Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Gräfin Therese Brunszvik in Pest/Kun St. Marton v. <20.> 1.1842 (Blankenburg)


F. an Gräfin Therese Brunszvik in Pest/Kun St. Marton v. <20.> 1.1842 (Blankenburg)
(BN 398, Bl 1-2V, 2 undat. Dispositionen ¾ B 4°3 S.; BN 398, Bl 7-20, undat. Entwurf 7 B 4°28 S. von fremder Hand mit Zusätzen F.s.; BN 398, Bl 29-94V, tw. datierte Abschrift 32 ½ B 4°129 S. von fremder Hand, nummeriert A-K, mit Korrekturen und Zusätzen F.s; ed. Hoffmann 1944, 1-2,5, 20-97. Das Datum der Abschrift „im Januar 1842“ ist ungenau. Der Brief an Gräfin Brunszvik ist sicherlich zur gleichen Zeit wie das Schreiben an Pivany vom 20. 1. 1842 abgegangen und lag wohl dem Brief an Pivany bei. Angaben über den Adressatort fehlen und sind den Briefen an Pivany vom 20.1. bzw. 16.4.1842 entnommen.)

a) 2 Dispositionen

[1. Disposition = Gedankenreihe, nach Hoffmann auf den Brief an Gräfin Brunszvik zu beziehen]
[1]
[links, Zeile 3-1 von unten]
I Grundsätze d Methode II Ob Unterricht u wie III Wie den
Kindergarten anwenden IV Belohnungen welche? IV [=V] Wodurch
Lust und Neuheit in den Spielen. V [=VI] Ausstattung äußere VI [=VII] Person[al].
[2]
[rechts] SpielEinführung
[Nach Hoffmann Skizze einer praktischen Spielanweisung, die sich im Brief an
Gräfin Brunszvik weiter ausgeführt wiederfindet:]

1. Mit dem Ball beginnen
2. Aus dem Leben d[es] Kindes, Umgebung hervorwachsen
3. Bey einem Kinde erst Theilnahme ge-
weckt, geht es weiter
4. Von was habe ich geht es zu
wie ist d[er] Ball?
5. Die Antwort darauf <wieder war>
d[er] Ball ist in die Augen fallend scheinend
schön <zu seyn>.
6. Nun bestimmt d[as] Bällchen das ist schön.
1ter Abschn[itt] d[er] Ball, wo das Kind allein
mit dem Ball sich besch[äftigt]
2[ter] Absch[nitt] wo 2 Kinder sich damit besch[äftigen]
anknüpf[en] bey Hin über herüber.
3ter Abschn[itt] wie d[er] Ball [bis] jetzt in wagr[echter] B[ewegung]
so nun in senkrechter B[ewegung] her[au]f herab.
4ter Abschn[itt] senkr[echte] und wagr[echte] Richt[ungen] <verbinden>

b) Entwurf

[7]
1. [Bogen]
        Hochgeborene,
Hochgeehrteste Frau Gräfin!

Ihrer ehrenden vertrauenden Zuschrift
d. d. 14 8br 1841, die aber erst sp
bedeutend später [Lücke] hier eingegangen ist,
kann nur mit hochachtendem Vertrauen
und eingeh
hat uns mit Freude und
Hochachtung erfüllt, und macht es
uns zur Pflicht, in die darin ausge-
sprochenen Wünsche nach Möglichkeit
zu befriedigen. Ihre Zuschrift giebt bezeugt, daß Sie auch
Zeugniß daß Sie einem gleich uns mit

einen Gegenstand, die erste Kind-
heitpflege
für wichtig halten, welchen wir auch
wir eben darum auch wir ebenfalls von der größten Be-
deutung halten erkennen, und zwar
darum, weil von der rechten Erfassung u sichern
Leitung der Kindheit die ersehnte bessere
Zukunft abhängt, darin weil hierdurch das Glück
und die Freyheit der Völker zu be-, die sie erstreben,
gründen ist sicher begründet werden kann und muß. /
[7R]
Sie begehren wünschen in Ihrem Briefe nähern Aufschluß über
die von mir und von Blankenburg aus angebahnten
Kindergärten. Zuerst kann der
Name selbst schon eine gewisse Aus-
kunft geben. Wie in einem Garten
Gewächse im Zusammenwirken von
Erde und Himmel unter dem Ein-
fluß menschlicher Einsicht und Sorg-
falt Gewächse ihrer Natur an-
gemessen behandelt u zur Veredlung heraufgezogen
und der Veredlung werden, so ist offen-
bar
auch die Absicht in diesen Gärten, die
ersten Gewächse der Erdenschöpfung
Menschenkinder, im Zusammen-
hange mit dem sie umschließenden
gebenden Leben, Menschen- u Naturleben, mit
durch
im Einklange mit allen den
von Gott ihnen zu ihrer Entwickelung
bereiteten u gegebenen Verhältnissen
durch bewußte Gärtner, Kinderpfleger
u Erzieher
Pflege früh ihrem Wesen u ihrer /
[8]
Bestimmung gemäß zu erziehen.
Die Hauptfrage [Hoffmann: Hauptsache] ist nun, wie geschieht dieß ?
Sie fragen in Ihrem Briefe, Schreiben nach den
Grundsätzen welche hierbey leiten -,
wie die sogenannten [Zusatz H: Gaben in den] Kindergärten
angewandt würden [H: wendet werden]; ob den Kleinen
und wie ihnen Unterricht ertheilt werden;
was für Belohnungen wir haben;
was wir thun, um Lust u Neuheit in
den Spielen zu erhalten usw. sogar selbstüber äußere Ausstattung u die Anzahl
der dazu nöthigen Personen wünschen
Sie belehrt zu seyn.
Was nun die Grundsätze betrifft,
so ergeben sich diese gleichsam von selbst
und mit Nothwendigkeit; wenn wir
nur unverwandten Blickes der Sache
nachgehen, um die es sich handelt.
Es handelt sich aber im Ganzen um
eine wahrhafte, gründliche Erziehung
des Menschen
. Wenn diese aber gründl[ich] /
[8R]
seyn soll, so muß sie tief und möglichst
Diese muß tief und früh beginnen. Wie wir bey den Ge-
wächsen
Pflanzen wissen, daß alles darauf an-
kommt, sie in der ersten Zeit zu schützen
ihnen das Herzblatt gesund zu erhalten
und ihre die Stämmchen recht gerade zu ziehen
so haben wir auch alle die Erfahrung
von dem großen Einfluß der ersten
Einwirkungen auf unser Leben.
Die Kindheiteindrücke sind un-
auslöschlich, die Kindesgewöhnungen
gehen durchs ganze Leben, und
<untheil>bar werden nicht wieder

werden nicht wieder ausgetilgt;
darum was hier versehen wird
büßen wir fort u fort und was hier gut ge-
macht wird, ist unser Gewinn für
durch das ganze Leben.
Ferner: der Mensch ist wie ein Sa-
menkorn. Die Kindheit ist die Kei-
mezeit. Zeit wo sein Wesen her-
vorkeimt, vorkeimen will. Dieß

Das gesunde Hervorkeimen ist es eben, was die Kindheitpflege
schirmen u fördern soll. Um das
dieß aber zu können, muß das Wesen /
[9]
2) [Bogen]
des Menschen und das Gesetz seiner
Entwickelung erkannt seyn. Wie
die Frucht uns hinweist auf den Baum
von dem sie stammt und einerley
Art mit ihm ist, da sie den Baum
wieder aus sich erstehen lassen kann
so ist auch das Wesen der Menschen
einerley Art mit seinem Ursprung,
das Geschöpf trägt die Eigenschaften
des [H: seines] Schöpfers an sich: der Mensch ist
göttlichen Wesens. „Gott schuf den
Menschen ihm zum Bilde."
Gott aber ist Leben und dieß thut sich
kund im Schaffen. So trägt hat u SSo hat auch der Mensch
So offenbart sich auch im Menschen das
Leben u dieß äußert sich im Thätig
Thun. im Thätigkeitstriebe An der Trieb zur
Thätigkeitstrieb ist also erste Regung
des menschlichen Wesens; Es kann auch
nicht anders seyn, wie er sich zuerst was gleich zu Anfange, schon zeigt
zeigt so muß er
auch eine Markröhre im Bau, sich zeigend
durch das ganze Leben hindurch gehen,
wie die Markröhre im Baume von der Wurzel bis zur Krone steigt. /
[9R]
Hieran also, an An ihn den Thätigkeitstrieb, muß also
die früheste Erziehung des Menschen die
Kindheitpflege
sich knüpfen. Wie wahr
es wichtig es ist, den Thätigkeitssinn

im Kinde wahrzunehmen, ihn zu leiten
zu befriedigen, können wir erkennen
aus dem Glück des Kindes u der Freud welches das Kind zeigt, wenn es
seine kleinen Kräfte schon gebrauchen
kann; das können wir Erwachsenen auch
aus unserer eignen Erfahrung wissen indem
uns keine schönern Freuden blühen als
die aus der regesten regen Thätigkeit er-
wachsen. Das bezeugt auch alles um
uns; das wann verkündet die Natur
lauteren Jubel, als wenn sie der schaf-
fende Frühlingshauch sie wieder zur
frischen Thätigkeit geweckt hat.
Wie das Thun Lust gebiert so bringt umge-
kehrt auch das Unthätigseyn Unlust
Mißmuth, Verdruß mit all seinen Folgen.
So werden wir bey genauerer Betrachtung
finden, daß das was wir im Kinderleben /
[10]
3) [Bogen] Unarten nennen seinen Ursprung
nimmt aus dem Mangel an richtig ge-
leiteter Beschäftigung.
Wie soll denn aber die Thätigkeit des Kindes
geleitet werden? Nach demselben
Gesetz wie die Kraft überhaupt wirkt,
nach dem Gesetz, wie Gott selbst handelt wirkt u schafft.
Und da sehen wir, in seinem weiten Reich geht
in seiner weiten Schöpfung wie seine
ganze Schöpfung
alles aus dem Kleinen
und Einfachen, gleichsam aus einem
Punkt hervorgehen
aus einer Einheit
hervorgehen, wie die ganze Schöpfung ist ja
aus ihm, dem Einigen, hervor geboren
ist. So muß die Beschäftigung des Menschen in seiner Kindheit
Aus der Einheit wächst so hervor
Kindes und das
auch von dem Einfachsten, an von einer
Einheit, gleichsam in von einem sicht-
baren und verkörperten Punkt
ausgehen.
geknüpft werden – da aber Die
Thätigkeit sich als Spiel des Kindes aber ist
sich in dem ausspricht was wir Spiel /
[10R]
nennen, so ist uns hier mit gegeben durch bestimmt
So mit ist uns bestimmt gegeben, wie des Kindes erster Spielgegenstand
beschaffen sein muß. Was entspricht was
Es muß ein ganz Einfaches, gleichsam Ein sichtbarer, ein verkörperter Punkt seyn
woraus sich alles übrige entwickelt muß es seyn. Was haben wir nun, diesem entsprechend
das dieser Forderung ent-
entspricht, was u der zarten Kraft eben so der kleinen
Hand des Kindes als seiner zarten Kraft angemessen, seinem Triebe alles
etwas zu fassen und sich nahe
zu bringen so angemessen was sogar nicht gefährlich, was vielmehr
nicht verletzend, im Gegentheil wenn alle all so erregend belebend ganz unschädlich und eben
u erfreuend ist so erfreuend als anregend ist? Wir kennen als solches nur
den Ball.
Der Ball ist des Kindes erster Spielgefährte und mit vollem Recht.
Denn Das Kind ergreift mit dem Ball
wie im Bilde seine ganze Bestimmung
und Lebensaufgabe. Wie es Denn durch
alle Entwickelung will es sich zuletzt
doch nur sich selbst als eine bewußte Einheit
erfassen, will die Welt als ein Ganzes
in sich aufnehmen und ihren Schöpfer
als das einige Wesen, was alles aus
sich entwickelt u alles in sich eint trägt
lebendig fühlen u erkennen und mit ihm
sich geeint wissen.
So muß es seyn. Wenn schon jeder Natur-
gegenstand von früh an nichts anders
thut, als sich und sein Wesen darstellt daß er das was in ihm liegt, entwickelt, /
[11]
so muß die bewußte Erziehung es endlich
dem Menschen möglich machen, gleich
vom Beginn seiner Thätigkeit in allem
Thun sein Wesen zu <be[m]erken> darzustellen kund zu thun und so
seine Bestimmung zu erfüllen. Dieß ist
uns die Aufgabe der frühesten Kinderpflege.
Weiter [:] die Einheit entwickelt sich
in Mannigfaltigkeit. Die eingeschlossene
Fülle offenbart sich in dem äußern
Vielen. Der Baum der jetzt kahl im
Winter
so kahl dasteht bricht im Frühjahr
hervor in unzähligen Knospen und Blättern.
So strebt das einige Leben des Kindes
in unendlich Vielem sich darzustellen kund zu thun
um seine verborgene Fülle hervor zu bringen.
Darum kann das Kind nimmer ruhen und wird so mißmuthig ungehalten,
so <> will u ist unglücklich wenn
es unbeschäftigt ist.
Wie aber tritt die Einheit in die
Mannigfaltigkeit? Nach einer festen
Bestimmung. Die <-> Entwickelung
geschieht in Gegensätzen, die durch
ein höher liegendes geeint sind. Eine leise
Beachtung zeigt uns dieß an uns selbst.
Haben wir eine Zeitlang geruht, so /
[11R]
wünschen wir uns zu bewegen.
Sind wir mit dem Geiste thätig
gewesen, so wollen wir auch den
Körper gebrauchen. Haben wir den rechten
Arm angestrengt so mögen wir auf
den linken überwechseln in Thätigkeit bringen. So in der
Natur. Auf den Herbst folgt der
Winter, auf den starren Winter Frost
der alles befreyende belebende Frühling. So
will auch des Kindes Thätigkeit
gesetzmäßig wechseln. Dem muß
also auch der Spielgegenstand, durch
den und an dem welchem das Kind seine Thätigkeit
äußert, entsprechen. Und so zeigt
es das für die entsprechende Kindheitpflege
von uns auf-
gestellte Spielganze. Aus Der
weiche Ball führt zur sehr harten
Kugel, die runde Kugel zu dem
eckigen kantigen flächigen Würfel,
der einfache ungetheilte Würfel
zu dem getheilten; der massige /
[12]
der Körper-spielstoff führt geht über zum flächigen,
linearen; der sichtbare weist leitet
zum hörbaren, der ruhende
das Sinnliche leitet weist zum Unsinnlichen
und Geistigen, das Äußere führt
zum Innern u Geistigen. Des
Kindes Spiele sind ganze in seiner
stetigen Entwickelung aus einer
sichtbaren Einheit ist auf gleiche ihm
Weise ein Sinnbild sowohl der für die Natur, als
für die Geistesentwickelung. Das Spiel ist dem
Kinde ist darum ein der Vermittler für diese beyden Welten,
beyde, führt das Kind eben so in und führt es ebenso [in]
seine Umgebung ein wie in sich selbst
ein, und lehrt es den einigen
höchsten Grund von beyden ahnen und
in sich fühlen empfinden.
Wie die Entwickelung der Einheit
in die Mannigfaltigkeit eine gesetz-
mäßige aufsteigende ist, so ist sie
auch eine allseitig wirkende. /
[12R]
Das Wirken der Kraft geht nach allen
Seiten Richtungen. Die Sonne sendet ihre Strahlen
nach unten wie oben, hinauf u herab, vor[-] u rückwärts
wie nach rechts u nach links. Der Baum
treibt zu gleicher Zeit mit seinen Wurzeln
in die Tiefe wie mit seiner Krone in die
Höhe und mit den Ästen in die Weite.
So will auch die Kraft in dem Menschen
wirken und nach ihren Hauptrichtungen thätig
seyn. Dieß muß darum die frühe
Kinderpflege berücksichtigen. Unsere
Beschäftigungen und Spiele haben dieß
<immer> vor Augen, indem sie die Kraft des
Kindes Thätigkeit nach allen Seiten in Anspruch
nehmen. Die Sachanschauungen und
Selbstdarstell[ung]en bildetn die Grundlage, schärfen die Sinne und üben
die Glieder u den ganzen Körper und giebt geben der Sinnen- u Körper-
thätigkeit ihr Recht
. An Schauen u Schaffen Daran knüpft sich das bezeichnende
Wort welches die Sache dem Geiste
klar macht diesen bildet und die Sprache entwik-
kelt. Und dann tritt der Ton, der
An das Wort u die Sprache schließt sich der Ton, der Gesang hinzu, welcher das Herz /
[13]
3) [Bogen]
erfüllt, die Empfindungen belebt und
der Gemüthswelt des Kindes den Aus-
fluß und die Gestaltung verschafft. Wie
wohlthuend, wie erhebend wirkt darum
selbst auf den Erwachsenen ein froher
Kinderkreis im schön geordneten Spiele.
Alle Kräfte die in der Menschenbrust
schlummern und sich in dem Kinde in
ihren ersten Anfängen zeigen sind in Thä-
tigkeit, regen sich gegenseitig an und
ergänzen sich zu dem frohen Daseyn,
was als ein Musterbild in das spätere, geordnet
wirksame Leben hinaufleuchtetn kann.
Wie die Einheit als Leben u Kraft
in die Mannigfaltigkeit tritt, so wohl
nach festem Gesetz als gleichmäßig nach
allen Seiten, alle Anlagen u Kräfte
in Thätigkeit setzend
, so wirkt sie auch
allharmonisch, im AllEinklange
mit allen Gliedern wie des kleinern u größern
Ganzen
die verwandten Glieder mit einander verbindend
und im Einklange mit dem näher u ferner stehenden Ganzen.
So kann auch nur die ächte /
[13R]
Kindheitpflege gedeihen. Die ganze
Führung der Kinder, ihre Beschäftigungen,
ihre Spiele und Spielzeuge müssen vereint
darauf hinweisen. Das ist es was unsere
Kindergärten anbahnen. Durch die ent-
sprechende Beschäftigung ist das Kind zunächst
mit sich selbst in Übereinstimmung, es
ist zufrieden <-> und heiter wie jedes Wesen das die
von Gott empfangene[n] Kräfte nach seiner
Weise richtig gebraucht. Es lebt in Ein-
tracht und Liebe mit andern Kindern.
Wie das kleinste Kind schon unwillkürlich
lächelt, wenn es seines gleichen bemerkt, ein Kindchen
sieht
, so sieht das heranwachsende bald die un-
mittelbare
seine Anziehung zu andern Kindern begrün-
det: es kann sein Leben einem verwandten
mittheilen, in dem Spiegel des andern
kann es das seine
und wiederum eines andern
Leben in sich auf nehmen, oder kann in dem
Spiegel des fremden [Lebens] sein eignes klarer
schauen; es fühlt in dem vereinten Kin- /
[14]
derleben nicht nur seine Kräfte ange-
regt und vielseitig erweckt, nein es kann
auch im Verein mit andern vieles dar-
stellen was es allein gar nicht vermag, die
gemeinsamen Spiele sind eben so anziehend
als entwickelnd in Gemeinschaft mit andern
nur möglich. So <keim[en]>, entwickeln u stärken
sich die Bande der Liebe.
sondern auch viele
der schönsten Spiele werden ihm in Gemeinschaft
erst möglich. So lernt es das andere <höhere> Kind
schätzen, aus der Freude entwickelt
sich die Liebe und das Vertrauen und der
Grund zu der Eintracht u Verträglichkeit wird
mit jedem Tage fester gelegt. Auch jün-
gere und ältere Geschwister werden durch solche ächte Kindheitpflege
hierdurch inniger verbunden. Das ältere
beaufsichtigt begleitet schützend nicht
nur das jüngere, sondern durch die Spiele
in denen es sich selbst entwickelt, gewinnt
es auch Einsicht u Geschicklichkeit wie es
sein jüngeres Geschwister zu beschäftigen
und zu erfreuen kann, <-> wie das jüngere
mit seiner wachsenden Liebe ihm reich
dafür lohnt. Eben so soll durch solche Kindheit-
pflege das Kind seinen Eltern u der Familie
nichts weniger als entfremdet werden,
vielmehr diesen erst recht dadurch ge- /
[14R]
geben werden, indem die Mutter oder
andere Erwachsene das Kind zu wenn
es ihnen möglich ist, zu die das Kind
zu diesen spielenden Beschäftigungen be-
gleitet, oder wenn das Kind zurück-
kehrt, von ihm was [es] geübt u gelernt hat
sich zeigen lassen und wodurch sie [die Eltern und
Erwachsenen] sowohl das Kind in seinen Äußerungen beachten
kennenlernen, als seine Spiele u Beschäfti-
gungen weiter leiten können.Überhaupt
beabsichtigt diese Kindheitpflege entwickelnd zurückzuwirken
auch auf die Familien,
in diesen eine größere Beachtung des Kin-
derlebens anzubahnen und Mütter
und Eltern als eine Gemeinsamkeit
für zum Wohl der Kindheit immer
mehr zu vereinigen u so allmählig die
Gesammtachtsamkeit eines Ortes, ja
ein[es] Landes auf das frühe Kindheitleben
hin zu lenken. So wird das Kind mit
erhöhtem Dank nicht nur zu seinen Pflegern und
Eltern aufblicken, sondern auch das
Band mit der übrigen ihn [sc.: es] umgebenden
Menschenwelt fühlen, ja ahnen daß er [sc.: es] /
[15]
von der gesammten Menschheit wie
mit liebenden und leuchtenden Strahlen
umschlossen ist, was die es zu den reinsten
Kindesgesinnungen erhebt u belebt be-
seelt und
sein Herz zu den reinsten
Kindesgesinnungen erwärmt und
es bis zu dem Quell der Liebe u des Lichtes
hinaufhebt.
Aber nicht bloß mit dem mensch-
lichen Leben u seinen Verhältnissen
soll sich das Kind geeint fühlen, sondern
auch mit der Natur. Und dieß bahnt
diese Kindheitpflege auf die sorglich-
ste Weise an. Nicht allein daß es
durch täglichen Aufenthalt, durch öftere
Wanderungen ins Freye zu den verschie-
denen Jahreszeiten, auf die einzelnen
Erscheinungen aufmerksam wird,
die Blümchen am Wege pflückt, den
blühenden Baum betrachtet, der sin-
genden Vögel horcht, der summenden
fleißigen Biene zusieht, das pracht-
volle Abendroth bewundert, durch
Gestalt, durch Farbe u Duft, durch die
<bl> herrliche Blüthen u erfreuenden
/
[15R]
Früchte zu dem Geber alles dieses Schönen
und Guten hinaufführen rühren läßt
und solches erfreuende Leben, wie
es des Menschen die ihn umgebende Men-
schenschöpf[ung] welt u Schöpfung in seinen Spielen
abbildet und sich dadurch den Blick dafür
schärft; - nein es einigt sich noch mehr mit
der Natur dadurch daß es sie selber
pflegt, auf eigenem Beete im wirklichen
Kindergarten, das Samenkörnchen steckt
es keimen gleichsam aus dem Grabe
unter seiner Pflege erstehen, wachsen blühen u fruchten
sieht; es lernt hier an einem andern
thun u üben, was mit ihm geschieht;
in der Pflege Bearbeitung u Pflege der
Natur bereitet es sich zu einstiger hoher
Pflege vor; hier sieht es auch gleichsam
mit Augen den Schöpfer um sich wandeln,
und mit Augen seine Schöpfermacht üben[.]
Seine Thätigkeit, sein Helfen läßt ihn das
als Kind [sich] als ein Glied in dem großen
Schöpfungsganzen finden, erfüllt es
mit Liebe
füllt [sc.: fühlt] die Liebe des Einen Va- /
[16]
ters auch in sich walten, und sich so
findet in freudiger Ahnung wie mit
Natur u Menschen so auch mit dem
der beyden Leben u Daseyn giebt innig
verbunden.
Und so wächst das Kind in solcher Garten
Pflege, seine Wurzel in dem Boden
des ewigen Lebens, nach dessen Gesetz
in bestimmter Stufenfolge sich entwickelnd, nach allen
Seiten mit mit seinen Kräften sich entfaltend erstarkend,
in Übereinstimmung mit sich, im Einklang mit
seiner Umgebung, mit der Natur
und Menschheit, und im Frieden
mit seinem himmlischen Vater, als sein Kind,
gleich dem gesunden Gewächse auf
seinem Beete, das Kind
in seinem
Gärtchen, in Gesundheit, sich und
andern zur Freude empor[.]
Das sind die Grundsätze die in
unserm Kindergarten walten.
Sie sind nicht willkürlich, sondern folgen
der ewigen Ordnung, welche Gott selbst
in seinem Schöpfungsgange und in /
[16R]
der Erziehung des Menschengeschlechts
befolgt. Das Kind, als ein Ebenbild
seines Schöpfers, ist ein durch Schaffen zum
Schauen, empor zum Bewußtseyn empor
steigendes Wesen. Darum muß es ge-
führt werden, daß es gleichsam wie an der
Hand des Schöpfers, wie an Vaterhand,
die Schöpfung, die Natur u die Menschen-
welt schaffend aus sich darstelle und schau-
end in sich aufnehme, aus der Einheit die
Mannigfaltigkeit entwickele und für
jede Mannigfalt[igkeit] die Einheit wieder
finden lerne. So wird dem Kinde mög-
lich gemacht sein Menschenleben auf
der Kindesstufe rein und wahrhaft
zu leben, in seiner Ahnung der Einheit
mit Gott und seiner Welt zu erstarken
diese erste und wichtigste Zeit des Lebens
in Unbestimmtheit u Unthätigkeit nicht
zu verlieren sondern für alle folgende
Entwickelung den Grund zu legen und
auf dieser sich für die folgenden Stufen früh
dieser Stufe gemäß für Schule und Leben allseitig
sich gründlich u umfassend vorzubereiten. /
[17]
4. [Bogen]
Aus der Andeutung dieser Grundsätze,
welche in dem deutschen Kindergarten
mit geeinter Kraft zu verwirklichen
gesucht werden, beantworten sich Ihre
andern Fragen wohl von selbst. Denn
werden die Kinder auf diesem Wege ge-
führt und beschäftigt, so braucht von Be-
lohnungen und Strafen
wenig oder gar
nicht die Rede zu seyn, wie wir denn auch
kaum solche zu nennen wissen. Lohn
fühlt das Kind in seinem Spiel, in seiner
Beschäftigung, es findet dadurch seinen
Grundtrieb befriedigt; was kann es mehr
wollen, wenn es darin noch nicht gestört ist?
Strafe ist ihm, wenn es von der Gemein-
schaft, wo ihm dieß möglich wird entfernt
oder für eine Zeit ausgeschlossen werden
sollte.
Was „die Lust und Neuheit in den Spielen
zu erhalten“ betrifft, so wird Ihnen wohl
aus dem Inhalt u der Aufgabe der spie-
lenden Beschäftigungen, die aus dem Vorher-
gehenden klar, hervorgehen, daß die Fort- /
[17R]
entwickelung derselben nie stille stehen,
und diese Fortentwickelung eben nicht nur die Kraft der Kinder
sondern der Erwachsenen zu ihrer eigenen Ent-
wickelung völlig
mit den Kindern sich
beschäftigenden Erwachsenen sollen zu ihrer
eigenen Entwickelung Bildung und Freude, völlig in
Anspruch nimmt. Der stete möglichst
lückenlose Fortschritt in Übereinstimmung
mit unter sich, mit Allen und mit der
höchsten Einheit kann ja für Wesen,
welche zu immer höhern Vollendung
aufzusteigen bestimmt sind, nur
einen unverwelklichen Reiz haben.
Wir gehen nun zu dem über, was
Sie auch Verehrte, in Ihrem Briefe als
Wunsch aussprechen, indem wir Ihnen
an der Durchführung von einem den
Ball- und Bewegungsspielen - die sich
gleichsam als Gegenpunkte vorhalten sind
so viel wie dieß aus Worten mag ersehen
werden können (denn zum eigentlichen
Verständniß gehört Anschauung ja Selbst-
übung) - zeigen, wie die Grundsätze in
den Kinderspielen beschäftigungen angewendet werden.
[Rand links Ergänzung *-* = Reinschrift des Entwurfs von 17R.
Dieser Textabschnitt ist dann Seite 21 Bestandteil des durchlaufenden Entwurfstextes]

