehung u[m] dWürde u Bestimmung des Mensch[en]
2. daß dKind O [Gott] ahne,
dKnabe O [Gott] <fühle>
der Jüngling O [Gott] suche u finde
ein frühes O[Gott]esbew[ußtsein] zum S[ohnes/Selbst]bew.[ußtsein] erwache
und daß S[ohnes/Selbst]bew.[ußtsein]] in kräftig reiner That [sich] bewähre
3. Vortheile dieses Zeitalters benutzt
4. Dieses hat Gebrechen dErz.[iehung] erkannt
5. H[au]ptgebrechen: Unklarheit, Unsicherheit
in Behandlung führung dKindheit
6. Streben diesen Mangel abzuhalten
7. Resultate dieses Forschens im Sonnt[a]gsbl[att]
8. Zur praktischen Ausführung dieser Resultate
dienen d Spielkräftigung erfunden[en] Spiele
9. Voraussetzung wovon HE Fröb[el] ausgeht[:]
a) Mutterliebe ist dElem[en]t dKindes
b) Diese Mutterliebe nicht verdrängen
c) Muttersinn hat ein[e] beständig für das
Wohl dKindes wach[sen]de Kraft in sich
d) Diesen Muttersinn will Fröb.[el] zur Klarheit bringen
e) Der Lebensfunke will d[urc]h That aus dKinde [als]
f) Thätigkeitstrieb, angeboren, so zur Bew.[egung] gelangen
g) das Kind nähren daß er ihm Leib schaff[e]
h) aber es auch nähren daß es seinen Geist darstelle[.]
i) Welches ist aber hier dNahrung?
k. Wesen u Empfänglichk[ei]t zeigt daß
l. dKind ein Ganzes, eine Einh[ei]t
m. Geist Sinn Glieder schauend noch
n. die Hand streckt es aus zu fassen
hier dEmpfänglichk[ei]t /
[3R]
o. das Kind als Einh[ei]t kann nur dEinfache fassen
p. Was das Einfachste? Ein Gegenstand, der nach
allen Seiten denselben Anblick, gleiche Weise
des Erfassens, der keine Geschicklichkeit
zum Umfassen voraussetzt, von selbst in dHand
ruht, sie ausfüllt.
q.[sc.: 9.] Dieß die Kugel, u für [das] kleine Kind dBall
10. Ball ist d leichteste unschädlichste Spielzeug
11. In körperl. u. geistige[r] Entw.[icklung] kein Sprung
12. So darf auch dSpielgegenst[an]d n[icht] sprungweise seyn
13. Darum <nur> Ball aus dEntw.[icklung], Spiele
14. DSpielgegenst[an]d muß ein befreundeter seyn schön
15. Der Ball ist absolut schön - aus allseitig. Bez.[iehung] z.[ur] Welt
16. Alle Formen der sichtbaren Welt, selbst die
zusammengesetztesten kommen aus 1fache[n] Gr[und]formen
die Kugel und dWürfel
15. Kugel leicht u Würfel Gegensätze
a) in dRuhe Kugel leicht bewegl[ich] Würfel ruhend
b) in dBewegung Kugel gleiche Form
Würfel – versch[iedene] Form[en]
16. Aus dEinfachen dM[anni]gf[a]ltige
<was> dInnere <hat>, offenbar -
Das Kind zertrümmert sein liebstes Spielzeug
Würfel getheilt in grader Brustrichtung
in quer[er] Seitrichtung
in senkr.[echter] Scheitelrichtung
Es entstehen wieder Würfel.
Es gestaltet – reproducirt dEindruck
Stuhl Tisch, Bett
Hier bildet dKind seinen Sinn[.]
17. Die Einfachh[ei]t schützt vor Zerstreuung – Überfülle
Geschützt vor Verdruß vor dem Spielzeug
vor dem gleichen Schritt <u dStück> /
[4]
NB 18. Vor allem die innere Kraft sey, thätig machen
19. Zufrieden[heit]
Zuförderst Mutter dHütende
zuförderst Schutzwehr gegen alle Unt[u]g[en]d
20. So lernt dKind dEinfache früh ausbenutzen
21. Wie seyn Spiel gehen Gedanken <auf> w[ahren] Einig[ungs]P[un]kt 1[sc.:ein]
22. So dGeist für Schule vorbereit[en]
23. So dKörper – in Reih u Glied – einzeln
paarweis – einzeln im Kreis. <Schnecke>
Darstellungen durch Bewegung
24. Die SpracheA
25. DLeben aus d Naturwie ein Kind dMutter helfen [wird]
26. Erde nährt alle – Geschwister
27. Gem[ein]sch[a]ft Freude
28. Freude – Liebe
29.Liebe – Eintracht, Sanftmuth
30. Die ältern Kinder sorgen für jünger[e]
31. Glückl[ich] nur unter führen – folgsam [seyn]
32. <Erlaubnis> - Strafen
33. Wissen – frühe Freude da<zu>[.]
Allgem v. <Steph.>
1. Grundsätze – Geistiger Zusammenhang - Idee
2. Erz.[iehung] so früh als mögl beginnen- d[urch] Erz. Meth[ode]
3. Denn was bey diesen zarten Pflänzchen vernachlässigt [wird]
kann nie gut gemacht – was hier gut –durchs ganze Leben
nachhaltig
4. Im Anfang dLebens dGestaltung d künftigen Lebens
5. Im Samenkorn - im Keim d ganze Baum /
[4R]
6. So im Kinde d ganze Entw. geistige und körperl[iche]
7. Jedes Geschöpf nicht allein sond[ern] im Verh. zu
Schöpfer u Mitgeschöpfen – so auch dMensch
8. Von der richtigen Erfaßung dMensch[en] sein[em] Wesen und Verh.[ältnis]
und von d. entsprechenden Behandlung demgemäß
sagt d seegensreiche Ent<wick[lung]>
9. Das Wesen dMenschen spricht sich aus [in] diesem
Leben.
10. Jedes Wesen trägt dWesen dSchöpfers in sich, sodMensch
O [Gott] schuf dMenschen nach seinem Bilde.
11. Das Wesen O[Gott]es ist 1 [sc.: ein] ewiges Schaffen
12. So dGedeihen dMenschen u Leben durch Sich Thätigk[ei]t
13. Erfahrung zeigt dMenschh[ei]t – 1 Kind regt seine Glieder
14. Das selbe Streben bey allen Geschöpfen und
15 zeigen daß sie sind aus Eines Ursprungs
16. Die meisten Unarten ein M[an]gel an Thätigk[ei]t
17. Spiele sollen dieß hindern
18. Strafen rc [sc.: bei] Beschäftigungen ausgeschlossen
19. Zweckmäßig die Spiele die die gesam[m]te
körperl[iche] und geistige Kraft entwickeln
und dKind für sein Verh. zu O Natur u Mensch
gehörig entwickeln
20. Letztes: Dieses Spiel Anschauung aus Natur
u M[en]schenleben verschaffen – so auch vorbereiten
in Natur d Me[n]schleben <streben> – O <ahnt>
so seyn werden könn[en.] /
[5]
21. Mensch göttl[ichen] Ursprungs - =
dsittl[iche] Gefühl Gewissen
22. Jeder Mensch wird aus diesem Gefühl bew[egt]
(Aufgabe d. Kinderziehung[)]
23. Dann fühlt es wie an Körper u
Geiste kräftig denselben gemäß zu
handeln
24. Darum Einführung in Natur u Menschenleben
(Kenntniß u Üb[ng)]
25. Endl[ich] zu Daseyn: alle Erscheinunge[n sind]
aus eine[r] Einh[ei]t hervorgegangen im stetigen
Zusammenhange
26. So müssen sich alle Spiele aus 1 stetig[en] Einh[ei]t
in Zusammenhang entw.[ickeln] damit es [sc.: das Kind] jene
wahrh[a]ft gleichsam thatsächl[ich] vor sich sehe.
[Nummerierung wird fälschlich mit 22 anstelle von 27 fortgeführt]
22. Damit dem rel[igiösen] Bedürfniß passende
Nahrung gegeben
23. Denn nie bessrer Unterricht in Rel[igion]
als in dem es d Kind geschickt
mache Körper[-] und Geisteskraft zu [ge]brauchen
24. wenn ich zweckmäßig für Natur und
Menschen leben vorbereite daß es [sc.: das Kind]
glückl[ich] lebe u nützl[ich] wirke
25. wenn ich es ahnen mache daß alles
aus 1 Einh[ei]t hervorgeg[angen] und die ganze
Welt in einigen Zusammenhange steht /
[5R]
26. So klar; welche Anforderungen an
Kinderspiele <erst> recht ich mache
27. denn dSpiele sind für dKind
Arbeit.
28. Wie zweckmäßige Beschäftigung
den größten Einfluß ausübt weiß
jeder am besten
29. Wie 1[sc.: ein] Kind spielt wird
es als Jüngling und Jungfrau, Mann
u Frau erst handeln
30. aber wie ich v[om] Spiele nun fordere
in einem Spiel v[on] Ball Kugel u Würfel
u in den aus denselben hervorgeh[enden] Bewegungssp[ielen]
31. doch nur unter zweckmäßiger
Leitung dKinderpflege
32. Ohne diese guten Instrumente ohne
<heißt> dann schlechte Spiele spielen
33. Ball Leichtigk[ei]t und Beweglichk[eit]
klare und abgerunde[te] Gestalt
Farbe und Ton – geschickt
alle Sinn[-] und Gliederthätigkeit dKindes
zu beschäftigen /
[6]
34. DBall als d. einfachste und voll[en]det[ste]
Grundform – geschi[eh]t 1 Anschauung
d Natur und Leben zum Bew.[ußtsein] zu b[rin]g[en]
35. Dad[ur]ch Urtheilen, Vergleichen
Schließen – geweckt (d[ur]ch Vergl[eich]
mit dB.[all]
36. Doch nicht d Geistes[-] u Körperkräfte
allein sond.[ern] auch d Sprache u d
Gemüth
37. denn alle Thät[ig]k[ei]t[en] [werden] d[em] Kind [nicht] durch
Worte bewußt sond.[ern] durch Gesang
erziehl[ich] gemacht.
38. So wird <durch> körp.[erlichen] Ge[gen]stand
Gemüth auf gleiche Weise geweckt
39. Endl[ich] nöthige Eigensch.[aft] d Spiele
daß sie sich stetig aus 1 Einheit ent-
wickeln müsste[n], daß d Kind seine eigene
Entw.[icklung] wie den [sc.: die] aller Dinge thatsächl[ich]
vor sich sehe[.]
40. Dieß [nicht nur] beym Spiele mit d Balle sond[ern]
auch bey dfolg[en]den Spielgaben u Spielen
41. Die Kugel wie der vorhertret[ende]
Ball mit allen seinen Eigenschaften /
[6R]
42. Der folgende g[an]ze und getheilte
Würfel hat so d Haupteigenschaften des
Balles und dKugel – nur daß hier
d. 3 Hauptrichtungen schärfer hervortr[eten]
als bey festen [Spielgegenständen]
43. So trägt jede Spielgabe die
Keime der folgenden in sich
44. Jede folgende eint wesentl[iche]
Eigensch.[aften] d. vorhergehenden in sich <fest>.

