Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an den Magistrat Blankenburgs v. 4./5.5.1842 (Blankenburg)


F. an den Magistrat Blankenburgs v. 4./5.5.1842 (Blankenburg)
(BN 712, Bl 13, dat. Entwurf 1 Bl fol 2 S., vermutlich Handschrift Wilhelm Middendorffs; im BlM X,2, Bl 39-40, Brieforiginal 1 B fol 4 S. - F. datiert das Brieforiginal versehentlich auf den „5ten April“, das aber sicher am 5.5. abgefasst wurde. Das ergibt sich aus dem Entwurf und aus der Eingangsnotiz des Bürgermeisteramts v. 6.5.1842 auf dem Brieforiginal.)

a) Entwurf

Blkbg 4 May 1842.


An den hochedeln hochweisen Magistrat
zu Blankenburg.


        Wohlgeborner
Hochgeehrtester Herr Oberbürgermeister!

In Rückbeziehung auf Ihre verehrliche Zuschrift vom   [*Lücke*]   
und in Beziehung auf den damit in Verbindu[n]g stehenden Ausbau
des sogenannten Kellers zu einer Kinderbewahranstalt oder zu
einem von uns sogenannten Kindergarten, um dadurch zu-
gleich die allgemeine Theilnahme an demselben u die besonders
darin zu beachtende erziehende Behandlu[n]g der Kinder zu bezeichnen,
für welches beydes wir zuförderst unsern gebührenden u freudig
anerkennenden Dank aussprechen, - in dieser mehrfachen Beziehu[n]g
nun freuen wir uns dem hochedlen hochweisen Magistrat einen
Vorschlag zur Anstellung einer für den genannten Zweck nöthigen
Kindermutter thun zu können, welcher uns die Hoffnung giebt,
daß er den gesammten obwaltenden Umständen, Forderu[n]gen u angemessen
sey, und dieß um so mehr als das Ganze nur den Charakter nur
eines Versuches hat, welcher für eine längere Zeit nicht nur nicht
bindet, sondern jeder fernern Entwickelung u als zweckmäßige erkannten
bessern Einrichtu[n]g Raum giebt.
Dieß in dem Vorstehenden angedeutete Verhältniß ist nun folgendes:
Durch den Wunsch für seine jetzt confirmirt wordene älteste Tochter
eine zweckmäßige Gelegenheit zu deren weitern Ausbildung u
daraus hervorgehenden einstigen Versorgung zu finden wurde ich
mit He Factor Enke in Bösneck bekannt aus Pösneck, jetzt Factor auf
der Porcelanfabrik [sc.: Porzellanfabrik] in Ilmenau bekannt. Im Gange der Verhandlu[n]gen
darüber sprach er wurde mir der Gedanke ausgesprochen, daß wohl seine
eigne Frau, in Verbindu[n]g mit seiner oben gedachten ältesten Tochter
weges ihres besondern Sinnes für Reinlichke[i]t, Ordnu[n]g, Häuslichkeit und
nam[en]tl[ich] für Kind[er]pfl[e]g[e], Einfachh[ei]t u anständiges Betragen (besonders kinderpflegend- u einfachen Sinnes u sonst anständigen Betragens
halber) geschickt sey, als Kindermutter in der beabsichtigten Anstalt [die Stelle]
auszufüllen, für welche von uns eben eine passende Person gesucht
wird.
Als dieser Gedanken nun He Enke aus[ge]sprochend ward, fand er selbst denselben
seine[m] Verhältnisse kein[e]sweges unangemessen, sondern [{]seine / die[}] Verhältnisse diesem Vorschl[a]ge
entgegenkom[m]end: indem es ihm wie seine[r] Familie lieb seyn würde, durch /
[13R]
das Wohnen der letztern in Blankenburg sich gegenseitig um
d[ie] Hälfte des Weges näher zu rücken, da der Beruf u das
Geschäft des He Enke seinen gewöhnl Aufenthaltsort in Ilmenau
nöthig macht; u er um dessen willen nur von Zeit zu Zeit seine
Familie besuchen kann.
Das Wesentliche nun, warum wir von bürgerlicher
Seite geneigt sind, in dieß Verhältniß einzutreten, ist, daß
uns der interimistischen [sc.: interimistische Aufenthalt] der Familie Enke in Blankenburg
deßhalb kein Hinderniß entgegen zu stehen scheint, weil er [sc.: Enke]
noch Activ-Bürger in Pösneck [ist] u daher seinen Heimat-
schein beyzubringen im den Stande, so wie er durch sein Geschäft in
der Lage ist, seiner Familie das [{]erforderl / nothw[en]dige[}] Auskommen zu verschaffen.
In Erwägung dieser gesammten Umstände u besonders in