[*] Hier folgen nun eigentlich zunächst
zur kosenden und spielenden Beschäf-
tigung mit ganz kleinen Kindern
welche noch nicht sprechen, noch nicht
stehen und noch weniger laufen
können, wenigstens eben erst im
Begriffe sind ihre Anlagen und Fähig-
keiten dazu zu entwickeln - für
Mütter und Kinderpflegerinnen -
die Koseliedchen, die Kling- und Reimliedchen, die
Klang-, Takt- und Reimsprüche, die Schlag[-] und
Sachreime, die dem Kindchen selbst
die Wahrnehmung seiner Persönlichkeit, den es umgebenden
Gegenständen Bedeutung, wie wech-
selseitige Beziehung unter sich geben
und in Verhältniße zu dem Kinde
bringen und wie in denselben zeigen.
Weiter die Zungen-, Glieder-, Hand- und
Fingerspiele zur Freymachung der
leiblichen, der Sinnen- und Gliederkraft
des Kindes, wie zur Weckung seiner noch
schlummernden Seelen- und Geistigen Kräfte;
u zur Wahrnehmung seines Selbstes als
eines eigenen einigen Wesens und
solcher Person, wie zur Ahnung des großen Ganzlebens als
aus einer Einheit hervorgegangen u in derselben ruhend. -
Doch sind diese [Koselieder] als für den vorliegenden
Zweck nicht gehörig, hier nicht auf-
genommen, sondern es wird sogleich
zu dem Spiele mit einem besonderen
Gegenstande und zwar wie oben
entwickelt zu dem Balle überge-
gangen. -
Aber Auch das Spiel mit dem
Ball mit dem einzelnen Kinde oder
wenigen, in der Kinderstube mit der Mutter
oder der Kinderpflegerin ist
hier nicht angegeben als eben
wieder für den vorliegenden Zweck nicht
gehörig.[*] -/
[18]
Wenn wir auf diese Vorführung eingehen Theilen die
Reihen der Beschäftigungen in den Kinder auf die An-
deutung hin gärten mit. Wenn wir nun auf die
Andeutung der R
Wenn wir nun auf die Vor-
führung dieser Reihen u Theile der Beschäftigungen
in dem Kindergarten mit Andeutung des Zusam-
menhanges in dem sie unter sich und mit den übrigen
stehen, zurückblicken, so ergiebt sich daraus zunächst die
Antwort einer noch nicht berücksichtigten nachFrage
Ihres Briefes, der nämlich: „ob den Kleinen
Unterricht
ertheilt werde“ klar aus durch der [sc.: die]
Anschauung. In dem Kindergarten herrscht
das Spiel, wie der Unterricht der Schule
angehört: Dieses Spiel aber, das sehen wir,
ist aber nicht ein bloßes Zeitvertreiben,
ist nicht ein zufälliges, ungeordnetes
Leben u Bewegen, ist keinesweges ein
Nichtlernen. Vielmehr zeigt sich der ruhigen
Beachtung klar hier des Dichters Wort bestätigt:
Tiefer Sinn liegt in dem Kinderspiel.“
Im Spiele wollen sich froh u leicht u in schöner
Harmonie die Kräfte bewegen. Das ist
der Kindheit Trieb und Bedürfniß. Dem
sucht der Kindergarten wahrhaft zu begegnen[.]
Den Kleinen bahnt er die Möglichkeit an
alle Kräfte, die in ihnen sich regen, im
Einklang unter sich, zu gebrauchen, durch
sie das Schöne was sie in sich fühlen, und
um sich wahrnehmen, aufnehmen das reine /
[18R]
Menschliche auf ihrer kindlichen Stufe fröhlich
freudig darzuleben, sich ebenso zum Aufnehmen u
Erkennen alles Edlen u Guten empfänglich zu
machen
als zum Ausüben u Pflegen desselben
geschickt zu machen und so aus dem edlen Keim gleichsam
zu einem edlen Stämmchen in allseitiger Thätig-
keit zu erstarken. Es wird dem Kinde
<da>durch möglich auf seiner Stufe ganz Mensch
zu seyn, das Leben um sich hier, die Natur
u Menschenwelt nach seinen Kräften zu er-
fassen, und eben so das was sich in ihnen regt, frey
aus sich zu gestalten, so wohl als ein selbststän-
diges Einzelnes, wie auch in Vereinigung mit
seinen Genossen, als ein Glied kleiner und
höherer größerer Ganzen, in Übereinstim-
mung mit allen seinen Verhältnissen.
Die Beschäftigungen im Kindergarten dem Die Spiele geben ihm, dem Kinde her
als Einzelnes und dem Ganzen heraufwachsenden
Menschen ein Bild der Gesammtentwickelung.
Er sieht wie aus dem Kleinen das Größere u
Große wird, wie aus einem ganz Einfachen
eine so reiche Mannigfaltigkeit hervorgehen kann.
Die Spiele führen ihm im Bilde vor und lassen
ihn darstellen, so wohl wie die Natur u Schöpfung
als wie das menschliche Geschlecht in ihrer Ent-
wickelung gegangen sind und wie darin auch
es und jeder Einzelne sich entfalten kann und soll. /
[Rand links völlig gestrichene Ergänzung *-*,
identisch mit Randtext 17R, also dessen Entwurf]

[*] Hier folgen nun eigentlich zunächst
zur kosenden und spielenden
<> Beschäftigung mit ganz klei-
nen noch nicht gehenden laufenden noch nicht <?> stehenden vielweniger
laufenden Kindern
für Mütter u Kinderpflegerinnen
zunächst die Koseliedchen
die Kling- und Reimliedchen
die Klang-, Takt- Schlag- und
Reimsprüche, die Schlag[-] und
Sachreime, die dem Kindchen selbst
[seine] Persönlichkeit und der es umgebenden Gegenst[än]den
Bedeutung wie wechselseitige Beziehung unter sich geben
und in Verhältniß geben zu dem Kinde bringen.
Die Zungen-, Glieder-, Hand-
u Fingerspiele zur Freymachung
der <> leiblichen, der Sinnen- u Glieder-
kraft des Kindes, wie zur
Weckung seiner noch schlummernden
Geistigen Kräfte
und zur Erfassung Wahrnehmung seines Selbst als
eines eigenen einigen
Wesens u Person.
Doch diese [Koselieder] sind hier als
für den vorliegenden Zweck
zunächst nicht gehörig hier
nicht aufgenommen; sondern
<es ist> es wird sogleich zu dem Spiele mit einem
Gegenstande und zwar wie oben
entwickelt auf den
Ball übergegangen <werden>.
Sehr förderlich, zur Erfassung und
zum Bewußtwerden des Wesen[s]
u der Bedeutung des Kindes für
die Mutter u Pflegerin [sind die]
II Koseliedchen zur Pflege der frühen
Selbstwahrnehmung des Kindes –
der Gegenstände an sich – der Wechselverhältnisse a) dieser unter sich
wie b) zu dem Kinde. III Freymachen der Sprache u Gliederwerkzeuge. [*]
[19]
5)[Bogen] Dadurch daß die SpielBeschäftigungen und Spiele
von dem Einfachsten ausgehen und sich allseitig
wie die Krone eines Baumes verästen,
befriedigen sie entsprechen sie dem
kleinsten Kinde, wie sie die vielseitige <Richt[un]g>
des Thätigkeitstriebes in dem Heranwach-
senden befriedigen. Wie des Kindes Kraft Thätigkeit
sich stetig entwickelt, so halten die Spiele hiermit
mit solcher Entwickelung gleichen Schritt, sie
gehen bis auf jede Stufe herab und erwei-
tern sich mit jeder Kraft in lückenlosem
Fortschritt. Gedenkt man daran wie
die Vielheit der Kind Spiele so leicht zer-
streut, so ist dabey hier keine Gefahr -
da es nur eigentlich nur ein einiges, in
sich gegliedertes Spiel ist. Sorgt man
daß die Menge der Spiele das Kind ver-
wirren könne, so wird dies gleich wieder-
legt, dadurch daß einmal das Kind sie
ein Spiel aus dem andern hervorwachsen sieht,
dann aber dadurch, daß die Spiele selbst stets auf
die Einheit zurückweisen und dadurch so ihren
religiösen u moralischen Kraft Ursprung beweisen u wirksam machen./
[19R]
Wollte man sagen, die strenge Gesetzmäßig-
keit, mit der die Spiele entwickelt sind, passte
stimme nicht mit der Forderung der kindlichen
Freyheit [überein], so ist das wieder nur Schein,
denn mit dieser gesetzmäßigen der bestimmten Ordnung
der Spiele ist nicht gesagt, daß die Kinder
dieselben in dieser Reihenfolge nachein-
ander spielen sollten; denn im Spiele selber
wird unmittelbar dem kindlichen Bedürf-
niß u seiner Neigung nachgegangen und
nun von irgend einem Punkte aus, den
wie gesagt das Kinderleben angiebt,
wird in entwickelnder Weise möglichst
das Spiel fortgeführt. Und das will und
verlangt gerade das Kind, denn es hat
einen sich stetig entwickelnden Geist in sich,
dessen es sich auf solche Weise schon in seinem
Spiele mit Freude anfängt bewußt zu
werden. Darum aber, weil es einen
solchen Geist in sich hat, verlangt es auch, daß
ein derartiger bewußter u erstarkter
Geist es lenke, den will es im Spielführer sehen,
einen solchen Geist will es in dem Stoffe
an dem es sich übt, in <seinen> Spielen wodurch /
[20]
es sich entwickelt glauben und wissen;
daß das Kind soll so in seiner Leitung u in seinen
frühesten Kinderspielen die Ahnung seines
Innern bestätigt sehen: daß aller Mannig-
faltigkeit eine Einheit, und zuletzt die höch-
ste Einheit zum Grunde liegt, daß in den
verschiedensten Entwicklungen ein be-
stimmtes Gesetz u zuletzt nur Ein Gesetz
waltet, daß alles Einzelne kein Verein-
zeltes sondern ein Glied des Ganzen und
zuletzt mit dem All großen All, daß welches
Einer hält und bewegt
, ein inniger Zu-
sammenhange [be]steht. So geleitet und
beschäftigt wird fühlt das Kind in seinem Spiel
einen höheren Geist; den es auf den einigen
Geist in der Natur u im Menschenleben

sein Spiel, ein Sinnbild der Natur[-] u Mensch[en]-
entwicklung und der seines eignen Wesens
macht es den einigen heiligen Geist, welche[r]
von Einem aus durch alle Dinge weht, klar
ahnen, diesem Führer nachgehen und so in
Unschuld Freude u Friede erstarkend herauf
zu wachsen. Ist es auf diese Weise anders
zu erwarten als wie es sich zeigt, daß die
Kinder in unserm Kindergarten mit unbedingtem
Vertrauen u Liebe der Hingabe sich an uns anschließen, unter[-] /
[20R]
einander in Eintracht u Freude thätig sind
und im geschwisterlichen Bande die Eltern durch
schöne Folgsamkeit erfreuen und diese selbst zur
höhern Erfüllung ihres heiligen Berufes <ermut[ig]en> u erheben!
So sehen wir also was die Kindergärten
vor allen u welche Bedeutung sie haben. Bewußt
u klar haben sie zum Ziel, den Menschen das Kind als
einen Gotteskeim zu behandeln, ihm <->
entsprechende Nahrung, Luft u Wärme zu
verschaffen, sein Wesen, seine Kraft nach
allen Richtungen zu bethätigen, um sich
einst als das was es ist, als ein göttliches
Wesen klar zu erkennen und als ein
solches mit Selbstbestimmung und
wahrhaft frey zu handeln da zu stehen
und
zu handeln. Zu diesem rein mensch-
lichen Ziele ziehen sie da den führen sie nicht bloß
die Kinder in ihre Mitte sondern suchen
auch mit sich dafür auch die ältern Geschwister
die Mütter u Eltern überhaupt die Erwach-
senen, als ihrem würdigsten B u ihren eben
als Erwachsenen ihren eben zukommenden
Berufe
zu vereinen. Die Kindergärten
mit ihren allseitigen Beschäftigungen sind
hier zu geschickt geeignet nicht bloß dadurch
daß sie zu einer nicht abzuweisenden Pflicht auffordern,
sondern dieselbe auch leicht machen, indem die Spiele eine solche einige
Kraft und Brautzeit Lebensfülle in sich tragen, welche nicht bloß die Kindheit
befriedigt sondern die Erwachsenen selbst zu einer erneuenden <tenden> allseitigen
Entwickelung in vollen Anspruch nimmt, so daß sie gewiß einst werden aus eigener
Erfahrung aussprechen rufen werden: „Kommt laßt uns unsern Kindern leben und so ein-
gehen in das Himmelreich.“ Und so sind und werden die Kindergärten
was ihr Beruf ist, die Grundlage einer allgemeinen höhern Lebensentwicklung. - /
[21]
Hier folgten nun eigentlich zunächst -
zur besondern u spielenden Beschäfti-
gung mit ganz kleinen Kindern,
welche noch nicht sprechen, noch nicht
stehen und noch weniger laufen können,
wenigstens eben erst im Begriff sind,
ihre Anlagen u Fähigkeiten dazu
zu entwickeln. – für Mütter
u Kinderpflegerinnen, die Kose-, die
Klang- und Reimliedchen, die Klang-
Laut- u Reimsprüche, die Schlag-
und Sachreime, die dem Kindchen
selbst die Wahrnehmung seiner
Persönlichkeit, den es umgebenden
Gegenständen Bedeutung, wie wech-
selseitige Beziehung unter sich,
zu geben, und im Verhältnisse
zu dem Kinde bringen, wie in
denselben zeigen, weiter die
Zungen-, Glieder-, Hand- und
Fingerspiele zur Freymachung der
leiblichen, der Sinnen- u Gliederkraft /
[21R]
[Rand links oben achtzeilige Notiz *-*]
[*] Wod[urc]h Kindergarten
1) d[urc]h Verknüpfung mit der Natur Pflanzennatur
2) d[urc]h Verknüpfung des Allgem[einen] mit dem Besonderen
des Familienl[e]b[en] mit dem öffentl[ichen Leben] Wecken des Seins des Scheins
3) d[urc]h Sprach[-] u Sinn[-] u Gliederspiele Koselieder
4) d[urc]h vermittelndes Spielzeug
5) d[urc]h freye Körperspiele vorz[üglich] Beschäftigung Arbeit Darstellung
Darstellungsspiel. [*]
des Kindes, wie zur Weckung
seiner noch schlummernden Seelen-
und geistigen Kräfte u zur Wahr-
nehmung seines Selbstes als eines
eigenen u einigen Wesens und
solcher Person, wie zur Ahnung
des großen Ganzlebens, als aus
Einer Einheit hervorgegangen
und in derselben ruhend. Die
Koselieder haben also den eigent-
lichen Zweck
1) bey von vorne[herein] zur Erfassung
u zum Bewußtwerden des
Wesens u der Bedeutung des
Kindes für Mutter und Pflegerinn
wie für die umgebenden Glieder
des Hauses zu wirken:
2, sollen die Koseliedchen zur
Pflege der Sichselbstwahrneh-
mung des Kindes, - der Gegen-
stände umsich, - der Verhält- /
[22]
nisse dieser
a) unter sich, wie
b) zu dem Kinde
beytragen;
3, eben so zur Freymachung
der Sprach-, Sinnen- und
Gliederwerkzeuge. Doch sind
diese Koselieder, als für den
vorliegenden Fall nicht un-
mittelbar gehörig, hier nicht
aufgenommen worden, son-
dern es wird so gleich zu dem
Spiele mit einem besondern
Gegenstande, und zwar wie
eben entwickelt, zu dem
mit dem Balle übergegangen.
[Rand links 19zeiliger Zusatz *-*]
[*] Stetig geht schreitet nun so weiter der Kindergarten in der Pfleg[e] der ihm [an]vertrauten Kleinen weiter im AllEinklang weiter fort vorwärts zur lösung der vor ihm obliegenden Erziehungsaufgabe fort.
Wie der Kg. das Kind zuerst in der Gesammtheit seiner Ver-
hältnisse u seiner Umgebungen ungestörten Natur u Lebens Zusammenhange <und> erfaßt, wie er es in seinem Wesen erkennt
u der Würde desselben gemäß behandelt u pflegt wie es d[urc]h die
Sprache, d[urc]h die Bethätigung seiner Glieder u Sinne es zum Gefühl
seiner Selbst zu bringen u es zur Beachtung seiner Umwelt zu bringen <herausführt> und den Gebrauch
seiner Seelen[-] seiner <-> Glieder- u Körperkraft zu wecken sucht
so strebt , sucht bemüht sich der Kindergarten seinem Kinde Pflegebe-
fohlenen dar zu reichen was dessen ge<wül>te [sc.: gefühlte] Kraft , geweckte
Glieder- u Sinnenthätigkeit und ein Gefühl des Selbstes das Erkennen Finden u Fühlen
einer Umwelt um sich
nun fordert {Ein vermittelndes / Einen Gegenstand} <mittelb[ar]> für seine Kraft
woran u wod[urc]h es seine Kraft gebrauchen üben stärken
u so immer mehr erkennen kann; ein G[anze]s Vermittelnde
für seine Umgebung {woran / wodurch} es die Eigenschaften seines
Äußern u Umwelt <mittelbar> erkennen kann
und dieß ist ein diesem doppelten Bedürfniß
wie doppeltem Streben entsprechender besonderer Spielgege[n]st[an]d [*]
Aber auch das Spiel mit
dem Ball wird bey dem einzelnen
Kinde, oder wenigen Kinder[n] in der
Kinderstube mit der Mutter
oder den sonstigen Kinderpfle- /
[22R]
genden ist hier nicht angege-
ben, als eben wieder für den
vorliegenden Zweck nicht un-
mittelbar gehörig, doch enthält
hierüber so wohl das erste Heft zur ersten Spielgabe,
wie das Sonntagsblatt die nöthige Auskunft.


NB! zu den Kindergärten
Das Leben Wesen u die Bedeutung der Kindergärten
besteht darin, daß sie das Leben als ein in sich einiges G[an]zes
erfassen, beachten u behandeln u das Kind ebenso mit all seinem Wollen u Sein als
ein Glied dieses großen G[an]zleben
erfassen behandeln u pflegen[.]
Die Behandlung und Bewaltung [sc.: Bewältigung] der Kinder-
erziehung in den Kindergärten als ein Ganzes
ist wichtig. Ein Gang in den Kindergärten giebt <so>, wie ein schön
geordneter Hausgarten u rein[e] klare Natur
die reinste Lebens[-]
freude.
Der Mensch ist zu Geselligkeit Gemeinsamkeit
geboren u soll früh dazu ausgebildet werden [.]
Dieß[e] Bestimmung zu erreichen
zur Erreichung dieser Bestimmung auszubilden ist Zweck der Kindergärten [.]
Es ist nicht genug das[sc.: daß] es unvollkommen
u unbewußt <eben> geschehe der
mensch ist ein zur Vollk[ommenheit] best[immtes] Wesen [.]
[links oben] Er faßt die innern Gesetze Gegenstände deren
Bedeutung Gebrauch Mensch als ein G[an]zes

c) Abschrift

[29]
[Bogen] A. (Einleitung)

        Hochgeborene,
Hochgeehrteste Gräfin!