------------
[Bl 6R rechts zusammenfassende Schlussbemerkung Frs zum Aufsatz v. Mannsbach, gehört sachlich noch zur Disposition 4]
Alles muß erziehend gemacht werden
Natur, nächste, fernere Umgebung
M[en]schen, Eltern, die ältern Geschwister
alle Verhältnisse, die kirchl[ich] bürgerl[ichen]
Einheit Gemeinsamkeit d Frauen, Mütter, Kinder u
M[en]schenwesen – Einheit – Thun wie O [Gott].
Thun beym Kinde = Spiel = O[Gott]offenb.[arung]
O offenb[art] sich allseitig – so also ist dM[en]sch
durch Denken (Sprach[e]) Empfinden Ton Handeln Sache
O offenbart sich im Zusamm[en]h[an]ge – im Einkl[an]g
So ist dKind im Alleinklange mit d Um-
gebung – mit Genossen, mit Führern, mit Eltern
mit dem
Menschenwesen, ist Einheit wie O.
Wie O aus d Einh[ei]t in d M[anni]gf[a]l[tig]k[ei]t fort<wir>kend
wie O in Stetigk[ei]t aus d Einheit in M[anni]gf[a]l[tig]k[ei]t
so müssen auch d Spiele eine stete Entw.[icklung]
aus d Einheit in die Einheit in d[er] M[anni]gf[a]l[tig]k[ei]t [machen]
darum die Spiele <in> d äußern Einheit, Ball
und Spiel dEinh[ei]t in Allseitigk[ei]t d Kräftentw.[icklung] /
[links] wie im Ball die 3 Grundrichtungen
so im M[en]sch[en] die 3 Grundkräfte
wie sie im Ball noch geeint
verborgen so diese auch im Kinde noch
zusammen, u geeint zu entwickeln[ sich bemühen.]
*

Disposition 5 [Bl 6R links]
[1.] früher Beginn dErziehung
Samenkorn Keim
So im Kinde d g[an]ze Entw. geistige u körperl
2. kein Geschöpf allein im Zusammenhang mit allen Wesen
III <wer ersch[aff]t> Wesen <selbst>
me[n]schl[iches] Wesen ist o [sc.: göttlichen] Wesens
a. o ist Schaffend – Thät[i]gk[ei]t
b. in Einheit – (M[anni]gf[a]l[tig]k[ei]t) <aus>
c. in Allseitigk[ei]t
d. in Stetigk[ei]t
Spiele a Einh[ei]t O Ball
Bild d Natur d Schöpfung
Bild d Geistes
b. Allseit[i]gk[ei]t –alle Kräfte
Handeln – Sache
Empfinden – Gesang
Denken – Sprache
c. Stetigk[ei]tv. <Wiesen> zu Gärten>
v. Unsichtb[aren] – zu Sichtb[aren]
v Ungetheilten zum Getheilten
Natur Einig[ung] zu Entg[egen]gesetzt[en], Vermittelnden
d. Einklang
Einführung in Natur
M[en]schenleben
Sach[e]
Übereinstimmung mit innern Gefühl
mit Gesammtgefühl
mit O
Nicht d strenge Folge dSpiele nothw[endi]g
Anschauungen durch Spiel für dNatur
für dLeben; <[Ge]Gründeth[ei]t> fürs Leben[.]

[7]
b) Erster Entwurf [7-10V]
1. Brief an Pivany
Sie wünschen insoweit es der
Raum eines Briefes und die Zeit einer Stunde, es gestatten
Ihnen die Grundsätze auszusprechen
auf welchen meine Erziehenden
Bestrebungen ruht u besonders die Art
meiner frühen u frühesten Kinder[-]
pflege ruht. [sc.: ruhen] Hier haben Sie solche
in so wenigen u einfachen Worten als
mögl[ich]. Alle meine erziehenden so
wie überhaupt alle meine Lebensbe-
strebungen wie sie nur Namen haben
mögen ruhen auf dem Grunde
der innern Einheit, der innern Einigung
des inneren Einklangs u solcher Harmo[nie]
bey aller äußern Entgegensetzung
gestützt auf die tiefe lebenvolle Er-
kenntniß und <tiefste>
<sich> allseitig bestätigen[de]
Überzeugung: alle Dinge sind aus Einer
Einheit in sich darum aus einer guten
einer liebenden u darum bewußten
Einheit Gott hervorgegangen ruhen leben
wirken u schaffen in ihr und der
Alle Dinge wie aber vor allem
der Mensch als Vernünftiges u selbst
bewußtes Wesen ist bestimmt besaitet den /
[7R]
Wiederspruch nicht nur auch
äußerlich zu erkennen
anzuerken[nen] u anerkennend [zu machen]
sondern auch darzuleben und
im Leben darstellend u dar-
lebend zu machen. Dieß sind die Grundsätze.
Auf diese Überzeugung von dem
Wesen von dem Berufe und der
Bestimmung des Menschen u aller Dinge
ruht nun alles das, was ich als Erziehungs[-]
Grundsatz und Mittel
als ein besonderes [{] Beschäftigungs / Bethätigungs}
Spiel u Beschäftigungsgegenstand Ganze
u solche Mittel u Weise aufstelle
der Erfahrung wie dem Nachdenken
der Prüfung wie dem Bedürfnisse
vorlege. –
Denn es folgt Aus obigem folgt auch weiter
folgendes Da vor allem zuerst nicht nur der
der Mensch um welchen es sich ja
hier aber als die Krone u Blüthe
der Schöpfung zunächst handelt zur
Vernünftigkeit u so zum Selbstbe-
wußtwerden
zum Bewußtwerden mit Selbstwahl
Selbstbestimmung also Freyheit und einem
dem g[an]z gemäßen Handeln u Wirken
bestimmt ist, so erscheint dem Menschen
bey dem Tragen und somit bey dem
Ahnen und Glauben einer höheren
Geistigen Einheit in sich alles gar
bald wenn er demgemäß auf der /
[8]
natürl[ichen] Stufe der Unerfahrenheit
auch äußerlich handelt, äußerl[ich]
alles statt in Einheit in Vielheit [statt in ]Einung in
Trennung statt in Einklang
in Widerspruch, statt Gleichsetzung Entgegensetzung statt bewußt
unbewußt
so findet sich der Mensch, das Kind
so fanden und finden wir uns
alle, wenn wir [uns] zum Bewußtseyn
zur Vernünftigkeit zu verwandeln
beginnen in eine rein entgegen
gesetzte Welt, in eine Welt
voll Widersprüche ohne alle
unser Zuthun, Frage[n] u Wollen
versetzt, wir finden uns darum
weil wir uns selbst zu finden streben
u suchen. Wo ist zu
diesem rein Entgegengesetzten
u Widerstrebenden ja Wider[-]
sprechenden der Übergang die
Brücke [?] Was haben diese
beyden so sehr geschiedenen
Welten die innere u die Äußere
die Welt des Einkl[an]g[s] u die des
Widerspruchs, die Unsichtbare
u geistige tief im Gemüth ruhende u
die Sichtbare körperl[ich] mit Händen
zu Greifende überall die Durchsicht
u den Ausgang versperrende
Hemmende Welt mit einander
gemein von wo aus sie beyde als ein einiges mindestens als ein zu einigendes
zu erfassen, zu behandeln u zu begreifen wären? - Äußerungen sind es /
[8R]
Äußerungen, Wirksamkeiten
Thätigkeiten, Leben ist es
Leben als schaffend ist es
was sich in beyden,
in der Innenwelt des in die
Außenwelt gesetzt werdenden
sich ohne sein Wollen in der
Außenwelt und von einer
Außenwelt umgebenen
- wie in der Außenwelt
eben dieses Umgebenden findet.
An dieses Gemeinsame, Leben
Thätigkeit, Wirksamkeit muß
darum angeknüpft werden
Es muß etwas zwischen diese
beyden verschiedenen
Welten die Innere u die Äußere
Welt, die Thätigkeits[-] u die Er-
scheinungswelt gestel[l]t werden
woran wod[urc]h sich das einigende
von beyden, das Leben beyder
sich kund thun u offenbaren und so
der Weg u die Brücke von
einem zu dem andern ge-
funden u geschlagen werden
können. Dieß sin[d] nun die von
mir erkannten u aufgestellten Spiel[-] u Be-
schäftigungs[-] Bethätigungs[-]
Mittel und Auffassungs[-] u Be[-]
handlungsweisen des Kindes[.] /
[9]
2) Br. an Pivany
Sie haben alle Eigenschaften
u alle Eindrücke der Außen-
welt in ihren allgemeinsten
Beziehungen, so wie sie allen
Forderung[en] den [sc.: dem] Ausdruck der
Innenwelt des Kindes genügen
mindestens die Befriedigung
derselben anbahnen[.] Durch
diese Doppelseitigkeit, Doppel
Natur der Spiele führen
sie das Kind den erwachsenden
sich entfaltenden bewußtwerd[end]en
im Thun u Schaffen u d[urc]h dasselbe
sich bewußtwerden[den] Menschen
nicht nur in beyde Welten
ein, sondern <frey> [sc.: führen] auch
den Einklang, die Einigung beyder
Welten führen mindestens
zu Erkenntniß derselben, und
zur Erfüllung zur <Vorstellung>
nach demselben
mit Bewußtseyn, hin, wod[urc]h
die <Fri[e]dfertig[keit]> des Menschen er-
reicht wird. - /
[9R]
Sie können aus dieser Darstellung
mindestens Ahnen wie sehr
die von mir erkannten Spiel[-]
mittel u Spielweisen der
Kindheit u den Kindern den zur
Vernünftigkeit u d[urc]h diese zur
wahren Gött<lich>keit im Erkennen
Fühlen u Handeln bestimmten
Menschen, wie diese Spiele u die Grundsätze auf welche[n] sie ruhen
den Kindern edler nach dem Besten im Leben strebenden
Eltern Eltern wie sie <den> Kinder
solcher edlen u strebenden Völkern
das Höchste in der <Best[immung] ahnen[den]> und erstrebenden
geistig und zum denkend [sc.. Denken] erwachenden und erwachten
Völkern genügen.
Sie können finden wie diese Spiele
das Leben als ein G[an]zes erkennen und
auffassen, wie als ein G[an]zes darstellen
ja selbst zu einem G[an]zen machen, wie
sie in das Leben des Kindes selbst ungestückt als
darum nicht störend sondern
allgemein pflegend <äußern> [sc.: eingehen]. [.]
Sollten Ihnen nun diese meine
Grundsätze noch unklar oder
unbestimmt erscheinen
was mir für ein sinniges frommes
u gläubiges wie für menschenwohl
sich selbstthätig hingegebenes Frauengemüth
ganz fast unmögl[ich] scheint, so spielen Sie nur nach der /
[10]
3) beyliegenden Darstellung wie
das Kind gläubig u vertrauend
mit ihren [sc.: Ihren] Kindern und der Geist
u das <innere> Leben der Spiele wird
sich Ihnen bald aus einem glücklichen
beglückten
u beglückenden Leben ihrer [sc.: Ihrer]
so Lebens[-] als Gott[-] Natur[-]
u Mensch[en]einigen Kindern
kund thun; denn nothwendig muß dann [ein] auf solche Einheit u Ent[wicklung]
gegründetes Familien- u VolksLeben auch zum Frieden Einkl[an]g
u Einigung <führen>. Gott
segne zum Heile der
Menschheit zum Heile der
Kindheit, zum Heile ihres [sc.: Ihres]
Volkes u Ihrer Nation u
den Kindern derselben
ihr [sc.: Ihr] Wirken, und Gott lenke
alle die Herzen der Hochgestellten
welche ihr [sc.: Ihr] Wirken
begünstigen, daß sie [sc.: Sie] sich um
die Darstellung des
für Menschheit u Kindheit
heilsam erkannten nicht so
müde u matt kann d[urc]h ein
ganzes Menschenleben hind[urc]h
bis fast an
den Rand des
Grabes kämpfen müssen
damit Sie <reich> u ihre [sc.: Ihre] Mit[-]
arbeiter u Gehülfen mit
höhern Kräften u Herzen Leben
zum Heile u Segen Ihres Volkes welches ich liebe, wirken können- Gott erhalte
u segne Sie. Mit wahrer Hochachtung Ihr aufrichtig ergebener
FrFröbel

[22R]
Zweiter Entwurf [22R-28R]