der Rücksicht nun, d[a]ß hier für die Wirksamkeit einer Kindermutter gar
keine zweckmäßige Person aufzufinden ist, habe ich gestern He Enke
veranlaßt ges gestern seine Frau hierher zu senden um Sie [sc.: sie] per-
sönl auf den oben angegebenen Zweck kennen zu lernen u Andern
bekannt zu machen. Das Ergebniß davon ist nun, daß Frau Enke
ihrem Bildungsgrade, ihrem Gemüthe, ihrem Lebensalter u
ihren Erfahrungen nach wohl zu einer Kindermutter in der
beabsichtigten Anstalt geschickt ist (zu seyn scheint, seyn wird) u daß
sie in Beziehung auf Ordnu[n]g, Reinlichkeit eine tüchtige Schule
durchgangen ist, so d[a]ß zu erwartet steht, d[a]ß sie in Verein[i]gu[n]g mit
ihrer Tochter wohl eine tüchtige Führu[n]g des Ganzen erreicht werden
könnte.
Um jedoch auch sie in genaue Kenntniß alles dessen zu setzen
was die Leitu[n]g u Führu[n]g eine[r] solchen Anstalt wesentl fordert, habe
ich ihr eine[n] Entwurf alles dessen, was in dieser ihrer künftigen
Wirksamkeit gefordert werden würde wie Ein hochweise[r] Magistrat aus d[er] Anlage ersehen wird zur besondern genau[e]n
Prüfung in die Hand gegeben
Prüf[un]g
in d[ie] Hand gegeben. Da sie nun nach Prüfung d[ie]ser Forderu[n]gen
in d[ie] Erfüllung derselben eingegangen ist, so legen wir das Ganze
auch ein[em] hochweisen Magistrat für Prüfung u Entscheidung ob vor:
ob die mehrgedachte Frau Enken, wenn auch interimistisch pro-
visorisch nur auf ein Jahr als Kindermutter bey der in Frage steh[en]den
Anstalt anzustellen sey[.] /
Rand)
Uns scheint das g[an]ze Verhältniß, da uns die g[an]ze Familie als eine ehrsame u achtbare versichert worden ist u da besonders d[ie] Frau d[ie] Eigenschaften zu be-
sitzen scheint, welche von einer guten Kindermutter zu fordern sind, in mehrfacher Hinsicht sehr zusagend u dieß aus mehrfachem Grunde: Erstl käme außer der
ehrfahrnen Kraft der Mutter auch noch eine jugendl der Tochter den Forderungen der Anstalt zu Gute. Dadurch würden um somehr die Ansprüche erfüllt werden
die eine solche Anstalt an seine Kindermutter machen muß u die Kinder dadurch wie unter eine[r] beständigen so zugleich einer wechselnden Aufsicht seyn. Ein Quartir
für die Familie würde sich auch leicht finden ja wie ich glaube hat sie's schon bey dem ehemaligen Stadtältesten Friedrich <übergangs> Wohnu[n]g neben He <Dirks> gefunden[.]
Es käme nun nur darauf an, ob u in wie fern durch die geneigte Zusich[e]ru[n]g eines hochweisen Stadtraths zur Unterhaltu[n]g einer solchen Person
bey zu tragen, die Gesammtkosten ihres jährl Lohnes gedeckt würden. Doch glauben wir dieselben würden verhältnißmäßig bedeutend wenige[r] betra[gen]
als die früher bestimmten (besprochen[en]) u würden vielleicht mit 60 bis 70 rth jährl zumal wenn der Frau etw. Holz verabreicht werden könnte, zu bestreiten seyn[.] /
[13V, Rand]
Wir legen nun dieses Verh. d[em] hochweisen Magistrat zur entscheidenden Prüfung vor, fügen nur noch hinzu, daß bey dem verbürgten
Charakter der Person u ihre wirkl <häusliche> wirthschaftl (in weibl Arbeiten) Tüchtigk[ei]t, u <durch> bey d Ungebundenh[ei]t u freyen Ent-
wickelu[n]g, die die Umstände zu lassen, sich ein günstigeres Verhältniß als das eben bezeichnete, [kaum] finden lasse; um so mehr als dadurch
auch, so gering als es immer sey, durch d[ie] Stellung d[e]s He Enke eine kleine Summe hier in Umlauf gebracht würde.
Schließl bitten wir nur noch daß uns einen hochedlen hochweisen Magistrat [uns] seine Entscheidu[n]g zukommen zu lassen,
ob derselbe auf die Frau vorgeschlag[ene] Anstell[un]g der Frau Enke als Kindermutter in der in Frage stehenden Anstalt
einzugehen geneigt sey u wie viel er für <den lohn> zu bewilligen beschließt.
Mit wahrer Hochachtu[n]g eines hochedeln weisen Magistrats
Ew Wohlgeb
ergebenste[r] [Unterschrift fehlt]