Ihre ehrende vertrauende Zuschrift
d. d. 14ten October 1841, die aber erst bedeu-
tend später [Lücke] hier eingegangen
ist, hat uns mit Freude und Hochach-
tung erfüllt, und macht es uns zur
Pflicht, die darin ausgesprochenen Wün-
sche nach Möglichkeit zu befriedigen.
Ihre Zuschrift bezeugt, daß Sie einen
Gegenstand wichtig halten, welchen
wir auch von der größten Bedeutung
erkennen, und zwar darum, weil
von der rechten Erfassung und sich-
ern Leitung der Kindheit die er- /
[29R]
sehnte bessere Zukunft abhängt, weil hier-
durch das Glück und die Freyheit der
Völker, die sie erstreben, begründet
werden kann und muß. /
Sie wünschen in Ihrem Briefe
Aufschluß über die von mir und von
Blankenburg aus angebahnten Kin-
dergärten. Zuerst kann der Name
selbst schon eine gewisse Auskunft
geben. Wie in einem Garten Ge-
wächse im Zusammenwirken von
Erd und Himmel unter dem Ein-
fluß menschlicher Einsicht und
Sorgfalt ihrer Natur angemessen
behandelt, und zur Veredlung her- /
[30]
aufgezogen werden, so ist auch die Ab-
sicht in diesen Gärten, die ersten
Gewächse der Erdenschöpfung, Men-
schenkinder, im Zusammenhange
mit dem sie umgebenden Leben,
im Einklange mit allen den von
Gott zu ihrer Entwickelung be-
reiteten Verhältnissen, durch be-
wußte Pflege früh ihrem Wesen u
ihrer Bestimmung gemäß zu er-
ziehen.
Die Hauptsache ist nun,
wie geschieht dieß ? - Sie fragen in
Ihrem Schreiben, nach den Grund-
sätzen,
welche hierbei leiten -, /
[30R]
wie die sogenannten Gaben in den Kindergär-
ten angewendet werden; ob den
Kleinen, und wie ihnen Unter-
richt
ertheilt werde; was für Be-
lohnungen
wir haben, was wir
thun um Lust u Neuheit in
den Spielen zu erhalten usw.
Was nun die Grundsätze betrifft,
so ergeben sich diese gleichsam von
selbst und mit Nothwendigkeit; wenn
wir nur unverwandten Blickes
der Sache nachgehen, um die es sich
handelt. Es handelt sich aber um
eine wahrhafte, gründliche Erziehung /
[31]
des Menschen. Diese muß tief und
früh beginnen. Wie wir bei den
Pflanzen wissen, daß alles darauf an-
kommt, sie in der ersten Zeit zu schützen,
ihnen das Herzblatt gesund zu erhal-
ten und die Stämmchen grad zu zieh-
en; so haben wir auch alle die Erfahrung
von dem großen Einfluß der ersten
Einwirkungen auf unser Leben.
Die Kindheiteindrücke sind un-
auslöschlich, die Kindesgewöhnung-
en werden nicht wieder ausgetilgt;
darum, was hier versehen wird büß-
en wir fort und fort, und was hier
gut gemacht wird, ist unser Gewinn
für das ganze Leben. /
[31R]
Ferner: der Mensch ist wie ein Saa-
menkorn. Die Kindheit ist die Keime-
zeit
. Das gesunde Hervorkeimen ist
es eben, was die Kindheitpflege för-
dern und schirmen soll. Um dieß
aber zu können, muß das Wesen
des Menschen und das Gesetz seiner Ent-
wickelung erkannt sein. Wie die
Frucht uns hinweist auf den Baum,
von dem sie stammt und einerley
Art mit ihm ist, da sie den Baum
wieder aus sich erstehen lassen kann,
so ist auch der Mensch einer Art mit
seinem Ursprung, das Geschöpf trägt
die Eigenschaften seines Schöpfers an
sich: der Mensch ist göttlichen Wesens. /
[32]
„Gott schuf den Menschen ihm zum
Bilde."
Gott aber ist Leben, und dieß thut sich
kund im Schaffen. So hat auch der
Mensch Leben, und dieß äußert sich
im Thun. Trieb zur Thätigkeit ist al-
so erste Regung des menschlichen We-
sens. Und er dieser Trieb geht, als gleich zu Anfan-
ge sich zeigend, durch das ganze Leben hin-
durch; wie die Markröhre im Bau-
me von der Wurzel bis zur Krone
steigt.
Hieran also, an den Thätigkeits-
trieb
muß die früheste Erziehung
des Menschen sich knüpfen: Wie /
[32R]
wichtig es ist, ihn im Kinde wahrzu-
nehmen, ihn zu leiten, zu befrie-
digen, können wir erkennen aus
dem Glücke welches das Kind zeigt,
wenn es seine Kräfte gebrauchen
kann; das können wir Erwachsenen
aus unserer eignen Erfahrung wis-
sen, indem uns keine schönern
Freuden blühen, als die aus der re-
gen Thätigkeit erwachsen. Das bezeugt
alles um uns; wann verkündet die
Natur lauteren Jubel, als wenn
der schaffende Frühlingshauch sie wie-
der zur frischen Thätigkeit geweckt hat.
Wie das Thun Lust gebieret so brin-
get umgekehrt das Unthätigsein /
[33]
Unlust, Mißmuth, Verdruß.
So werden wir bei genauerer Betrach-
tung finden, daß das, was wir im
Kinderleben Unarten nennen, sei-
nen Ursprung nimmt aus dem
Mangel an richtig geleiteter Thätig-
keit
Beschäftigung.
Wie soll aber die Thätigkeit der
Kinder richtig geleitet werden? Das Tun muß geschehen Nach dem-
selben Gesetz, wie die Kraft überhaupt
wirkt, nach dem Gesetz, wie Gott selbst
handelt u schafft. Und da sehen wir,
in seinem Reich geht alles aus dem
Kleinen und Einfachen, aus einer Ein-
heit hervor, die ganze Schöpfung ist
ja aus ihm, dem Einigen. So muß /
[33R]
die Beschäftigung des Menschen in seiner
Kindheit auch von dem Einfachsten,
von einer Einheit ausgehen. Die
Thätigkeit des Kindes aber ist sein Spiel.
Somit ist uns bestimmt gegeben, wie
des Kindes erster Spielgegenstand be-
schaffen sein muß.
Es muß ein ganz Einfaches, gleichsam
ein sichtbarer ein verkörperter Punct
sein, woraus sich alles übrige entwik-
kelt. Was haben wir nun, das dieser
Forderung entspricht, was eben so der
kleinen Hand des Kindes, als seiner
zarten Kraft angemessen, seinem
Triebe etwas es sucht zu fassen und sich
nahe zu bringen, nicht gefährlich, was /
[34]
vielmehr ganz unschädlich und ebenso er-
freuend als anregend ist? Wir kennen
als solches nur den Ball. Der Ball ist
des Kindes erster Spielgefährte, und
mit vollem Recht. Das Kind ergreift
mit dem Ball gleichsam seine ganze
Bestimmung und Lebensaufgabe im Bilde.
Denn durch alle Entwickelung will es
zuletzt doch nur sich selbst als eine be-
wußte Einheit erfassen, will die Welt
als ein Ganzes in sich aufnehmen, u
und ihren Schöpfer als das einige
Wesen, was alles aus sich entwick-
elt und alles in sich eint, lebendig
fühlen, und mit ihm sich geeint wissen.
So muß es sein. Wenn schon
jeder Naturgegenstand von /
[34R]
früh an nichts anders thut, als daß er
das, was in ihm liegt, entwickelt, so
muß die bewußte Erziehung es endlich
dem Menschen möglich machen, gleich
vom Beginn seiner Thätigkeit in allem
Thun sein Wesen darzustellen, u so sei-
ne Bestimmung zu erfüllen. Dieß
ist uns die Aufgabe der frühesten
Kinderpflege.
Weiter: Die Einheit entwickelt
sich in Mannigfaltigkeit. Die ein-
geschlossene Fülle offenbart sich in
dem äußern Vielen. Der Baum,
der im Winter so kahl da steht bricht im Frühjahre
hervor in unzähligen Knospen u
Blättern. So strebt das einige /
[35]
Leben des Kindes in unendlich Vielem
sich kund zu thun, um seine verbor-
gene Fülle kennen zu lernen.
Darum kann das Kind nimmer ruhen,
und wird so ungehalten, wenn es
unbeschäftigt bleibt.
Wie aber tritt die Einheit in die
Mannigfaltigkeit? Nach einer
festen Bestimmung. Die Entwicke-
lung geschieht in Gegensätzen, die
durch ein höher Liegendes geeint sind.
Eine leise Beachtung zeigt dieß an
uns selbst. Haben wir eine Zeitlang
geruht, so wünschen wir uns zu be-
wegen. Sind wir mit dem Geiste
thätig gewesen, so wollen wir auch
den Körper gebrauchen. Haben /
[35R]
wir den rechten Arm angestrengt, so
mögen wir den linken in Thätigkeit
bringen. So in der Natur. Auf den
Herbst folgt der Winter, auf den star-
ren Frost der belebende Frühling.
So will auch des Kindes Thätigkeit
gesetzmäßig wechseln. Dem muß
also auch der Spielgegenstand, durch
den, [und an] welchem das Kind seine Thä-
tigkeit äußert, entsprechen. Und
so zeigt es das für die Kindheitpflege
von uns aufgestellte Spielganze.
Der weiche Ball führt zur harten
Kugel, die runde Kugel zu dem
eckigen kanntigen flächigen Wür-
fel
, der einfache ungetheilte Wür-
fel, zu dem getheilten, der körper- /
[36]
liche Spielstoff geht über zum flächigen, linearen;
der sichtbare zum hörbaren, das Sinnli-
che
weist zum Unsinnlichen, das Äu-
ßere
führt zum Innern, zum Geistigen,
und diese innere, geistige Einheit ist das Band für alles.
Des Kindes Spielganze in seiner ste-
tigen Entwickelung aus einer sicht-
baren Einheit, ist ihm ein Sinnbild
sowohl für die Natur, als für die
Geistesentwickelung. Das Spiel also
ist dem Kinde das Vermittelnde für
diese beiden Welten; in seine Um-
gebung führt es das Kind eben so gut wie in
sich selbst ein, und lehrt es den ei-
nen höchsten Grund von beiden
ahnen, u empfinden.
Wie die Entwickelung der /
[36R]
Einheit in die Mannigfaltigkeit eine
gesetzmäßige ist, so ist sie auch eine all-
seitige wirkende
. Das Wirken der
Kraft geht nach allen Richtungen.
Die Sonne sendet ihre Strahlen hin-
auf herab, vor- u rückwärts, nach rechts
u nach links. Der Baum treibt zu
gleicher Zeit mit seinen Wurzeln
in die Tiefe, wie mit seiner Krone
in die Höhe, u mit den Ästen in
die Weite. So will auch die Kraft
in dem Menschen wirken, und
nach ihren Hauptrichtungen thätig
sein. Dieß muß darum die frühe
Kinderpflege berücksichtigen.
Unsere Beschäftigungen u Spiele
haben dieß vor Augen, indem sie /
[37]
[Bogen] B. des Kindes Thätigkeit nach allen Seiten
in Anspruch nehmen. Sachanschau-
ungen u Selbstdarstellen bilden die
Grundlage, schärfen die Sinne, und
üben die Glieder <-> wie den ganzen
Körper. An Schaffen und Schauen
knüpft sich das bezeichnende Wort,
welches die Sache dem Geiste klar
macht, und die Sprache entwickelt.
An das Wort u die Sprache knüpft
sich der Ton, der Gesang, welcher das
Herz erfüllt, die Empfindungen be-
lebt, u der Gemüthswelt des Kindes
den Ausfluß u die Gestaltung ver-
schafft. Wie wohlthuend, wie er-
hebend wirkt darum selbst darum /
[37R]
selbst auf den Erwachsenen, ein frey-
er Kinderkreis im schön geordne-
ten Spiele. Alle Kräfte die in der
Menschenbrust schlummern und
sich in dem Kinde in ihren ersten
Anfängen zeigen sind in Thätig-
keit, regen sich gegenseitig an und
ergänzen sich zu dem frohen Dasein,
was wie ein Musterbild in das spä-
tere, geordnet wirksame Leben
hinaufleuchtet.
Wie die Einheit als Kraft und
Leben in die Mannigfaltig-
keit tritt sowohl nach festem Gesetz, als
gleichmäßig nach allen Seiten, so
wirkt sie auch allharmonisch die ver- /
[38]
wandten Glieder mit einander ver-
bindend, u im Einklange, mit dem
näher und ferner stehenden Gan-
zen. So kann auch nur die ächte
Kindheitpflege gedeihen. Die
ganze Führung der Kinder, betref-
fend
ihre Beschäftigungen, ihre
Spiele und Spielzeuge müssen ver-
eint darauf hinweisen. Das ist es
was unsere Kindergärten an-
bahnen. Durch die entsprechende
Beschäftigung ist das Kind zunächst
mit sich selbst in Übereinstim-
mung, es ist zufrieden und heiter
wie jedes Wesen das die von Gott
empfangene[n] Kräfte nach seiner ihm bestimmten
Weise richtig gebraucht. Es lebt /
[38R]
in Eintracht und Liebe mit andern
Kindern. Wie das kleinste Kind schon
unwillkürlich lächelt, wenn es sei-
nesgleichen bemerkt, so sieht das
heranwachsende Kind bald seine
Anziehung zu andern Kindern be-
gründet: es kann sein Leben einem
verwandten mittheilen, u wieder-
um eines andern Leben in sich
aufnehmen, kann in dem Spiegel
des fremden Lebens sein eignes klarer
schauen; es fühlt in dem verein-
ten Kinderleben nicht nur seine
Kräfte angeregt, sondern viele der
schönsten Spiele werden ihm in
Gemeinschaft erst möglich. So /
[39]
lernt es das andere Kind schätzen, aus
der Freude entwickelt sich die Liebe und
das Vertrauen, u der Grund der
Eintracht u Verträglichkeit wird mit
jedem Tage fester gelegt. Auch jüng-
ere u ältere Geschwister werden hier-
durch inniger verbunden. Das ältere
begleitet nicht nur schützend das jüngere, son-
dern durch die Spiele in denen es
sich selbst entwickelt, gewinnt
es auch Einsicht u Geschicklichkeit sein
jüngeres Geschwister zu beschäfti-
gen zu erfreuen, wie das jüngere
mit seiner wachsenden Liebe reich-
lich lohnt. Ebenso soll durch solche
Kindheitpflege, das Kind seinen
Eltern und der Familie nichts /
[39R]
weniger als entfremdet, vielmehr
diesen erst recht dadurch gegeben wer-
den, indem die Mutter oder andere
Erwachsene, wenn es ihnen möglich
ist, das Kind zu diesen spielenden
Beschäftigungen begleiten, oder
wenn das Kind zurück kehrt, von
ihm, was es geübt u gelernt hat sich
zeigen lassen, wodurch sie, die Eltern und Erwachsenen, sowohl
das Kind in seinen Äußerungen
beachten und so kennenlernen, als sei-
ne Spiele und Beschäftigungen weiter
leiten können.Überhaupt beab-
sichtigt diese Kindheitpflege auch
auf die Familien entwickelnd und bildend zu-
rück zu wirken, in diesen eine /
[40]
größere Beachtung des Kinderlebens
anzubahnen, u Mütter u Eltern selbst als
eine Gemeinsamkeit, zum Wohl der Kindheit
immer mehr zu vereinigen,
u so allmählig die Gesamtachtsamkeit
eines Ortes, ja eines Landes, auf
das Kinderleben hinzulenken.
So wird das Kind mit erhöhtem
Dank nicht nur zu seinen Pflegern
u Eltern aufblicken, sondern auch
das Band mit der übrigen es um-
gebenden Menschenwelt fühlen,
ja ahnen, daß es erfüllt von der ge-
sammten Menschheit, wie mit lie-
benden u leuchtenden Strahlen
umschlossen ist, was sein Herz zu /
[40R]
den reinsten Kindesgesinnungen
erwärmt u es bis zu den Quell der
Liebe u des Lichtes hinaufhebt.
Aber nicht blos mit dem mensch-
lichen Leben u mit seinen Ver-
hältnissen soll sich das Kind ge-
eint fühlen, sondern auch mit
der Natur. Und dieß bahnt diese
Kindheitpflege auf die sorglichste
Weise an. Nicht allein daß es
durch täglichen Aufenthalt, durch
öftere Wanderungen ins Freie
zu den verschiedenen Jahreszeiten,
auf die einzelnen Erscheinungen
aufmerksam wird, die Blüm-
chen am Wege pflückt, den blühen- /
[41]
den Baum betrachtet, der singenden
Vögel horcht, den summenden,
fleißigen Bienen zusieht u solches
erfreuende Leben, wie die ihn um-
gebende Menschenwelt in seinen so sinnvollen
Spielen abbildet, und sich dadurch
den Blick dafür das Leben außer sich und dessen Bedeutung schärft - nein! es
einigt sich noch mehr mit .der Natur
dadurch, daß es sie selbst pflegt, auf ei-
genem Beete, im wirklichen
Kindergarten, das Saamenkörn-
chen steckt, es gleichsam aus dem
Grabe unter seiner Pflege, ersteh-
en, wachsen blühen u fruchten
sieht, es lernt hier an einem
andern thun u üben, was mit /
[41R]
ihm geschieht; in der Bearbeitung
u Pflege der Natur bereitet es sich
zu einstiger höheren LebensPflege vor; hier
sieht es auch gleichsam, den Schöpfer
um sich wandeln, u mit Augen
seine Schöpfermacht üben. Seine
eigene Thätigkeit, sein Helfen läßt das
Kind [sich] als ein Glied in dem großen
Schöpfungsganzen finden; [es] fühlt
die Liebe des einen Vaters
auch in sich walten, u findet sich in
freudiger Ahnung, wie mit
Natur u Menschen, so auch mit
dem, der beiden Leben und Da-
sein giebt, Gotte, innig verbunden.
Einfache erklärende Worte,
deutende Erzählungen,
belebende und das Leben
wiederspiegelnde Liedchen,
das Gemüth erhebende,
klärende und einigende
kleine Gebete - alles aus
dem Leben des Kindes selbst
hervorgehend, wie demsel-
ben entsprechend, erheben
die Ahnung zum lebendigen
Gefühle und dieß zu einem sinnigen,
kindlich gläubigen, frommen Thun.
Und so wächst das Kind in sol-
chen Gärten, seine Wurzel in /
[42]
dem Boden des ewigen Lebens, nach des-
sen Gesetz in bestimmter Stufenfol-
ge sich entwickelnd nach allen Seiten
mit seinen Kräften erstarkend, in
Übereinstimmung mit sich, im Ein-
klang mit seiner Umgebung mit der
Natur und Menschheit, u im Frie-
den mit seinem himmlischen Vater,
als sein Kind, gleich dem gesunden
Gewächse in seinem Gärtchen, in
Gesundheit, sich und andern zur Freu-
de empor, würdig der äußern und innern
Güter und Gaben des Lebens und zu
deren rechten Gebrauche geweckt. -
Das sind die Grundsätze die in un-
sern Kindergärten walten. Sie
sind nicht willkürlich, sondern folgen
der ewigen Ordnung, welche Gott
selbst in seinem Schöpfungsgange /
[42R]
und in der Erziehung des Menschen-
geschlechts befolgt. Das Kind, als ein
Ebenbild seines Schöpfers, ist ein
durch Schaffen zum Schauen, zum
Bewußtsein emporsteigendes
Wesen. Darum muß es geführt
werden, daß es gleichsam wie an
der Hand des Schöpfers, wie an Va-
terhand die Schöpfung, die Natur
u die Menschenwelt schaffend aus
sich darstelle u schauend in sich auf-
nehme, aus der Einheit die Man-
nigfaltigkeit entwickele, u für
jede Mannigfaltigkeit die Ein-
heit wieder finden lerne. So
wird dem Kinde möglich ge-/
[43]
macht sein Menschenleben auf der
Kindesstufe rein u wahrhaft zu le-
ben, in seiner Ahnung der Einheit mit
Gott u seiner Welt zu erstarken, die-
se erste und wichtigste Zeit des Lebens
in Unbestimmtheit u Unthätigkeit
nicht zu verlieren sondern für al-
le folgende Entwickelung den
Grund zu legen u dieser Stufe
gemäß für Schule und Leben
sich gründlich u umfassend vor-
zubereiten. Aus der Andeutung
dieser Grundsätze, welche in dem
deutschen Kindergarten mit ge-
einter Kraft zu verwirklichen ge-
sucht werden, beantworten sich /
[43R]
Ihre andern Fragen wohl von selbst. Denn
werden die Kinder auf diesem Wege geführt
u beschäftigt, so braucht von Belohnungen
u Strafen
wenig oder gar nicht die
Rede [zu] sein, wie wir denn auch kaum
solche zu nennen wissen. Lohn
fühlt das Kind in seinem Spiel, in
seiner Beschäftigung, es findet da-
durch seinen Grundtrieb be<->frie-
digt; was kann es anders wollen, wenn
es darinn noch nicht gestört ist?
Strafe ist ihm, wenn es von der Ge-
meinschaft, wo ihm dieß möglich
wird, entfernt, oder für eine Zeit
ausgeschlossen werden sollte.
Was „die Lust u Neuheit in den
Spielen zu erhalten“ betrifft, so wird Ihnen /
[44]
wohl aus dem Inhalt u der Aufgabe
der spielenden Beschäftigungen,
die aus dem Vorhergehenden klar
hervorgehen, daß die Fortentwicke-
lung derselben nie stille stehen, u diese
Fortentwickelung eben nicht nur
die Kraft der Kinder, sondern die der
<eigenen> mit den Kindern sich be-
schäftigenden Erwachsenen zu
ihrer eigenen Bildung u Freude,
völlig in Anspruch nimmt. Der
stete, möglichst lückenlose Fortschritt
in Übereinstimmung <-> un-
ter sich, mit Allem u mit der höch-
sten Einheit, kann ja für Wesen,
welche zu immer höhern Vollendung /
[44R]
aufzusteigen bestimmt sind, nur ei-
nen unverwelklichen Reiz haben.
Wir gehen nun zu dem über,
was Sie wohl Verehrteste, in Ihrem
Briefe als Wunsch aussprechen,
indem wir Ihnen an der Durch-
führung von den Ball- u Be-
wegungsspielen - die gleich-
sam Gegenpuncte sind – so
viel wie dieß aus Worten mag
ersehen werden können (denn
zum eigentlichen Verständ-
niß gehört Anschauung ja Selbst-
übung), - zeigen, wie die Grund-
sätze in den Kinderspielen an-
gewendet werden./
[45]
[Bogen] C.
Ballspiele