An Fräulein Nanette Pivani
         in Pesth


         Hochgeehrteste Fräulein

Sie wünschen, so weit es der Raum
eines Briefes und die Zeit einer
Stunde es gestattet [sc.: gestatten] daß Ihnen
die Grundsätze von mir ausge-
sprochen werden möchten, auf
welchen meine erziehenden Be-
strebungen ruhen und durch welche besonders
die Art meiner frühen u frühesten
Kinderpflege bedingt ist. Hier
haben Sie solche in so wenigen u einfachen
Worten als <mir> möglich. –
Alle meine erziehenden, so wie /
[23]
überhaupt alle meine Lebensbe-
strebungen, wie sie nur Namen
haben endigen, ruhen auf dem
Grunde der ursprünglichen innern Einheit,
der innern Einigung und <-> des inneren
Einklangs, und solcher Harmonie
aller Dinge, auch bey aller äußern Mannigfaltigkeit,
Entgegnung und Entgegensetzung
Meine erziehenden Bestrebungen sind darum
gestützt auf die lebenvolle
Erkenntniß und die tiefste sich
allseitig bestätigende Überzeu-
gung: alle Dinge sind aus Einer
Quelle alles Lebens und Seyns, aus Einer
lebendigen Einheit in sich, als darum
aus einer guten, einer liebenden
u darum bewußten somit sich insich einigen Wesen Einheit
Gott - hervorgegangen, ruhen,
leben, wirken, schaffen in ihr,
[Randnotiz: 3 Zeilen*-*]
[*] sind einerseits selbst solche Einheiten
<Eigen>wesen in sich
als solche [*]
und alle Dinge, wie aber vor allem
der Mensch als vernünftiges, selbst-
bewußtes aus dieser Einheit geboren und somit
nach dem <Gr[un]d sein[es] Gesetzes> in sich wieder einiges Wesen ist bestimmt,
vielmehr ruhet den Ruf den Beruf /
[23R]
jene innere Einheit auch bey und in aller äußern Mannichfaltigkeit, jenen innern
Einklang, auch bey allern äußern
Entgegnung, jenes in sich und innere ewige Leben, auch bey alle[m] äußern Wiederstreben
nicht nur auch im Äußeren
und durch Äußeres lich zu erkennen, anzuerkennen sondern auch in jener Einheit und Einkla[ng] zu leben <ihn darauf durchfühlen> dar-
zuleben und darlebend u anerkennend zu machen.
demgemäßselbst zu leben. -
Wie Auf dieser Überzeugung (von
dem Wesen, von dem Berufe, der
Bestimmung des Menschen u aller
Dinge ruht nun alles das, was
ich als Erziehungsgrundsatz aufstelle so auch als Mittel Erziehungs Weg u Mittel
als einen besondern Bethätigungs-
Spiel- u Beschäftigungsgegenstand
und als ein solches Ganze, als solche
Mittel u Weise aufstelle und besonders als Geist u Zweck der Kindergärten - der
Erfahrung wie dem Bedürfnisse
zur Prüfung wie zum Nachdenken
und so abermals auch Ihnen hier vorlege.
[Linker Rand zwei Abschnitte (Erweiterungen) von 9 bzw. 14 Zeilen: *-*]
[*] Mein erziehendes Wirken so wohl im G[an]zen
allgemeinen als bis in das einzelnste seines
Handelns hin ruht also auf dem allgemein
anerkannten religiösen Grund wie solchen
Offenbarung, Natur, die Geschichte u das eigene
Leben kund thut [sc.. thun] und Denken Fühlen u Handeln
bestätigt [sc.: bestätigen] und auf der daraus hervorgehenden
Überzeugung von dem Wesen und der Bestimmung
und dem Berufe aller Dinge namentlich des Menschen.
Denn der Mensch u das Kind findet sich, so fanden u finden
wir uns alle wenn wir zum Bewußtseyn/werden, zur
Vernünftigkeit zu erwachen beginnen ohne all unser Hoffen
Fragen u Wollen in einer Welt voller Widersprüche vor[;]
selbst der Mensch als zur Vernünftigkeit u zum Bewußtseyn
ja zur freyen Selbstwahl u Selbstbest[immun]g berufen hat die
Aufgabe diese Widersprüche zu lösen wie
es der Zweck der Erziehung ist den Menschen
u das Kind dazu zu erziehen. Was giebt nun
die Natur dazu für Mittel was giebt sie dazu für Wege[?]
Wir sollen einer innern Stimme gehorchen u immer drängen Forderungen von
Außen auf uns ein, wir sollen frey seyn u wo wir sie <sehen>
fühlen wir uns gefesselt; wir sollen Frieden haben u in Frieden
leben u Entzweyungen drängen von allen Seiten auf uns ein [*]
Aus obigem folgt weiter: Da
der Mensch, um dessen Erziehung
es sich hier handelt zur Ver- /
[24]
nünftigkeit u so zum Selbst-
bewußtwerden, zum Bewußt-
werden mit Selbstwahl u Selbst-
bestimmung, also mit Freyheit und
zu einem Handeln u Wirken
bestimmt ist, welches jenem ge-
mäß, so erscheint dem Menschen -
indem er die Ahnung u den Glauben
an eine höhere geistigen Einheit seinem Wesen nach in
sich trägt und mit diesem Aus Glauben die dieser um sich anschaut
alles wenn er nun diesem
Inneren, innern Wesen und Ansicht gemäß auf der natürlichen Stufe
der äußerlichen Unerfahrenheit auch äußerlich
handelt, auch äußerlich alles
gar bald anstatt in Einheit in
Vielheit, anstatt in Einigung
in Trennung, - statt in Einklang
in Widerspruch, - anstatt in Gleich-
stellung in Entgegensetzung, anstatt
in sich bewußt unbewußt.
[Auf Rand links zwei datierte Ergänzungen von 9 bzw. 5 Zeilen *-* ]
[*] Am 13en Januar 1842. Es handelt sich hier (es handelt sich überhaupt in der Gesammtheit meines
Lebens, Wirkens und Strebens, Thuns und Wollens nicht um Darstellung einer Methode
d.i. einer gewissen Art und Weise der es unendlich viele und zwar eigentlich so viele als [es] Individuen [gibt] geben kann,
sondern um Darstellung, I: Darlebung :I, I: Darleben Machung :I einer Idee, der Idee: der Welt-, Natur-, Menschen-
überhaupt der Lebensentwickelung, der sinnbildlichen und somit objectiven, gegenständlichen Darstellung der-
selben und zwar um eine (sinnbildliche, objective, gegenständliche) Darstellung, I: bewußte, mindestens und somit wieder zum Be-
wußtseyn führende Darstellung :I der Welt- Natur- Menschen- und somit überhaupt Lebens-entwicklungsge-
setze, und zwar zunächst und allererst auf der ersten Stufe der Menschheitsentwickelung d.i. auf der
Stufe und für die Stufe der Kindheit, der KindesEntwickelung.
Am 19n Jan. 1842. Es handelt sich also in dem Kindergarten, und in dem Spielganzen wie in der Gesammtheit
meines Strebens nicht um eine Darstellung einer Methode, sondern um Darlebung einer Idee, der Idee der Lebensentwickelung, der sinnbildlich
gegenständlichen, bewußten und somit zum Bewußtseyn führenden Darlebung und Darstellung der Lebens-
entwickelungsgesetze des Lebensentwickelungsganzen und zwar zu allererstnächst auf der ersten Stufe der Menschheitsentwickelung, auf der
Stufe der Kindheit und KindheitEntwickelung. – [*]
So in dieser <Täuschung> findet sich der Mensch, das
Kind, so fanden und finden wir /
[24R]
uns alle, wenn wir zum Be-
wußtseyn, zur Vernünftigkeit
zu erwachen beginnen in
einer rein entgegengesetzte Welt,
in eine Welt voll Widersprüche
ohne all unser Zuthun, Fragen
u Wollen versetzt; wir finden
uns darin, weil wir uns selbst
zu finden streben.
[Linker Rand Ergänzung (Abschnitt) 26 Zeilen *-*]
[*] <V> Wo ist nun, von dieser innern Einigungs[-]
Einigungswelt zu der äußern Welt der Trennung u
des Widerspruchs die Vermittelung die Ausgleich[ung]
für das Kind für den erwachenden Menschen? -
Von der Natur u unmittelbar ist dem
Kinde wie gleich von seinem Entstehen Geboren werden
gleich von seinem ersten Treten in die Welt der
Trennung der Entgegensetzung u Widersprüche die Eltern u g[an]z vor allem zunächst
die Mutter <als höherer> Natur überhaupt des <freudi[ge]n leben> als natürliche Vermittelerin ge-
geben d[urc]h dieß drey, das häusliche, das väterl[iche] u mütterl[iche]
gleichsam des Gemüths, (Einheit) des Verstandes, <let[ztlich]> das Leben des Thuns in Einheit u Einklang
im Einklang soll das Kind die der künftigen Lebensforderung den Einkl[an]g zum künftigen Lebens[-]
Beruf entgegen erzogen werden, zunächst u zuerst aber
besonders d[urc]h die Mutter die
sie die gleichsam das Kindesleben wie
das Leben des[se]lbenvoll in sich trägt, wie
hinwieder das Kind unmittelbar mit seinem
eignen Leben und wie sein eignes Leben zugl[eich] das Leben der
Mutter in sich trägt.
Woran hat nun aber die Familie die Mutter der Vater
woran hat die Familie ihr Vermittlergeschäft zwischen der
Innenwelt des Kindes u seiner Außen-
welt [zwischen] seiner innern Welt der Einigung u der äußeren der
Trennung [dem] <Innersten> des Einklangs u seinen Äußerungen der <Feindschaft>
zu knüpfen. – Was haben beyde
Welten miteinander gemein? – [*]
Wo ist nun von dem in sich
Einigen zu diesem rein Ent-
[gegen]gesetzten u Widerstreben[den], ja Wider-
sprechenden der Übergang, die
Brücke? Was haben diese beyden
so sehr geschiedenen Welten, die
innere u die äußere Welt, die
Welt des Einklangs u die des
Widerspruchs, die unsichtbare
geistige, tief im Gemüth ruhende
u die sichtbare, körperliche, mit
Händen zu greifende überall aber /
[25]
die Aussicht u eben [den] Ausgang
versperrende, hemmende Welt -
mit einander gemein? -
von wo aus sie beyde als ein
einiges, mindestens als ein
zueinander zu erfassen, zu
behandeln u zu begreifen
wären? - Äußerungen
Wirksamkeiten und Thätigkeiten
sind es, Leben ist es, Leben
als Schaffen ist es, was sich
in beyden, was sich in der Innen-
welt
dessen, welcher in die
Außenwelt versetzt worden ist,
wie in der Außenwelt eben
dieses Umgebenen, findet.
[Rand links Ergänzung 17 Zeilen *-*]
[*] Das Leben als aus Einheit und einem in sich Einigen
hervorgegangen ist bey aller in ihm erscheinenden
Mannichfaltigkeit Einheit und ein Einiges in sich
wie der Mensch darum in sich bey aller Trennung
und Entgegensetzung im Äußeren darum
die Ahnung den Glauben die Überzeugung <besitzt> [.]
Zwischen dieser Ahnung, diesem Glauben, dieser
Überzeugung innerer Einheit und der Erscheinung der
äußeren Trennung u Entgegensetzung ist nun die
Familie eben als ein in sich einiges und doch ge-
sondertes Ganzes d[urc]h Vater Mutter Haus[-]
wesen das Vermittelnde, Einende.
Als dieses absolut vermittelnde Einende
zwischen Kind, Mensch und Natur, Menschheit u
Gott soll nun wieder die Familie in der
3fachheit ihres Wesen[s] als Vater Mutter
und Hauswirthschaft erkannt werden. [*]
An dieses Gemeinsame,
Wirksamkeit, Thätigkeit, Leben
muß darum auch zuerst von Seite der Familie, der Eltern u zunächst von der Mutter angeknüpft werden.
Es muß von Seiten der Mutter zwischen diese beyden verschie-
dene[n] Welten, die Innen[-] u d Auß[en]welt /
[25R]
etwas gestellt werden, wodurch sowohl
als woran sich das Einigende
von beyden, das Leben beyder
kundthun, offenbaren und so
der Weg u die Brücke von
einem zum andern gefunden
u geschlagen werden kann.
Dieß sind nun die von mir
erkannten u aufgestellten
Spiel- u Bethätigungsmittel,
Auffassungs- u Behandlungsweisen
des Kindes –
[Entwurf wird fortgesetzt 25R linke Hälfte und untere Hälfte rechts]
Betrachten wir nun aber das
Leben der Familien, der Väter der Mütter wie es nun allgemein
einmal ist, ohne weiter auf den
Grund zu gehen warum es nun
eben so ist wie es ist, so finden wir
ein zweyfaches das elterliche Haus das väterl[iche]
mütterliche u berufs Leben macht entweder legt einmal wir können
es nicht ändern jener natürl[ich] vermittelnden und so erziehenden u bildenden Pflege
