Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 4.7.1842 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 4.7.1842 (Blankenburg)
(BlM XIV,20, Bl 93-98, Brieforiginal 3 B 8° 11 S., ed. Lück 1929, 100-107, 1 Auslassung)

Blankenburg bey Rudolstadt am 4n Juli 1842.


        Theuerste, liebste Muhme.

Ihre Briefe an mich sind das treue, klare Abbild eines offenen, ge-
raden Gemüthes, eines aufrichtigen, seelenvollen Herzens; sollten
es die meinigen an Sie nicht im gleichen Maße seyn?- Den den-
kend-fühlenden und so handelnden Menschen drängt sich ja so als Wahrheit
auf: daß Offenheit und Geradheit, selbst mit ihrem sich oft zuerst dazu
gesellenden unfreundlichen Geleite, die sichere Grundlage eines ächt friedi-
gen und freudigen Lebens sind. Wie sollte und könnte ich nun der Offen-
heit in Ihren lieben Briefen zürnen umso mehr als dieselbe nie mit
solchem Geleite erscheint, im Gegentheil sie für mich immer stärkend
und erhebend ist wie die heitere frische Luft und der klare Himmel
auf hohen Bergen. Also, nicht unzufrieden seyn oder wie es das Leben
nennt, ein böseseyn mit Ihnen (wie wäre dieß auch möglich) war
der Grund meines bisherigen Schweigens zu Ihnen, sondern ein harter,
auf sich und in sich zusammenziehender, persönlicher innerer Lebenskampf,
eigentlich der uralte Kampf meines Lebens, welcher aber doch end-
lich nach einer klaren und bestimmten Stimme meines Inneren, endlich
aufhören sollte. Ein Streben nach Lebenseinheit und Lebenseinklang
nach Lebensharmonie, Lebensklarheit und Verständniß ist der
Grundzug meines ganzen Lebens so weit als ich nur in meinem
Leben zurück denken kann, ja die ersten Gedanken derer ich mir
nur erinnere, beziehen sich darauf. Dadurch kam ich - ob man gleich
rein das Gegentheil erwarten sollte - früh in Lebenskampf.
Um nun jenen störenden und lebenvernichtenden Kampf, welcher
mir auch von Außen her vielseitig entgegen trat, [zu beenden,] erkannte ich Er-
ziehung für Lebenseinklang als meinen ganz eigenen Lebensberuf. /
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Allein gleich hier begann sich mir eine eigenthümliche Erscheinung
zu meinem Leben zu zeigen, die sich mir später je länger je bestimm[-]
ter und jetzt als wirkliches Lebensgesetz kund that und thut, - daß
je klarer, einfacher und zielgewisser das Streben sey, daß um so
mehr auch die Hindernisse und Hemmungen zu dessen Ausführung
zur Erreichung des Zieles sich häufen. Diese mir nun so oft im
Leben entgegengetretene Thatsache ist nun auch seit längerer Zeit
wieder und bis jetzt steigernd die Erscheinung meines Lebens.
Um nur ein paar Thatsachen dafür Ihnen heraushebend mitzutheilen:
Als ich von dem Gedanken durchglüht war und mich, blos ihn mittheilend
zu meinen mir dortmals zunächst stehenden Verwandten wandte, wurde
mir nur Entgegnung obgleich ich nur Würdigung des Gedankens forderte;
wenn nun auch jene jetzt fast alle gestorben sind, so dauert doch
die stille Entgegnung fort, selbst da wo klar am Tage liegend Seegen und
Wohlthat aus meinem Wirken hervorgegangen ist, und wo sich die Wirkung
in ihrer seltenen Bedeutsamkeit nachweisen läßt, welche aus dem gemein[-]
samen Verständniß hervorgegangen seyn würde und noch in jedem
Augenblicke wenn es eintreten könnte, hervorgehen [{]könnte / würde[}].
Wie gewaltsam und mich in mir zurück ziehend diese von mir unerwartete
Erscheinung auf mich einwirken mußte werden Sie mit mir fühlen.