Was nun zunächst die Einführung des Balles
als Spielzeug in einen bestimmten Kinder-
kreis betrifft, so wende man sich an das erste
beste Kind, knüpfe an irgend eine seiner Thä-
tigkeiten an, und bahne sich so den Übergang
zum Spiel und Ball. Diesen Übergang giebt
ein natürlicher Sinn, Gewandtheit und Üb-
ung, oder die vorliegenden Umstände oder
auch alles Dreies zugleich. Je mehr nämlich
der erste Anfang des Spieles aus mit dem Le-
ben des Kindes sich verflößt, gleichsam
aus ihm selbst hervorfließt, um so schöner /
[45R]
entwickelt sich das Ganze weiter. Sorglich
und ängstlich braucht man hierbei nicht zu
seyn. Die Kinder geben gewöhnlich selbst das
Beste. - Hat man nur erst bei einem
Kinde die Theilnahme am Balle geweckt, so
gesellen sich bald mehrere dazu, und von der
einfachen Frage: „was ist das?“ oder „was
habe ich hier?“ gehe man weiter zu der Frage:
„wie ist der Ball?“ - Die verschiedenen
darauf erfolgenden Antworten suche man
nun - den Ball den Kindern zur Betrachtung
vorhaltend, auf seine ganz allgemeine Eigen-
schaft: daß er in die Augen fallend, daß er
gleichsam scheinend, daß er schön ist, /
[46]
hinüber zu leiten. Und nun hebe man mit Be-
stimmtheit hervor: Das Bällchen das ist schön;
und weil der Gesang das Kind noch mehr fesselt,
als das bloße Wort, und auf sein Gemüth ein-
wirkt, so singe man jene Worte dem Kinde
zu. -
Währenddem ordne man die Kinder stillschweig-
end und ohne daß es ihnen auffallend ist, damit
Alles ganz natürlich erscheine, um sich in einen
Kreis, und komme dem stillen Wunsche der
Kinder, den Ball zu besehen, der aus Betracht-
ung des Balles ohne Zweifel in ihnen entstanden
ist, durch die Frage zuvor: „Ihr möchtet es wohl auch gern besehen?“
2. Auf In Beziehung auf diese Frage, singe man /
[46R]
nun den Kindern zu, indem man ganz in ihren
Wunsch eingeht: (S. im Heft die Singweise die)
No 3 „Das Bällchen ist so schön; Ich möcht' es gern
besehn.“ Oder auch denselben Gedanken erweiternd:
No 4 „Das Bällchen ist doch gar zu schön;
Ich möcht' es recht genau besehn.“ Oder:
No 5 „Das Bällchen möcht' ich wohl betrachten,
Ich möcht' es recht genau beachten.
Es ist so klar, es ist so rein,
Ich kann mich seiner recht erfreun.“
[Von hier bis 3 Zusatz von Fr. am Rande*-*.]
[*] Von hier aus kann später
sehr vielfache Anwendung
auf das Leben und die
Äußerungen des Kindes
gemacht werden, z.B. durch
die Wendung:
“Auch meine Hand will ich
betrachten
Und ist sie klar und ist sie
rein,
So kann ich ihrer mich erfreun.“
Oder auffordernd:
“Auch dein Gewand magst
du betrachten,
Und ist es klar pp.[“]
Und bei späterer Wiederho-
lung dieser Spiele mit schon
etwas heraufgewachsenen
4- bis 6 jährigen Kindern:
Auch meine Worte
meine Rede
meine Gesinnung
mein Herz
mein Denken
mein Fühlen will ich [betrachten]
Und {sind sie / ist es} klar u.s.w.
So werden die Spiele in und durch
die Wiederholung allseitig was
sie seyn und werden sollen. [*]
3. Diesen allgemeinen Wunsch der Kinder erfülle
man nun dadurch, daß man jedem einen Ball über-
reicht mit den Worten:
No 7 „Mach's Händchen auf, Nimm Ball d’rin auf!“
4. Hat das Kind den Ball in seinen Händen /
[47]
aufgenommen, so singe man ihm zu :
No 8 „Machs Händchen zu, der Ball sucht Ruh!“
5. Den erstern Gedanken kann man auch erweitern,
indem man das früher Erkannte wieder aufnimmt:
No 9 „Nun so mach die Hand mir auf,
Nimm den lieben Ball drin auf;
Er ist so klar, er ist so rein,
Du kannst dich seiner {recht / wohl} erfreun.“
6. Nun lasse man dieß, auch von den Kindern aus,
singen, was dann am besten geht, wenn mehrere
Spielführer sind, und einer die Handlung und der andere den
Gesang der Kinder leitet:
No 10 „Sieh’ ich mach die Hand dir auf,
Nehm den lieben Ball drin auf;
Er ist so klar, er ist so rein,
Ich kann mich seiner {recht / wohl} erfreun.
[Zusatz Fs. am Rand *-*]
[*] Anmerkung. Daß dieß nur als Andeu-
tung einer der vielen noch möglichen
Spielanfänge [gemeint] ist und, daß die Ge-
wandtheit des Spielführers völlige
Freyheit hat den Anfang der Spiele
mit dem Ball nach den obwalten-
den Umständen einzuleiten wie er
es für zweckmäßig findet, versteht
sich wohl von selbst; auch hebt sich die
hier angedeutete Ordnung der Spiele
welche in dem einfachen Entwickelungs- /
[47R]
gange ihren Grund hat, später
von selbst auf, sobald die
Kinder erst mehrere Spie-
le können, und sie dann mit
freyer Selbstbestimmung
aus sich wählen, oder der
Spielführer nach den ob-
waltenden Umständen
in ihrem Geiste und Sinn [bestimmt*]. “
7. Jetzt ruht der Ball in des Kindes Hand, wie
ein Kind im Arm der Mutter. Wie die Mutter
ihr Kind, so kann auch das Kind seinen Ball wiegen.
Dieses bringe man durch Wort und That dem Kin-
de zur klaren Anschauung und zum Bewußtsein
durch folgendes Liedchen:
No 11 „Das Bällchen siehst du (seh ich) liegen
Ganz still in {meiner / deiner} Hand;
Drum {will ich / magst du} es auch wiegen,
Den Blick zu ihm gewandt.“
8. Diese wiegende Bewegung kann nun auf ver-
schiedene Art statt finden: 1) Die Hände sind anein-
ander geschlossen und der Ball bewegt sich aus einer
in die andre: hin, her; oder: hinüber, herüber. -
2) Der Ball bewegt sich nach den Spitzen der Finger /
[48]
und wieder zurück: vorwärts, rückwärts; vor,
zurück
. - 3) Die Hände geben dem Balle eine kreis-
förmige Bewegung, und indem derselbe einen Kreis-
lauf bildet, geht er einmal von der rechten zur
linken und dann von der linken zur rechten Hand,
rechts, links, links, rechts. - 4) Die Hände sind oval
zugeschlossen, und der Ball liegt ruhig darin, wie in ein-
em Nestchen. Nun heben die Hände den Ball auf und
nieder: auf, ab ! Diese verschiedenen Arten der Be-
wegung kann man alle nacheinander hervorheben,
und durch That und Wort dem Kinde zur Anschauung
und zum Bewußtsein bringen:
No 12 „Bällchen bleibe liegen,
Will dich gerne wiegen,
Hin, her!“ oder: „vor, zurück!“ oder: „rechts, links!“
oder: „auf, ab!“ /
[48R]
Damit nun des Neuen nicht zuviel auf einmal
werde, und das Frühere dem Kinde wieder lebendig
vor die Seele trete: damit es sehe, wie Eines aus
dem Andern hervorgegangen ist, so kann man nun
auch die frühern Liedchen wiederholen;
[Zusatz *-*]
[*] überhaupt
liegt das wiederkehrende Wiederholen, so wohl in dem Be-
dürfnisse und darum auch in dem Wunsche
der Kinder, wie es denn auch Forderung der
freyen Entfaltung der Kinder ist, nun, nachdem sie
die Sache kennen, mit mehr Selbstbestimmung
aus sich zu wählen. – [*]
9. Bei der wiegenden Bewegung kann es nun gar
nicht fehlen, daß sich der Ball mehr oder weniger
bewegt. Tritt dieß für die Kinder bemerkbar her-
vor, so bringe man dieß den Kindern zum Be-
wußtsein durch die Worte :
No 13 „Das Bällchen will sich regen,
Will sich gern bewegen,
Regen, bewegen; regen, bewegen!“
10. Auf diese Worte regen und bewegen lasse man nun
die Aufmerksamkeit der Kinder soviel als mög- /
[49]
lich ruhen, damit ihnen der Gegensatz von Ruhe und
Bewegung recht deutlich werde, und sie auch zu
sinniger Beachtung und Vergleichung geführt
werden. –
[Zusatz Fs. am Rande.*-*]
[*] Auch kann man die Achtsamkeit und
den Gesichtskreis später
bei Wiederholung des
Spieles durch die auffor-
dernden Worte noch er-
weitern:
Kindchen, Kindchen, sag mir doch,
Was regt und bewegt sich noch? -
Die Antwort der einzelnen
Kinder kann dann von der Ge-
sammtheit aller gesprochen oder
besser gesungen werden.
Ebenso kann man später
alles was die Kinder als sich
regend und bewegend gefun-
den haben, zusammengefaßt
in einem bestimmten Rhyth-
mus absingen, wodurch
ein erfreulicher WechseI
für die Kinder erreicht und
das Spiel wahrhaft vermit-
telnd für das Leben und
einführend in dasselbe wie
in die Natur wird.
Auf gleiche Weise bei
rollen u. s. w.
Mein Kindchen, mein Kindchen, o, sage
mir doch,
Was rollt denn, auch außer dem
Bällchen, wohl noch? – [*]
Nach Umständen erweitere man sowohl die Be-
merkung als auch das Wort, indem man singt:
No 14 „Seht die Bällchen wollen
Gar zu gerne rollen,
Wollen rollen,
Freude wollen sie uns zollen!“
Diese rollende Bewegung kann nun wiederum
auf verschiedene Weise statt finden: gleichlauf-
end der Brust, oder senkrecht gegen sie, oder kreis-
end, und zwar bald links und bald rechts. Diese
Mannigfaltigkeit ist besonders deßhalb fest zu /
[49R]
halten und hervor zu heben, damit man immer
etwas Neues bei der Wiederholung der
Spiele einführen kann.
11. Dieses Rollen kann aber auch als ein Wan-
dern
betrachtet und auf diese Art dem Kinde
eine neue Anschauung zum Bewußtsein ge-
bracht werden:
No 15 „Das Bällchen möchte wandern
Von einer Hand zur andern.“
12. Dieses Wandern des Balles von einer Hand zur
andern
erweitere man nun in ein Wandern
von einem Kinde zum andern und zwar bald
rechts bald links im Kreise herum, so daß
beide Hände zugleich geübt werden. Man
lasse nämlich erst den Ball aus einer Hand
in die andere reisen, z. B. aus der linken in /
[50]
die rechte Hand, und dann von der eignen rechten Hand
in die linke des Nachbars, der dann wieder den
Ball zuerst in seine rechte Hand und aus dieser in die
linke seines Nachbars reicht. Die Kinder singen hierbei:
“Das Bällchen will auch wandern
Von einem Kind zum andern.“
13. Da der Ball nun durch seine freundliche Erschein-
ung gleichsam begrüßt, so bringe man erweiternd
diese Anschauung dem Kinde zum Bewußtsein
durch: No 16. „Das Bällchen, das will wandern
Von {einer Hand zur / einem Kind zum} andern
Und wünschen einen guten Tag, guten Tag!“
Und noch mehr erweitert:
[No 17] “Immer kehrt das Bällchen wieder,
Sing ich meine frohen Lieder,
Innig freut das Bällchen sich,
Inniglich erfreut es mich.“ - /
[50R]
14. Dieses Wandern des Balles von einem
Kinde zum andern kann nun ganz leicht und schön
zu einem Wandern eines Kindes zu einem
andern und so im Kreise herum, erhoben und
erweitert werden durch einfache Aufforderung:
[*] „Will nun auch eins von Euch wandern?“ - Immer werden sich
sogleich einige melden; dann heißt es: [*]
„Auch Lina, auch Ernst möchte wandern rc [“]
Während dem geht das Kind allein oder vom
Spielführer geführt im Kreise herum und
reicht jedem die rechte Hand, so wie auch ihm
jedes Kind die rechte Hand reicht, und sagt:
„Guten Tag!“ [*] Der Zweck und die Bedeutung dieses
Spieles liegt auf offener Hand. Unsere Kleinen lieben es gar sehr. – [*]
15. Dieses Wandern eines Kindes kann nun <mut-
ter> leicht in ein Wandern aller, zunächst in
der Stube herum, erweitert werden, da nach ohne
Zweifel
unserer Erfahrung gar bald im Kinde der Wunsch entsteht, das-
selbe nachzuahmen, was der Ball vorgebildet /
[51]
hat, und zwar am liebsten in Gemeinschaft. Bei
diesem Wandern, was am besten und schönsten
so ausgeführt wird, daß je zwei Kinder trittmäßig
hinter einander her gehen, kann man dieses Lied-
chen singen:
No 18 „Wir alle möchten wandern
Von einem Ort zum andern;
Das Wandern uns gar wohl gefällt,
Man schaut so fröhlich in die Welt.
Wandern, ja Wandern!“
Und erlaubt es die Witterung und die Umstände
so mache man eine Wanderung ins Freie, wobei
man dann noch die der Jahreszeit entsprechend entweder
die folgende oder eine andere Erweiterung hinzufügen kann:
„Man hört die Vöglein singen,
Man hört Gesang erklingen,
Die Bäumlein sieht man blühen, /
[51R]
„Man hört die Bienchen summen,
Die Käfer hört man brummen,
Die Wolken sieht man ziehen.
Wandern, ja wandern!
Die Herden sieht man weiden,
Die Wiesen schön sich kleiden;
All überall nur Freude!
Drum wandern, ja wandern!“
So weckt der todte Ball das Leben der Kinder
auf eine einfache und natürliche Weise, und
das ruhige einzelne Ballspiel wird zu einem
allgemeinen Bewegungsspiel, in welchem
die Kinder einen Reichthum von Anschau-
ungen aus dem Leben und der Natur sich sam-
meln können, die um so bleibender und wahrer
sein werden, je mehr gerade hier das Gemüth
Nahrung bekommt. [*] Auch sind fast all unsere Lied-
chen unmittelbar aus dem Leben der Kinder selbst und
aus dem Leben mit ihnen hervorgegangen. [*] /
[52]
Die Kinder lernen die Liedchen gern und leicht,
besonders, wenn man sie langsam und klar
vorspricht und vorsingt, und sie dann von allen
Kindern nachsprechen und nachsingen läßt.
Wenn auch manche Kinder äußerlich gar nicht
mitsprechen und mitsingen, so thun sie es doch
innerlich, und sind sie allein, so quillt Wort
und Gesang wie ein klarer Quell hervor. -
[*] Solche Kinder muß man nicht durch gewaltsames
Auffordern zum Mitsprechen und Mitsingen quälen. [*]
Dieß bis jetzt Vorgeführte bildet nun
ein schönes Spielganzes, wenigstens einen
ganz bestimmten Spielabschnitt, und kann,
wenn es den Kindern Freude macht, in eini-
gen aufeinander folgenden Stunden wieder-
holt werden, besonders wenn die angegebe-
nen verschiedenen Beziehungen und Er-
weiterungen nach und nach angewendet werden. So
werden nämlich stets dieselben schon bekannten /
[52R]
Spiele immer wieder neuen Nutzen und Reiz
für die Kinder haben. -
16. In den bisherigen Spielen ruhte der Ball
in der Hand, oder er bewegte sich unmittel-
bar
aus einer Hand in die andere, ohne
einen großen Zwischenraum zu überschrei-
ten. Ein Fortschritt und eine neue Spielwei-
se beginnt nun damit, daß der Ball bei dieser
Bewegung aus einer Hand in die andre
einen Raum überspringen muß, und wo
die Stelle der beiden Hände zwei Personen
vertreten. Diese Spiele werden so ausge-
führt, daß je zwei Kinder sich gegen ein-
ander stellen und sich den Ball mit beiden
Händen zuwerfen und mit beiden Händen
fangen. Ganz kleine Kinder rollen sich /
[53]
[Bogen] D. gegenseitig den Ball in die Hände, so daß sich
dieselben fast berühren. - Die Spielerweiter-
ung ist hier ebenfalls sehr mannigfach: 1) es
kann sich die Entfernung der Kinder vergrö-
ßern; 2) man kann den Ball mit 2 Händen
werfen und fangen; 3) mit einer Hand wer-
fen und mit einer Hand fangen; 4) und zwar
kann man sie bald mit gleicher Hand werfen
und fangen, oder mit einer andern Hand wer-
fen und mit einer andern Hand fangen. Ge-
sungen wird bei allen diesen Spielen, je nach
den größern oder kleinern Fortschritten d[er] Kinder:
No 19. „Hinüber, herüber! Hinüber, herüber !“
Oder: „Flieg weg, komm wieder! Flieg weg, komm wieder!“
No 20. „Hinüber, herüber kann schnell er springen,
Und hell ich singen ein Liedchen dazu.“ -
No 34. „Hinüber, herüber mein Bällchen leicht springt,
Und fröhlich dazu auch mein Liedchen erklingt!“ /
[53R]
17. Es können aber auch mehrere wie beim Wan-
dern des Balles im Kreise, allein entfernter von-
einander stehende Kinder sich einen oder meh-
rere Bälle zuwerfen, so daß die Bälle wie-
[*]der, aber in höheren und größeren Bogen geworfen, [*]
der im Kreise herum wandeln. Die Kinder
singen dabei, so daß Gesang und Ballwerfen
in Übereinstimmung ist:
No 33. „Lieben Bälle
Kommt zur Stelle,
Schlingt im Tanze
Euch zum Kranze.
Euch gleich Blumen einzuwinden,
Sollt bereit ihr alle finden.“
Dieß ist, gut ausgeführt und mit verschieden-
farbigen Bällen eines der schönsten Spiele.
18. Wie jetzt die Kinder in einem Kreise
standen, so können sie auch in zwei langen /
[54]
geraden Linien einander gegenüber stehen,
und sich gegenseitig den Ball zuwerfen, und
dabei, indem sie sich zuerst gegenseitig entfer-
nen und dann wieder nähern, singen:
No 32. „Hoch im Bogen komm geflogen, lieber Ball!
Immer weiter, Immer breiter sei das Maal!
Näher wieder, Auf und nieder flieg o Ball!“
nun da capo, sodaß stetig abwechselndes Nähern und
Entfernen statt findet. - Dieses Spiel kann auch
nur von zweien gespielt werden und wird auch
nur von zweien zuerst allein ausgeführt.
Auch kann es von geübtern, größern Spielern
mit 2 Bällen, die sie sich gegenseitig zugleich
zuwerfen, gespielt werden. - Diese Spiele
schließen sich überhaupt, und das ist eben ihr großer
Vorzug, [*] mit ihren stetig wachsenden Forderungen auch stetig [*]
an die [*] wachsende [*] Größe und Gewandtheit der
Spielenden an; werden mit dem Kinde Kind, /
[54R]
mit dem Mädchen zum Mädchen, mit dem Kna-
ben zum Knaben, und mit dem Erwachsenen
erwachsen sie selbst.
[*] Die Spiele von § [sc.: Nr.] 16 bis
hierher können aber auch
auch wieder nur von ei-
nem einzigen Kinde und
§ [sc.: Nr.] 17 nur von zwey Kin-
dern gespielt werden;
wo dann in jedem dieser
Fälle jede Hand eine
besondere Person, die
Stelle derselben vertritt. [*]
19. Bis jetzt bewegte sich der Ball überwieg-
end in wagrechter oder auch in gebogener
Richtung. Der nächste Fortschritt ist nun die
senkrechte BewegRichtung. Hier knüpft sich die
Erweiterung an das frühere: „Hinauf, herab!“
Man wirft den Ball senkrecht in die Höhe und
fängt ihn senkrecht herabfallend.
Also singend, werfend und fangend:
No 21. „Hinauf, herab; hinauf, herab!“
20. Oder wenn man besonders den Ball ziem-
lich hoch werfen kann:
No 22. „Steigen, neigen!
Hinauf, herab!“
No 23. „Hoch hinauf kann er steigen,
Tief herab sich auch neigen; /
[55]
Kann steigen, sich neigen,
Steigen, neigen.“
21. Jetzt kann der Ball nach Willkühr oft in die
Höhe geworfen und gefangen werden, wozu
das Liedchen:
No 24. „Bällchen, Bällchen, springe
In die Luft hinein,
Wenn ich's Liedchen singe
Freudig hell und rein.“
[*] Anmerk.[ung] Die Thätigkeit Steigen,
Neigen ist mit gutem Vor-
bedacht so scharf durch
das einzelne Wort her-
vorgehoben worden, da-
mit die Achtsamkeit
des Kindes darauf ruhe.
Vergleiche noch die Anm[erkung]
oben zu § [sc.: Nr.] 10 bei Regen,
Bewegen, Rollen pp. und
bringe sie hier in An-
wendung; wie solche Sprech-
spiele, besonders wenn
die Kinder etwas müd
sind, als Beachtungs-,
Erinnerungs-, Verglei-
chungs- und Erweiterungs-
spiele, auch wenn sie
hier nicht besonders
herausgehoben sind,
immer zur Seite gehen. [*]
Dieses Spiel reiht sich wegen seiner Schönheiten
an die beiden früher genannten besonders wenn von
vielen Spielenden die Bälle verschiedenfarbig,
zugleich und gleichhoch geworfen werden. Wie
Leuchtkugeln und Raketen spielen sie dann
in der Luft. – [*] Weiter weckt es das Ebenmaß, den Einklang rc. [*]
22. Beim Hinaufsteigen und Herabfallen
bewegt sich oder dreht sich gewöhnlich der Ball
um sich selbst. Auch dieß bringe man den Kindern /
[55R]
dann zum Bewußtsein durch:
No 26. „In der Luft bei seinem Fall
Schwingt sich um sich selbst der Ball.“
No 27. „Seht den Ball, wie wunderlich!
In der Höhe dreht er sich.“
23. Endlich können auch die Würfe gezählt
werden und zugleich wie die Töne der Höhe
nach gemessen werden:
No 26. „Das Bällchen möcht' ich fangen:
1mal, 2mal, 3mal, 4mal, 5mal, 6mal!
[*] mit der Tonfolge:      c ----- d ----- e ------ f ----- g –--- c.
Welche gute Vorbereitung dieß für den Gesang
ist, leuchtet von selbst ein! - Das Werfen und
Fangen selbst kann auf die mannigfachste
Art verändert werden: Mit beiden Händen,
mit der linken, oder mit der rechten Hand
allein; mit der einen geworfen, mit der an-
dern gefangen. Auch kann man wohl 2 Bälle /
[56]
zugleich werfen und fangen.-
24. Wagrecht und senkrecht erschien uns bis
jetzt der Ball in seiner Bewegung. Dieß sind
Gegensätze, und der nächste Fortschritt würde eine
Vermittlung, eine Verknüpfung dieser Gegen-
sätze sein. Einer von 2 Spielenden werfe den Ball
also in die Höhe, fange ihn und werfe ihn dann
dem andern Mitspielenden zu,
[*] es kann dieß wie schon erwähnt ein einzi-
ges Kind thun, wo dann jede Hand, wie
oben ausgesprochen, stets eine Person vertritt.
Man sieht hieraus, wie durch diese Spiele
jede Anzahl von Kindern beschäftigt werden kann. [*]
No 28. „Hinauf, herab! Hinüber, herüber!“
No 29. „Steig auf, fall nieder! Flieg weg, komm wieder!“
25. Oder um mehr Wechsel in das Hinaufwerfen
und Fangen zu bringen:
No 30. „Hinauf, herab!
Hinüber, herüber, hinüber!“ [*] u.s.w. vom Anfang [*]
No 31. „Steig auf, fall nieder!
Flieg weg, komm wieder, flieg weg!“ [*] Und so v. Anfang [*]
26. Alle diese Spiele können auch mit folgendem
allgemeinern Liede begleitet werden: /
[56R]
No 35. Ball, wie ich dich liebe!
Meine Kräfte übe
Ich ja all an dir; :I
Freude giebst du mir. :I
Dich zu fangen, springen
Muß ich, soll's gelingen,
Zu erhaschen dich; :I
Wie beglückt das mich! :I
Will ich dich ergreifen,
Darf das Aug' nicht schweifen.
Hab' im frohen Spiel :I
Dich allein zum Ziel! :I
Die vertieften Hände
Ich stets zu dir wende
Und mich zu erfreun, :I
Senkst du dich hinein. :I /
[57]
Ball, wie ich dich liebe!
Meine Kräfte übe
Ich ja all an dir, :I
Bleibe stets bei mir. I
27. Eine wesentliche Eigenschaft des Balles, die
besonders im Spiele mit dem freien Balle hervor-
tritt, wie wir ihn bis jetzt betrachtet haben, ist
die Farbe. Daher schließen sich die Farbenlied-
chen
, in denen die verschiedenen Farben der Bäl-
le hervorgehoben und dem Kinde zum Bewußt-
sein gebracht werden, ganz natürlich an die Ball-
spiele in senkrechter Richtung und an die,
wo senkrechte und wagrechte Richtung mit-
einander verbunden sind, an:
No 37. „Farbig, wie ein Schmetterling
Ist mein Ball, das kleine Ding.“
[*] Oder: „Gleich dem Käfer im bunten Kleid,
So mich auch mein Ball erfreut.“
Anmerkung. Die Hinführung zur Natur Beobachtung,
und Vergleichung liegt hier offen vor. [*] /
[57R]
No 38. „Das Bällchen trägt ein buntes Kleid
Und schafft den Kindern große Freud'“.
28. In diesen Liedchen wurde die Farbe des
Balles im allgemeinen zum Bewußtsein
gebracht, ohne eine bestimmte hervor zu heben.
Dieß geschieht aber in folgenden Liedchen:
No 39. „Bällchen gelb und rot und grün
Ziehn gleich bunten Käfern hin,
Bällchen feuerfarbig, blau
Wechseln hier gleich Morgenthau;
Bällchen gleich dem Veilchen schön
Still an mir vorübergehn.
Farbig, wie der Regenbogen
Kommen Bällchen hergezogen.
Laufen fröhlich um die Wette,
Gleichend einer Blumenkette.
So seh ich bald Bällchen, bald Blümchen ich schau
Und bald den bunten, den farbigen Thau; /
[58]
Sich Alles mir in dem Bällchen vereint,
Drum mir mein Bällchen so lieblich erscheint.“
29. Zu einem der schönsten Spiele kann dieß
erhoben werden, wenn je 2 (oder mehrere) Kinder,
von denen ein jedes einen Ball von andrer Farbe
hat, zusammenspielen, und ein jedes die Farbe
seines Balles im Gesange hervorhebt. Der
schönste Wechselgesang entsteht auf diese
Weise. So würde nun das Kind, dessen Ball
blau ist, singen gleichsam aus dem Munde des Balles , singen:
No 40. A. „Mein Kleid ist wie der Himmel blau!“
und das Kind, dessen Ball grün ist, würde singend an der Stelle seines Balles er-
wiedern: B. „Und meins ist grün wie Frühlingsau.“ [*] Weiter:
Würden wieder zwey andere Kinder, an ihrer Bälle statt, singen: [*]
A. „Ich glüh wie eine Purpurros'!“
B. „Ich blüh wie Veilchen in dem Moos.“
[*] Gleichsam als wenn die Bälle selbst sprächen singen wieder
2 andere Kinder abwechselnd: [*]
A. „Gelb ist mein Kleid wie Sonnenschein!
Wie's Licht so hell, wie's Licht so rein.“
[*] B. „Mein Kleid ist wie der Flamme Glühn,
Wenn knisternd rothe Funken sprühn.“ /
[58R]
In Hinsicht auf mehrere, zusammengefaßte und
allgemeine Eigenschaften können die Kinder singen: [*]
“Mein Ball ist weich, ist bunt und rund,
Das Spiel mit ihm macht mich gesund.“
Mein Ball ist wie der Flamme Glühn,
Wenn knisternd rothe Funken sprühn.
„Wer mit dem Balle ist gewandt,
Der fängt ihn auf mit einer Hand.“
30. Weil das Kind in allen, selbst den leblosen
Gegenständen, Leben ahnt und sieht und mit
denselben wie mit lebenden Wesen umgeht, so
wird man ganz den innern Empfindungen und
Wünschen entsprechen, wenn man den Ball, der
dem Kinde so manche frohe Stunde bereitet,
als einen alten lieben Freund willkommen
heißt, und zwar hier im Zusammenhang der
Farbenlieder besonders in Bezug auf seine schö-
ne bunte Farbe. Daher singe man, ehe man mit
dem Ballspiel selbst beginnt, mit den Kindern
den in einem Körbchen dastehenden Bällen zu: /
[59]
No 36. „Seid uns gar schön willkommen,
Ihr Bällchen farbig bunt;
Wollt ja zur Freud' uns kommen,
Ihr Bällchen schön und rund.
Willkommen! ihr Bällchen bunt,
Willkommen! ihr Bällchen rund,
Willkommen, Willkommen!“
31. Alle bisherigen Bewegungen des Balles,
alle seine bis jetzt betrachteten Eigenschaften
und die sich an beides anknüpfenden Anschau-
ungen kann man dann in einem Liedchen ver-
einigen, damit alle Erscheinungen, wie sie aus
einer Einheit hervorgegangen, auch wieder, wenn
auch unter einer größeren Einheit, zusammenge-
faßt werden:
“Mein Bällchen ist gar lieb und gut,
Was ich nur wünsche, gleich es thut.
Wenn ich ihm sage: „Bleibe liegen!“ /
[59R]
So läßt es sich gar lieblich wiegen.
Wenn ich ihm sage: „Magst dich bewegen!“
Gleich seh ich's wie ein Mäuschen regen.
“Auch rollen möcht' ich gern dich sehn!“
So rollt's wie ein Thautröpfchen schön.
Wenn ich ihm sage: „Spring hinüber !“
So kommt es gleich zu mir herüber.
Wenn ich ihm sage: „Fliege hoch!“
Gleich fliegt es hoch, so hoch, so hoch.
(Gleich fliegt es wie die Schwalbe (Lerche) hoch.)
[*] Oder allgemein: wie ein Vöglein hoch. [*]
Wie' s Bällchen ist mein Kindchen gut,
Was ich nur sage, gleich es thut. -
Doch bald sucht sich's auch zu verstecken,
Und will wie 's kleine Kindlein necken:
„Fort ist es, fort, fort, fort, fort, fort.“
„Wer sagt mir den verborgnen Ort?“
Doch jetzt ist' s ja zur Freude da.
[*] Anmerk[ung]. Die Beziehung dieses Lied-
chens auf das innere, wie auf
das äußere, auf das Gemüths-
wie auf das Familien- und ge-
sellige Leben des Kindes liegen
für den Kinderführer nahe,
daß darauf kaum hingewiesen
zu werden braucht. Auch sind
die Wirkungen schon bemerkt
worden, besonders wenn statt
des allgemeinen „Kindchen“
ein bestimmtes Kind, z. B. Adele genannt wird. /
[60]
2. Der Ball in Verbindung mit einem
andern Gegenstande. a) mit der wagrechten
Fläche
Wie uns bis jetzt der Ball allein und im
freien Raume zum Spielzeug diente, so
kann er dieß auch in Verbindung mit einer
Fläche, und zwar zunächst auf einer wag-
rechten, da ja auch die waagrechten Bewegung-
en desselben im freien Raume uns zuerst
beschäftigten.
1. Man lasse sich die Kinder um einen Tisch
herum stellen oder setzen, und rolle den
Ball [*] auf der Tischfläche [*] von einer Hand zu der andern und lasse
dieß von den Kindern nachmachen, [*] indem man singt [*]:
No <41>. „Seht, die Bällchen wollen rollen
Gar zu gerne rollen;
Wollen rollen,
Freude wollen sie uns zollen!“ /
[60R]
2. Wie der Ball von einer Hand zur andern
rollt, so kann er auch von einem Kinde zum
andern rollen:
Die Bällchen möchten wandern
Von einem Kind zum andern
Und wünschen einen guten Tag, guten Tag!
oder: No 42b [„] Es wechselt Ort in einem fort
Auf unser Wort.
3. Nun können auch 2 einander gegenüber sitz-
ende Kinder sich den Ball zurollen:
No 42a „Jetzt kommt das Bällchen zu dir,
Jetzt kommt es wieder zu mir!
Zu dir, zu mir, zu dir!
[*] So wechselt’s Ort auf unser Wort in einem fort.“ [*]
4. Die kreisförmige Bewegung [*] am Rande des Tisches herum [*] und die grade
[*] über die Tischfläche hinüber [*], kann auch verknüpft werden, so daß der Ball
stets abwechselnd zu dem gegenüber sitzend-
en Kinde rollt. Es sei z. B. Fig. A ein Tisch, /
[61]
[Bogen] E [Zeichnung]
an welchem 10 Kinder sitzen. Der Ball rollt von
1 zu 2, von 2 zu 3 rc. und kehrt zu bis 1 zurück. Dazu
singe man: No 4<0> „Zick, zack, zick, zack
Ist des Bällchens Spur;
Tick, tack, tick, tack,
Ist der Schlag der Uhr.“
Dieses kann mit einem Balle, aber auch mit halb so viel Bällen, als Spieler sind, gespielt werden.
Bei größerer Entfernung und gewandten
Spielern können es soviel Bälle als Spieler
sein; doch hat letzteres immer seine großen Schwierigkeiten für Kinder.
5. Wie bis jetzt der Ball sich wagrecht auf der
wagrechten Fläche, so kann er sich auf derselben
auch senkrecht bewegen. Man werfe ihn auf
den Tisch, so daß er wieder zurück springt und
nun gefangen wird, entweder mit beiden
Händen oder mit der rechten oder der linken Hand
allein: /
[61R]
No 43 „Werf ich das Bällchen auf den Tisch
Hüpft mir es auch entgegen frisch.“ Oder:
No 44 „Spring auf vom Tisch, Ich fange frisch.“ -
Hierbei kann sehr schön ein gewisser Takt
beobachtet werden, indem die Kinder Reihe
um auf den Tisch werfen und fangen. -
6. Bei größerer Stärke und Gewandtheit von
Seiten der Kinder kann man die Bälle anstatt
auf den Tisch, auf den Fußboden werfen:
No 46 „Der Springborn steigt zum Himmel auf;
Dann wieder sinkt er bald darauf.
So fliegt der Ball hinab, herauf!
Daß er nicht fall, merkt Kinder auf.“
No 47 Werf ich' s Bällchen nieder,
Springt es fröhlich wieder
In die Höh, in die Höh!
Werf ichs nieder,
Springt es wieder
in die Höh! in die Höh! /
[62]
No 48 „Wenn den Ball ich werfe nieder,
Springt er in die Höhe wieder.
Kann die Hand ihn dann erlangen,
Schnell wird er von ihr gefangen.
Zu erlangen, dich zu fangen
Sucht die Hand, schnell gewandt.“
-------------
b) Der Ball in Verbindung mit der senkrechten Fläche.
[1.] Der Gegensatz von wagrecht ist senkrecht.
Daher wird in unserm Ballspiele jetzt die Ver-
bindung des Balles mit einer senkrechten Fläche
der nächste Fortschritt sein, so wie auch im freien
Raume nach der wagrechten Bewegung die
senkrechte folgte. Das Spiel selbst findet nun an
der Wand statt. Es beginnt wieder [*] wie bey allen Spielen [*] mit den
schwächsten Versuchen des kleinen Kindes.
Es wird anfangs den Ball mit beiden Händen
an die Wand werfen. Da dieß aber nicht /
[62R]
gut geht, so wird das Kind leicht selbst dahin
kommen, den Ball mit einer Hand zu werfen
und mit beiden Händen zu fangen. Dazu kann
man singen:
No 50. „Das Bällchen werf ich an die Wand,
Es springt zurück in meine Hand.“
No 51.“Spring, Bällchen von der Wand
Zurück in meine Hand.
Von der Wand in die Hand,
Wand, Hand! Wand, Hand!
No 52. „Daß zurück sie prallen,
Werft sie an die Wand.
Doch laßt sie nicht fallen;
Fangt sie mit der Hand.
Hopsa! fall!
Fall nicht Ball!“
2. Dieses Werfen und Fangen des Balles /
[63]
an der Wand kann sehr gut zu einem Nacheifer-
ungsspiele erhoben werden, in Bezug darauf,
wie vielmal und wie ein guter gut ein Spieler den Ball
fängt. Die Kinder stellen sich in eine Reihe vor
eine Wand, und werfen der Reihe nach ihren Ball
an die Wand: [*] das erste Kind der Reihe beginnt, ihm folgt das nächste,
wenn es entweder während des Singens den Ball ununterbrochen ge-
fangen hat, oder sobald es den Ball hinfallen läßt. Im erste-
ren Fall ist das Kind Lehrling, im zweyten ist es noch nichts,
sondern muß, wenn das Spiel wieder an das erste Kind kommt
wieder mit Lehrling beginnen, während das Kind, welches in der
ersten Spielreihe Lehrling wurde, jetzt bey der zweyten zum Gesellen
fortschreiten kann. [*]
No 53. Tipp, tapp, tapp,
Spring von der Wand hübsch ab
Dich zu fangen, steht mein Sinn
Bis ich jetzt ein Lehrling bin.
Haben die Kinder Reihe um dieß Liedchen unter
Werfen des Balles gesungen, so beginnt es wieder von
neuem u der Erste, [*] welcher das vorige mal Lehrling wurde, [*] singt :
„Tipp, tapp, tapp,
Spring von der Wand schnell ab!
Dich zu fangen, steht mein Sinn 1mal - 5mal,
Bis ich nun Geselle bin.“
[*] Hat er den Ball während des Singens nicht ununterbrochen fangen können, so bleibt er Lehrling. [*]
Ist die Reihe auch hierbei um, so beginnt das Spiel /
[63R]
wieder von neuem. Hat aber ein Kind, wie bemerkt, in der
Mitte des Liedchens den Ball fallen lassen, so
kann es zu keiner andern Stufe übergehen, bis es
diese vollendet hat. Es heißt nun weiter :
„Tipp, tapp, tapp,
Spring von der Wand hoch ab!
Dich zu fangen, steht mein Sinn 1mal - 10mal,
Bis ich nun ein Meister bin.“
Ist die Reihe auch hier vollendet, so heißt es endlich:
„Tipp, tapp, tapp,
Spring von der Wand weit ab!
Dich zu fangen, steht mein Sinn 1mal - 15mal,
Bis ich Obermeister bin.“
Da nun kein Kind zur folgenden Stufe fortschrei-
ten kann, bis es eine Fertigkeit in den vorherge-
henden erreicht hat, und da es auf einer Stufe
stehen bleiben muß, wenn es nicht seine Kräfte /
[64]
zur Erfüllung der Forderung zur nächsten Stufe
entwickelt hat, so ist dieses Spiel zugleich lehrreich
für Schule und Leben, indem es ihm sagt: Nur
dadurch, daß du die Forderungen einer unterge-
ordneten Stufe erfüllst, kannst du zu einer
höhern steigen u.s.f.
3. Ein anderes Nacheiferungsspiel in Bezug auf die Art des Fangens mit den
Händen ist: No 40. Wer mit dem Balle ist gewandt,
Der fängt ihn auf mit einer Hand.