des Kindes bald <noch strenge rechte Fordernisse> häufig Hindernisse
in den Weg und zweitens es fehlt den
Müttern an Einsicht Kenntniß Übung an
Weg u Mitteln selbst jenes vermittler[-]
u so bildungs[-] u erziehungsgeschäfte an ihren
Kindern auszuüben, [-] die Mütter nun
dazu wenn sie wollen anzuleiten ihnen
Stoff Weg u Mittel zu bieten, den lieben
Kindern aber einstweilen stellvertretend
zu reichen was durch Umstände das elterl[iche]
Haus u die Mütterliche Pflege ihnen nicht
geben kann, theils es aber auch noch im
er<höhten> vollkommnen Zustand mindestens
d[urc]h das Gemeinschaftl[iche] u d[urc]h das damit
verbundene höhere erziehende [Leben] zu reichen
dieß ist der Zweck der von mir
als heilsam erkannten Kindergärten u der
von mir in u für dieselben aufgestellten Spiel- und Beschäftigungs-
mittel. Der Geist
der ersten ist also g[an]z der fromm religiö[-]
se Geist des ächten Familien- u Mutterlebens wie
der Geist u Zweck der letzteren, der von
der Mutter unbewußt geahnete höchste
Zweck ihrer kosenden u spielenden, lehrenden u
wehrenden, deutenden u meidenden, scheidenden u
einigenden Beschäftigung
[25R rechts, untere Hälfte]
mit ihren Kindern ist. Der Kindergarten
mit seinen Kinderspielen u Kinderleben ist also
ein erweitertes vervollkommnetes
Familienleben beyde sollen sich gegenseitig zum
Spiegel u Muster dienen wie denn darum
auch jeder Kinderfamilie ein Kindergarten
im Kleinen seyn soll wie an einem hohen
Baume jeder Ast u Zweig gleichsam
ein Baum im Kleinen ist. So soll[en] sich
auch Familie u Kindergarten mehrseitig
erhöhen u vervollkommnen gleichsam wie
Kirche u Familie wie ächtes Kirchenleben
das Familienleben veredelt u edles
Familienleben die Bedeutung u den Werth
der Kirche erhöht[.] /
[26]
Darum wie jeder Ort wenigstens
eine Kirche hat so soll auch jeder Ort
wenigstens einen Kindergarten <fassen>
u wie man Wohnung Haus u Familien-
Capellen hatte so soll man wenn
es nicht anders ist mindestens Familien[-]
Kindergärten auszuführen suchen.
So dünkt Wie nun jedes ächte
Familien Leben einen bestimmten erziehenden
Geist u solches Leben pflegt
das heißt wie das Leben jeder
rechten Familie ein rechtes in sich
innig einiges Ganzes ist so auch jeder
Kindergarten <wie>.
Die Erziehung des Kindes d[urc]h den Kindergarten
für Familie Schule u das Leben, die Entwicklung
u Erstarkung dafür bedarf nun wohl keiner
besonders nach Ausführung der Sache keiner weitern
Nachweisung
[be]sonders wenn Sie die beyliegende[n] schriftl[ichen] u ge-
druckte[n] Anleitung[en] zum Spielen selbst d[urc]hgearbeitet haben werden[,]
ebenso <wie> auch die Nachweisung der
religiösen Entwickelung des Kindes als der Ausgangs-
wie der Beziehungspunkt im G[an]zen die Nachweisung
die Andeutung der Entwickelung des christl[ichen]
Princips können sie [sc.: Sie] noch von mir fordern
wie in der Geschichte der Menschheit Entwickelung
die Idee des einigen lebendigen Gottes die erste ist
und sich daraus erst später das Christl[iche] als das
vermittelnde Entwickelt so auch im Leben des
Kindes, und ich führe das Kind in das Christl[iche] ein indem
ich ihm Jesum als Kinderfreund u hier in seiner großen
Bedeutung des Verkündiger Gottes als eines lieben
Vater zeige woraus sich leicht das übrige
Verhältniß Jesu zu dem Kinde u der Menschh[ei]t
als Erlöser Gottes sohn u. s. w. entwickelt[.]
So dünkt mich könnte Ihnen nun
das Leben u Wesen eines Kindergartens
und wenn Sie die Beylagen lesen selbst
in seiner Ausführung bis ins Einzelnste
hin nicht mehr unklar seyn [.]
Noch habe ich 3 Ihrer Fragen zu beantwor[ten]
1 hinsichtl[ich] der Hülfe. Es kommt da sehr auf
die Persönlichkeit der Leitung eines Kindergartens
an. Hülfe ist jedoch immer nöthig und ist diese
nicht gerad dürftig u sparsam so ist es wegen
des Erfolgs erfreulich doch findet sie sich aber
aber bald d.h. sie entwickelt
sich selbst aus dem G[an]zen ange-
nommen daß überhaupt Er-
wachsene als Besuchende theil-
an den Spielen u Übungen der
Kleinen im Kindergarten theilnehmen
was in den Kindergärten die jetzt
in D[eutschland] ausgeführt sind mehr
oder minder fast immer der Fall ist[.]
Läßt es sich aber ausführen
so ist es wesentlich gut wenn während der
Spiel[-] u Beschäftigungszeit 2 leitende Personen sind wo
von die eine mehr das G[an]ze überblickt u ordnet und die
andere das einzelne ausführt oder anders ausgedrückt
wovon die eine mehr die Spiele u das Leben , die andere
dagegen mehr den Gesang ausführt. Ein dienendes
Mädchen für die niedern Dienste u Hülfen der Kleinen bey ihren physischen
Bedürfnissen ist aber wohl immer nöthig [.] /
[26R]
Es ist also wenigstens nöthig
[1)] Eine Vorsteherin Führerin oder Leiterin
(oder Vorsteher) des G[an]zen, dann
2) deren Gehülfin oder Gehülfe,
[Randnotiz: *-*]
[*] für eine Vorsteherin ist besser ein erziehender Gehülfe
für weil er besonders für die Knaben
mehr d[urc]h >greifende> Kraft die <führ[ung] ha[t]> [*]
daß <wenigstens>
dieser sicher u fest die kleinen Spielliedchen <mit> singen
sondern auch den Gesang führen kann ist g[an]z
wesentl[ich]. Gesang oder <wenigstens> Singen, wenn
auch in langen oder kurzen Pausen von <Schweigen>
oder Sprechen Erzählen unterbrochen ist die Sonne
des G[an]zen.
3) ein dienendes Mädchen für die niedern Dienste [.]
Wie groß die Anzahl der spielenden Kinder seyn
kann ist sehr verschieden es kommt theils auf
die Freyheit an, welche man den Kindern gewährt
theils auf die gelegentl[iche] Hülfe[.]
Wenn das G[an]ze sich etwas eingelebt hat ist auch keines
wegs (immer) nöthig daß die beyden Kinderführer immer
zugl[eich] gegenwärtig sind, da das Aufwart[-] oder Kinder[-]
mädchen immer gegenw[ärtig] seyn muß u auch sonst <helfeld> [sc.. helfend] bey dem
Spiel u Beschäftigung der Kinder mit eingreifen kann[.]
Wie viel nun mindestens diese 2 Person[en] der oder die
Kinderführerin u das Kindermädchen g[an]z Kinder beschäftigen
kann läßt sich gar nicht mit Bestimmtheit am voraus
Besten sagen es hängt dieß von der Individ[ualität] der
Kinderführer wie der Kinder selbst ab [.]
Die Mittelzahl die wir bis jetzt in unsern
Kindergärten erreicht haben war ohngef[ähr] 30
doch hat auch wohl einer, mit gedachtem Gehülfen
50 zugleich beschäftigt und - wenn sich später aus
dem Kreise der großen Kinder u Erwachsenen
Theilnahme auch noch Mithülfe entwickelt /
[27]
so lassen sich wohl 80 bis 100 von einem
Hauptleiter beschäftigen doch haben bey den
besondern Bewegungsspielen die Knaben gern
einen kräftigen <eingehend[en]> Jüngling u jungen Mann als ihren Spiel[-]
führer.
Das Lokale nun möchte ich fast sagen kann
verhältnißmäßig nicht zu groß seyn. Wenigstens
2 Zimmer sind zum Spielen bey einer Menge von <wenigstens> 20 und
etliche[n] Kindern wenn Knaben darunter sind nöthig.
Denn die Knaben lieben gern mehr Geräuschvolle u
Raumfordernde Spiele [.]
Daher ist bey uns die Einrichtung diese[.] Wir haben
zum eigentl[ichen] Spiel u Beschäftigung 3 Zimmer 2 größer[e]
1 kleineres[;]
in dem großen [Zimmer] werden die ruhigen u pflegenden
Spiele von Knaben u Mädchen gemeinschaftl[ich] betrieben
doch so daß die Knaben wenigstens die etwas größeren
u die Mädchen jedes ihre besondern Tische haben an welchen
sie sitzen[.]
Bey den Bewegungsspielen u besonders den mehr
gewaltigen für die Knaben sind Knaben u Mädchen getrennt
wo dann die ersten da es deren verhältnißmäßig
bedeutend weniger sind in einem besondern Zimmer spielen[;]
werden nun aber g[an]z allgemein größere Bewegungs[-]
besonders Geh- u Laufspiele gespielt wo Knaben
u Mädchen wieder geeint sind so gehen wir entwe-
der in ein 3tes größeres Zimmer oder wenn es uns
zu kalt ist setzen stellen wir auch in dem ersten Zimmer Tische
u Bänke auf u nebeneinander u spielen so.
Kann man freylich zum Ganzen ein völlig neues
Locale für g[an]z bestimmte Verhältnisse aufbauen so ist
es etwas anderes dann ist es gut wenn alle
Spiel[-] u BeschäftigungsZimmer ebener Erde sind von
welchen die Verbindung auf den daran stoßenden Hofe
u Garten leicht ist. Wünschen Sie darüber bestens
Auskunft so kann ich Ihnen darüber leicht meine Auff[assung] /
[27R]
mittheilen.
Wegen der Möbel. Sehr zweckmäßig finden
wir Tische 6 Fuß lang 3 Fuß breit 20 Zoll
2 F[u]ß hoch erstere bilden dann was bey manchen
Spielen schön ist zusammen nebeneinander gestellt ein Geviert dazu dann
8 Bänke jede zu 6 Fuß Länge u 14 Zoll Höhe.
Auf Schmäler sind die Tische nicht gut wenn die
Kinder von 2 Seiten daran beschäftigt seyn sollen.
Auch ein etwas höherer als 2 Fuß hoher runder Tisch wenigstens eine Tischplatte
zum Aufdecken auf einen der vorigen Tische
von darum 4 Fuß oder etwas mehr Durchmesser
um welchen die Kinder stehen können, ist bey verschieden[en] Spielen
recht zweckmäßig wenn es
die Verhältnisse erlauben es auszuführen. Die
Verhältnisse müssen in all diesen Dingen bestimmen u ich
kann nicht wohl etwas bestimmter hierüber sagen
bis mir diese g[an]z bekannt sind.
Wie ihre [sc.. Ihre] Kinder besonders ihre [sc.. Ihre] Knaben größer
werden lassen Sie sich die 3e und besonders die 5e Spielgabe
noch ein also 2 mal oder auch wohl gar 3 mal
so groß jede Kante oder Seite machen wod[urc]h
im ersten Fall der g[an]ze Raum 8[,] im 2. Fall
27 mal sogroß wird. In jeder vergrößerten
Gestalt wie des Spiel[s] finden Kinder <ein Wirken>
Auf dieser Stufe des Spieles u bey dieser Größe
der Spielkästen habe ich dann für die Knaben noch
kleine Schub[-] oder Schiebkarren u Radebarren [anfertigen lassen]
um gleichsam die Bausteine als Baumaterial
vom Bauhof auf den Bauplatz zu fahren[.]
Dieses giebt dem Spiele wieder g[an]z <eigen[en]> Reiz
u.s.w. u.s.w. /
[28]
Von der Einrichtung der eigent[lichen] Kindergärten selbst
werde ich Ihnen, wenn Ihr Unternehmen
Fortgang gewinnen sollte, auf ihren [sc.. Ihren] schriftl[ich] an
mich ergehenden Wunsch gern weitere Mittheilung
machen für jetzt mag das Be[y]kommende genügen.
Überhaupt werden Sie bey diesen Mittheilungen
welche ich Ihnen in möglichstem Umfange u mit
dem größten Fleiß gebe doch einsehen wie
mangelhaft in einer solchen Sache des Lebens
die schriftl[iche] Mittheilung ist; ich möchte Ihnen
darum wenn es Ihren Gönnern u Hochgestellten
Beförder[er]n Ihrer u der Sache der Unternehmung
wahrhaft um die Förderung der Sache der
Kindheit u ihres Volkes zu thun ist, daß
Sie <darum anfragen> daß man entweder
einen fähigen jungen Mann aus ihrem [sc.: Ihrem] Vaterland
mindestens auf ein Jahr hierher sendete um
hier an Ort u Stelle sich von dem G[an]zen u über
dasselbe zu unterrichten oder es vielleicht
mögl[ich] zu machen suchten daß Jemand von hier
dorthin reiste u dort die Einrichtung des G[an]zen
träfe. Gewinn u <Kosten> würden sich in beyden
Fällen vielleicht dad[urc]h das Gleichgewicht halten
daß im letztern Falle <-> schneller an die Aus[-]
führung des G[an]zen gegangen werden könnte. -