b) Brieforiginal

[Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1]

Dem Hochedeln, Hochweisen Magistrat zu Blankenburg.


Wohlgeborner Herr Oberbürgermeister,
Hochgeehrteste Herren.

In Rückbeziehung auf Ihre jüngste verehrliche Zuschrift und in Beziehung auf den damit in Verbindung stehenden Ausbau des Kellergebäudes zu einer Kinderverwahranstalt der - (:um dadurch zugleich die allgemeinere Theilnahme daran und besonders die darinn zu beachtende erziehende Behandlung der Kinder zu bezeichnen:) - zu einem von uns sogenannten "Kindergarten", für welches beydes wir zuförderst unsern gebührenden und freudig anerkennenden Dank aussprechen - freuen wir uns dem Hochedlen Hochweisen Magistrate einen Vorschlag zur Anstellung einer für den genannten Zweck nöthigen "Kindermutter" thun zu können, welcher die Hoffnung giebt den obwaltenden Forderungen wie Umständen zu entsprechen.
Dieses Verhältniß ist folgendes: Durch den Wunsch für seine jüngst confirmirte älteste Tochter, zu deren weitere[n] Ausbildung und daraus hervorgehenden einstigen Versorgung eine zweckmäßige Gelegenheit zu finden, wurde ich mit Herrn Enke aus Pösneck, jetzt Factor auf der Porzel[l]anfabrik in Ilmenau bekannt. Im Gange der Verhandlungen hierüber, trat der Gedanke hervor, daß wohl seine /
[39R]
eigne Frau in Verbindung mit jener gedachten Tochter, durch ihren Sinn für Reinlichkeit, Ordnung und Häuslichkeit, wie nicht minder besonders für erfolgreiche Kinderpflege, Einfachheit und anständiges Betragen geschickt sey, in der beabsichtigten Anstalt die Stelle der Kindermutter zu übernehmen.
Herr Enke fand nun diesen Gedanken auch seinen Verhältnissen nicht unangemessen, indem es ihm, wie seiner Familie lieb seyn würde, durch das Wohnen der letzteren in Blankenburg, ihr dann um die Hälfte des Weges näher zu rücken, da Herr Enke durch seinen Beruf an Ilmenau gebunden ist, und nur von Zeit zu Zeit seine Familie besuchen kann.
Von bürgerlicher Seite scheint uns dem interimistischen Aufenthalte und Wohnen der Enkeschen Familie hier in Blankenburg auch kein Hinderniß entgegen zu stehen, indem Herr Enke Activbürger in Pösne[c]k ist, er also von dort einen Heymathsschein mitbringen und vorlegen würde, welche welcher wie ihm, so seiner Familie stets die Rückkehr nach Pösneck und die Aufnahme seiner Familie daselbst sichert, und indem Herr Enke durch sein Geschäft in der Lage ist, besonders unter Mitwirken seiner in weiblichen Arbeiten geschickten Frau und Tochter seiner Familie das erforderliche Auskommen zu verschaffen.
In Erwägung dieser Umstände nun, und in Rücksicht, daß hier in Blankenburg selbst, für die Wirksamkeit einer Kindermutter sich keine entsprechende Person gefunden hat, habe ich Herrn Enke veranlaßt seine Frau hierher zu senden um sie auf den angegebenen Zweck zu prüfen. Dieß ist geschehen, und das Ergebniß ist, daß Frau Enke in der That sowohl ihrem Gemüthe und Bildungsgrade, als ihrem Alter und Erfahrungen nach zu der Kinder-Mutter an der beabsichtigten Anstalt geeignet erscheint; sie ist nicht nur in Beziehung auf Ordnung und Reinlichkeit, sondern auch auf bildende Lebensumstände eine tüchtige, ernste Schule durchgangen, weßhalb man wohl nicht mit /