Ich überspringe nun eine große Reihe von Jahren, wo sich die Erscheinung auf andere Weise
wiederholte. Ich kam in die Schweiz. Der Gedanke dem
jetzt all mein Leben gilt trat dort immer klarer vor meine Seele,
die Nothwendigkeit daß meine Frau zur Gesundheitspflege nach Deutschland
zurück kehren mußte und ihr Wunsch nun bey der Mutter zu leben,
dieß alles schien die Darlebung des Gedankens zu begünstigen, da starb
die Mutter und dieß brach der geliebten Frau schwache Kraft. Doch
kehrten wir nach Deutschland zurück. Im Kampfe mit dem Leben
entwickelte sich der Gedanke auch nach Weise der Ausführung immer /
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bestimmter, die geliebte Frau fand darinn selbst ihren Lebensgedanken;
jetzt starb die Theure selbst und mit ihr mir mehrseitig wie die seelen-
vollste, so die förderlichste Lebenshülfe. Wie tief auch dadurch niedergebeugt
doch durch den reinsten seelenvollsten Segen welchen die Scheidende
der Ausführung des Gedankens gab wieder neu ermuthigt und belebt
bildete sich das Ganze nach Innen und Außen bis zu dem Punkte der
Einsicht und der Ausführung aus, welches so vielseitig Ihrem Urtheile
vorliegt. An das Beystimmende, was J die innere und äußere Lebens[-]
erfahrung Fühlen und Denken aussprechen macht, schließen sich von
den verschiedensten Punkten in Deutschland ja außer demselben
und aus den mannichfachsten Lebensverhältnissen die erfreu[-]
lichsten Urtheile an; dazu kommt die innere Bewährung des Gedankens
welche sich durch die denkende Prüfung des Gegenstandes in sich wie
an der Geschichte wie an den Forderungen der Menschheit Entwickelung
selbst ausspricht und die befriedigende Erscheinung bey der Anwendung
in der Kinderwelt selbst.
Sehen Sie theuerste Muhme! dieß ist nun die eine Erscheinung meines
Lebens welche wie ein helles Gestirn in dasselbe herein leuchtet; dieß
gleichsam das eine Verhältniß was mich fesselt, die eine Auffassung und
Anschauung meines Lebens die so mächtig fordernd und bestimmend in das-
selbe eingriff, welche so entschieden die klare Ausführung der Idee und
die möglichste Verallgemeinerung derselben erheischt. Nun denken Sie
sich, so lebenvoll eingehende liebste Muhme so ganz in mein Innerstes
in mein Gemüth in meinen Geist, in mein Wollen hinein und sagen
Sie sich nun wie muß da mein Leben in mir beschaffen, wie muß mir
da zu Muthe seyn?- Nun sehen Sie mich und mein Leben wieder auf
der anderen Seite - wie allein und vereinzelt stehe ich dar, denn
jeder und jedes der sonst mit mir in sich geeint, wie streng gefordert
wird sein ganzes Wirken von seinen Verhältnissen, wie ist er gleichsam von /
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diesen umklammert. Doch dieß möchte noch seyn, denn der Mann hat
Kraft und er soll sie gebrauchen, wenn nur damit ein Durchkommen
wäre. Welch eine Fesselung nach allen Seiten!- Ich möchte sagen
früher wo ich gar keine Mittel hatte kam ich fast weiter als jetzt
wo ich Mit einige Mittel habe und sie nicht bewegen oder mit
einem jetzt gewöhnlichen Ausdruck sie nicht flüssig machen kann!
Mittel wenigstens hinreichend genug um wie jetzt die Idee nach ihrem
Forderung- und Ausbildungs- und Ausführungswege vorliegt. Sehen Sie
da den gewaltigsten Lebenskampf: Aufforderung und Hemmung,
Anreizung und Fessel, klares Licht und Ziel und dunkle Nacht u Weg[.]