[Der zweite Entwurf endet 28V. Auf 28V links oben achtzeilige aphoristische Notiz.
Dann setzt ein Entwurf über die Beziehung von Familie, Staat und Kindergarten ein,
der 28R fortgesetzt wird. Dieser Text wird in beiden Reinschriften nicht berücksichtigt]

[28V links, Aphorismus]
Einigung Einh[ei]t Einkl[ang] ist der Urgrund alle[r] D[inge]
<> Ein[igun]g Einh[ei]t Einklang das Streben die
Best[immun]g der Beruf aller Dinge besonders
des Menschen bey allem Widerspruch
Der Weg dazu die Familie      Was ist dieß für eine
Aber diese unvollkommen      Erziehung?
Mittel Spiele      Erziehung zum Einklang Einigung
Weg Kindergarten     Harmonie, Ausgleichung

*

[28V/28R Text über Familie, Staat, Kindergarten]
Nur was in der allgemeinen Lebensentwickelung begründet
und in derselben und d[urc]h sie gefordert und Bedürfniß ist,
kann in dem Leben Anerkenntniß u in dasselbe Eingang finden
es fragt sich daher sind die Kindergärten u wie sind sie in der allge-
meinen LebensEntwicklung gegründet u gefordert und wie
verhält sich zu den <-> nachzuweisend[en] Familien[-] u Volkskindergärten
der deutsche Kindergarten.
Fühlen und sehen erkennen wir uns nun als Glied der Familien
treten gehen wir in das Berufs[-] u Geschäftsleben ein oder
hören wir von den Forderungen des Staates, nehmen
wir den Zustand der allgemein[en] Lebensentwickelung wahr
und treten wir nach diesem Überblick über das gegen[-]
wärtige Gesammtleben des <Menschen> wieder in die einfache Familie
u den einfache[n] häuslichen Kreis zurück, so erkennen
finden wir überall nur eine Forderung, so erkennen wir
überall nur ein Bedürfniß, das Bedürfniß was sich
so laut als fühlbar auch in der kleinsten Familie in dem
einfachsten in sich selbst ruhenden friedlichen Kreis aus[-]
spricht: - Die Forderung Erzieher u der Kindheit entsprechender und das Bedürfniß ächt
zeitgemäßer früher Kinder[-]
erzieher. Gegen dies laut sprechende Bedürfniß u
diese eindringliche Forderung läßt sich um so weniger etwas einwenden als wir <zw[ar]> Familien finden u erkennen
welche von innrer Überzeugung wie von äußerer Lebenserfahrung geleitet die Sorge für die erste Erziehung der
Kinder als das wichtigste zur Begründung des Wohles u des Heiles des Einzelnen wie zur Feststellung
des Heiles der bürgerlichen Gesellschaft wie des Volkes achten und von dieser Überzeugung geleitet
nur ihren Familien in denselben mit ihren Kindern leben. Allein bey unserm Blick auf das gesammtleben
auf das Leben im Allgemeinen wie es [sich] ausspricht nun einmal ist müssen wir neben jenen glücklichen u beglückenden
sehr vereinzelt stehenden Familien – es ist hier, wo es sich nur um Erkennung Erkenntniß u Anerkenntniß der Thatsachen handelt /
[28R]
wie sie sind u wie sie sich finden nicht darum
zu thun die Ursache derselben aufzusuchen
genug wir finden bey unserm Blick auf das Leben
wie es ist, bey unserm Treten in dasselbe
so finden wir weder in dem einzelnen Leben der
Familie noch in dem Vereinleben derselben in dem
bürgerlichen Zusammenleben noch in dem Staats[-] u Volks[-]
leben das was nicht etwa blos die Erziehung des Kindes seinem Wesen
nach fordert sondern was selbst die Familien in sich
d[urc]h sich u das ganze bürgerliche <Staats> / Volksleben erstreben[:]
Einklang der innern u äußern Lebensentwickelung
(Gegenseitige Handbietung Einigung u Vereinigung zur Lösung
der allgemeinen Lebensaufgabe. Übereinst[immun]g der
Ausbildung des einzelnen mit der Forderung des Allgemeinen
(so Sehen des Bestehens u Wirkens des Einzelnen in den
Bedürfnissen u Forderungen des Ganzen <Genug> die Aus-
bildung des Einzelnen als lebenvolles Glied des
Ganzen.
Die Familie hat nun wie wir sahen und wie
auch viele Familien selbst wohl schon in sich erkennen u schon durch sich ausführen
die Aufgabe diese Bildung vom ersten Beginn der
Erziehung des Kindes zu <lehren>, und zur Ausuführung [-]
dieser harmonischen Erziehung und zur Einführung des
Kindes in dieselbe in ihrem Beginn ist von der Natur u unmittelbar d[urc]h sein
Leben dem Kinde u Menschen gleich von seinem
Geboren werden die Familie
als ein G[an]zes gegeben ist ganz vor allem zunächst
die Mutter, dann der Vater, endlich das g[an]ze
Häusliche Thun u lassen mit welchem das Kind eben zu
u für seines Lebens Zweck u Beruf zur beginnenden Lösung seiner
Lebensaufgabe u Erziehung ein einiges Lebendiges
G[an]ze macht. Durch dieses 3es Siehe Brief [.]
Wir sehen hieraus mehrfach[:] die Ausführung von Kindergärten ist
in der Zeit tief begründet, denn der Mensch soll für
Allgemeines für Einheit Einklang erzogen werden[.]
Allgemeines u besonderes soll ihn d[urc]hdringen
Kindergärten schließen wenn m[an] will die Verwahr-
anstalten ein, <dh sind frei> - weil sie
die allseitige Pflege des Thät[igkeit]striebes, des allseitigen Be-
schäftigungstriebes in Anspruch nehmen
viel, viel höher[e] Kindergärten u Kirchen[.]
Allein <dieser> ist <wirklich> <nicht> nur ein Muster
sondern gleichsam eine Kind darin nöthige Univer-
sitas. Fordern viel, worin das Allgem[eine]
Universität wo das Allgemeine gereicht wird
[Rand oben links: 5 Zeilen *-*]
[*] Diese in Gott gegebene u durch Gott bedingte Einheit bei der Kindererziehung nun der Mutter, dem Vater
der Familie überhaupt jeder Gemeinsamkeit
möglich zu machen ist der Zweck der ange-
regten Kindergärten sie ruhen darin auf einem
in sich festen sichern (ruhigen) Grund. [*]

[95]
c) Reinschriftfragment

An Fräulein Nanette Pivany in Kun St. Marton per Pesth pp Szentes.
Blankenburg bey Rudolstadt im Fürstenthume Schwarzburg Deutschland
am 20en Januar 1842.


Hochgeehrteste Fräulein.

Sie wünschen, daß Ihnen von mir in der Kürze die Grundsätze ausgesprochen
werden möchten auf welchen meine erziehenden Bestrebungen ruhen, auf
welche besonders die Art meiner frühesten und frühen Kinderbeachtung und
Pflege sich stützt. Hier haben Sie solche in so wenig Worten und so einfach als
mir möglich.
Meine erziehenden, so wie überhaupt alle Bestrebungen meines Lebens ruhen
auf dem Grunde innerer Einheit, innerer Einigung und inneren Einklangs aller
Dinge auch bey aller äußerer Mannigfaltigkeit, Entgegnung und Entgegen-
setzung. Meine erziehenden Bestrebungen sind darum gestützt <auf die> leben-
vollste Erkenntniß und die tiefste, sich allseitig bestätigende Überzeugung: -
alle Dinge sind aus dem in sich einigen, lebendigen, darum guten, liebenden und so-
mit sich bewußten Wesen - Gott - der Quelle alles Seyns und alles Lebens her-
vorgegangen, ruhen, leben, wirken und schaffen in ihm und durch dasselbe. So-
mit sind nun aber auch alle Dinge durch ihr Wesen und durch den Urgrund ihres
Daseyns bestimmt, vor allem aber hat der Mensch als aus dieser Einheit gebor-
nes und somit wieder als in sich einiges Wesen den Beruf jene innere Einheit
auch bey und in aller äußeren Mannigfaltigkeit, jenen inneren Einklang auch
bey aller äußern Entgegnung, jenes innere, in sich einige Leben auch bey allen
äußeren Widersprüchen und Widerstreben nicht nur im Äußern zu erkennen und
anzuerkennen sondern auch im eigenen Leben selbst darzuleben; so wie andere, be-
sonders die aufkeimende Menschheit, die Kinder, in diesem Einklange lebend zu ma-
chen, sie zur Erkenntniß und Anerkenntniß der Lebenseinheit und Lebenseinigung
heraufzubilden. -/
[95R]
Wie nun auf dieser Überzeugung von der nothwendigen Bildung des Menschen
besonders der Kindheit für Lebenseinheit, Einklang und Lebenseinigung, für Zufrie-
denheit und Freudigkeit des Lebens auf den verschiedenen Bildungsstufen und in
den verschiedenen Ständen – alles das ruht, was ich als Erziehungsgrundsatz auf-
stelle; so auch alles das, was ich als Erziehungsweg und Mittel, und daraus
hervorgehend, als ein Spiel- und Beschäftigungsganzes für das Kind, und besonders
auch als Geist und Zweck der Kindergärten – der Erfahrung, wie dem Bedürfnisse und
dem Nachdenken und so auch Ihnen hier zur Prüfung vorlege.
Wir alle fanden und finden uns wenn wir zum Bewußtseyn zur Vernünftigkeit
zur Selbstständigkeit zu erwachen beginnen in eine Welt voller Widersprüche ver-
setzt und von derselben rund umgeben und so findet sich noch immer jeder zum Selbst-
bewußtseyn erwachende Mensch, jedes Kind; wir sollen z.B. einer inneren Stimme ge-
horchen und immer drängen entgegnende Forderungen von außen auf uns ein; wir
sollen frey seyn und <wieder hören> sehen fühlen wir uns gefesselt, wir sollen Frieden
haben und störende Entgegnungen dringen von allen Seiten auf uns ein und wie sich
alle diese Widersprüche noch viel härter im Leben und durch dasselbe aussprechen. Und
dennoch hat der Mensch als zur Vernünftigkeit und Bewußtseyn, ja zur Selbstwahl
und Selbstbestimmung berufen die Aufgabe diese Widersprüche in sich und außer
sich zu lösen wie es der Zweck der Erziehung seyn soll und ist das Kind dafür und dazu
auszubilden zu befähigen. Was giebt nun die Natur dazu für Mittel, was zeigt
das Leben selbst dazu für Wege? - Von der Natur und unmittelbar durch das Leben
sind dem Kinde gleich von seinem geboren werden, gleich von seinem ersten Treten
in die WeIt der Entzweyung, der Trennung und Entgegensetzung, ja der Widersprüche
ganz vor allem zunächst die Mutter, dann der Vater, endlich eigentlich überhaupt das
ganze Familienleben gegeben. Durch dieß Dreyes das mütterliche, väterliche und
häusliche Leben in Einklang, gleichsam durch das Gemüths-, Verstandesleben und
durch das Leben des Thuns in Einigung, soll das Kind der Einheit seiner künftigen Le-
bensforderungen, dem Einklange seines künftigen Lebensberufes entgegen erzogen
werden; zunächst und zuerst aber durch die Mutter welche zur Ausführung ihres /
[96]
Vermittlerberufes gleichsam ein doppeltes, ja dreyfaches Leben in sich trägt, nemlich
wie ihr eigenes, so auch zugleich das Leben ihres Kindes und das der Umwelt; wie hin-
wiederum auch das Kind unmittelbar mit seinem eigenen Leben und wie sein ei-
genes Leben zugleich das Leben seiner Mutter und auch das der Umwelt in sich trägt.
Woran hat nun also die Mutter wie der Vater und die Familie in ihrem Tun und
ihrer Häuslichkeit ihr Vermittlerungsgeschäft zwischen der Innenwelt des Kindes
und seiner AußenweIt, zwischen seiner innern Welt der Einigung und seiner äußern
Welt der Trennung, seiner innern Welt des Einklangs und seiner äußern des Wider-
spruchs zu knüpfen? - Was haben beyde WeIten miteinander gemein? -
Äußerungen, Wirksamkeiten und Thätigkeiten sind es, Leben ist es, Leben als
Schaffen ist es was sich in der Innenwelt des Kindes wie in der dasselbe umgebenden
AußenweIt findet.
An dieses Gemeinsame Wirksamkeit, Thätigkeit, Leben muß darum auch zuerst
von der Mutter und dem mit ihr einigen Familienganzen angeknüpft werden.[Text bricht ab]