[***]
c) Der Ball in Verbindung mit der schiefen Fläche.

Bei diesen Spielen lasse man den Ball von der
schiefgehaltenen flachen Hand oder von einer
andern schiefen Fläche, einem Tische oder auch wohl
einem Dache herunter rollen und knüpfe daran
passende Anschauungen:
No 54. „Wie der Thau vom Blatte träuft,
So mein Ball der Hand entläuft.“/
[64R]
No 55. “Wie das Wasser klar und heiter
Läufts Bällchen fröhlich weiter.
No 56. „Wie' s Wasser klar und munter
Läufts Bällchen froh hinunter.“
„Wasser oder Balles Lauf
Gehet nicht den Berg hinauf,
Sondern stets zur Tiefe hin;
Thalwärts gehet nur sein Sinn.“

***
d) Der Ball in Verbindung mit der Schnur.

1.Der Ball, an einer Schnur befestigt, ruht
in einer Hand des Kindes, mit der andern Hand hält
es das Ende der Schnur fest, und läßt durch einen
leisen Zug an der Schnur den Ball aus der hohlen
Hand entschlupfen. Dieß bringe man dem Kin-
de zum Bewußtsein durch die Worte:
No 57. „Das Bällchen {meiner /deiner} Hand entschlupft,
Und froh hinaus ins Freie hüpft,
Hin, her, hin, her! Bim, baum, bim, baum!“ /
[65]
No 58. „Glöckchen, Glöckchen läute,
Bring dem Kinde Freude!“
No 59. „Das Bällchen leicht beweget sich
Hin, her, hin, her! Bim, baum, bim, baum!“
No 60. „Hin, her, hin, her!
Wie das Zweiglein in dem Winde
Wohl gefällts dem lieben Kinde,
Hin, her! Hin, her! Hin, her!

*
Sehet nur, man denkt es kaum,
Das Bällchen läutet bim, bim, baum!
[*]Bim, baum; bim, baum; bim, bim, baum!
Bim, baum, bim, baum! Und so, wenn man will, v.[on] Anf[ang]. [*]
2. Bei diesen Spielen hing der Ball senkrecht an
der Schnur und machte pendelartige Bewegungen.
Nun kann man aber auch durch leichtes Zucken
mit der Hand den Ball hinauf und herab senken:
No 61. „Auf und ab, hinauf, herab, hinauf, herab.“
No 62. „Das Bällchen senkt sich nieder, /
[65R]
Hebt sich senkrecht wieder,
Senkt sich, hebt sich!
Senken, heben, läßt das Bällchen sehen.“

*
Das Bällchen kann ich heben
Und kann es wieder senken, auf, ab; auf, ab!

*
Bei allen diesen Spielen kann immer ein
Kind in den Kreis treten und unter Leitung
des Spielführers die verschiedenen Spiele und
Bewegungen vormachen, die dann der
ganze Kreis nach macht
. Auch kann man mehrere
Kinder einzeln nach einander in den Kreis
treten lassen, um die verschiedenen Bewegungen
zu lernen, weil dann die Ausführung vom
ganzen Kreise besser gehen wird. [*] Jenes ab-
wechselnde Spielenlassen bald des einzelnen Kindes, bald
des ganzen Kreises ist überhaupt wegen der Wirkung des
Einzelnen auf das Ganze und der Rückwirkung des Ganzen
auf das Einzelne und den Einzelnen wichtig. [*]
3. Nun bringe man durch öfteres leises
Zucken an der Schnur den Ball in eine hüpf-
ende
Bewegung: /
[66]
No 63. „Das Bällchen kann hüpfen und springen
Und ich ein Liedchen ihm singen.“

*
No 64. „Das Bällchen kann hüpfen und springen,
Immer was Neues uns bringen.
Drum gern wir ein Liedchen ihm singen.“
4. Schwingt man den Ball an der verlängerten
Schnur, so geht die Schwingung langsamer als
wenn ich die Schnur kurz halte:
No 65. „Langsam, langsam schwing ich, wenn der Faden lang,
Doch wenn mich kürzer der Faden führt,
Alsdann auch schneller mein Schwingen wird.“
5. Den Ball kann man vom Schwingen als Pen-
del aus leicht um sich selbstschwingen:
No 66. „Das Bällchen leicht beweget sich hin, her! hin, her!
Und schwingt sich dann herum.“
6. Nun mache man bei dieser kreisenden Bewegung
des Balles das Kind darauf aufmerksam, /
[66R]
daß er durch die Schnur gleichsam stets zur Mitte
weiset: No 67. „Wenn der Ball schön um sich kreiset,
Er stets klar zur Mitte weiset.“
No 68. „Wie der Ball auch steigt und neigt,
Er stets klar die Mitte zeigt.“
Der höhere Sinn bei diesem Spiele ist, daß alle Man-
nigfaltigkeit der Erscheinungen und Thätig-
keiten einen Mittelpunkt, einen Beziehungspunkt haben, um den sie
sich gleichsam bewegen und von dem sie alle
ausgehen.
7. Nun schwinge man den Ball um den
Finger herum, so daß er sich auf und ab win-
det, wobei er bald näher am, bald ferner vom
Mittelpunkt, dem Finger, ist.
No 69. „Bald bin ich nah, bald bin ich fern,
Und dien dir so als Spielzeug gern!“

*
No 70. „Mache auf und ab mich winden, /
[67]
Schneckenlinien sollst du finden.“

*
No 71. „Immer weiter, immer weiter,
Immer enger, immer enger.“
8. Nun bewege man den Ball auf dem Tische in
wagrechter Lage im Kreise herum, wodurch
eine doppeltkreisende Bewegung des Balles
entsteht, einmal: um den Mittelpunkt, den Finger, und dann,
um sich selbst. Das Drehen kann bald rechts bald
links herum geschehen.
„Sehet nur mein Bällchen an,
Doppelt es sich drehen kann:
Einmal um sich selbst herum,
Dann auch um die Mitt' herum!“

*
No 72. Schauet nur mein Bällchen hier,
Viele Freude macht es mir:
Doppeldrehung zeigt es mir.
Der höhere Sinn bei diesem Spiele ist z. B. der: man muß
für sich und andere thätig sein; man muß seinen oder /
[67R]
andrer Menschen und Gottes Willen befolg-
en etc. Dann liegen die Anschauungen von
den Bewegungen der Himmelskörper deutlich
und klar darin u.s.f.
[68/68R]
[vakat]
[69]
[Bogen] F 9. Wenn man diese kreisende Bewegung sehr
schnell macht, so bemerkt man den Ball kaum,
darum dazu die Gesangsworte:
„Sehet nur mein Bällchen an,
Wie geschwind es laufen kann;
So schnell geht es seine Bahn,
Daß man es kaum sehen kann.“
10. Hat man diese kreisende Bewegung
eine Zeitlang auf dem Tische gemacht, u
hebt dann schnell den Ball in die Höhe, so
wird er sich von selbst ebenso auch eine Zeit lang um
sich selbst herum bewegen u zwar in
entgegengesetzter Richtung:
No 73. „Auf dem Tisch in Doppelweise
Drehet sich mein Bällchen leise,
[*] einmal um sich selbst herum,
Dann auch um die Mitt' herum, [*]
Doch wird es dann schnell erhöht,
Still es um sich selbst sich dreht.
Hat es sich satt rechts gedreht,
Dann es schnell auch linksum geht.“ /
[69R]
Oder auch bei diesem hängenden Drehen:
„Sehet nur mein Bällchen an,
Wie so flink sichs drehen kann.
Hat sichs satt rechtsum gedreht,
Dann es schnell auch linksum geht.“
11. Man fasse die Ballschnur ganz ziemlich kurz und su-
che dem Ball durch eine Hand wiederholtes Zucken die abwechselnd
schnellste hüpfende, schnellende Bewegung zu geben, indem man
ein Kind auffordert, denselben zu fangen.
Hierbei übt besonders das Kind seine Au-
gen, Arme u Hände. Das Kind singt dabei:
„Das Bällchen ist so schön,
Ich möcht es gern besehn,
Zu ihm trag ich Verlangen,
Gar gerne möcht ichs fangen,
ja fangen. [“]
Hierauf singt der Spielführer dem Kinde zu:
„Laß nur den Blick nicht schweifen,
Bald kannst du es ergreifen,
Folg ihm nur unverwandt,
Bald ist's in deiner Hand - gefangen.“ /
[70]
12. Faßt man die Schnur kurz u schlägt dann
den Ball auf den Tisch, so kann man das Dreschen
gut nachahmen. Hierbei ist besonders auf das
Tacthalten zu achten, damit immer ein Kind nach
dem andern seinen Ball auf den Tisch schlägt:
„Wir dreschen hier Getreide,
Das bringt uns große Freude ;
Getreide bringt Freude.“
13. Nun kann man den Ball, obgleich an
einer Schnur, auch zum Fangen brauchen.
Man halte binde die Schnur an einem der Finger fest,
schließe den Ball in die Hand, öffne sie
dann u schleudre zugleich den Ball fort ins Freie u fang
ihn dann wieder, [*] indem man ihn an der Schnur
so ins Freie wirft, daß der Ball in einem Bogen in die Hand zurück fliegt. [*]
„Fröhlich fliegt der Ball hinaus,
Kehrt bald zurück ins alte Haus,
Doch wird er wieder angezogen,
Dann kommt er schnell zurückgeflogen.“
Oder:
„Fröhlich flieg hinaus ins Freie,
Kehr zurück in alter Treue.“ /
[70R]
Dieses kann auf die verschiedenste Art aus-
geführt werden. 1. Man halte den Ball mit
der Rechten, schleudre und fange ihn mit der
Rechten. 2. Man schleudre ihn mit der Rech-
ten und fange ihn mit der Linken. 3. Man
halte, schleudere und fange den Ball mit der
Linken. 4. Man halte und schleudre den
Ball mit der Linken u fange ihn mit der
Rechten. 5. Man schleudre den Ball
wagrecht, im Bogen, in die Höhe, in die
Tiefe, im Kreise, links u rechts herum.
Außer den hier angegebenen Weisen
sind in diesem Kreise der Spiele noch
viele andere Anschauungen und Übun-
gen möglich. Sie gehen jedoch aus den
Eigenschaften des Balles, aus dem Spie-
le mit dem Kinde, und aus dem Leben
leicht von selbst hervor, greifen dann
auch um so mehr förderlich in das /
[71]
Leben des Kindes ein, und erhöhen so den
Reiz des Spieles. - Besonders ist der
Ball an der Schnur geeignet,
14. lebende Gegenstände darzustellen,
und zur Anschauung zu bringen, z.B. ei-
nen Hund, der an der Kette liegt oder an der Schnur
fortgeführt wird; ein Schaaf, das auf
die Weide geführt wird u. s. w. Dieses
kann man auch zum gemeinschaftlichen
Spiele benutzen, und dient, den in einem
Kreise sitzenden Kindern, auffordernd
zu zeigen, was sich jedes auf diese Weise un-
ter seinem Balle denken, und damit ma-
chen kann. Es singt dazu z. B.
No 84. „Mein Schäfchen führ ich an der Hand,
Ich führe es am langen Band,
Ich führ es auf die Weide,
Wie ihm so mir zur Freude.“ /
[71R]
No 85. „Mein Hündchen führ ich an der Schnur,
Dern folgt es meines Ganges Spur ,
Ich führe es ins freie Feld,
Was ihm so wohl wie mir gefällt.[“]
No 86. „Das Kätzchen klettert auf den Baum,
Da schaut sichs um im weiten Raum.
Es sagt: ja, ja, das ist wohl fein,
Doch muß man auch behutsam sein,
Sonst fällt man von der steilen Höh'.
Herab zu Boden, das tut weh. [“]
[*] Wie [bei] den vorigen Spielen der Ball von dem Kinde hinter
sich her gezogen wird, so wird bey diesen der Ball um den
senkrecht in die Höh[e] gerichteten linken Vorderarm in schrau-
benförmiger Bewegung in die Höh[e] gehoben, wo dann die
hohle Hand mit den Fingern gleichsam die Baumkrone bildet. –[*]
No 87. „Wenn meine liebe Mutter
Den Täubchen streut das Futter,
Dann kommen sie in schnellem Lauf
Und picken alle Körnchen auf :
Pick, pick, pick, pick, pick, pick.
Hab Dank, hab Dank, nun flieg ich heim
Und bring zu Essen den Kinderlein,
Die schlafen daheim,
Ganz ruhig und fein.[“]
[*] Bey diesem Spiele läßt man den Ball an der Schnur wieder-
kehrend auf in senkrechter Richtung auf den Tisch auffallen,
wodurch das Aufpicken der Körner von den Täubchen nachge-
ahmt werden soll. – [*] /
[72]
No 88. „Mein Füllchen führ ich an dem Seil,
Sonst springts davon in großer Eil;
Doch dabei bleibt es Wohlgemuth,
Es fühlt, die Leitung ist ihm gut. [“]

*
Bei der Anschauung von einer
Katze muß das Klettern am Ar-
me mit dem Balle gemacht wer-
den. Der Ball an der Schnur
wird hier drehend um den Arm
herum gewunden, bis derselbe
oben bei der Hand ist. Die Hand bildet
ein Nest und der Ball fällt hinein,
sieht sich um, und ruht. Hat er aus-
geruht so nimmt man ihn heraus
und will sich auf seiner Höhe gleichsam
umschauen, so fällt er durch Unvorsichtigkeit
u windet ihn so am Arm wieder
gleichsam von seiner Höhe herab und, -
herunter, am Ende fällt er, und
das thut weh. Vergleiche Anmerkung zu No 86 /
[72R]
Wie nun bei diesen Liedchen müssen natürlich
passende Bewegungen mit dem Balle,
u den Armen gemacht werden müssen, so
muß man nun auch in den folgenden
Spielen, in welchen der Ball als Pferdchen oder Hund ge-
dacht ist, denselben über einen Graben oder Stein
springen lassen, wobei man aber diese
Gegenstände durch Hand, Würfel, Käst-
chen u. s. w. dem Kinde auch anschaulich zu machen hat.
Die Liedchen dazu sind folgende :
No 76. 1. Auch über einen Stein
Springts Bällchen nett und fein.

*
No 77. 2. Zu hüpfen über einen Graben,
Da hat mein Bällchen gute Gaben.

*
No 78. 3. Hopp! übern Stein
Springt mein Hündchen fein.

*
No 79. 4. Hopp! über die Hecke
Springt mein Pferdchen, die Schecke. /
[73]
N o80 5. Hopp! übern Zaun
Springt mein Pferdchen braun.

*
No 81 6. Hopp! übern Graben
Kann mein Rappe traben.

*
No 82. 7. Hopp! übern Graben nüber,
Kann mein Pferdchen setzen über;
Doch eh es seinen Sprung gewagt,
Hat’s sich die Sache wohl bedacht.
No 83. 8. Über Stein und Steinchen
Springt mein Hündchen schön;
Doch hebts auf sein Beinchen;
Wer will, der kann es sehn!

*
9. Hat niemand auf das Haus mehr Acht,
Der Hofhund es dann treu bewacht.

*
10. Gleich dem Geier in der Höh'
Ich mein Bällchen kreisen seh.

*

[III. Gymnastische Spiele.]

Ob nun gleich der Gesammtzweck dieser
Spiele ist, das Kind wie auf, und in sich selbst hin zu führen, so /
[73R]
kann doch vom Balle aus ganz besonders und
selbstständig die persönliche Ausbildung
des Kindes erfaßt werden. Und dieß kann
besonders am besten von der Bewegung aus geschehen.
Die Kinder stellen sich bei dieser Art
der Spiele in einen Kreis. Der <->
Spielführer tritt in die Mitte desselben,
und macht die jedesmalige Bewegung mit
dem Balle, und dann mit seinem eignen
Körper vor :
No 89. Das Bällchen leicht beweget sich
Hin, her; hin, her.
Nachdem er diese Art der Bewegung
mit dem Balle vorgemacht hat, macht er sie auch
mit seinem Körper nach, indem er sich
bald auf die rechte, bald auf die linke Seite
neigt [*] neigt, oder vielmehr auf den rechten oder linken Fuß platt auftritt und dagegen
den entgegengesetzten also den linken und rechten Fuß abwechselnd aufhebt,
wodurch eine schwebende und wiegende Bewegung mit dem senkrechten Körper
entsteht, und dabey singt [*]:
„Auch ich gar leicht bewege mich
Hin her, hin her.“ /
[74]
Nun fordert er eins von den Kindern
auf, ebenfalls in den Kreis zu treten, u
dieselbe Bewegung mit dem Balle, u dem
Körper nachzumachen.
Die auffordernden Worte sind:
[“] Wers nun von Euch will zeigen,
Tret hervor entgegen aus dem Reigen Tret’ hervor jetzt aus dem Reigen.“
Hat es seine Sache gut ausgeführt, so singe
man ihm zu:
„Du hast die Sache gut gemacht,
Drum sei Dir auch ein Lied gebracht.“
[*] oder ähnliche aufmunternde Worte. – [*]
Nachdem nun mehrere oder alle Kinder
einzeln diese Übung gemacht haben,
macht es der ganze Kreis nach, mit den
Worten:
Auch ich (auch wir) gar leicht {bewege mich / bewegen uns}
Hin, her; hin, her!

*
Wie sich nun der ganze Körper bisher /
[74R]
bewegt hat, so können sich auch die einzelnen Glieder, Arme u Beine
bewegen. Hier können die Bewegungen
sehr verschieden gemacht werden.
[*] Arten der Bewegung:
I. Ein Arm bewegt sich: A. der rechte Arm B. der linke Arm.
II. Die beiden Arme bewegen sich zugleich.
A. gleichlaufend mit den beyden Seiten:
a) zugleich beide Arme nach vorn und wieder nach hinten,
b) der eine von beiden Armen nach vornen, während der
andere sich nach hinten bewegt, und so stetig wechselnd.
B. gleichlaufend mit der Brust oder vor derselben:
a) so daß beyde Arme sich zugleich immer nach einer
Seite, also unter sich immer gleichlaufend bald nach
der rechten, bald nach der linken Seite zugleich sich wenden,
b) zweytens so, daß sich der eine Arm nach der
rechten wendet, während der andere nach der linken
also stetig abwechselnd sich durchkreuzend [bewegt*].
No 91. Ein Arm beweget sich <->;
Mein {rechter / linker} Arm beweget sich,
hin, her; hin, her; oder:
[*] Vor, zurück; vor, zurück! [*]
Die beiden Arme bewegen sich:
[*]Vor, zurück; vor, zurück, oder [*]
Hin, her; hin, her; oder abwechselnd:
[*] Hin und her, und her und hin pp oder vor, zurück; zurück u vor! [*]
Durch diese Bewegungen kann man sehr
leicht Anschauungen aus dem Leben darstellen:
Fliegebewegung:

No 94. „Wenn ich nur ein Vöglein wär,
Fliegen wollt ich übers Meer,
Wollt’ von vielen schönen Dingen
Dir dann klare Kunde bringen.
Schwimmbewegung:

No 95. „Könnt' ich schwimmen wies Fischlein klein,
Schwimmen wollt' ich ins Wasser Meer hinein, /
[75]
Schwimmen auf den tiefsten Grund,
Macht euch die Wunder der Tiefe kund.“
Sägebewegung:

No 96. „Die Sägen gehen auf und ab
Und schneiden schnell die Bretter ab.[“]
Schaukelnde Bewegung:

No 97. „Wer gerne Schaukeln sehen will,
Der komme her, seh unser Spiel.

*
Wie mit den Armen, so kann man
auch mit den Beinen, ja auch mit dem Kopfe ähnliche
Füßen und dem <Kopf wechselnd> Bewegungen machen.
In dem Bisherigen wurden
die pendelartigen Schwingungen
des Balles nachgeahmt. Eben so gut
können aber auch die senkenden und hebenden oder die
mehr hüpfendenden Bewegungen nach-
geahmt werden: /
[75R]
No 99. „Das Bällchen senkt sich nieder,
Hebt sich senkrecht wieder;
Senkt sich, hebt sich,
Senken, Heben
Läßt das Bällchen sehen.“

*
„Auch ich, ich senke mich nieder,
Heb mich senkrecht wieder,
Senk mich, heb mich,
Senken, Heben ,
Laß ich euch schön sehen.“
[*] Dieses Senken und Heben geschieht
mit dem Fuß- oder Knorrenge-
lenke: senken auf die Ferse
und heben auf die Fußspitzen
oder den Vorderfuß. [*]
No 100. „Das Bällchen kann hüpfen und springen
Und ich mein Liedchen ihm singen.
Auch ich kann hüpfen und springen
Und mir ein Liedchen singen.“

*
Hieran schließt das Senken und
Heben auf beiden Füßen mit beiden Beinen
und gebogenen Knien und Knorrengelenken:
„Senkt Euch nieder,
Stehet auf,
Senkt Euch, hebt Euch! [“]/
[76]
Hierbei stehen alle Spielenden im Kreise;
beim Senken muß der Oberkörper gerade ge-
halten werden, dieß ist besonders für Mäd-
chen ein körperbildendes Spiel.
Alle hüpfen mit geschlossenen Füßen;
der Spielführer singt:
No 27. NB Lieder zu den Bewegungsspielen
„Füße geschlossen!
Füße auswärts!
Zehenstand!
Wir hüpfen aus dem Zehenstand,
1mal (Zehenstand), 2mal usw. bis 5mal.
Wie Das Zählen und Hüpfen muß gleich-
zeitig geschehen, dadurch wird das Spiel schön.