Keine Brücke ins Jenseits des doch so natürlich als nothwendig und einfach
erscheinden Lebens. Sehen Sie da den ermüdenden und ermatten-
den Kampf welchen ich seit Monaten und Wochen kämpfe und der
mir es möglich machen, der mich verhindern konnte so lange
Zeit Ihnen nicht zu schreiben. Allein! einen Grund muß dieser
furchtbare vernichtende Lebenskampf haben ein Ziel einen Zweck,
einen Zweck der zum Ziele führt, einen Grund der das beste zur
Folge hat, ein Ziel das gleich ist mit dem Ziele der Menschheit dem
Sehnen in des Menschen Brust. Nicht Willkühr, das sahen wir
liegt in dieser Erscheinung bestimmte Gesetzmäßigkeit sprach sich in der[-]
selben aus, und so müssen sich auch die Fragen nach Absicht, Grund
und Zweck beantworten lassen.- Und so erscheint es mir:
das Zuerstrebende soll der Mensch selbst erstreben; allein es soll
ein Gemeingut, folglich ein gemeinsam erstrebtes Gemeingut
seyn; es soll dem Wesen und der Bestimmung des Menschen und der
Menschheit entsprechend, folglich in Übereinstimmung mit Gottes Absicht
Gottes Planen und, da der Mensch ein Geschöpf ein Kind Gottes ist,
in Übereinstimmung mit dem Wesen Gottes seyn. In dieser dreyfachen
Forderung scheint mir der Schlüssel zum Ganzen zu liegen, und die eine
die mittlere dieser Forderungen zu erfüllen ist darum der Grund dieses Briefes die /
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Absicht dieser Mittheilung an Sie meine l. Muhme. Was dem Nachdenken
klar und wahr im Geiste ist, muß dem Gefühl lebendig und G gewiß im Ge[-]
müthe und dem Handeln zweifellos und sicher im Leben seyn. Nur in
diesem All-Einklang kommen wir zum Ziele, durch diesen All-Einklang
in uns selbst, durch diesen All-Einklang im Leben und Verkehr mit Anderen[.]
Sollten ihn darum befreundete Seelen und Menschen nicht vor allem
suchen unter sich darzustellen?- Daher halte ich es für die größte Pflicht
des Lebens daß der Strebende mit dem offensten reinsten Vertrauen
die Ansicht seines eigenen Lebens und seines Geschickes wie seine Ansicht vom Leben überhaupt seinen theilneh-
menden Freunden mittheile, damit
nur erst das Leben unter einigen sich gegenseitig Vertrauenden ein
einiges und ein ganzes werde. Ohne diese Überzeugungen vom Leben
müßte ich im Lebenskampf persönlich im Geiste u Gemüth wie bürgerlich
im Leben zu Grunde gehen. Denn welche aufopfernde Mühe habe ich mir
gegeben, wie rastlos in mir und außer mir gearbeitet um in Über[-]
einstimmung mit dem erkannten Lebensberufe und der ihm zu Grunde liegen[-]
den Idee auch mein äußerliches und bürgerliches Leben zu sichern und wie
wenig ist es mir in dem Maaße gelungen als es dem einfachsten Tagelöh[-]
ner und Handarbeiter gelingt! Und dennoch wird das Streben so allge-
mein wie die Grundsätze auf denen es beruht in ihrer Wahrheit wie
in ihrer Wohlthätigkeit anerkannt. Soll ich Ihnen das Einzelne anführen,
dort handelt der Buchhändler unredlich gegen mich, dort täuscht mich der
der sich als befördernden Freund giebt, dort sind seyn sollende förderliche
Handlungen Vornehmer verschaumgoldete hohle Nüße die man noch über[-]
dieß mit Verlust und Opfer erkaufen muß u.s.w[.] u.s.w. u.s.w[.]
und ich vermag beym redlichsten Eifer nicht zum Ziele zu dringen[.]
Meine Mittel, so beschränkt sie noch seyn mögen, doch hinlänglich zur Erreichung meines Zweckes liegen
unauflöslich wie Steine vor mir; so z.B. eine
kleine Besitzung meiner Frau nächst Berlin, ich kann sie nicht verwerthen
obgleich sie allein schon mehr als genügte mir jetzt meine Unternehm[ungen] /
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zu sichern, zu fördern. Sie warnen mich mit Recht was ich schrift[-]
lich zu veröffentlichen gedenke nicht in Comission zu geben; ach
ich bin selbst schon mehrfach durch diese Erfahrungsschule gegangen,
denn noch schuldet mir ein Buchhändler in Leipzig seit Jahren eine
Summe die mir jetzt wesentlich wäre. Wetzstein hat den Vertrieb
des 28' Juni übernommen und seit Ablieferung des Werkes an seinen
Commissionär in Leipzig kein Wort mehr hören lassen, auf so verschie[-]
dene Weise ich ihn schriftlich und mündlich dazu aufgefordert habe.