[97]
d) Reinschrift
1.[Bogen] An Fräulein Nanette Pivany Wohlgeboren in Kun St.
Marton per Pesth pp Szentes.


Blankenburg bey Rudolstadt im Fürstenthume Schwarz-

burg (: Deutschland :) Am 20n Januar 1842.


Hochgeehrteste Fräulein.

Sie wünschen, daß Ihnen von mir in der Kürze die
Grundsätze ausgesprochen werden möchten, auf welchen mei-
ne erziehenden Bestrebungen ruhen, auf welche besonders die
Art meiner frühen und frühesten Kinderbeachtung, Pflege
und Beschäftigung sich stützt, und woraus namentlich auch
der Gedanke und die Ausführung von Kindergärten her-
vorgeht; hier haben Sie solche.
Meine erziehenden, so wie überhaupt alle Bestrebung-
en meines Lebens ruhen in der lebenvollen Erkenntniß
innerer Einheit innerer Einigung und inneren Einklang-
es aller Dinge auch bei aller äußerer Mannigfaltigkeit,
Entgegnung und Entgegensetzung; sie sind darum darin gestützt
auf die tiefste sich allseitig bestätigende Einsicht und Über-
zeugung: - alle Dinge sind aus dem in sich einigen,
lebendigen, darum guten, liebenden und somit sich bewuß-
ten Wesen - Gott - der Quelle alles Seyns und alles
Lebens hervorgegangen, ruhen, leben, wirken und schaffen
in ihm und durch dasselbe. Somit sind nun aber auch al-
le Dinge und Geschöpfe durch ihr Wesen und durch den
Urgrund ihres Daseins, durch den Urquell ihres Lebens
bestimmt - vor allem aber hat der Mensch, als aus
dieser Einheit geboren und somit wieder, als in sich einiges /
[97R]
zum Selbstbewußtsein und Vernünftigkeit bestimmtes
Wesen, den Beruf, jene innere Einheit auch bei und in
aller äußern Mannigfaltigkeit, jenen inneren Einklang
auch bei aller äußern Entgegnung, jenes innere in
sich selbst einige Leben auch bei allem äußern Wider-
streben nicht nur im Äußern dennoch zu erkennen und an-
zuerkennen, sondern auch im eignen Leben selbst darzuleben,
so wie die anderen, besonders die aufkeimende Menschheit,
die Kinder, in diesem Einklange lebend zu machen, sie zur
Erkenntniß und Anerkenntniß der Lebenseinheit und Lebens-
einigung heraufzubilden und sie zur einstigen SeIbst-
ausführung und Selbstdarstellung eines solch einigen
Lebens im Einzelnen und im Ganzen, im eigenen Lebens-
kreise und in größeren, zu erziehen.
Was giebt nun die Natur dazu für Mittel, was
zeigt das Leben selbst dazu für Wege? - Von der Natur
und unmittelbar durch das Leben sind dem Kinde gleich
von seinem geboren werden, gleich von seinem ersten
Treten in die WeIt der Trennung und Entgegensetzung
ja des Widerstrebens und der Widersprüche, ganz vor
allem und zunächst die Mutter, dann der Vater, end-
lich das ganze Familienleben gegeben. Durch dieses
Dreyes nun, durch das mütterliche, väterliche und häus-
liche Leben im Einklange, gleichsam durch das Gemüths-,
Verstandes- und schaffende Leben in Einigung soll das
Kind der Einheit seiner künftigen Lebensforderungen,
dem Einklange seines künftigen Lebensberufes entgegen
erzogen werden; allein wie gesagt zunächst und zuerst
durch die Mutter, welche zur Ausführung ihres Ver-
mittlerberufes gleichsam ein dreifaches Leben in sich /
[98]
trägt nemlich wie ihr eignes, so auch das Leben ihres Kindes
und das der Umwelt; wie hinwiederum auch das Kind un-
mittelbar mit seinem eignen Leben und wie sein eignes
zugleich auch das Leben seiner Mutter und auch das
der Umwelt in sich trägt. In dieser Lebenseinigung
und durch dieselbe kann also schon auf der Säuglings- und
ersten Kindheitstufe die Lösung der Lebensaufgabe: Bild-
ung und Erziehung zum Lebenseinklange beginnen.
Woran hat nun also die Mutter wie der Vater und
die Familie in ihrem Thun und in ihrer Häuslichkeit
ihr Vermittlerungsgeschäft zwischen der Innenwelt
des Kindes und seiner AußenweIt, zwischen seiner
innern Welt der Einigung und seiner äußern der
Trennung, seiner innern Welt des Einklangs, und seiner
äußern Welt des Widerspruchs zu knüpfen? -
Was haben beide WeIten mit einander gemein?
Äußerungen, Wirksamkeiten und Thätigkei-
ten sind es, Leben ist es, Leben was sich als ein Schaffen
kundthut (: wie man denn ja auch sagt: Kinder wollen
stets etwas zu schaffen haben, :) das ist es, was sich in der
Innenwelt des Kindes wie in der, dasselbe umgebenden
AußenweIt findet. An dieses Gemeinsame beider Wel-
ten muß darum auch von der Mutter und von dem mit
ihr einigen Familienganzen angeknüpft, von da aus
das Bildungs- und Erziehungsgeschäft des Kindes
begonnen werden.
Wir sehen also weder die Mutter kann das Bild-
ungs- Erziehungs- und so Vermittelungsgeschäft, ob
es gleich zunächst von ihr ausgeht, ohne den Vater und
beide nicht ohne die Familie und diese nicht ohne selbst in /
[98R]
sich einig und in Einklang zu sein, an dem Kinde vollenden u.
zum gewünschten und nothwendigen Ziele führen.
Betrachten wir nun aber das Leben der Familien, der
Mütter und der Väter, wie es nun aus verschiedenen Grün-
den, im Allgemeinen in allen Ständen, da und dort bald
mehr bald weniger ist, so findet sich ein Zweifaches: ein-
mal legt das elterliche Haus selbst, das Geschäft der Mut-
ter, der Beruf des Vaters rc. - wir können es nicht ändern,
jener natürlich vermittelnden Pflege und so erziehenden
und bildenden Beachtung des Kindes häufig schwer zu be-
seitigende, oft unüberwindliche Hindernisse in den Weg,
und zweitens fehlt es häufig den Müttern, selbst bei dem
besten Willen und redlichsten Bestreben, theils an Einsicht
in das eigentliche Wesen und den Zweck der Erziehung,
theils an Kenntniß des richtigen Weges, theils an dem
Besitz der entsprechenden Mittel, und endlich an Übung
und Fertigkeit in dem Gebrauche derselben, um selbst je-
nes Vermittler- und so Erziehungs- und Bildungsge-
schäfte selbst vollführen zu können. Die Mutter und an-
dere Glieder der Familie nun, wenn sie wollen durch
Anschauung und Theilnahme dazu anzuleiten, ihnen
sicher zum Ziele führende Wege zu zeigen, angemessenen
Stoff zu bieten und entsprechende Mittel zu reichen, so
wie aber ganz vor allem den lieben Kindern zunächst
stellvertretend das zu reichen, was durch Umstände die
mütterliche Pflege und das elterliche Haus ihnen nicht
geben kann und was die Kinder doch so nothwendig zu ihrem
gesunden Gedeihen wie Speise, Trank und frische Luft
bedürfen: - angemessene Thätigkeit und bildende Be-
schäftigung, dieß ist der Zweck der von mir ganz besonders /
[99]
2.[Bogen] noch durch das Gemeinschaftliche als höchst heilsam und zweck-
mäßig erkannten, als solche aber auch bis jetzt überall auf
das vollkommenste bestätigten Kindergärten und der von mir
für diese wie überhaupt zur entsprechenden Pflege des Thätig-
keitstriebes der Kinder aufgestellten Spiel- und Beschäftig-
ungsmittel. Der Geist der ersteren ist also ganz der religiöse
Geist des ächten Familien- und der fromme Geist des wahren
Mutterlebens, wie der Geist der letzteren, der Spiele und
Beschäftigungen und ihr Zweck, der von der Mutter unbe-
wußt geahnte höchste Zweck ihrer kosenden und spielenden,
wehrenden und lehrenden, deutenden und meidenden, ein-
enden und scheidenden Beschäftigung mit ihren Kindern
ist: alle Dinge in ihrem Wesen und Zusammenhange ken-
nen und behandeln und das Leben in seiner Einigung fühlen
und führen zu lehren. Der Kindergarten mit seinen Kin-
derspielen und Kinderleben ist also bloß ein erweitertes,
in sich nach Zweck, Weg und Mittel bewußteres, darum
auch in einer gewissen Beziehung vollkommneres, minde-
stens vervollständigtes Familienleben. Beyde, Familien-
leben und Kindergarten, sollen sich gegenseitig zur Ergänz-
ung aber auch zum Spiegel und Muster dienen, wie darum
auch wieder jede Familie ein Kindergarten im Kleinen
sein soll, wie an einem vollkommen ausgewachsenen
Baume jeder Ast und Zweig gleichsam wieder ein
Baum im Kleinen ist.
Familie und Kindergarten heben sich darum auch
keinesweges gegenseitig auf, sondern, wie schon ausge-
sprochen, sie vervollständigen sich gegenseitig, sie gehören
wahrhaft zusammen wie Einheit und Vielheit, wie Be-
sonderes und Allgemeines, wie Mittelpunkt und /
[99R]
Umkreis. Familie und Kindergarten sollen sich mehrseitig
erhöhen und vervollkommnen, gleichsam wie Kirche und
Familie, wie ächtes Kirchenleben das Familienleben ver-
edelt und edles, reines Familienleben den Werth und
die Bedeutung des Kirchenlebens veredelt und erhöhet.
Darum wie jeder Ort wenigstens eine Kirche zu haben sich
bemühet, so soll auch jeder Ort wenigstens einen Kinder-
garten auszuführen und zu erlangen trachten. Und wie
man Anfangs wohl blos Haus- und Familiencapellen hatte,
so soll man, wenn es nicht anders ist, Anfangs für geeinte Fa-
milien mindestens Familien- Kindergärten auszuführen suchen.
Die Erziehung des Kindes durch den Kindergarten wie
für die Familie, so für die Schule und das Leben, die Erstark-
ung und Entwickelung dafür, bedarf nach dem Angeführten,
besonders wenn Sie die beiliegenden schriftlichen und ge-
druckten Anleitungen zu den Spielen selbst durchgesehen
haben werden, keiner weiteren Andeutung. Ebensowenig
auch die Nachweisung der religiösen Pflege und Entwik-
kelung des Kindes als der als der Ausgangs- wie der Be-
ziehungspunkt des Ganzen. Allein die Andeutung u
Nachweisung zur Anknüpfung der Entwickelung des
christlichen Principes in dem Kinde und die Pflege
des Christlichen in dem Kindes-Leben können Sie
noch von mir fordern. Wie nun in der Geschichte der
Menschheitsentwickelung - welche ich, wie es Ihnen
vielleicht entgegengetreten ist, in dem Kinde in gewis-
ser Hinsicht wiederholt schaue - die Idee des einigen,
lebendigen Gottes die erste ist, welche sich klar, bestimmt
und mit all ihrer hohen Kraft wirksam in den Menschen
ausbildet und daraus sich erst später das Christliche als /
[100]
das Vermittelnde, zwischen ihr und der Menschheit und so
Jesus als höchster und größter Menschen- und Mensch-