[40]
Unrecht erwartet, daß durch sie in Vereinigung mit ihrer Tochter die so wesentlich nöthige, tüchtige weibliche Führung des Ganzen erreicht werden kann.
Um jedoch die Frau Enke selbst mit den Forderungen dieses Berufes genau bekannt zu machen, habe ich ihr einen Entwurf dessen was diese Wirksamkeit verlangt, zur besondern Prüfung in die Hand gegeben, welchen Entwurf wir uns erlauben auch einem Hochedlen, Hochweisen Magistrate zur prüfenden Einsicht hier beyzufügen. Sie ist hierauf vorläufig in die Erfüllung dieser Forderungen eingegangen.
Sonach legen wir nun das Ganze einem Hochedlen, Hochweisen Magistrat hochachtungsvoll, vertrauend und ganz ergebenst vor um zu prüfen und zu entscheiden, ob die gedachte Frau Enke, wenn auch provisorisch nur auf ein Jahr bey der in Frage stehenden Anstalt als Kindermutter anzustellen sey.
Uns scheint das ganze Verhältniß mehr, als uns noch eines bekannt geworden, dem [sc.: den] gesammten Umständen entsprechend und zwar aus mehrfachem Grunde: Die ganze Familie ist uns als eine ehrsame und achtbare versichert worden. Die Frau scheint alle die wesentlichen Eigenschaften, die für eine so einflußreiche Wirksamkeit einer Kindermutter nöthig sind, zu besitzen. Sie ist selbst erfahrene Mutter und zeigt klar, daß sie ein mütterlich liebendes Herz hat. Ordnung und Reinlichkeit scheinen ihr die natürlichen Eigenschaften. Sie erscheint gefügig und eingehend in die Forderungen, welche eine tüchtige Kindererziehung macht. Sie ist in allen erforderlichen weiblichen Arbeiten, in Häuslichkeit und Wirthschaft, wie versichert wird, geschickt und geübt. Einfachheit, Bescheidenheit scheint Natur und harte LebensErfahrungen ausgebildet zu haben. Überdieß würden die Kinder durch die /
[40R]
Mitwirkung der Tochter und unter einer beständigen, so zugleich auch unter einer wechselnden Aufsicht seyn. Dabey ist auch das eine besonders angenehme Zugabe bey diesem Verhältnisse, daß es für die Zukunft kein Band auflegt und so jede etwa günstigere Entwickelung der Sache freygiebt; so wie durch die Stellung und Wirksamkeit des Herrn Enke, so gering es auch immer seyn mag und durch das Leben seiner Familie hier, in der Stadt doch jährlich eine Summe mehr in Umlauf gebracht würde. Hierzu käme endlich und zuletzt noch das Wesentliche und wohl Entscheidende, daß bey all diesen Vortheilen der Jahrgehalt für diese Frau bedeutend geringer als der, in unserer vorigen ergebensten Eingabe bestimmte, seyn würde, indem diese Frau jedoch, wie sie ausdrücklich hinzufügt, in Rücksicht auf die gesammten Verhältnisse den möglichst geringsten Jahrgehalt von

=== Siebenzig Thalern ===
bey einigem Holze für den Winter fordert.
Möge nun ein hochedler, Hochweiser Magistrat den Vorschlag geneigtest in Berathung nehmen und, in Hinsicht der zum Ganzen schon soweit vorgerückten Zeit, baldigst uns die Entscheidung darüber zukommen lassen.
Mit wahrer Hochachtung eines Hochedlen, Hochweisen Magistrates
Wohlgeborner Herr Oberbürgermeister
         Hochgeehrteste Herren

Ihr
ganz ergebenster
FriedrichFröbel

Blankenburg
am 5en April [sc.: May]
       1842.·.