*
Wie in den bisherigen Spielen die pendel-
artige, senkende und hüpfende Bewegung
des Balles nachgebildet worden ist,
so kann auch die kreisende Bewegung /
[76R]
nachgeahmt werden, u zwar mit dem ganzen Körper zuerst.
No 101. „Das Bällchen leicht beweget sich
Hin, her; hin, her
Und schwingt sich dann herum.“

*
„Auch ich gar leicht bewege mich
Hin, her
Und dreh mich nun herum.“

*
[“] Wir alle leicht bewegen uns
Hin, her
Und gehen dann herum.“
Wie oben die Bewegungen mit dem
Körper nachgeahmt wurden, so können sie
auch <-> mit den Armen nachgeahmet werden.
No 102. „Mein rechter Arm beweget sich
Hin, her
Und schwingt sich dann herum.“
Nun hebe man die Eigenthümlich-
keit des kreisenden Balles hervor, daß er /
[77]
[Bogen] G
stets nach der Mitte zeigt, [*] d.i. während er dreht stets
mit der gleichen Hälfte seiner Umfläche, oder gleichen Seite
nach der Mitte gerichtet ist, gleichsam nach ihr schaut. Man
kann es auch so ansehen als ob der Ball durch die Schnur
an welcher er sich schwingt nach der Mitte zeige. – [*]
No 104. „Wie der Ball auch steigt und neigt,
Er doch stets zur Mitte zeigt.“

*
„Wie wir uns auch drehn
und kreisen,
Stets wir doch zur Mitte weisen.“

*
No 106. „Um uns schön im Kreis zu drehn,
Müssen wir stets zur Mitte sehn.[“]
In diesen letzteren Spielen liegt
der höhere Gedanke, daß, wie in
der Mannigfaltigkeit der Er-
scheinungen stets ein Mittelpunct
festgehalten werden muß, so
auch im Leben u seinen Er-
scheinungen dessen höchste Beziehung und gleichsam
Mitte, Gott.
* /
[77R]
Betrachten wir nun das bisherige Ballspiel
mit dem Kinde, u fragen, was ist durch das-
selbe im Kinde geweckt worden, so ergiebt
sich dieses :
1. Der ganze Körper ist durch die vielen und
verschiedenen Bewegungen gewandt und ge-
kräftigt worden und, besonders sind die
Glieder und deren oben genannten Thätig-
keiten entwickelt u ausgebildet worden
durch das Fassen, Festhalten, Schleudern
u. s. w. Eben so sind die Sinne, das Gesicht, Gehör und
Gefühl entwickelt, gestärkt und geschärft
worden, sowohl durch das Betrachten des Balles,
[*] und seiner mannichfachen Thätigkeiten,
als auch [*] durch die mit Gesang begleitenden Worte,
welche die verschiedenen Rücksichten dem
Kinde lebendig und klar machten. [*] So ist denn
in dem Kinde die Entwickelung, Erstarkung und
Ausbildung der körperlichen u leiblichen, der Glieder-
und Sinnenkraft durch die es einst werkthätig überhaupt
selbstschaffend seyn und werden soll, der Kindheit-
stufe gemäß angebahnt. [*]
2. Die Geisteskräfte sind geweckt, entwickelt
u ausgebildet worden: das Kind hat eine /
[78]
Menge von Anschauungen aus Natur- u
Menschenleben bekommen, [*] die Anschauungen sind
zu Vorstellungen erhoben worden.[*] Dadurch ist zugleich
die Kraft der Vergleichung in dem Kinde geweckt u die
Anschauungen selbst sind geläutert u geklärt
worden. Damit ist aber auch die Kraft zu urthei-
len und zu schließen geweckt u gestärkt worden:
z. B. wenn dem Kinde gesagt wird: „Mein
Ball ist ein Hund u springt über einen Stein“,
so muß das Kind die Anschauungen von Ball und Hund
mit einander vergleichen u urtheilen, ob
und auch beide Ähnlichkeit mit einander hätten haben,
um mit dem Balle als mit einem Hunde
spielen zu können, [*] wie in dem vorliegenden
Falle das in sich abgeschlossen
Gegenständliche von beiden und die Beweglichkeit
beider nach fremder Bestimmung, nach fremdem Willen. [*]
Dadurch nun aber, daß das Kind die Anschauungen
vom Balle u vom Hündchen mit einander
verglich, u Ähnlichkeiten wie Verschiedenhei-
ten fand, die es bestimmten, mit dem
Balle als mit einem Hündchen pp. zu spielen, wird, wie oben gesagt, die /
[78R]
Kraft zu schließen geweckt und die Anschau-
ungen selbst geläutert. Denn Anschauungen
werden bestimmter durch Vergleichungen,
[*] und hieraus entwickeln und bilden sich dem Kinde
die Begriffe wie z. B. im vorliegenden Falle der Begriff
vom in sich selbst abgeschlossenen und bewegbaren
und beweglichen Gegenstand pp. [*]
Alle gegebenen Anschauungen sind zwar
unvollständig, aber nie unwahr, nie täuschend. Und
jenes die Unvollständigkeit ist bei der Geistesentwickelung
nicht nur unschädlich sondern nothwendig,
[*] indem ja eben das Gefühl und die Wahrnehmung
des Unvollständigen weckend, erregend und auffordernd ist,
Vollständigkeit zu erringen. [*]
3. In Beziehung auf das Gemüth ist der
Sinn für Ordnung, Schönheit, Regel-
mäßigkeit, für das Anständige, Sitti-
ge und Sittliche nicht nur etwa blos geweckt,
sondern bestimmt gepflegt worden.
Die freie Wahl, die Selbstthätigkeit, der
Wille ist dem Kinde bewußt geworden,
indem es selbst Spiele wählen kann.
Aber eben so ist ihm [*] auch ganz unbezweifelbar [*] das Abhängigsein
von Andern und das Gehemmtwerden
durch Hindernisse klar geworden, /
[79]
indem es nicht ohne Ball, ohne Mitspieler
u.s.w. spielen kann. Durch beides aber wird
sich das Kind so wie eines Theils als ein Persönliches, Selbst-
ständiges, andern Theils aber auch als ein nothwendig Abhängiges, als
ein bestimmtes eingeordnetes Glied [*] von einem größern Ganzen sich finden und
fühlen <->. Allein es wird sich nicht blos abhängig fühlen
von Naturgewalten, nicht nur eingeordnet finden als Glied eines
Naturganzen; es wird sich bestimmt und erregt fühlen
nicht durch einen Zufall und Willkühr, sondern erst durch das ganz dunkle Gefühl,
dann [durch] das Ahnen eines Lebendigen, in sich <ihm> Freude
bringenden, darum liebenden und wenn auch unsichtbaren
doch in sich persönlich Einigen, am Ende nur Gutes
wirkenden und gebenden [Wesen], darum <das> eines an sich
Guten, und es wird dann ferner diesen guten Geber
alles Guten gern auch mit dem von den Eltern und Kinderführern
vernommenen Namen Gott gläubig und fromm bezeichnen.
So wird denn nun auch durch
diese Spiele und Spielweise an
der Hand sinniger Natur- und
Lebensbetrachtung wie eines sinnigen Geistes und
frommen sinnigen Gemüthes das Kind früh zu
einem Gotteinigenden und Gotteinigen (religiösen)
Leben zur wahren lebendigen sich im Leben und Thun
kund thuenden Gotteinigkeit hingeleitet und hinge-
führt, was ja nur der letzte u höchste Zweck aller
wahren Erziehung und zunächst Kinderpflege ist. – [*]
Durch das Letztere wird nun aber auch das Kind
[*] zu allen menschlichen höhern Tugend[en] und zunächst
auf der Kindesstufe[*] besonders zur Geselligkeit, Fried-
fertigkeit
u Verträglichkeit hingeführt [*] und sich dazu geneigt fühlen. [*]

*
An Kraft, Gewandtheit u Achtsamkeit
ist das Kind nun so gestärkt worden, daß
es fähig ist, mit einem härteren, schwereren,
selbst sogar leichter verletzenden Spielzeuge <spielen Ver> sich zu beschäftigen.
Und dieß ist die Kugel, woran sich dann
weiter die Spiele mit dem einfachen u
später mit dem getheilten Würfel zur ferneren Entwick-
elung des Kindes anschließen.
----------------------------------- /
[79R]
Bewegungsspiele.
[I. Darstellende Bewegungsspiele.]

Aus dem Balle entfalteten sich natur-
gemäß eine Reihe von Spielen mit dem-
selben. Eben so entwickeln sich aus
demselben eine Reihe von Spielgaben:
die Kugel, der Würfel u. s. w. [*] mit ihren eigenthümlichen Spielen.[*] Aus
diesen Spielen aber, wo das Kind stets
einen Stoff hat, an dem es seine Thätig-
keit üben kann, gehen auch solche Spiele
hervor, in denen das Kind seine Thä-
tigkeit nicht an einem gegebenen Stoffe
üben kann übet, sondern durch dießselbe
sich allein: die Bewegungsspiele.
In diesen Spielen tritt also die Selbst-
ständigkeit mehr hervor, u sie dienen
auf dieser Stufe ganz besonders dazu, das innere
Leben
des Kindes u dessen innere
Entwickelung thatsächlich darzu- /
[80]
stellen, u gleichsam wie in einem
Spiegel schauen zu lassen, um es nach u nach
zur Ahnung u fortschreitenden Erkenntniß
der darin liegenden Wahrheiten zu bringen.
Das erste Bewegungsspiel vom Ball
aus war das Wanderspiel. An dieß
Wanderspiel schließt sich [an] das Besuch[s]-
spiel
, da ja Wanderungen sehr oft den
Zweck haben, andere zu besuchen. Bei
diesem Spiele stehen die Kinder an [*] 2
oder wenn es der Kinder viele sind an den [*] 4 Wän-
den der Spielstube einander gegenüber. Zwei sich gegen-
überstehende Reihen kommen [*] in der Mittellinie der Stube [*]
zusammen; während dem
singen sie sich zu: nach der Singweise der Be-
wegungsspiele No 1.
„Die wir gegenüber stehn“
Die weitere Ausführung giebt das
Sonntagsblatt, Band 2 No [2]4.
[In der Edition vermerkt Erika Hoffmann S. 70:
„Im Manuskript sind die folgenden Spiele nur angedeutet,
und für die nähere Kenntnisnahme von der Spielausführung
ist auf das Sonntagsblatt verwiesen. Es folgen die betreffenden
Stellen aus dem Sonntagsblatt“. - Diese Auszüge aus dem
Sonntagsblatt werden hier in eckiger Klammer wiedergegeben.]
[SB II, 185-186: Die Kinder stehen, nach Maßgabe ihrer Menge, entweder an
zweien oder an den vier Wänden des Spielzimmers einander
gegenüber. Zwei der sich so gerad gegenüberstehenden Reihen
singen sich nun zu:
Die wir gegenüberstehn,
Wollen uns besuchen gehn!
Und indem sie singen, gehen sie auch sogleich aufeinander zu, so
daß sie mit Ende des Reimes in der Mitte des Zimmers zusammen-
treffen. Die eine der beiden einander nun dicht gegenüber stehen-
den Reihen, gleichgültig welche, singt unter Neigen oder Beugen
der anderen begrüßend zu :
Wir grüßen euch, wir grüßen euch!
Die zweite Reihe antwortet darauf:
Wir danken euch, wir danken euch!
Dann singen beide Reihen gemeinschaftlich und drehen sich paar-
weise, also nun in einer Doppelreihe, zugleich nach der Seite hin,
wo der Spielführer vor ihnen steht:
Auf! laßt uns doch spazierengehn,
Wir können da viel Schönes sehn;
Und was wir Liebes finden,
Erzählung soll's verbinden.
Während des Gesanges geht der Kopf oder die Spitze der Reihe
nach der einen Ecke des Zimmers zu, beugt dort nach außen gegen
die eine Wand hin, geht an derselben entlang bis gegen die andere
Ecke des Zimmers, beugt von da gegen die Mitte des Zimmers
zurück, geht nun nach der andern vorstehenden Ecke des Zimmers,
beugt wiederum nach außen gegen die zweite Wand, geht an der-
selben wieder entlang bis gegen die vierte Ecke und beugt von hier
nach innen wieder zur Mitte des Zimmers zurück. Hier, in derselben
Stellung, von welcher die wandernde Gesellschaft ausging, wieder
angekommen und so eine Art liegender Acht ∞ während der
Wanderung gebildet habend, bleibt sie stehen. Der Spielführer,
oder wer sonst Neigung hat, geht nun zu jedem der Kinder und
fragt: was es auf seiner Wanderung gesehen habe oder gesehen zu
haben vermeine? - Diese Gegensätze verknüpft nun der Fragende
in sich so zu einer Geschichte oder Märchen, daß daraus teils Freude,
teils irgendeine Lebens- oder Naturanschauung hervorgehe, welche
für das Kind heilsam sein kann. So wie der Erzähler einen Gegen-
stand nennt, welchen eines der Kinder auf seinem Zimmer- oder
Gartenspaziergang gesehen oder als sehend sich vorgestellt hat,
muß dies Kind seinen Arm in die Höhe heben zum Zeichen teils,
daß es bei der Erzählung gegenwärtig ist, teils daß der Erzählende
gewiß ist, keinen Gegenstand in der Erwähnung übergangen zu
haben. Nach Beendigung des Geschichtchens oder der Erzählung
singen die Wanderer dem Erzähler zu:
Für dein Geschichtchen sagen wir
Den freundlich besten Dank nun dir.
Indem die Kinder dies singen, drehen sie sich von den beiden Reihen
gegenseitig die Geschichte wieder zu. Hierauf trennen sie sich, kehren
rückwärts gehend auf ihren ersten Platz zurück und singen dabei:
Wir kehren nun nach Haus zurück,
Schenkt bald uns wieder euern Blick.
Sind vier oder vielmehr zwei und zwei Reihen, so beginnen nun die
zwei anderen Reihen das Spiel. Bei großem Gefallen an dem Spiele
was bei uns gewöhnlich der Fall ist, wiederholen es die gegenüber-
stehenden Reihen noch einmal.
Dieses Spiel kann den Kindern aus mehrfachen Gründen so
große Freude machen, daß sie es so gern spielen: einmal der wirk-
lich angenehmen Singweise, dann des Begrüßens und endlich auch
wohl der schlängelnden Bewegung halber, welche die Kinder so
lieben, und die sie vielleicht aus dem dunkeln Gefühle lieben, weil
sie Umkreis und Mitte in einer gewissen Beziehung zu verbinden
strebt.]
Die schlängelnde einer liegen[den] ∞ gleichende
Bewegung in diesem /
[80R]
Spiele macht den Kindern besonders
Freude. Diese tritt noch mehr in dem
folgenden Spiel hervor: „Das Bächlein
Die Kinder stellen sich Seit an Seit in ei-
nen Kreis. Der Spielführer trennt den-
selben, u geht mit den von ihm angefaßten
Kinder[n] in schlängelnder Bewegung in
dem Zimmer gleichlaufend mit 2 Wänden
umher, indem sie singen:
„Seit an Seit pp“
No 31 in den Bewegungsspielen.
Die weitere Ausführung findet sich im
II. Band des Sonntagsblattes pag: 186.
[SB II, 186-187: Das schlängelnde Bächlein eines der allerersten Bewegungs- und
Wanderspiele, welches in unserm Spielkreise hervortrat, in dem-
selben sich heimisch und ganz besonders beliebt machte. Die Kinder
treten in einen großen Kreis Seite an Seite und reichen sich ab-
wechselnd die rechte und linke Hand. Der Spielführer tritt nun in
der Nähe einer Ecke des Zimmers in den Kreis, ihn trennend, und
führt das von ihm angefaßte Ende gegen das Innere des Kreises
gleichlaufend der schmäleren Seite des Zimmers und so in schlän-
gelnder Bewegung immer von außen nach innen weiter. Wie das
erste und zweite Kind dem führenden Spielführer folgt, so folgt
jedes Kind seinem Nachbar. Ist so der schlängelnde Zug nach der
entgegengesetzten schmälern Seite gelangt, so wendet er sich an
einer der Längsseiten entlang gehend wieder zu dem Anfangs- und
Ausgangspunkt zurück, und dies so lang und oft, als es die Dauer
des Gesanges erfordert. Dabei wird das folgende Liedchen, teils im
vollen Chor, teils als Einzelstimme, mehr leis gesungen:
Chor: Seit' an Seite, o wie schön!
Schlängelnd wir wie' s Bächlein gehn.
Einzelne: Wie am Bach die Blumen blühen,
Froh wir hier vorüberziehen.
Chor: Seit' an Seite usw.
Einzelne: In dem hellen Wasserspiegel
Klar sich malet Baum und Hügel.
Spiegelnd in dem Herz sich zeiget,
Was sich liebend zu uns neiget.
Voll von Danken und Entzücken,
Freudig unsre Augen blicken.
0, wie heiter im Vereine
Sind wir alle, Groß' und Kleine.
Doch nun drehn wir uns im Kreise,
a) Singen froh nach Kinderweise.
b) Singen eine neue Weise.
Wie der letzte Chor begonnen wird, sucht der Spielführer das frohe
Kinderband so zu führen, daß mit dem Beginn des letzten Verses:
„Doch nun drehn wir uns im Kreise“ alle Kinder schön geordnet
in einem großen Kreise sich bewegen. Der Schluß a) wird gesungen,
wenn hier das Spiel geschlossen wird; der Schluß b) dagegen, wenn
sich daran ein neues Spiel anknüpft.]
Dieses Spiel bildet den Übergang
von den reinen Wanderspielen zu
den zu den Darstellungsspielen,
die durch ihre Form irgendeinen /
[81]
Gegenstand aus der Natur oder dem Le-
ben versinnlichen und dem Kinde zum
Bewußtsein bringen, um dasselbe zur
Beachtung der Natur u des Lebens zu be-
fähigen. Das dem Bächlein ähnliche [Spiel] ist:
Das Schnecklein.

Die Kinder treten sich anfassend, Seit
an Seite in einen Kreis. Der Spiel-
führer faßt nun irgendein Kind aus
dem Kreise u geht mit demselben, und all
ihm folgenden Kindern, immer an
der innern Seite des Kreises herum,
bis er von allen Kindern [*] in einer
Schnecken- oder vielmehr Spirallinie [*] umwun-
den in deren Mitte steht, wobei gesungen
wird, Bewegungsspiele No 30:
„Hand an Hand wir pp“
Siehe Sonntagsblatt Band II, pag 187.
[SB II, 187-188: Die Kinder treten Seite an Seite und
Hand an Hand, wie vorhin in einem großen Kreise; auch spielen es
die Kinder sehr gern als Fortsetzung vom Bächlein, wo dann beim
Schlusse jenes die Strophe b) gesungen wird. Der Spielführer faßt
nun, wo er es für angemessen hält, ein Kind des Kreises an, trennt
daselbst den Kreis und führt dies Kind, dem die übrigen, sich alle
gegenseitig fest angefaßt, leicht folgen, immer an der innern Seite
des Kreises herum, bis er in seinem Gang eine Schnecken- oder
vielmehr Spirallinie gebildet hat und von allen Kindern umwunden
in der Mitte steht. Sich nun rückwärts um sich selbst drehend und
zunächst zwischen seiner und der benachbarten Kinderreihe hin-
durchgehend, sucht er sich wieder aus dem Innern hervorzuwinden,
was auch leicht geschieht, wenn nur die Kinder einmal einander
alle festhalten und zweitens, wenn die Schneckenlinie nicht gar zu
dicht gewunden ist. Dabei singen die Kinder das „Schneckenlied“:
Hand in Hand wir jetzt uns sehen,
Wollen wie das Schnecklein gehen :
Immer näher, immer näher ,
Immer enger, immer enger,
Immer dichter, immer dichter ,
So sich immer inn'ger findet,
Was sich liebend hier verbindet.
Bei diesen Worten sucht der Spielführer gerad in der Mitte zu
stehen; sollte der Kreis der Kinder zu groß sein, so muß eine der
Strophen: „Immer dichter, immer dichter“ oder wohl gar zwei oder
drei derselben nochmals wiederholt werden. Wie nun der Spiel-
führer in der Mitte angekommen ist, wendet er sich sogleich, wie
oben angegeben, und es wird gesungen:
Hand in Hand wir jetzt uns sehen,
Wollen wie das Schnecklein gehen:
Immer weiter, immer weiter,
Immer ferner, immer ferner,
Immer loser, immer loser:
So vom kleinsten Punkte aus
Geht' s zum großen Kreis hinaus.
Jetzt müssen womöglich alle Kinder wieder im geschlossenen Kreise
stehen, und es heißt dann:
Hier auch wir uns froh begrüßen,
Unser Spiel nun so beschließen.
Dieses Spiel macht denn nun auch sehr häufig den frohen Be-
schluß einer Spielzeit; es ist dazu sehr geeignet, weil es alle Kinder
und Spielgenossen in einem lebenvollen und zuletzt in einem völlig
geschlossenen Ganzen, dem Kreise, einigt.
Von dem Spielleben der Kinder aus hat dieses Spiel seinen An-
fangs- und Ausgangspunkt in dem Schwingen des Bällchens an der
Schnur um den Zeigefinger, so daß sich der Ball dadurch in einer
Schneckenlinie immer mehr dem Finger nähert und endlich an dem-
selben ruht' dann bei umgekehrter Bewegung sich in gleicher Linie
wieder von dem Finger los- wie schnell wieder auf den Finger
durch den freigehenden Schwung aufwindet. In der Natur findet
das Kind die Anschauung dieses Spieles in den Windungen des
Schneckenhauses, welches es ja so sehr liebt, und bringt ihm so das
Immernäher und Immerdichter wie das Immerferner und Immer-
weiter nicht nur zur Auffassung, sondern selbst zur Gefühls-, d. i.
Bewegungswahrnehmung.
Der Zweck und Geist dieser Spiele, zur Beachtung der Natur
und des umgebenden Lebens einzuführen, liegt klar vor. Wir teilen,
hier anschließend, sogleich noch einige darstellende reine Be-
wegungsspiele mit, weil sie ganz frei aus dem innersten Leben und
Bedürfnis, möchte ich sagen, kleiner Kinder hervorgegangen sind.
Wer hat nicht bemerkt, dass sich diese sehr gern um einen glatten
Baum oder Pfahl, eine Hand an denselben schließend oder ihn mit
einem Arme umschlingen wollend, herumdrehen; so ist auch dieses
Spiel geboren worden. In der Mitte unseres Spielzimmers steht
nämlich wegen seiner Größe zur Unterstützung der Decke eine
Säule von geringer Dicke. Sowie nun eine gewisse Spielzeit vorüber
war, übte diese Säule eine wirklich magnetische Gewalt auf die
Kinder aus, ein nach dem andern wurde von derselben angezogen;
wer von denselben noch zu der Säule gelangen konnte, umschlang
sie mit seinem kleinen Arm oder suchte sie doch wenigstens festzu-
halten, und nun wurde mit Lust und Jubel die Säule umkreiset
oder vielmehr umschwungen. Da nun dieses frohe Spiel bald alle
anzog, so mußte Ordnung in dasselbe gebracht werden, und so ent-
stand das folgende Mühlenspiel.]
„Das Mühlenspiel.“

Die deutliche Beschreibung findet sich im /
[81R]
Sonntagsblatt Band II pag 188 so wie die Singweisen
dazu in den Bewegungsspielliedern
No 33. stehen.
[SB II, 188-189: Sechs oder acht Kinder, nachdem die An-
zahl der Spiellustigen groß ist, legen zuerst ihre rechte Hand an
die glatte Säule und suchen sich an derselben festzuhalten, was
ihnen auch ungeachtet ihrer kleinen Hände gar leicht möglich wird.
Nun wird jedes dieser Kinder an seiner linken Hand von einem
zweiten und dieses wieder so von einem dritten, ja wenn es die
Größe des Zimmers erlaubt, von einem vierten Kinde angefaßt, so
dass nun sechs oder acht zwei-, drei- bis viergliedrige Strahlen von
der Säule ausgehen. Die Kinder werden wo möglich so verteilt, daß
immer in einem Kinderkreise Kinder von gleicher Größe oder
gleicher Kraft stehen, deshalb entweder die größten nach der Mitte
und die kleinsten nach außen oder umgekehrt, damit dies Aus-
schreiten oder die Schnelligkeit der Bewegung nach der Kraft der
kleinsten Kinder abgemessen werden kann. Stehen die kleinsten
nach außen und sind außer dem Spielführer noch mehrere erwach-
sene Spielgenosssen da, so fassen diese gleich jenen die schwächsten
Kinder an und bestimmen so die Schnelligkeit der Bewegung, die
natürlich anfangs sehr langsam sein muß. Doch zeigen selbst die
kleinsten Kinder dabei eine merkwürdige Behendigkeit, so daß sich
die Schnelligkeit bald vermehrt. Doch muß der Spielführer und
die Erwachsenen das Ganze wie den Einzelnen stets überwachen,
damit die Bewegung gleichmäßig und die Ordnung der Kinder nicht
gestört werde.
Während des Drehens wird gesungen:
„Wie das Mühlrad nicht stehen bleibt,
Wenn's nur kräftig das Wasser treibt,
So sind auch wir nicht stehn geblieben,
Von der eignen Lust getrieben.“ -
Hier ist das Ganze als das Rad einer Wassermühle angeschaut
und das Kind zur Wahrnehmung der bewegenden Kraft in sich und
in dem Wasser und zur Vergleichung der treibenden Lust mit dem
treibenden Wasser hingeführt. [...]
Dieses Spiel kann auch in einem Zimmer ohne Säule und darum
ebenfalls auch im Freien gespielt werden. Der Spielführer bindet
dann um seine Hüften ein Tuch oder eine mehrmals umwundene
starke Schnur, welche die zu innerst stehenden Kinder anfassen und
sich dann mit ihr zugleich drehen. Im Freien macht sich das Spiel
besonders schön, wenn sich dazu ein glattrindiger, vollkroniger
Baum findet.
Wie die Bewegung einmal rechts herum ausgeführt wurde, so
geschieht sie auch links herum. Auch kann dabei zur Abwechslung
und besonders in Rücksicht auf die mitspielenden noch ganz kleinen
Kinder statt des ausschreitenden Ganges der kurze Trippelgang
gemacht werden.
Diesem darstellenden, aus dem Mädchenleben hervorgegange-
nen Spiele steht ein anderes gegenüber, welches dem Leben der
Knaben sein Dasein verdankt, es heißt das Rad. ]
„Das Rad.“

Die Beschreibung findet sich im Sonn-
tagsblatt Band II, pag. 189. Die Singweise ist
No 32 der Lieder zu den Bewegungsspielen.