heitsFreund in der geistigsten und seelenvollsten Bedeut-
ung dieses Wortes entwickelt, so auch im Leben des Kin-
des: ich suche vor allem zuerst wie Gott durch alles,
wenn wir nur achtsam sind, zu uns Menschen spricht -
in allem und durch alles, was das Kind thut, wohl wenig
durchs Wort, allein desto mehr durch die Sache und das
Leben, die Ahnung und das Gefühl eines einigen, le-
bendigen, liebenden und gütigen, Alles leitenden u
Alles durchschauenden Gottes zu wecken und den Glau-
ben daran zu stärken; und nun führe ich das Kind, sich
dieses Glaubens auf der Kindesstufe lebenvoll bewußt,
ja dadurch beglückt und beseeligt - in das Christliche
ein, indem ich dem Kinde Jesum als reinsten und höch-
sten Kinderfreund zeige, dem es verdanke, daß wir ihm,
dem Kinde, Freunde seyen und sind, indem er uns die Kin-
der achten und lieben, ja uns Gott selbst als unsern und
ihren liebenden Vater kennen lehrte. Aus diesem ergiebt
und entwickelt sich dann später leicht, wenn man will,
das weitere Verhältniß Jesu zu dem Kinde, zu den Men-
schen und der Menschheit, selbst als Erlöser und Gottes Sohn.
Um diese Einführung des Kindes in das Christliche zu
vermitteln, weise ich in unsern Spiel- und Beschäftigungs-
stuben einem schönen ausdrucksvollen Kunstblatte,
welches Jesum als Kinderfreund darstellt, z. B. dem von
Overbeck, die schönste, die erste Stelle an. - Ich hoffe hier
auch noch abschriftlich ein paar Liedchen beyzulegen, welche
das Kind in dieses neue Lebens-, Gemüths- und Geistes-
verhältniß geleiten. /
[100R]
Möge es Ihnen hieraus klar werden, daß es mir Aufgabe
und Ziel ist, das Kind und durch den Kindergarten ebenso
stetig und seinem Wesen entsprechend zu seinem Menschen-
ziele zu führen, als Gott die Menschheit in seinem gro-
ßen Lebensgarten stetig zu ihrem Menschheitsziele
führte und noch führt.
Noch habe ich Ihnen, hochgeehrteste Fräulein! ein paar
Worte über die Spielgaben, deren Wesen und Gebrauch
zu sagen. Im Ganzen sollen sie das Kind auffordern u.
leiten aus einer Einheit selbst- und freithätig eine Mannig-
faltigkeit zu entwickeln und eine Mannigfaltigkeit auf
ihre Einheit zurück zu beziehen, es soll sich dieß durch Selbst-
thun zur Anschauung und Einsicht bringen; sie sollen dem Kin-
de ohne Worte lehren, allein durch die That zeigen: Inneres
am Äußeren und durch Äußeres darzustellen, und so hin-
wiederum am Äußeren und durch Äußeres Inneres
zu erkennen und zu lesen, um so in dem Fortgang der Entwicke-
lung später geschickt zu werden, den lebendigen Geist in der ru-
higen Form, ja selbst Gottesgeist in Gottes Werken, in der
Natur und im Leben zu erkennen, mindestens zu ahnen.
Die Spiele und Spielgaben sollen dem Kinde als ein eigen-
es in sich gegliedertes Ganzes erscheinen, wie das Kind über-
all von einem einigen lebendigen Ganzen umgeben ist,
damit es später einmal geschickt werde, dieß zu ahnen, viel-
leicht zu erfassen.
Ohngeachtet nun dieses Wesens und dieser Bedeutung
der Spielgaben, von welchen Sie nur einstweilen hier
5 empfangen werden, sollen sie nun keinesweges das
übrige Spielzeug des Kindes, wenn es dessen noch bedarf,
gewaltsam verdrängen; sondern sie sollen sich zu diesem, /
[101]
3.[Bogen] wie überhaupt zu dem Leben und den Umgebungen des
Kindes verhalten, wie das ABC zum Lesen, wie
das Einmaleins zum Rechnen, das heißt die Spielgaben
sollen dem Kinde sein übriges Spielzeug und Leben erst
recht gebrauchen und verstehen lehren.
So dünkt mich nun, könnte Ihnen geehrteste Fräulein
das Leben und Wesen eines Kindergartens und -
wenn Sie die Beilagen gelesen haben, selbst in seiner
Ausführung mit seinen Spielgaben und Spielen nicht
mehr unklar sein.
In Beziehung auf das Äußere sind mir aber noch
drey Ihrer Fragen zu beantworten übrig. Erstlich in
Hinsicht auf das in einem Kindergarten wirksame Per-
sonale. Gerad streng abwarten läßt sich das nöthige Per-
sonale in einem Kindergarten nicht, weil man bei Errich-
tung und Einrichtung desselben sehr den Umständen
und Verhältnissen nachgehen muß; doch ist es sehr gut,
wenn in jedem Kindergarten drei Personen in bestimm-
ten Kreisen thätig sind: eine leitende, eine helfende und
eine dienende; eine leitende: Die Vorsteherin oder der
Vorsteher, der eigentliche Führer oder die Führerin des
Kindergartens, welche das Ganze in sich trägt und an-
ordnet; dieser Person stehe zur Seite eine helfende; wird das
Ganze von einer Vorsteherinn geleitet, so ist es gut wenn
ihr zur Seite ein Gehülfe stehe. Liegt aber die Leitung in
eines Vorstehers Hand, so ist es gut wenn er von einer
Gehülfinn unterstützt werde, doch liegt es nicht so wohl
in dem Geschlecht, als daß sich in der Ausführung des
Ganzen Kraft und Milde paare. An dem Gehülfen u
an der Gehülfin liegt gar sehr viel, daß sie nicht nur /
[101R]
einen kinderliebenden, erziehenden, pflegenden Sinn,
daß sie nicht nur Geschick im Umgang mit Kindern und
Spielgewandtheit, sondern daß sie auch eine gute, feste,
führende Stimme, sicheres musikalisches Gedächtniß und
Liebe zum Gesang, namentlich Kindergesang habe, dieß
ist wesentlich, hat sie sogar wirklich musikalischen Sinn,
so ist dieß eine sehr erfreuliche Zugabe, denn Gesang
ist das Gemüth des Kindergartens. Die dritte Person
endlich die dienende, ist ein Kindermädchen zur Besorgung
der körperlichen Bedürfnisse der Kleinen; doch ist es gut, wenn
sie auch bei der Beschäftigung und Spiele der Kleinen hülf-
reiche Hand bieten kann. Überhaupt ist es für die Leit-
ung eines Kindergartens eine Hauptaufgabe, wie auch
in einer großen Familie, sich möglichst tüchtige und selbst
zahlreiche Hülfe unmittelbar aus dem Kreise selbst zu ent-
wickeln und herauf zu bilden; so mache man abwechselnd
bald dieses bald jenes Kind, besonders die Erwachseneren, als
natürlichen Lohn seiner sinnigen Achtsamkeit zum Spiel-
führer größerer oder kleinerer Spielkreise, damit mög-
lichst viel[e] Kinder so durch die Sache und das Leben selbst
nach und nach einen Überblick über das Ganze und
Beachtung des Einzelnen und des Allgemeineren erhal-
ten, denn die kleinste Hülfe zur rechten Zeit und am rech-
ten Orte kann sehr viel zur Erhaltung der Ordnung des
großen Ganzen beitragen. Auch Besuchende veranlasse
man, selbst an den Spielen und den Beschäftigungen
mit Antheil zu nehmen. Wir in unsern Kindergarten
bringen dieß viel in Anwendung; das gewöhnlichste
Spiel wird für das Kind durch einen neuen Theil-
nehmer ein ganz neues, ja das Kind bekommt Achtung /
[102]
für sein Spiel, Liebe zu demselben, wenn Erwachsene es thei-
len, bekommt Unbefangenheit und Freiheit und vermin-
dert den Schein des theatralischen, wenn das Kind in Gegen-
wart von Fremden spielt. So haben unsere Spiele zum öfte-
ren selbst fürstliche Personen getheilt und [diese], ob unsere
Kinder gleich aus dem [sc.: den] gewöhnlichsten bürgerlichen Krei-
sen sind, sich nicht gescheut, gleich dem kleinsten Kinde z.B.
im „Kindchen drehe dich“ sich im Kreise zu drehen. Hierin
liegt das Erhebende, Stärkende, Bildende der Kindergärten,
daß jeder stets einer großen Familie zu gleichen sucht,
worin die Glieder sich mit allen sie Besuchenden, mensch-
lich verwandt fühlen. Dadurch wird es nun aber auch nur mög-
lich, daß wenige Leitende ohne Dressur und ohne Härte, ja
ohne eigentlichen Lohn und besondere Strafe, mit immer
neuem Reiz jungen frischen Lebens und ohne selbst
persönlich, geistig und körperlich zu erlahmen, einen
ziemlich bedeutenden Spiel- und BeschäftigungsKreis
führen können. Die geweckte und gewährte allgemeine
Theilnahme ist es, welche auch wieder die Kraft des Einzel-
nen weckt und nährt. Doch eine unerläßliche Bedingung ist
es; die sorglichste aber zugleich auch die lebenvollste Ordnung
wie die Tages- und Jahreszeiten in schöner stiller Ord-
nung wechseln und liebliche Blumen, süße Früchte u
geist- und herzerhebende Freuden geben, so die Spiele
und Beschäftigungen und das Leben der Kinder in dem
Kindergarten, einem kleinen Theile des großen Natur-
und Menschheitsgartens Gottes, des Gottesgartens
selbst. –
Wie viel nun von den oben bestimmten Personen
Kinder beschäftigt und beaufsichtigt werden können, läßt /
[102R]
sich auch schwierig voraus bestimmen, es kommt dieß sowohl auf
die Individualität der Führenden als auf den Charakter der
Kinder an. Die Mittelzahl darin, die bis jetzt in unsern
Kindergärten von einem Spielführer beschäftigt worden sind,
ist ohngefähr 25, doch hat auch wohl einer mit gedachtem Gehülfen
50 zugleich beschäftigt, und - wenn sich später aus dem Spiel-
und Beschäftigungskreise durch größere Kinder und erwachsenen
Teilnehmern auch noch Hülfe entwickelt, so lassen sich wohl 80
bis 100 von einem Hauptleiter beschäftigen, versteht sich alle
als ein Ganzes und gleichsam im Chor; treten aber mehrere
besondere Beachtungen der Kinder namentlich Trennung der
Knaben und Mädchen ein, was bei etwas vorgerückterem Al-
ter der Knaben, namentlich bei einigen ihrer Spiele und we-
gen der größeren Gewalt ihrer Lebensäußerungen wenig-
stens zu Zeiten nöthig ist, so sind zwei bestimmte Spiel- u
Beschäftigungs-Führende nothwendig; und da haben die
Knaben gern einen kräftigen, ein- und ganz <weithin> im
Spiel gleichsam aufgehenden Jüngling oder jungen Mann
zum Spielführer; doch unterordnen sie sich dabei auch sehr
gern einem kräftigen, lebensgewandten im Alter nur et-
was vorgerückterem Knaben, besonders wenn er die allge-
meine Achtung und Liebe der Kleineren besitzt und in
sein spielführendes Amt gleichsam von der Oberleitung
eingesetzt ist.
Zweitens in Hinsicht auf das Locale möchte ich sagen
daß der Raum verhältnißmäßig kaum zu groß sein
kann; doch kann man wohl auch so finde ich mit Beeinträchti-
gung des Zweckes, mit einem mäßigen Raum aus-
kommen; doch hier handelt sich’s doch wohl um Bestimm-