Gern gäbe ich daher was ich jetzt zu veröffentlichen gedenke einen [sc.: einem]
Buchhändler in eigenen Verlag, sie sind mir ja nahe genug, wenn
ich nur einen kennte der ehrlich und offen mit dem Schriftsteller
umginge oder der sich bey der Solidheit seines Hauses und Geschäftes
mit Eifer des Vertriebes und Werkes annehme, welches wie
am Umfange klein, sich auch erst noch ein Publikum verschaffen
muß.
Sehen Sie Muhme! diese doppelten Ansichten und Erfahrungen
brachten mich auf den Gedanken zunächst wenigstens das,
was sich leicht durch eine Vielheit von Privatbekanntschaften
den Weg ins Publikum und in die Familien bahnen wird,
in Selbstverlag zu nehmen, weil ich mir dadurch eines bedeu[-]
tenden Absatzes versichert glaube - und selbst der Chef des
Bibliographischen Institutes in Hildburghausen rieth mir dazu
indem er mir zugleich zum Verschleiß u Vertrieb die Hand
bot - allein das eine Hemmniß habe ich schon genannt, das andere
ist, daß Keilhau in welchem der größte Theil meines Capitals
steckt mit sich selbst zu thun hat. Ein solches in seiner inneren
und äußeren Erscheinung widersprechendes Stehen muß noth[-]
wendig einen tieferen Grund, einen in den allgemeineren Lebens[-]
forderungen gegründeten haben. Ihn zu finden ist besonders seit
den jüngsten Jahren mein unausgesetztes Forschen. Ich prüfte und /
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und [2x] ließ den Gedanken vom reinen Denken wie durch die Anwendung
in der Erfahrung prüfen. Die bestätigende[n] Ergebnisse sind wie solche
Ihnen selbst vorliegen so, daß mir im Allgemeinen nichts zu prüfen
kein Zweifel mehr übrig bleibt; die Mittel selbst bewähren sich über-
all fast ohne alle Ausnahme auf das lebenvollste in dem Umfange als sie
angewandt werden, ich darf mir von I ihrer Verallgemeinerung und
Veröffentlichung für mich wie für den Erfolg nach Außen die schönste
Wirkung versprechen. Um nun aber auch allem zu genügen wovon ein
solcher freudiger Erfolg abhängig erscheint: den Forderungen und Gesetzen
des Ganzen sprach ich mich auch Ihnen l. Muhme aus, wie ich mich
aussprach und damit Sie die Erscheinungen meines Lebens nicht in
irgend einem persönlichen Einzelgrunde suchen, sondern in der Allge-
meinheit meines Strebens verbunden mit der Eigenthümlichkeit mei-
ner Persönlichkeit, die ich freylich bey weitem durchgreifend kräftiger
wünschte als sie ist; allein auch darin sehe ich einen Wink und
Zweck der Vorsehung: - daß das Auszuführende und zu Leistende
so wohl einzeln als gemeinsam durchfühlt, durchdacht, durchlebt
und durchhandelt werden soll,- denn - wie ich oben schon als
erkannt aussprach: - was die Menschheit, ja was auch schon die
Kindheit der Menschheit fordert und bedarf bis zu dem E einzelnsten
Menschen, dem einzelnsten Kinde als Gliede dieser Menschheit
herab, soll ihm und ihr, als ein gemeinsames Bedürfniß, auch in
Gemeinsamkeit gereicht werden. Und so haben Sie denn l. M[.]
Ihren Vetter in seinem ganzen Fühlen u Leben, Denken u Handeln,
Stehen und - Gleiten, Straucheln. Möge bey letzterem wie bisher
Ihre Offenheit fortfahren ihm ihre leitende Hand zu reichen.-
Und - wenn ich einmal wieder längere Zeit nicht schreiben sollte,
wissen Sie worinn es seinen Grund hat - im Lebenskampf.

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Nun endlich der Reihenfolge nach zur Beantwortung all Ihrer /
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lieben theilnehmenden Fragen. Ich beginne mit der im letztern Brief[.]
1. Empfangen Sie einige Abdrücke des Allgem. Anz. No 108
es stehen Ihnen stets so viel zu Dienst als Sie wünschen. Es liegen
noch andere dabey. Ich habe sie ergriffen, wie solche stets zum
Mittheilen zusammen liegen. Was nicht gebraucht wird legen Sie
zusammen gelegentlich kann es dann schon seinen Weg wieder
hierher finden, und ist's nicht, so schadets auch nicht.