[SB II, 189-190: Vier, fünf, sechs Kinder reichen sich, mit dem
Gesichte nach der Mitte gekehrt, die Hände.
Wo nun zwei so im Kreise stehende Kinder durch ihre Hände
verbunden sind, tritt immer von außen ein anderes hinzu, was mit
der einen Hand diese anfaßt, mit der andern strahlenförmig nach
außen gekehrt ist. Dieses Kind und diese Hand faßt nun auf gleiche
Weise ein zweites an, so daß auf diese Weise ein vier-, fünf- oder
sechsstrahliger Stern entsteht. Je zwei dieser Strahlen werden nun
wieder durch zwei Kinder, die sich gegenseitig die Hand gereicht
haben, in waagrechter Richtung verbunden, so daß auf diese Weise
ein größerer Kreis wie der erste und mit diesem gleichlaufend ent-
steht. Hat man viele Kinder, so kann man dies so oft wiederholen,
als die Anzahl der Kinder dazu hinreicht. Ist das Rad so geschlossen,
so beginnt die Bewegung desselben nach der Seite hin, wohin die
Gesichter der die Strahlen oder Speichen bildenden Kinder gerichtet
sind. Dabei wird gesungen:
„Seht, hier ist ein Rad,
Es drehet sich rundum;
Die Speichen, die sind grad,
Die Felgen, die sind krumm.“ [...]
Daß durch diese Spiele und in seinem frohen und freien Heraus-
leben aus sich das Kind zur Beamtung der Gegenstände seiner Um-
welt, wie zu der seines eigenen Lebens, dadurch zur Vergleichung
und zur Erkenntnis beider, endlich später zu wohltätigen Urteilen
und segensreichen Schlüssen hingeführt werden soll, liegt wohl, wie
auch schon angedeutet, sehr offen am Tage. Wie denn auch wirklich
wohl die Lust, mit welcher die Kinder diese und andere derartige
Spiele spielen, mit in der leisen Ahnung des Sinnbildlichen und Be-
deutungsvollen derselben ihren Grund haben mag, so z.B. auch bei
diesen umkreisenden Bewegungen in dem Sehnen und Streben
einen Gegenstand rund um, also allseitig zu erfassen.
Ich bin ganz tief aus mehrseitigen Gründen und Erfahrungen in
mir überzeugt, daß keinesweges bloß leibliche Lust und bloß die
Wirkung von körperlicher Kraft und leiblicher Bewegung der
hohen, oft wirklich seelenvollen Freudigkeit der Kinder bei ihren
öfters einfachen Körper- und Bewegungsspielen zugrunde liegt,
sondern die leise, wenn auch noch so dunkle Ahnung ihres doch so
feinen, als richtig fühlenden Gemütes und Sinnes, daß darin höhere
Bedeutung verborgen, daß es gleichsam die Hülle höherer geistiger
und lebenswichtiger Wahrheiten sei.
Darum können wir die sinnige Beachtung und Pflege der Kinder-
spiele, aber auch die Reinigung und Klärung von allem Trüben und
Fremdartigen nicht genug empfehlen, damit mindestens diese innere
Bedeutung, der vom sinnigen Kinde geahnete Geist des Spieles dem
Kinde immer lebenvoller entgegentrete. Denn es dringt sich zu sehr
die Überzeugung auf, daß dadurch das sittliche Gefühl in den Kin-
dern nicht nur geweckt und geklärt, sondern auch gestärkt und zur
Ausübung erhoben, und daß dies auch vermittelnd segensreich auf
die Pflege und Erstarkung des religiösen Gefühles einwirken werde. -
Ich bin bei der Darlegung und Vorführung dieser Spiele der
historischen Entwickelung und Ausbildung derselben in unserm
Kinderkreise mit bestimmtem Vorsatze nachgegangen, um dadurch
tatsächlich den Doppelbeweis zu geben, einmal wie im bei der Aus-
führung dieser Spiele, die Grundidee und das Wesen derselben in
mir immer so klar als bestimmt festhaltend, dennoch der völlig
freien Entwickelung des Kindes, seiner Natur und deren Forde-
rungen ganz pflegend und willig folge; dann um ebenso tatsächlich
zu zeigen, daß dies wirklich möglich ist und daß also bei einer wahr-
haft und tief in dem Menschenwesen, in der Menschennatur gegrün-
deten, sich darauf stützenden, davon als dem einzig wahren Grunde
ausgehenden Erziehung und Kindheitpflege sowohl die feste Be-
achtung des Allgemeinen als auch die sorgsamste und eingehendste
Pflege des Besondern, des Individuellsten möglich ist.]
„Das Stern-, Blumen- u Kronenspiel.“

Beim Sternspiele reichen sich alle Kinder
in der Mitte des Kreises die eine der beyden Hände, die
andere Hand halten sie strahlenförmig nach
außen hin, u bewegen sich dann [*] kreisend um die
Mitte des so gebildeten Sterns [*] her-
um, singend „Jetzt bilden wir den Stern
Klar wie am Himmel fern,
{Wer sähe es nicht gern
Die Mutter sieht es gern
Die Eltern sehn es gern.}“
„Das Blumenspiel.“

Die Kinder legen bei diesem Spiele eine
Hand über die andere u singen: /
[82]
„Jetzt stellen wir die Blume dar,
Wie blühend sie im Garten war.
Mit ihren frohen Blicken
Den Gärtner zu beglücken.“
„Das Kronenspiel.“

Bei diesem Spiele legen die [*] im Kreise
nebeneinander stehenden [*] Kinder die fla-
chen innern Hände aneinander, u erheben
sie so, daß sie [*] im Ganzen einer Krone [*] mit erhöhter Spitze bilden gleichen.
Dabei singen sie indem sie sich bald rechts, bald links drehen[:]
„Kommt her, seht unsre Kronen!
Die schönste Lieb zu lohnen.
Wir bilden sie mit Fleiß
Zu solcher Lust u Preis.“
Das Kranzspiel.

Jedes Kind legt seine beiden flachen Hän-
den auf die Schultern seiner beiden Nach-
barn, [*] und drehen sich bald rechts bald links herum [*]
wobei sie singen:
„Schaut unsern Kinderkranz; /
[82R]
Er schließt des Spielestanz,
In Liebe er uns eint,
Die Freude rings erscheint. [“]
[SB II, 193-194: Zu diesen darstellenden kreisförmigen Bewegungsspielen ge-
hören auch noch Das Kreis-, Stern-, Blumen- und Kronenspiel.
Alle Kinder zusammen bilden einen großen Kreis. Der Spielführer
ordnet es still und im allgemeinen durch seinen Überblick gleich so,
daß die in Hinsicht auf die vollkommnere Ausführung des Spieles
zusammengehörigen Kinder je in einem Viertel des Kreises zusam-
mengestellt sind. Der Spielführer bezeichnet genau die dadurch
bestimmten vier Viertel des Kreises, welche so geordnet sind, daß
sich in jedem ein mehr erwachsenes befindet, welches den Fortgang
des Spieles in seinem Viertel überwachen und die Ordnung dabei
erhalten kann. Der ganze Kreis bewegt sich nun einmal rechts,
dann links herum und singt dabei:
„Seit' an Seite, o wie schön!
Laßt im großen Kreis uns drehn;
Mög' der Kreis uns schön gelingen,
Laßt dabei ein Lied erklingen.
Doch nicht minder ist es schön,
Sich im kleinern Kreis zu drehn
Und zu singen froh, doch leise,
Stets nach heitrer Kinderweise.“
Bei dem Schluß der Worte: „Doch nicht minder ist es schön“
klatscht der Spielführer in seine Hand, und jedes der vier Viertel
des Kreises bildet sogleich einen kleineren Kreis für sich, welcher
bei den Worten: „Sich im kleinern Kreis zu drehn“ geschlossen ist,
und nun dreht sich jeder der kleineren Kreise rechts herum, da-
gegen bei Wiederholung des Verses: „Doch nicht minder ist es
schön“ usw. links herum.
Nun klatscht der Spielführer wieder in die Hand. Alle Kinder
jedes Kreises reichen sich in der Mitte desselben die rechte Hand,
die linke halten sie gleichsam strahlenförmig nach außen hin,
drehen sich rechts und singen dazu:
„Jetzt bilden wir den Stern,
Klar wie am Himmel fern,
Die Eltern sehn (Vater, Mutter sieht) es gern.“
Oder ganz allgemein:
„Wer sähe es nicht gern.“
Jetzt klatscht der Spielführer wieder; alle Kinder jedes Kreises
reichen sich in dessen Mitte die linke Hand, und er dreht sich links-
um, dabei das vorige Liedchen singend.
Der Spielführer klatscht wieder; jedes der Kinder in jedem
Kreise legt seinen rechten Arm über den linken, die rechte
Hand einwärts nach oben, die linke einwärts nach unten gekehrt,
so daß sich die entgegengesetzten Hände zweier benachbarter Kin-
der leicht anfassen können; wie dies geschehen ist, drehen sich die
Kinder jedes Kreises rechts herum und singen:
„Jetzt stellen wir die Blume dar ,
Wie blühend sie im Garten war,
Mit ihren frohen Blicken
Den Gärtner zu beglücken.“
Abermals klatscht der Spielführer, die Kinder legen wie vorhin
die rechte, so nun die linke Hand über die rechte, die linke einwärts
nach oben und die rechte ebenso nach unten gekehrt, fassen sich
dann an, drehen sich linksum und singen wie vorhin. Am Schluß
des Liedchens klatscht der Spielführer wieder, die Kinder lassen sich
los, heben ihre Arme, die flachen innern Hände nach außen gekehrt,
in die Höhe. Zwei benachbarte Kinder legen immer ihre entgegen-
gesetzten flachen Hände fest aneinander, so daß das Ganze eine
Krone mit abwechselnden Spitzen bildet. Die Kinder drehen sich
rechts und singen dabei:
„Kommt her, seht unsre Kronen,
Der Eltern Lieb' zu lohnen;
Wir bilden sie mit Fleiß
Zu ihrer Lust und Preis.“
Der Spielführer klatscht wieder, und die Kinder drehen sich links herum.
Abermals klatscht er. Jedes der Kinder läßt seine Hände auf
die Schultern seiner beiden Nachbarn sinken; dabei singen sie und drehen:
„Schaut hier unsern heitern Kranz,
Er beschließt des Spieles Tanz,
Der in Liebe uns verband
Und mit Freuden uns umwand.
Doch laßt nun auf gleiche Weise
Uns auch drehn im großen Kreise;
Lasset unser frohes Singen
Klar vom Echo widerklingen.
Sind auch Stern und Kranz verschwunden,
Bleiben wir doch stets verbunden.“
Bei den Worten: „Doch lasst nun auf gleiche Weise“ klatscht der
Spielführer, und es öffnen sich alle vier Kreise in der eben nach der
Mitte des Zimmers gekehrten Stelle. Von diesem Punkte schwingt
sich oder geht rückwärts jeder Kreis in den zwei entgegengesetzten
Richtungen nach außen, so daß alle vier kleineren Kreise bald
wieder, wie im Beginne des Spieles, in dem großen Kreise stehen.
Hier reichen sich die noch getrennt nebeneinander stehenden Kinder
sogleich die Hände, und bei den Worten: „Uns auch drehn im großen
Kreise“ dreht sich der ganze Kreis rechts um. Nach den Schlußworten
löst sich der Kreis auf. Jedes Kind reicht dabei seinen beiden Nach-
barn die rechte Hand. ]
Diese einzelnen Spiele können nun
auch zu einem Ganzen verbunden
werden, wo an den passenden Stel-
len höhere Beziehungen heraus geho-
ben werden und dem Kindergemüthe
lich nahe gebracht werden.
Wie in den angeschlossenen Sing-
weisen Nr. 33 zu sehen ist. Vergleiche
[*] besonders die beiliegenden gedruckten
“Worte zu den Kinderspielen“ aus deren
richtigen Auffassung sich der Geist und Sinn
dieser ganzen Art der Bewegungsspiele
und ihrer Spielweise ergiebt. [*]
[II.] Nachahmungen von lebendigen
Naturgegenständen.


Bei diesem Spiele stellen sich alle
Kinder in 2 grade Reihen, so daß
ein ziemlich breiter Zwischenraum
[*] so wohl zwischen den beiden Reihen
als auch zwischen einer jeden und der
Wand zunächst hinter ihr [*] bleibt.
Die Kinder singen : /
[83]
„Schön in Reih' gestellt,
Blicke aufgehellt,
Wohl empor gericht
Brust und Angesicht.“
[*] Jetzt sagt der Spielführer: „Der Raum
zwischen jeder eurer beiden Reihen
soll einen Wald vorstellen; wer
von euch will nun ein Vöglein
seyn und in den Wald hinein[-] und
in demselben herumfliegen?[“] -
Mehrere werden sich freudig und
erwartend melden. Der Spiel-
führer bezeichnet nun eines
dieser Kinder, welches Vöglein seyn soll.
Dieses tritt aus einer [*]
Darauf tritt nun ein Kind aus einer der Reihen u eilt zwischen den Reihen selben
hindurch, den Flug eines Vogels nachahmend.
Dabei wird gesungen:
„Ein Vöglein fliegt in Wald hinaus,
Doch kehrt es wieder bald nach Haus.“
Nachdem es einigemal am besten bestimmt dreymal durchgespielt sungen
worden, heißt es weiter:
„Schön in Reih' gestellt pp.“ wie oben
Worauf dann [*] während des Singens dieser Worte [*] das Kind, welches den
Vogel nachahmte, wieder an seinen vorigen
Platz zurückkehrt. Nun beginnt /
[83R]
ein neues anderes Kind seinen Flug.
Haben es [*] so viel Kinder als Lust hatten oder [*] alle
Kinder gethan, so beginnt ein neues Spiel.
„Zwei Fischlein.“

Hierbei schließen die Kinder einen
Kreis, den Teich darstellend, und 2 Kin-
der ahmen in demselben das Schwim-
men eines Fisches nach, [*] indem sie ihre
Arme gleichmäßig vor und zurück bew[egen*]. Man sucht
so viel wie möglich zu beachten, daß kein Kind
ohne mitzuspielen stehen bleibt.
So geht es fort: 3 Häschen, 4 Rosse pp.
Dieß Spiel findet sich ausführlich
in den Bewegungsliedern N. 19.
[*] Der Zweck dieses Spieles ist zugleich für ganz kleine
Kinder das Auffassen und Überschauenlernen bestimmter
Zahlen oder Mengen, und hier [zu]nächst der Zahlen von
1 - 10, auch zu erst nur bis 5. Man kann deßhalb jedesmal
die spielenden Kinder von allen im Kreise stehenden zählen
lassen, z. B. : „ein Häschen, 2 Häschen, 3 Häschen“,
und dieß wieder singend mit aufsteigenden Tönen. Überhaupt
liegen sind die in diesem Spiele liegenden erziehenden Beziehungen
z. B. Freyheit u Gesetz, Willkühr (z. B. in der Wahl der Richtungen)
und Ordnung rc. rc. so nahe, daß es für den achtsamen Erzieher
nicht einmal nöthig ist sie anzudeuten. [*]
[III.] „Die Laufspiele.“

Die jetzt mehr entwickelte Körper-
kraft der Kinder verlangt nun auch
mehr Anstrengung. Die Kinder,
wenn sie eine Zeit lang ruhig gespielt haben,
wünschen sich mit all ihrer Kraft zu regen. Diesem Wunsche /
[84]
komme man durch Laufspiele entgegen.
1. Der Wettlauf. Sonntagsblatt Bd II, pag 193 [sc.: 195]
Singweise No 38.
[SB II, 195: Den Laufplatz bildet eine große viereckige Laufbahn, welche
die Beete und Gärtchen der Kinder wie der Rahmen eine Schiefer-
tafel umfaßt. Die Kinder werden zu zwei und zwei möglichst nach
gleicher Größe, Kraft und Gewandtheit zusammengeordnet. Je zwei
Kinder treten vor den Spielführer in die Mitte einer der Breiten-
seiten, Rücken an Rücken, in die Laufbahn; der Spielführer mit den
übrigen singt nun:
„Kinder, regt die Glieder,
Laufet hin und wieder ;
Regt euch, regt euch, Kinder ,
Immer geschwinder, geschwinder.“
Bei dem Worte „laufet“ klatscht der erstere in die Hände, und nun
läuft jedes der Kinder im Gebraum all seiner Kraft nach der ent-
gegengesetzten Richtung; an dem entgegengesetzten Ende des Aus-
gangspunktes durchkreuzen sich die Laufenden, und jedes derselben
sucht am ersten den ihm geöffneten Arm des Spielführers zu erreichen.
Bei der zweiten Wiederholung des Wettlaufes treten immer
zwei solche zuerst in die Bahn, welche bei dem früheren Wettlaufe
den Preis errungen haben.
Auch dieses ganz einfache Bewegungsspiel spielen die Kinder
mit großer Lust. ]
2. Der gerade Wettlauf.

Alle Kinder treten in einen Kreis.
Der Spielführer tritt an das eine Ende
des Kreises, gerade einer Wand ge-
genüber, faßt 2 der ihm zunächst stehenden
Kinder mit beiden Händen an, und singt:
No 14. Zehenstand! [*] Hierauf mit beyden Kindern alle 3
in gerader Haltung forthüpfend, [*] singt er:
„Wir hüpfen aus dem Zehenstand
Von dieser bis zu jener Wand.“
[*] Die im Kreise stehenden Kinder singen: - „Sie hüpfen pp. pp. [*]
Nachdem er nun die beiden an die ent-
gegengesetzte Seite des Kreises geführt hat
[*] und sie dort an einen zweiten Spielführer abgegeben hat [*]
kehrt er an seine alte Stelle zurück in-
dem er und der Kreis singt :
„Und rückwärts {kehr ich / kehrt er} {meinen / seinen} Blick
Und {geh / geht} zu {meinem / seinem} Platz zurück.“
So nimmt er immer je 2 der fol- /
[84R]
genden Kinder und beginnt mit diesen das
Hüpfen von Neuem, bis das[s] sie alle auf
diese Weise an das Hüpfen gekommen sind.
[*] Die Kinder spielen zwar dieses Spiel sehr gern;
allein da es für den Spielführer etwas ermüdend ist,
so ist es gut wenn sich bey der hüpfenden Führung
der Kinder 2 bis 3 Erwachsene ablösen können. [*]
3. Das Blumenkranzspiel.

Bei diesem Spiele, das sich, so wie auch die
zwei folgenden, besonders [zum Spielen] im Freien eignet,
stellen sich alle Kinder in einen Kreis.
Dann fragt der Spielführer jedes Kind, was
es für eine Blume sein will. Haben
alle Kinder eine Blume genannt, so
bleiben sie an dem äußersten Ende des
Spielplatzes stehen, während der Gärt-
ner an das entgegengesetzte Ende geht
und von hier aus den andern zusingt:
„Die Blumen, die ich finde,
Zum Kranze ich verbinde,
Ich hole euch nun heim,
Seid große oder klein.“
Die Blumen erwiedern: /
[85]
[Bogen] H
„Wir lassen uns nicht finden,
Zum Kranze nicht verbinden;
Wir wollen frei noch sein,
Uns hier im Garten freun.“ Singweise N 30
Darauf suchen alle auf das entgegenge-
setzte Ende des Spielplatzes zu kommen,
ohne sich von dem Gärtner fangenzulassen.
Hascht der Gärtner eine Blume, so hält er
sie fest, und mit dieser beginnt er den Anfang
zu einem Kranze. Nun singen sie:
Die Blumen, die wir finden pp.
Und so beginnt das Spiel von neuem.
Während des Fangens darf keines
der verbundenen los lassen. Geschieht
dieß, so dürfen sie in diesem Augenblicke
nicht fangen. Sind endlich alle Kinder bis auf eines
gefangen und zu einem Kranz vereint worden, /
[85R]
so schließen sich die beiden Enden des Kranzes
zusammen, und, indem nun alle das Ziel,
die schöne Vereinigung, sehen, singen sie,
sich im Kreise bewegend:
Die Blumen sind gefunden pp.
Spielliedchen N 30.
[*] Ein anderer Schluß des Spieles ist dieser: So wie alle Kinder
bis auf eines, z. B. Anna oder Adolf, gefangen sind, schließt sich
augenblicklich die sich festhaltende Reihe der Kinder einen
schönen runden Kreis, den Kranz, indem sie singen:
„Die Blümchen sind gefunden,
Der Kranz ist schon gewunden,
Er schließet in sich ein: [“]
Nun wird von einem Ende des Kranzes angefangen auf jedes
Kind der Reihe nach vom Spielführer gedeutet welches dann
sogleich die Blume nennt die es darstellt oder sich gewählt hat z.B .
und aus welchen gleichsam der Kranz gewunden ist z. B. :
Rose, Nelke, Tulpe, Veilchen,
Schaafgarbe, Fenchel, Vergißnichtmein -
Damit soll Adolph / Anna} bekränzt nun seyn.
Oder: z. B.
Aurikel, Anemone, Tausendschön -
Damit soll[t] ihr Anna bekränzt nun sehn.
Oder: z.B.
Winde, Wicke, Rose, Lilie -
Damit sei bekränzt unsre Emilie.
Ein gewandter Spielführer wird leicht einen passenden
Schluß finden. Hier wird nun das Kind genannt welches
nicht ergriffen wurde. Dieses Kind tritt nun in die Mitte
und sagt oder singt durch Hilfe des Spielführers:
[Fortsetzung der Ergänzung 86V rechts]
„Ich danke Euch Blümchen für Euer Bekränzen,
Doch lieber seh ich Euch im Garten erglänzen.
Drum will ich Euch wieder ins Gärtchen hinsetzen;
Da sollt ihr mich ferner erfreuen, ergötzen.“
Nun löst sich der Kranz auf und das Spiel beginnt,
wenn's beliebt, von neuem. [*]
[4.] „Das Bienenspiel.“

Eines der spielenden Kinder wird
die Raubbiene, und befindet sich an dem
einen Ende des Spielplatzes. Alle
andern Kinder sind Honig sam-
melnde Bienen und befinden sich
am entgegengesetzten Ende. Von
hier aus singen die Honigsa[mmelnde]n Bienen:
Die Bienchen kommen geflogen pp.
Die Raubbiene antwortet :
Nehmt euch in Acht pp.
Die erstern laufen nun beim Singen /
[86]
fort, bis in die Nähe der Raubbiene.
Schnell kommt diese aus ihrem Hinterhal-
te, um eine oder die andere zu fangen.
Natürlich suchen diese so schnell als mög-
lich an ihren alten Platz zurück zu lau-
fen. Und nun beginnt das Spiel von
Neuem. Spielliedchen 36.
[*] Anmerkung. Wenn es auch hier, um die Mittheilung
nicht noch weiter auszudehnen, nicht immer herausgehoben
wurde, so ist wohl an sich klar, daß überall diesen Spielen,
wie er z.B. hier sehr nahe liegt, ein höherer Gedanke unterliegt,
welcher den Kindern eben durchs Spiel nahe gebracht werden
soll und auf den auch die Kinder darum gelegentlich hin-
gewiesen werden, als hier: nicht nur im Spiel und fröhlich
hingegebenen Scherze soll man dennoch immer achtsam und
aufmerksam auf die Umgebung sein um durch Achtlosigkeit
weder sich noch andern zu schaden, sondern selbst im beruf-
treuen Handeln soll man umsichtig seyn, sich nicht in Gefahr
zu bringen u.s.w.
Dieß, wie überall, nur als Andeutung des Geistes und
Zweckes dieser Spiele u Spielweise; es ist auch keineswegs
gefordert, diese Wahrheiten immer gleich hervorzuheben
es ist schon für das Kind genug zu wissen: außer dem Vergnügen
liegt noch etwas Höheres im Spiele und dieß [ist] den Kindern selbst
finden zu machen. So lernen sie achtsam auf das Leben [zu] seyn. [*]
[5.] „Die Katze und Maus.“

Alle Kinder bis auf zwei stellen sich
fest Hand in Hand in einen Kreis; eins von diesen bei-
den ist die Katze, das andere die Maus.
Die Katze ist innerhalb, u die Maus
außerhalb des Kreises.
Die im Kreise stehenden Kinder singen :
„Ein Kätzchen kommt gegangen pp.
Hierauf sucht das Kätzchen das Mäus-
chen zu fangen. Ist dieß gelungen,
so wechseln entweder die beiden /
[86R]
oder es [werden] zwei andere gewählt. Und das
Spiel beginnt von Neuem. Spielliedchen N 37.
[*] Dieses Spiel fordert eine große Achtsamkeit aller Mitspielenden
so wie von Katze und Maus. Der Maus wird nemlich von allen
Mitspielenden die Flucht und das sich Schützen erleichtert
besonders, daß ihr überall leicht der Durchgang, besonders
durch Erheben der jedoch stets verbundenen Arme
erleichtert, dagegen der Katze das Durchschlüpfen
überall, durch Senken und Festhalten der verbundenen
Arme erschwert wird. Das Fangen wie das Entschlüpfen fordert
große Gewandtheit, Umsicht, Achtsamkeit, deßhalb wird das Spiel
von den Kindern sehr geliebt. [*]
[6.] Das Springen übers Seil.