ung dessen was zu einer vollkommeneren Ausführung /
[103]
4.[Bogen] des Ganzen nöthig ist. Hierbei und nach dieser Voraussetzung
muß fest gehalten werden, daß schon bei einer mäßigen
Anzahl von Kindern, sobald sie aus Knaben und Mädchen
besteht, z.B. 20 bis 30 Kindern wovon 1/3 tel oder ¼ el Knaben
sind, zwei Zimmer nothwendig werden, aber weil die
Knaben mehr lautere und raumfordernde Spiele lieben.
Wir in Blankenburg haben dagegen bei einer Zahl
von oft 80 Kindern zum eigentlichen Spiel- und Beschäf-
tigungs-Raume im Gebäude 3 Zimmer, 2 größere u
ein kleineres. In dem mittleren Zimmer werden zuerst
die mehr ruhigen und sitzenden Spiele besonders die Bau-
spiele und schaffenden Beschäftigungen gemeinschaftlich
betrieben; doch so daß die Knaben und Mädchen, wenigstens
die etwas größeren ihre besonderen Tische haben; ebenso
ist es gut, daß jedes Kind seinen bestimmten Platz habe.
Es erleichtert dieß die Ruhe und Ordnung gar sehr.
Bei den Bewegungsspielen, besonders bei den mehr
gewaltigern, sind die Knaben von den Mädchen getrennt,
und die ersteren, deren es bei uns im oben angegebenen
Verhältnisse weniger sind, spielen dann in dem verhält-
nismäßig kleineren Zimmer. Werden nun aber wieder
ganz allgemein größere Bewegungs-, besonders Geh-
und Laufspiele gespielt, wo dann Knaben und Mädchen
wieder geeint sind, so gehen wir unter Spielgesang in
das dritte größere Zimmer. Wir finden das Zusammen-
spielen der Knaben und Mädchen, besonders wenn die er-
steren ihr kräftigeres Leben im eigenen Kreise durch-
lebt haben, für beide Theile sehr wohlthätig: die Mädchen
werden und fühlen sich kräftiger, und die Knaben erschei-
nen milder, sich leichter der Ordnung fügend. Außer- /
[103R]
dem haben wir in der Nähe unseres Spiel- und Beschäftigungs-
hauses noch einen freien Raum, welcher die Gärtchen der Kin-
der und noch 2 Spielplätze einen für Knaben und
einen gemeinschaftlichen enthält, welcher dann, wenn
die Knaben für sich spielen, von den Mädchen allein be-
nutzt wird. Doch will ich Ihnen zu Ihrem Troste sagen,
wenn sich bei Ihnen nicht alles gleich auf das zweckmäßig-
ste ausführen läßt, daß auch bei unserer Einrichtung im
Äußern gar vieles zu wünschen übrig ist. Kann man
zur Ausführung eines Kindergartens ein Locale für be-
stimmte Verhältnisse ganz neu einrichten so ist es frei-
lich ein anderes, und wo es nur einigermaßen möglich ist,
soll man es thun; denn man erleichtert sich nicht nur
das Ganze, die Führung des Ganzen ganz ungemein,
sondern erhöhet und verschönt auch dadurch die Früchte und
den gesammten Eindruck desselben. Zu dieser idealeren
Einrichtung des Ganzen gehört: wenn das Spiel- und Be-
schäftigungshaus wirklich in der Mitte eines Gartens
steht, welcher zugleich den nöthigen Hof- und Spielraum
in sich schließet, so daß gleich das Äußere des Kinder-
gartens den Eindruck eines Gartens für Kinder macht
- wenn die Spiel- und Beschäftigungszimmer alle ebe-
ner Erde sind - wenn sich innerhalb derselben oder in
deren Nähe die nöthigen Räume zur Aufbewahrung
der Spiel- und Beschäftigungsmittel, wie auch zur Ab-
legung der etwaigen Überkleider sich befinden - wenn
sich die nöthigen Räume zum etwa nöthigen Waschen
der Kinder und zur Befriedigung ihrer körperlichen Bedürf-
nisse zweckmäßig und besonders mit dem Ausdruck
der größten Reinlichkeit in der Nähe angebracht sind. /
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Außer allem diesem ist es noch wesentlich gut, wenn die
den Kindergarten leitenden und an ihm angestellt helfen-
den Personen in dem Gebäude des Kindergartens vereint
wohnen; da sich aber dieses alles schwierig immer sogleich
vereinigen läßt, so muß man gewöhnlich mit dem sich schon
annähernd vollkommnern zufrieden sein. Doch sollte man,
was die Verhältnisse zwar schwierig, aber am Ende doch
möglich machen, keine Mühe und Anstrengung scheuen,
das Ganze gleich vom Anfange an auf das Vollständig-
ste und Beste einzurichten und auszuführen, weil der
Gewinn und die Früchte davon d. h. der Erfolg des Ganzen
unberechenbar ist.
Wünschen Sie daher über eine ganz neue auch äuße-
re Anlage eines Kindergartens von mir ebenfalls
Auskunft, so kann ich Ihnen darüber nach den obigen
Andeutungen auch einen Entwurf, so wie besonders auch
über die Anlegung der eigentlichen Gärtchen oder Beet-
chen der Kinder mittheilen.
Drittens wünschen Sie noch Auskunft wegen des
Stubengeräthes. Sehr zweckmäßig finden wir Tische 6
Fuß lang und 3 Fuß breit, 2 Fuß hoch, so daß deren 2,
was bei manchen Spielen sehr zweckmäßig ist, zusammen-
gefügt ein Geviert ausmachen. Zu jedem Tische kommen
4 Bänke, 2 jede zu 6 Fuß lang und 2 jede von 3 Fuß
Länge und sämmtlich 14 Zoll Höhe. Schmälere Tische sind,
wenn die Kinder gewöhnlich von 2 Seiten daran beschäf-
tigt sein sollen, nicht zweckmäßig.
Auch ein etwas mehr als 2 Fuß hoher runder Tisch,
wenigstens eine solche leichte Tischplatte zum Aufdecken
auf einen der vorhin bestimmten Tische, und darum von /
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etwas mehr als 4 Fuß im Durchmesser, um welchen die Kin-
der stehen und so leicht herum gehen können, ist bei verschie-
denen Spielen auch recht zweckmäßig wenn die Verhält-
nisse erlauben es auszuführen. Die Verhältnisse müssen
überhaupt viel bestimmen. Hat man z. B. nur 2 Zimmer,
so muß man bei den größeren und allgemeineren Be-
wegungsspielen Tische und Bänke so hoch als möglich zu-
sammensetzen.
Nun noch eine Bemerkung über das Spielzeug. Zu den
Bällen wählt man wenigstens Anfangs lauter einfache,
aber recht klare bestimmte Farben wie sie der Regenbogen
zeigt. Später kann man auch zu einem Balle mehrere in
schöner natürlicher Folge verbundene Farben wählen; al-
les dieß ist nicht gleichgültig, sondern wesentlich bildend,
besonders zur Weckung und Bildung des Farbensinnes,
und die scharfe Auffassung und richtige Bezeichnung der
Farben in der Natur. Von den Spielkästchen muß beim
Spiel jedes Kind eines zum Gebrauch haben. Lassen Sie
sich von dieser Einrichtung ja nicht durch scheinbar et-
was große Ausgabe abhalten, indem das Spielzeug we-
gen seiner Dauerhaftigkeit, wenn es geschont wird, fast
ganz unverwüstlich ist.
Ebenso ist es sehr zweckmäßig, daß, wie die Kinder
größer werden, man auch die 3e, 4e und besonders die
5e Gabe größer machen läßt, und zwar, daß man je-
de Kante eines Würfels oder Bauklötzchens erst zwei-
mal
und dann später dreimal so groß als gewöhn-
lich machen läßt, wodurch im ersteren Fall der Körper-
raum 8 mal und im zweiten Fall 27 mal so groß
wird; denn auch die Körperkraft des Kindes wie der /
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Umblick seines Auges, soll durch die Spiele gebildet und
entwickelt werden. Ja von der 4en Gabe habe ich sogar
für die kräftigen 4 bis 5jährigen Knaben Bauklötzchen
wo jede Kante 6 mal so lang als gewöhnlich ist, aber
jederzeit, dieß steht fest, die bestimmte Anzahl in ihren
eigenen Kästchen. Auf dieser Stufe des Spieles und bei
dieser Größe der Spielkästen habe ich dann für die Kna-
ben noch kleine Schub- oder Schiebkarren und bei uns so-
genannte Radebarren, um gleichsam die Bausteine
als Baumateriale von dem einen Ende des Zimmers,
dem Bauhofe, auf die andere Seite desselben, den Bau-
platz zu fahren. Dieses giebt dem Spiele wieder einen
ganz neuen Reiz, weckt geregelte gemeinsame Thä-
tigkeit, z.B. gemeinsam eine neue Stadt aufzubauen,
wie besonders auch Ausdauer. Als ich diese Spiele in
meinen hiesigen Kindergarten brachte, wollten die
kleinen Knaben einige Stunden hintereinander nichts
thun, als in schöner Ordnung und unter dem Singen
eigener Fahr- und Bauliedchen [zu] fahren. Und warum
nicht? - Alles soll der Kindergarten üben: auch die
Stetigkeit und Ausdauer. Selbst noch kleine Knaben
fühlen zu solchem Spiel ihre Kraft geweckt und genü-
gend. -
Ob Ihnen, hochgeehrteste Fräulein! nun wohl nicht
entgehen wird, wie ich, aus Anerkennung Ihres Ver-
trauens, auch wahrer Achtung für Ihre Nation und
aus Liebe zu derselben, wie ich Ihnen die von Ihnen
gewünschte Auskunft über die Ausführung eines
Kindergartens im möglichsten Umfange und großem
Fleiße gab, so werden Sie doch auch, wenn Sie selbst /
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an diese Ausführung gehen, nur gar zu bald sehen, wie
mangelhaft, ja wie wenig in einer solchen Sache des Le-
bens die schriftliche Mittheilung ist, und diese nie ersetzt,
was der Augenschein giebt und lehrt. Ich möchte Ihnen
darum, wenn es Ihren geneigten hohen Gönnern und
hochgestellten Beförderern Ihrer Unternehmung wahr-
haft auch um die Beförderung des Wohles Ihrer Nation
durch zweckmäßige Beachtung und entsprechende Bildung
ihrer Kinder zu thun ist, den Vorschlag machen, bei
Ihren gewiß vielvermögenden Hochgestellten dahin
zu wirken, daß man einen fähigen vor allem durchaus
sittlichen, kinderliebenden jungen Mann Ihrer Na-
tion mindestens ein Jahr hierher sendete, um sich hier
an Ort und Stelle in dem Geiste und in der Führung
einer solchen Anstalt zu unterrichten, mindestens
zu einem tüchtigen Gehülfen hier die nöthige Kennt-
niß und Übung zu verschaffen, wie erst noch kürzlich
von einem benachbarten Fürstenpaare geschahe. Sollte
dieß aber Ihnen die Ausführung Ihres Unterneh-
mens zuweit hinaus stellen, so könnte ich Ihnen
auch noch einen andern Vorschlag machen, welcher auch
schon in Ausführung gebracht worden ist, nemlich
daß durch Ihre hochgestellten und eingehenden Kinder-
und Vaterlandsfreunde es möglich gemacht würde,
daß Jemand von hier aus dorthin reise und dort die
Einrichtung zu einer ächten Nationalanstalt dieser Art,
als einer vaterländischen Musteranstalt träfe. Wie
wäre es, wenn Sie Ihre Anstalt gleich von vorne
herein dazu auszubilden suchten?