2. Unterzeichnungslisten vom 1' Hundert besaß ich nur noch die
einzigen zwey welche hierbey folgen.
3. Unterzeichnungslisten vom 2' Hundert kön[n]en Sie ebenfalls auch
so viele erhalten als Sie immer wünschen.-
4. Ihren Brief vom 2n Jul: empfing ich am 3en hier in Blkbrg. Da
werde ich künftig jeden Ihrer Briefe am 2n Tage bekommen wenn
Sie solche Sonnabends und Mittwochs in Gera zur Post geben,
denn Son[n]tags und Donnerstags haben wir seit dem 1 Jul. eine
Fahrpost zu 6 Personen so daß Sie nun g[an]z leicht in Gesellschaft
von 5 Personen hierher fahren, einige Tage hier verweilen und
Montag u Freytags früh 6 Uhr von hier wieder über Rudolstadt
zurück reisen können. Doch würden natürlich 6 Personen billiger
[mit] einem Miethwagen reisen.
5. Ihren gütigen Brief vom 16 Juni bekam ich schon Sonnabends eben
als ich zum Kriegerfest reiste in Rudolstadt, so daß ich mir die
Freude machte als alter Krieger in Gedanken Sonntags zu Ihnen
nach Ronneburg wenn auch nur in Gedanken zu kommen.-
6., Die Lehrer Stelle in Keilhau ist, wie wir hoffen zur Zufriedenheit
besetzt; es schien uns doch auch ein wenig mißlich einen Dresdner
hierher zu rufen. Möge die Familie Müller und namentlich
der so wackere Robert mit Keilhau in Gedanken verkehre
bleiben; es würde mich freuen wenn sich einmal ein regerer
Lebensverkehr anknüpfte.- /
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7. Sie fordern mich auf pflegend der Frau Pastor Richter zu leben. Ich
thue dieß gewiß nach Möglichkeit denn wenn ihre Zeit es gestattet
besuche ich sie jeden Tag wo wir etwas arbeiten; nur fordert es nicht
viel einmal da sie doch zu schwächlich ist und zweytens zu sehr von ihrer
Kur in Anspruch genommen wird.- Ihre Schwester Lina Günther ist
jetzt wieder in Dresden und will von dort hierher kommen.
8., Die Fürstin Mutter arbeitet jetzt daran daß für einen Kindergar-
[ten] in Rudolstadt Herr Menger bleibend eine Stelle bekommen soll. Heut
ist Herr Middendorff dieserhalb in Rudolstadt.
9. Als Sendung empfangen Sie
2 Exempl. 6. Gabe ohne Lithogr: à 18 gl Rth. 1. 12
2 Stück Farbekästchen mit 3 Farben
2 Pinsel 1 Pinselstück. NB. Die Pinsel fehlen
ich hatte solche verlegt es werden sich wohl welche
bey einem Kaufmann in Gera finden. Bitte seyn
Sie so gut die Kästchen zu vervollständigen und die
Pinsel aus der Casse zu bezahlen. Die Kästchen
selbst sind bey einem Stechapparate berechnet.
10. Weiter erhalten Sie die 3 fehlenden Lithographien
zur 3' Gabe, welche also schon berechnet sind.-
11. Sie schreiben Sie schrieben mir in einem der letzteren Briefe daß
ich nicht glauben sollte daß Sie Rabbat nehmen. Daß Sie
Rabbat nehmen ist mir nie eingefallen; allein daß Sie
Rabbat nehmen sollten um die Unkosten zu decken um für
manche z.B[.] für die Gesammtheit ihrer [sc.: Ihrer] lieben Kleinen den An-
kauf zu erleichtern und so für die Einführung der Spielmittel
zu wirken finde ich nicht nur sehr recht sondern sogar noth[-]
wendig, denn Sie finden ja selbst zum Ankauf aller Spiele
das Anlagskapital etwas groß, ich auch - deßhalb der
Rabbat und zur Ordnung des Geschäftes der Feste. Erlauben /
[97R]
Sie dann auch in Zukunft immer daß Ihnen von Seite der hiesigen
Anstalt 1/5el Rabbat berechnet werde mindestens zur
Deckung des Porto[s]. Berechnen Sie sich dann mit mir wie es
Ihnen beliebt. Allein nochmals sage ich glauben Sie die Ein[-]
führung der Spiele dadurch zu fördern, daß solche um etwas
billiger werden so stelle ich Ihnen gern 1/4el und bey einem
etwas größeren Bedarf 1/3el Rabbat wenn die Abnahme
wenigstens über 1 Dzzd ist. Möchte die Sache nur erst im
Leben Wurzel fassen.