Man befestige an die Wand, oder
an einen andern Gegenstand ein
Seil; der Spielführer hält dasselbe
verhältnißmäßig hoch, je nachdem ein kleineres
oder größeres Kind darüber sprin-
gen will. Die Kinder stellen sich
wenn ihrer viel sind, Brust an
Rücken, sind ihrer wenige Seit
an Seite in einen Halbkreis, und
singen:
Laßt uns fröhlich singen pp.
Spielliedchen No 18 u 12.
[*] Besser noch ist die Vorrichtung, daß die Schnur oder das Seil
leicht auf zwei Pflöcken oder hölzernen Nägeln ruht, die
man in den Löchern, welche in 2, in mäßiger Entfernung
von einander senkrecht stehenden Latten, Stäben oder
Stangen <-> eingebohrt stecken hat, höher und niedriger stecken
kann z. B. [Zeichnung]
An jedem Ende des Seiles sind wie bekannt zwei kleine
Sandsäckchen, damit das Seil straff liege. Diese Spiele ent-
wickeln aus sich selbst große Mannigfaltigkeit die ein ge-
wandter Spielführer leicht findet, [und die] selbst von den
Kindern aufgefunden werden. [*]
In den bisherigen Spielen wurde die
Haltung des Körpers den Kindern mehr oder
weniger selbst überlassen. Sie beabsichtigten
mehr dessen Kraftentwicklung und Übung des /
[87]
Körpers und der Glieder überhaupt.
Um die Haltung des Körpers, den rechten Gebrauch
der Gliedmaßen, besonders namentlich der Füße zu üben,
dienen besonders ganz besonders die ruhigen und raschen
[IV.] Gehspiele und deren Vorübungen,

die sich, was ihre stetige Entwickelung betrifft,
aus den Würfeln entwickelten hervorgehen. Die in ei-
ner Reihe Kant an Kante und Fläch an Fläche
gelegten Würfel nemlich, <gewöhnliche Reihe> zeigen, die in
Reihe gelegten Würfel
, wie sich auch die
Kinder Seit' an Seite, oder Brust am Rücken
über hinter oder neben einander stel-
len sollen können. Dieß bringe man dem Kinde
zum Bewußtsein durch das Liedchen:
„Brust am Rücken“ No 13.
Hierbei ist die Haltung des Körpers nur
im Allgemeinen hervorgehoben. Die
besondere Haltung einzelner Glieder
desselben übe man auf folgende Art
im Spiele:
beim Gehen der Kinder wird man /
[87R]
[*] und werden die Kinder selbst leicht bemerken, daß sie
nicht sicher, sondern vielmehr schwankend gehen; man mache
sie darauf aufmerksam, daß dieß besonders darin seinen Grund hat [*]
bemerken daß sie dazu die Füße nicht richtig halten. Hat man daher mit
den Kindern eigene eine Zeitlang ein Spiel gespielt
[*] und ihnen zu allererst ihr unsicheres und somit schlechtes
Gehen fühlbar gemacht [*] so mache man die Kinder sie
nun auch auf dieses angesehene [*] sicherere u somit bessere [*] Gehen aufmerk-
sam, indem man ihnen dasselbe entweder
selbst vergleicht vormacht, oder auch an andern Kindern zeigt.
Ohne Zweifel werden sie auf diese Frage: ob
[*] dieß, wie es den Gang sicherer mache, so auch besser und schöner
aussehe? [*] – dieß gut aussähe Mit „Ja!“ antworten.
Und hieran knüpfe man die Übung:
„Füße auswärts“ Singweise No 26.
Dieß kann man mit einzelnen Kindern,
und dann auch mit dem ganzen Kreise üben.
Eine weitere Ausführung und Entwickelung ist:
„Rechts vorwärts, angeferst[“] Singw. 29
[*] 1. Füße auswärts.
2. der r[echte] Fuß wird in dieser Lage die Fußspitze
wenig gesenkt einen gewöhnlichen Schritt vorwärts
gesetzt:
„rechts vorwärts.“
3. so einen Augenblick gestanden wird der Fuß ebenso
wieder in seine vorige Lage und Stellung an die Ferse
zurück gesetzt:
„angeferst.“
4. No 2 und 3 umgekehrt mit dem rechten Fuß rückwärts.
5. No 2, 3 und 4 ebenso mit dem linken Fuß.
6. No 2 und 3 ebenso mit dem rechten Fuß rechts seitwärts.
7. No 2 und 3 ebenso mit dem linken Fuß links seitwärts.
Anm. Erst wird jeder Tritt z. B. 3 bis 6 mal allein geübt; dann 2
nach einander u.s.w. Endlich das Ganze woraus ein schönes
Spiel entsteht, welches einzeln, zu vier und im Ganzen sich recht
gut macht und einen leichten Gang und schöne Haltung giebt. Und
[Fortsetzung der Erweiterung 88V] edel soll der Mensch und selbst schon das Kind
in all seinem Thun erscheinen und seine Würde soll sich
selbst in seinem heitern freyen Kindergang, Laufen, Hüpfen
und Springen ausprägen. [*]
[noch 87R] Um eine noch größ[ere] sicherere Haltung
des Körpers hervor zu bringen, lasse man die Kinder
eine ähnliche Übung mit und auf den Zehen machen:
Füße auswärts, Zehenstand pp.
Singweise Spielliedchen No 26 und 27. /
[88]
An diese Vorübungen schließen sich dann die
eigentlichen Gehspiele an. Bei diesen kann
man Verschiedenes hervorheben: Die gleich-
mäßige und gleichzeitige Bewegung
, wie Sing Spielliedchen
weise No 5, 9 und 10. Die Haltung des ganzen
Körpers u seiner Theile
wie Singweise Spielliedchen
No 6 7 8. Auch die Richtung des Gehens
kann sehr verschieden sein; geradeaus, [*] rechts oder links seitwärts [*] im
Kreise herum, oder beides verbunden: im
Schlängelgang. Endlich können die Kinder
einzeln oder zu 2, 3 oder je 4 neben einander gehn.
[V.] „Die reinen Kreisspiele“,

in denen besonders den Kindern
höhere Wahrheiten veranschaulicht
werden sollen, sind:
1. Liebe(r) ich bitte. Singweise Spielliedchen N 23.
2. Kindchen drehe dich. Singweise Spielliedchen N 25.
3. Sich sehen und nicht sehen. Singw Spielliedchen No 22.
Die weitere Ausführung dieser Spie-
le zeigt das Sonntagsblatt Band II, pag 205 pp. /
[88R]
So in nothwendig zusammenhängender Ent-
faltung entwickeln sich auch hier in den Be-
wegungsspielen alle Spiele von dem einfach-
sten bis zu den allseitigsten, gleichsam die eigne
Entwickelung der Kinder und ihrer
verschiedenen Lebensstufen thatsächlich vorbild-
end. Von den einfachsten Übungen im
Stehen und Gehen, die eigentlich die Keime
aller übrigen Bewegungsspiele sind, und
die das noch schwache und unbehülfliche Kinder-
leben darstellen, geht es weiter zu dem Geh-
und Laufspiel, dem Sinnbilde des raschen Kna-
ben- und Mädchenalters. Sie tragen zum
Theil nach schon den Charakter der Jünglings- und
Jungfrauenstufe an sich, noch mehr aber die
sinnigen Darstellungsspiele. Und endlich
schließen die Kreisspiele die Reihe, die alle
andern in sich aufnehmen und aus ihnen her-
vorgegangen sind, gleichsam das Männer[-] und Grei-
senalter darstellend, [*] welches ruhig beachtend
über dem Ganzen steht, [*] das auch die Erfahrungen welche /
[89]
[Bogen] J
und Erlebnisse aller verschiedenen Alter in
sich schließt und nun ruhig und besonnen <->
[*] der erkannten höheren Lebensmitte vertrauend
und auf sie bauend seinem Ziele entgegen geht. [*]
ruht. Wie aber der Kreis eine endlose in sich
geschlossene Erscheinung ist, so sind es auch die Kreis-
spiele. Aus ihnen können sich noch eine zahllose große
Reihe anderer Spiele entwickeln. Aber
eben so enthält auch das Männer- oder viel-
mehr das Greisenalter, zwar das Ende des
irdischen Lebens und Wirkens, Keime ewiger
Entwickelungen in sich. Wie aber die ganze
Reihe der Bewegungsspiele, so stellt auch jedes
einzelne derselben höhere Gedanken im
Bilde dar, welcher, wie zu Anfange der Be-
wegungsspiele erwähnt wurde, eine der
Hauptforderungen derselben ist.
Betrachten wir nur eines der zuletzt
erwähnten: „Sehen und sich nicht sehen!
Außer der wichtigen Lebenswahrheit, daß
sich oft aus irgend einem Zustande seines
des innern als äußern Lebens der ent- /
[89R]
gegengesetzte bildet - stellt es noch ganz
besonders diese Wahrheit dar: Eine Mitte,
eine Stütze bleibt uns [*] bey allem Wechsel der
äußern Lebensverhältnisse [*] stets, an der wir ver-
trauend fest halten können, wenn wir sie
auch nicht mit unsern leiblichen Augen fas-
sen können: Gott.
Aber wie wichtig dieß auch für das kindli-
che Gemüth ist, und wie es fast allein hin rei-
chen könnte, den Nutzen und die Zweckmä-
ßigkeit der Bewegungsspiele darzu-
stellen, so sind sie doch noch in vielen andern
[*] nur scheinbar blos äußeren [*] Beziehungen
höchst wichtig: sie befördern [*] als Ausdruck eines
gesunden Innern [*] eine gesunde schöne Haltung
auch im Äußern, sowo[h]l des ganzen
Körpers als auch seiner einzeln[en] Theile;
sie sind bildend für Sprache und Gesang,
erwecken Aufmerksamkeit, Sinn für
Ordnung, Anstand und Schönheit. Vor
Allem aber bewirken sie ein freudiges
und zufriedenes Zusammenleben, die
Quellen unendlicher, [*] rein menschlicher
wie christlicher [*] Tugenden. /
[90]
Welcher Segen für Kindheit und Alter
hieraus hervor geht, leuchtet von selbst ein!
---------------------
Wenn wir nun nicht nur auf die Vorführung dieser
Reihen und Theile der Beschäftigungen in
dem Kindergarten mit Andeutung des Zu-
sammenhanges in dem sie unter sich und
mit den übrigen [*] noch nicht vorgeführten Spiele der folgenden
Spielgaben [*] stehen, zurückblicken, [*] besonders aber die nächsten
Spielgaben mit den sich daraus entwickelnden Spielen und
Beschäftigungen im Auge haben, [*] so er-
giebt sich daraus zunächst die Antwort einer
noch nicht berücksichtigten Frage Ihres Brie-
fes, die nämlich: ob den Kleinen Unter-
richt
ertheilt werde klar durch die An-
schauung. In dem Kindergarten herrscht
die freye Beschäftigung,
das Spiel, wie der eigentliche Unterricht der Schule
angehört. [*] Da aber alle Beschäftigung und alles Spiel
schon durch sich unterrichtet, belehrt mindestens die
verschiedenen Seiten des Geistes entwickelt, bey der
gewöhnlichen Art des Spielens [aber] diese unmittelbare
darum lebenvolle Sachbelehrung und Gegenstands-
Unterricht nicht hervorgehoben wird, also unbeachtet
bleibt, dieses Belehrende und Unterrichtende hier aber
unmittelbar, wenn auch im Spiel und auf Spielerweise
hervorgehoben und beachtet wird so sind diese Spiele
unmittelbar durch sich selbst belehrend, so wohl im
Allgemeinen als im Besonderen. Welches in Beziehung
auf das Einzelne noch mehr bey der 2en und den
folgenden Spielgaben hervortritt, deren Kenntnis
hierbey mindestens aus den Schriften schon voraus-
gesetzt werden müßte. [*]
Dieses Spiel aber ist nicht darum keinesweges ein
bloses nichtiges, gehalt- und fruchtloses Zeitvertreiben, ist nicht ein
zufälliges, ungeordnetes Leben und
Bewegen, ist keinesweges ein Nichtslernen,
[*] sondern vielmehr ein ununterbrochenes Lernen aber am um im Leben
selbst. Das Gelernte geht hier sogleich wieder ins Leben über,
ohne Gegenstand an sich zu werden, dadurch unterscheidet sich die-
ses Lernen von dem in der Schule, zu welchem das Kind
dadurch erst vorbereitet werden soll. [*]
Vielmehr Und so zeigt sich der ruhigen
Beachtung hier des Dichters Wort bestätigt:
„Wohl tiefer Sinn liegt in dem Kinderspiel.“ /
[90R]
Im Spiele wollen und sollen sich froh und leicht und in
schöner Harmonie die Kräfte [*] des Kindes entfalten und [*]
bewegen, <bilden> und erstarken. [*] Das
ist der Kindheit Trieb und Bedürfniß, [*] das ist der Eltern
Wunsch und Zweck dabei. [*] Dem
allen sucht der Kindergarten wahrhaft zu begeg-
nen. Den Kleinen bahnt er die Möglichkeit an,
alle Kräfte, die in ihnen sich regen, im Einklang
unter sich, zu gebrauchen, durch sie das Schöne,
was <sie> in sich zu fühlen, und um sich wahr[zu]nehmen
das reine Menschliche auf ihrer kindlichen Stufe
freudig darzuleben, sich ebenso zum Auf-
nehmen und Erkennen alles Edlen und
Guten empfänglich, als zum Ausüben und
Pflegen desselben geschickt zu machen u
so aus dem edlen Keim gleichsam zu einem
edlen Stämmchen in allseitiger Thätigkeit
zu erstarken. Es wird dem Kinde dadurch
möglich auf seiner Stufe ganz Mensch
zu sein, das Leben um sich her, die Natur
und Menschenwelt nach seinen Kräften
[*] und von seiner Lebensansicht aus [*] zu erfassen,
und eben so das was sich in
ihm regt, frei aus sich zu gestalten, /
[91]
sowohl als ein selbstständiges Einzelnes
wie auch in Vereinigung mit seinen Genos-
sen als ein Glied kleiner und größerer Gan-
zen und so in Übereinstimmung mit allen seinen
Verhältnissen.
Die Beschäftigungen im Kindergarten die
Spiele geben ihm dem Kinde, dem als Einzelnes in dem
Ganzen heraufwachsenden Menschen, ein
Bild der Gesammtentwickelung. Er sieht
wie aus dem Kleinen das Größere und
Große wird, wie aus einem ganz Einfachen
eine so reiche Mannigfaltigkeit hervorgehen
kann. [*] Er sieht dieß nicht nur, sondern er lebt
und fühlt es selbst. [*] Die Spiele führen ihm so im Bilde vor
und lassen ihn selbst darstellen, sowohl wie die
Natur und Schöpfung als wie das mensch-
liche Geschlecht in ihrer Entwickelung ge-
gangen sind und wie darum auch es und
jeder Einzelne sich entfalten kann und soll,
[*] Wie aus dem Unsichtbaren dem Gedanken, dem Gefühl,
dem Willen die That und Gestaltung und aus der Einheit
die Vielheit hervorgeht und so auch wohl umgekehrt
Sichtbares das Gefühl, den Gedanken, den Willen das Unsichtbare
wecken [könne] und so weiter. [*]
Dadurch, daß diese Spielbeschäftigungen
von dem Einfachsten [ausgehen] und sich allseitig wie
die Krone eines Baumes veräste[l]n, ent-
sprechen sie dem kleinsten Kinde, wie sie /
[91R]
die vielseitige Richtung des Thätigkeitstrie-
bes in dem Heranwachsenden befriedigen. Wie
des Kindes Thätigkeit sich stetig entwickelt,
so halten die Spiele hier mit gleichen Schritt,
sie gehen bis auf jede Stufe herab und erwei-
tern sich mit jeder Kraft in lückenlosem
Fortschritt. GeDenkt man daran wie die
Vielheit der Spiele gewöhnlich so leicht zerstreut, so
ist dabey hier keine Gefahr - da alles Spielen eigent-
lich nur ein einiges in sich gegliedertes großes Spiel
ist. Sorgt man, daß die Menge der Spiele
das Kind verwirren könne, so wird dieß
gleich dadurch widerlegt, dadurch daß einmal das
Kind ein Spiel nicht nur aus dem andern hervor-
wachsen sieht, [*] sondern selbst hervorwachsen macht, [*]
dann aber dadurch, daß die
Spiele selbst stets auf die Einheit zurück-
weisen und so ihren religiösen und mora-
lischen Ursprung beweisen und wirksam
machen. Wollte man sagen die strenge
Gesetzmäßigkeit, mit der die Spiele ent-
wickelt sind, stimmen nicht mit der Forder-
ung der kindlichen Freiheit [überein], so ist das wieder /
[92]
nur Schein. Denn mit der bestimmten Ordnung [*] in welcher [*]
die Spiele [*] entwickelt und zuerst vorgeführt oder den Kindern
zur Kenntniß gebracht werden [*] ist nicht gesagt, daß die Kinder
dieselben später in dieser Reihenfolge immer nacheinander
spielen sollen; denn im Spiele selber wird
unmittelbar dem kindlichen Bedürfnisse
seiner Neigung nachgegangen und von irgend
einem Punkte aus, den das Kinderleben
angiebt, wird in entwickelnder Weise mög-
lichst das Spiel fortgeführt. Und das will
und verlangt gerade das Kind; denn es hat
einen sich stetig entwickelnden Geist in
sich, dessen es sich auf solche Weise schon in sei-
nem Spiele mit Freude anfängt bewußt
zu werden. Darum aber weil es einen
solchen Geist in sich hat, verlangt es auch, daß
ein derartiger bewußter und erstarkter
Geist <-> es lenke, diesen will es im Spielführer, [*] in der Spielführerin [*]
sehen, einen solchen Geist will es sogar in dem
Stoffe an dem es sich übt, in seinen Spielen
glauben und wissen. Das Kind soll so in seiner
Leitung und in seinen frühesten Kinder-
spielen die Ahnung seines Innern bestätigt
sehen: daß aller Mannigfaltigkeit eine Einheit
[*] allem Sichtbaren ein Unsichtbares, allem Äußeren ein Inneres,
allem Unbelebten ein Belebtes [*] /
[92R]
und zuletzt die höchste Einheit zum Grunde liegt
[*] die wir als gut an sich erkennen und darum Gott nennen. [*]
daß in den verschiedensten Entwickelungen -
bestimmte Gesetze und zuletzt nur Ein Gesetz
waltet, daß alles Einzelne kein Vereinzeltes
sondern jedes ein Glied des großen Ganzen und zuletzt mit
dem großen All [*] und als vernünftiges und denkendes Wesen
mit dem ganzen geistigen Leben [*] im innigen Zusammen-
hange steht. So geleitet und beschäftigt fühlt
das Kind das Walten eines höheren Geistes; sein Spiel ein
Sinnbild der Natur[-] und Menschenentwickelung
und seines eignen Wesens macht es den ei-
nigen heiligen Geist, welcher von Einem Gotte aus
durch alle Dinge weht, klarer ahnen, macht es diesem
Führer nachgehen und so in Unschuld, Freude
und Friede, [*] einig mit Gott, Natur, Menschheit und in sich [*]
erstarkend herauf wachsen. Ist
es auf diese Weise anders zu erwarten als
wie es sich zeigt, daß die Kinder in unserm
Kindergarten mit unbedingtem Vertrauen
und liebender Hingabe an uns sich anschlie-
ßen unter einander in Eintracht und Freude
thätig sind und im geschwisterlichen Bande
die Eltern durch schöne Folgsamkeit erfreuen
und diese selbst zur höhern Erfüllung ihres
heiligen Berufes ermuntern und erheben!? -/
[93]
[Bogen] K.
So sehen wir also was die Kindergärten
wollen und welche Bedeutung sie haben. Bewußt
haben sie zum Ziel, das Kind als einen GottesKeim
[*] des Göttlichen Wesens in seinen ursprünglichen Verhält-
nissen und in seinem natürlichen Boden [*]
zu behandeln, ihm entsprechende Nahrung, Licht und
Wärme zu verschaffen, seine Kraft nach allen
Richtungen zu bethätigen, um sich einst als das
was es ist, als ein göttliches Wesen klar zu
erkennen und als ein solches mit Selbstbestimm-
ung und wahrhaft frei zu handeln: Um dieses
rein menschlichen Zieles führen sie [*] willen nehmen die Kindergärten [*] nicht blos die
Kinder in ihre Mitte, sondern sie suchen dafür auch
die ältern Geschwister die Mütter und Eltern,
überhaupt die Erwachsenen in sich zu vereinen, [*] um so,
wie oben ausgesprochen, die Ausführung ächter Kinder die Erziehung
der Kinder immer mehr in ihren ursprünglichen Verhältnissen und in
ihrem natürlichen Boden, in der Familie selbst, möglich
zu machen u zu bewirken. [*] - Die
Kindergärten mit ihren allseitigen Beschäftig-
ungen sind hierzu geeignet nicht blos dadurch,
daß sie zu einer nicht abzuweisenden Pflicht
auffordern, sondern [*] ganz wesentlich die Erfüllung [*]
derselben auch leicht machen, [*] indem einmal das, was von
Vielen als Recht, wahr u gut erkannt und ausgeführt wird
auch dem Einzelnen leicht erscheint und dann, [*]
indem die Spiele eine solche einige Kraft und
Lebensfülle in sich tragen, welche nicht blos die
Kindheit befriedigt, sondern die Erwachsenen selbst
zu reiner erneuenden, allseitigen Entwickel-
ung in vollen Anspruch nimmt, so daß Ssie gewiß
einst aus eigner Erfahrung aussprechen werden: /
[93R]
„Kommt laßt uns unsern Kindern leben und
eingehen in das Himmelreich [*] <die> dadurch wie verheißen
uns auf Erden schon das Himmelreich eröffnen
und uns selbst darin einführen. [“*] Und so sind
und werden die Kindergärten was ihr Be-
ruf ist, die Grundlage [*] ächter und allgemeiner Kinderbeachtung
besonders Familienerziehung und so [*] einer höhern allgemei-
nen höhern Lebensentwickelung.
Hier zum Schluß zwey Thatsachen: An den ganz
neuerdings in zwei Dörfern eines benachbarten
Thales ausgeführten Kindergärten nehmen nicht nur
Eltern, Väter und Mütter zuschauend u beachtend son-
dern selbst persönlich thätigen und mitspielend An-
theil; sondern ja eine gebildete Mutter aus der ohngefähr
½ Stunde davon dem einen Dorfe entfernten Stadt kommt sogar selbst mit ihren
jüngern Kindern in dasselbe zur Theilnahme an den Kinderspielen
und Beschäftigungen des dasigen Kindergartens.
Dann empfange ich so eben einen Brief von einer
Frau welche vor ohngefähr einem Jahre in ihrer 12
Stunden von hier entfernten Stadt Gera einen Kinder-
garten unterstützt von ihrem Gatten <rc> ausführte;
sie schreibt mir unter anderm: „Von neuem haben mir
„ihre [sc.. Ihre] lieben Bauspiele das Herz eines kleinen lieben Knaben
„gewonnen. Er wollte lieber mit Doctors (d. i. der Familie der Frau) einfaches Butterbrot
„essen als bei der Tante aufgebratene Klöße u Salat (ein
„Leibgericht von ihm!), nur um bey Doctors länger so schön spielen
„zu können. Da wurde mir recht klar wie die Bauliedchen
„beim Spielen anziehend und belebend wirken. Kaum
„wollte er am späten Abend nach Hause, und am frühen
„Morgen war er mein erster Besuch.“ /
[94]
Eine namhafte Frau aus einer ausgebreiteten Familie sagte mir jüngst
„wie bemerkt worden wäre, daß einzelne Kinder aus dem Kindergarten
„ganz besonders schön mit kleinen Kindern spielen.“
Erlauben Sie mir noch hinzuzufügen daß hier, in den Kreisen ganz gewöhnlicher
Eltern und von diesen bemerkt worden ist, wie die Kinder welche den Kindergarten
besuchen - ohne daß es ihnen je durchs Wort zur Pflicht gemacht worden ist ja nicht
einmal darauf aufmerksam gemacht worden sind - zu Hause viel folgsa-
mer und sinniger sich betragen haben. Sehen Sie da die Wirkung dieser Kinder-
führungsweise.
Wenn ich nun meine Mittheilungen an Sie auf die Ball[-] und Beweg-
ungsspiele beschränke, so werden Sie dieß als in der Sache selbst gegründet
finden. Sie haben nun hochgeehrteste Fräulein Stoff genug solche mehrseitig
zu prüfen. Um aber auch die folgenden, die 2e, 3e, 4’ und 5’ Gabe kennen
zu lernen dazu giebt Ihnen das Sonntagsblatt hinlänglich Stoff u Auskunft
wie die den Gaben selbst beygefügten Lithographien. Zu den Lithographien der 5n Gabe
will ich nur noch die Bemerkung hinzufügen, daß
sich zu jeder Darstellung auf den Tafeln eine doppelte Zeichnung befindet
einmal im Aufriß, in perspectivischer Ansicht, dann im Grundriß. Dem letzteren mangelt Klarheit,
doch ist er wohl im Vergleich mit dem Aufrisse zu verstehen. Die Zeichnung ist
so entstanden als wenn der aufgebaute Gegenstand ganz senkrecht von oben
angeschaut worden sey, so daß das letzte oberste Bauglied das am hellsten ge-
haltene, das dagegen tiefer abwärts liegende das dunklere u dunkelste –
dieß als leitende Andeutung zum Verständniß.
Was ich Ihnen als Antwort auf Ihren vertrauenden Brief sonst
noch zu sagen habe, will ich ebenfalls in einem besonderen Briefe
zusammen fassen. Jetzt nur noch aus wahrer Theilnahme u warmen
Herzen den Wunsch daß Gott Ihr Wirken seegnen möge. Blankenburg
bey Rudolstadt im Fürstenthume Schwarzburg im Dezember Januar 1842. Fr.