Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 25.4.1842 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 25.4.1842 (Blankenburg)
(Brieforiginal BLV, Kriegsverlust; ed. Lück 1929,94-98 mit drei Auslassungen)

Blankenburg bei Rudolstadt am 25. April 1842.


Frieden dem, der Frieden gibt,
Freuden dem, der Freuden schenkt.

Es war eigentlich meinem Herzen Bedürfnis Ihnen ge-
liebte, teure Muhme gleich mit der nächsten Post zu schrei- /
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ben; allein ich war Sonnabends Abend, wo es hätte ge-
schehen müssen von dem Leben und dessen Getriebe so
müde und abgespannt, daß ich mir es nicht erlauben konnte
in einem solchen Zustande der Erschöpfung Ihnen meinen
tiefgefühlten Dank für die mehrfachen Beweise ächter
Lebensteilung auszusprechen. Sagen Sie sich selbst beste
Muhme welche Freude es mir sein mußte gleich am Festes-
tage früh zu allererst von Ihrer Güte begrüßt zu werden.
Es war dies wirklich sehr eigen: Der Postbote hätte mir
eigentlich Ihren lieben, lieben [Lück: Brief] schon Tags vorher,
also am Mittwoch bringen müssen; allein durch seine Be-
quemlichkeit oder welch andern Grund es haben mochte,
bekam ich ihn gerad zum schönsten Lebensgruß zum Feste
früh, was mir natürlich ganz ungemein lieb sein mußte,
so lieb mir auch schon sein Erscheinen als Vorfeier am
Abend vorher gewesen wäre. Ich habe teure Muhme, ein
solches schönes Zusammentreffen, welches von einem soge-
nannten Zufall abhängt gar sehr lieb; ich lese darin einen
hohen Einklang des gesamten Lebens, von, welchem ich tief
überzeugt bin daß er im ganzen Leben ist, welchen zu ver-
nehmen unsere Sinne zu stumpf, den aber ich so gern den-
noch erschauen möchte, denn was kann höheren Frieden und
reinere Freuden geben als daß mit den Bestrebungen, Wün-
schen und Wollen des reinen Herzens auch das Leben in
seiner Entwickelung und seinen Erscheinungen sich in Ein-
klang offenbart. Dafür bekam ich mit Ihrem lieben Briefe
zugleich noch einen andern freundlichen Beweis. Einer mei-
ner früheren Zöglinge, der jüngste von 3 Brüdern welche
wohl während länger als 10 Jahre bei und von mir er-
zogen worden waren (jetzt Lehrer in der Erz. Anstalt des
Herrn Lippe in Lenzburg Kanton Aargau) – hatte sich mit
kindlich treuem Herzen auch meinen Lebenstag im Ge-
dächtnis erhalten und hatte mir schon früher geschrieben.
Ob nun gleich dieser Brief in einem Paket mit der Fahrpost
gegangen und mir durch Einschluß nach Weimar zugesandt
worden war, so kam doch merkwürdiger Weise dieser Gruß /
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aus kindlich dankbarem Herzen, durch das, was man Zufall
nennt, begünstigt, gerad auch mit dem Ihrigen bei mir an.
Ich leugne nicht daß diese Zufälligkeiten mir die Fest-
lichkeit des Tages für mich erhöheten. Nun da ich Ihnen
einmal soviel von dem Tage mitgeteilt habe, will ich Ihnen
doch auch, als kleine Gegengabe die übrigen Erscheinungen
desselben hinzufügen.
Um gleichsam für den Empfang der lieben Briefe welche
mir die Post brachte das Zimmer zu schmücken hatte mir
ganz früh ein hiesiger Blumist im Auftrage von Herrn
Middendorff einen sehr schönen [Gold]Lackstock gebracht; dazu
kamen von Haus und Kindern freundliche Gabe begleitende
Blumen und Kränze. Middendorff fesselten Stunden in Keil-
hau und durch ihn hatte ich für Keilhau den Wunsch aus-
gesprochen, von dort des Tages nicht zu gedenken. Um nun
den Tag in der Natur zu beschließen traf ich Abends mit
dem Zeichner meiner Randzeichnungen in einem nahe
und schön gelegenen Dörfchen zusammen. Kaum dort an-
gekommen, traf auch ein früherer Zögling dann Lehrer in