12. Ein vollständiger Stechapparat bestehend aus[:]
1 Stechpappe
1 Ausstecher mit messingener Hülse u 2 Nadeln (diese im Farbkästchen)
1 Farbkästchen mit 3 Hauptfarben 2 Pinseln 1 Pinselstück
12 3 Glastafeln zum Aufreif Aufreiben der Farben
12 Ausstechhefte No 1 bis 12.
Ordinärer Verkaufspreis 15 ggl. Wird Ihnen wie der andern Anstalt berechnet mit 1/5el
Rabbat also zu 12 ggl oder 15 sg. oder Neugr:
12 [sc.: 13]. Sie wünschen die Angabe jedes einzelnen Legespieles[.]
Erlauben Sie mir daß ich um der Kürze willen die Preise
im Duzzend hersetze. 1/5el Rabbat ist stehend.
1 Dzzd à 4 Stück braun [*Zeichnung:
    Dreieck*] à 18 ggl     rechtwink-
1 Dzzd à 8 Stück gelb klein [*Zeichnung: Dreieck*] à 21 ggl     lichgleich-
1 Dzzd à 12 Stück do do do à 1 Rth prß Crt.     schenklichte
1 Dzzd à 16 Stck do do do à 1 rth 6 ggl     Dreyecke
1 Dzzd à 64 Stck do do do à Rth 5.-
---
1 Dzzd à 9 Stck grüne große [*Zeichnung: Dreieck*] à Rth 1½      Gleichseitige
1 Dzzd à 9 Stck grün klein [*Zeichnung: Dreieck*] à Rth 1      Dreyecke
1 Dzzd à 18 Stck do do do à Rth 1½      oder
1 Dzzd à 36 Stck do do do à Rth 2½      Gedritt.
1 Dzzd à 54 Stck do do do à Rth 4. /
[98]
1 Dzzd Kästchen gelbe rechtwinklichungleichschenklichte [*Zeichnung: Dreieck*]
            56 Stück in einem Kästchen Rth. 4. 12 <ggl>.
Die Zeichnungen zu all diesen Legespielen sind zwar schon ganz vollstän[-]
dig ausgeführt; allein noch nicht lithographirt. Aus Gründen
welche in meinem Alleinstehen und in dem oben Angeführten
liegen.

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So dünkt mich nun meine theuerste Muhme hätte ich zunächst
alle Ihre Geschäftsfragen beantwortet und ich muß mich
nun beeilen den Brief zu schließen, soll derselbe mit dem Paket
noch heut zum Fuhrmann gelangen.
Zum Schluß den herzlichsten Dank für Ihre lieben, lieben
Briefe sie waren mir jederzeit wahre Lebenserfrischung.
Eine billige Ausgabe der Koselieder wird auch erscheinen[.]
Vom Ball sind jetzt 34 Bogen Manuscript fertig. Ich fühle mich
durch das Erfolg Ganze recht befriedigt und es gefällt auch
in unserer Gemeinsamkeit in K.
Vielleicht erhalten Sie mit der Montagspost einen Brief
von mir. Nun ist es künftig schön, erhalte ich heut Nachmittag
einen Brief so habe ich noch so viel Zeit ihn mit umgehender Post
beantworten zu können.
Die seelenvollsten Grüße Ihrem ganzen lieben Familienkreis
und allen denen welche der Sache und auch mir ein wenig
wohlwollen; vor allem Herrn Müller meinen Dank für
seinen lieben Brief u dessen freundliche Begleitung.
Mit den reinsten Gesinnungen
Ihr
treuer Vetter
FriedrichFröbel
Werden Sie mein Geschreibsel
ohne Interpunction lesen können?- /
[98R]
leer]