Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 21.3.1842 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 21.3.1842 (Blankenburg)
(BlM XIV,18, Bl 86-87, Brieforiginal 1 B 8° 3 S., ed Heerwart 1905, 317-318.)

         Blankenburg bey Rudolstadt am 21 März 42:.


Meine theure Muhme.

Sie werden es recht unerwartet, und vielleicht auch etwas
unbescheiden von mir finden heut schon wieder einen Brief
von mir zu erhalten; der Grund davon ist dieser: als ich
mir erlaubte am verflossenen Sonntag Ihnen zur prüfenden
Durchsicht die Mutter- und Koseliedchen zu senden hatte ich in dem
Gedichte: Frauenwürde nicht nur einen wesentlichen Mangel und
Lücke entdeckt sondern sie auch schon ausgefüllt, nemlich das
Verhältniß der Frau zu Volk und Vaterland; allein ich hat-
te in dem Augenblick der Absendung nicht Zeit das Fehlende ab-
zuschreiben und ich wollte Sie doch auch nicht noch einen Posttag
länger auf Antwort warten lassen; ebenso wenig mag ich Sie
ich nun auch jetzt wieder auf die Ergänzung warten lassen, indem
Ihnen die Feyertage vielleicht Gelegenheit geben, die Gedichte an[-]
derweitig zur Prüfung mitzutheilen; deßhalb hole ich heut schon
das Versäumte nach. Sie empfangen daher beste Muhme die
von mir in dem genannten Gedicht als nothwendig erkannte
Einfügung in der Anlage[.]
Diese Einfügung findet auf dem 4en Bogen, auf der 4en Seite
oben nach der 1en Zeile also nach den Worten statt:
Davon ist auch ihre Seele voll!
Von dieser Einfügung geht es dann im Gedichte mit den
Worten [weiter]:
Frauen! Weib der Schöpfung Schluß und Krone.
Wie denn auch beydes auf dem anzufügenden Blatt an[-]
gegeben ist. /
[86R]
Ich sage jetzt kein Wort weiter sondern erwarte
mir über das Ganze, so auch über diese Einfügung Ihr
und Ihrer Freundinnen und Freunde Urtheil.-
Bey dieser Gelegenheit will ich aber auch noch einen Wunsch
von Ihnen erfüllen welchen ich bey be meinem jüngsten Briefe
übersehen habe; nemlich Ihnen die Namen der Midden-
dorffschen und Baropschen Kinder zu schreiben.
1. Middendorffs Kinder: Allwina 15. Jahr am Palmsonntage
confirmirt. Wilhelm 12 Jahr alt und Hermann 2½ Jahr
alt.
2. Barops Kinder: Johannes. 10-11 Jahr Gertrud. 8 Adelheid,
Emil. - Thusnelda. - und Cecilie. vor 14 Tage[n] getauft
den Letzteren Namen gab ihr nach ihren übrigen Pathennamen
der Vater, weil gerade in dem Augenblick als sie geboren
wurde in der Anstalt von dem Sängerkreise das Schlußchor
im 2en Theile des Messias von Händel: - Halleluja pp ge-
sungen worden war.-
Da ich weiß daß es Sie theure Muhme so hoch erfreut wenn
mir etwas Freundliches geschiehet und da es hinwiederum mich
glücklich macht das Erfreuliche meines Lebens Ihnen mitzuthei[-]
len, so muß ich Ihnen doch auch sogleich aussprechen daß ich
heut vom Fürsten und der Fürstin von Waldenburg-Schönburg [sc.: Schönburg-Waldenburg]
eine Unterzeichnung von Zehn Actien mit einem freund[-]
lichen Worte empfangen habe.
In der Woche nach Ostern ohngefähr von 2-7n
April steht Ihnen ein Besuch von einigen Keilhauern
bef bevor deren Ferienreisen Gera berühren werde[n]
nemlich Herr Kohl und Herr Dr Besser, ersteren /
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kennen s Sie schon. Herr Dr Besser ist aus Neustadt
hat 2 Brüder auf dem Gymnasium zu Gera und die
Herrn Prof: daselbst so namentlich Herrn Prof.
Meyer daselbst kennt.
Bitte lassen Sie sich dann von Herrn Kohl einige
Koselieder vorspielen und singen; freuen würde
es mich wenn solche auch die Fr: Konsist[.] Wittich
hören könnte.
Werden Sie liebste Muhme zum 26 Aprile
oder zum 16n nach Leipzig zum 50jährigen
Jubelfeste der Bürgerschule reisen?- Wenn
es geschähe, ließe sich dann dieses Fest und diese
Zusammenkunft früherer Freundinnen vielleicht
zur Förderung der Sache der Kindheit benützen.
Verzeihen Sie mir daß ich diesen Brief Ihnen
unfrey sende, der Bothe der ihn mit nach Saal-
feld nehmen soll ist d zum Freymachen nicht ge-
schickt.
Werden Sie mein Gekritzel lesen können?-
Ich schreibe nemlich den Schluß dieses Briefes in Keilhau
wo so eben alles zur Ferienzeit ausfliegt.
Selbst Herr Barop ist mit Allwinen in dieser
Nacht, wegen der Krankheit seiner Mutter ganz uner[-]
wartet nach Westphalen und Dortmund gereiset.
Mit der herzlichen Begrüßung an alle
Ihr Vetter
FriedrichFröbel