Keilhau, der jetzt Student in Jena ist - Herr Grimme ein,
um mich freundlich zu begrüßen. Im heiteren Gespräch
war schon so weit die Zeit verflossen, daß ich bald ans Weg-
gehen dachte, da kam auch mich zu begrüßen eine Gesandt-
schaft aus Keilhau, bestehend aus 3 Zöglingen, dem ältesten
Lothar Decker, (Sie werden sich dessen erinnern) einem der
mittleren und dem kleinsten und jüngsten Johannes Barop.
Sie brachten mir zuerst Keilhaus Gruß in den Worten -
(von Middendorff)
„Es bringen diese Boten
Den Gruß von unsrer Liebe dar:
Gott wolle stärken, segnen
Dich und das Werk im neuen Jahr.“ /
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Zugleich überbrachten sie mir einen Pokal aus Kristall-
glas mit den eingeschliffenen Worten auf Rubingrund:
Vertrau
auf
Gott.
[Lück: „Folgt Beschreibung des Pokals.“]
In Beziehung nun auf den am Morgen gesandten Blumen-
stock (Goldlack) und den vorgezeichneten Pokal hatte Mid-
dorff folgende Worte beigelegt:
[Lück: „Das Gedicht konnte leider aus Platzmangel nicht, wie
beabsichtigt, im Anhang abgedruckt werden“]
Zugleich damit übersandte mir Barop die Aktien welche
am Stiftungstage der Anstalt von dem Keilhauer Kreise
unterzeichnet worden waren und wozu sich bisher immer
noch keine passende Gelegenheit gefunden sie mir auf eine
entsprechende Weise zu übergeben.
1. Eine Aktie von sämtlichen erziehenden Mitgliedern der
        Anstalt.
Mit dem Motto:
„Was Menschenwerk, muß bald vergehn,
Was Gotteswerk wird ewig stehn.“
2. Eine Aktie von sämtlichen Zöglingen. Mit dem Beisatz :
„Zum Andenken an das 25jährige Jubiläum unserer
Erziehungsstätte aus Liebe und Achtung für den
edlen Kinderfreund“
3. Eine Aktie von den 4 Frauen der Anstalt.
Mit dem Motto:
„Was kann das Herz wohl mehr erheben
Als für der Kindheit Glück zu leben.“
4. Eine Aktie der Keilhauer Kindergärten
Mit dem Motto:
„Was uns mit solcher Liebe pflegt,
Dem unser Herz mit Dank entgegen schlägt.“
5. Eine Aktie vom evangelischen Prediger zu Lünen in
        Westfalen. /
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Mit der Bemerkung: Als geringe Mitwirkung zur
        Ausführung des Kindergartens in der Überzeugung,
        daß sein herrliches Aufblühen im Geiste seines
        Gründers den Anbau des Reiches Gottes befördert. -
Ich habe mir erlaubt Ihnen dies freundliche Muhme so
ausgeführt zu geben, damit Sie den Tag welchem Sie die
Weihe gaben und das Leben was Sie so gütig teilen auch
entfernt dennoch mit leben möchten und dann, daß Sie durch
gelegentliche teilweise Mitteilungen aus demselben vielleicht
einer oder der anderen Ihrer befördernden Freundinnen einen
freundlich dankenden Augenblick machen oder aber auch da-
durch der Sache und dem Werke vielleicht irgend noch
ein förderlich gesinntes Gemüt gewinnen. -Ihre traute
liebe, liebe blauäugige Gabe welche das Leben so schön
bekränzte mit den Blümchen dem tiefen Gemüt entblühet
kamen schon am Tage selbst in Rudolstadt an und noch
umblühen und umduften sie mich frisch: ,,- Der treue
Lebenshauch, der sie so schön geeint, nur der auch konnte
sie so lange frisch erhalten.“ - Daß auch die spielenden
Kinder Blankenbungs mit ihre blumigen Festgaben unter
Middendorffs Leitung zu einem dichten, vollen Kranz ge-
wunden übersandten, darf ich nun doch auch nicht uner-
wähnt lassen. – Mühmchen lesen, finden Sie in diesen Mit-
teilungen den seelenvollen Dank der Ihnen in meinem Her-
zen lebt. -
Später als ich dachte, empfangen Sie das Ihnen Zuge-
sagte erlauben Sie mir Ihnen darüber einiges auszu-
sprechen.
[Lück: „Es folgen geschäftliche Mitteilungen.“]
Die herzlichsten Grüße an alle
Ihr
alter Vetter

Fr. Fröbel.