Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Amalie Müller in Döllstedt v. 8.8.1842 (Blankenburg)


F. an Amalie Müller in Döllstedt v. 8.8.1842 (Blankenburg)
(BN 576, Bl 7-12, Brieforiginal 3 B 8° 12 S., ed. KG 1883, 191-197, Schlussteil gekürzt)

       Blankenburg bey Rudolstadt am 8' August 1842.·.


Mein liebes Malchen.

"Nun endlich!" wirst Du sagen wenn Du diesen Brief empfängst
und Du hast Recht; seit Monaten trage ich von einer Woche
zur anderen und von einem Tage zum anderen den Vorsatz
in mir mit herum Dir Du treusinnige Seele endlich ein-
mal, nach so öfterer freundlicher brieflicher Einkehr bey mir zu schrei-
ben und endlich finde ich doch eine entsprechende Zeit dazu.
Wo soll ich aber nun bey den vielen Mittheilungen, die
ich Dir schuldig bin anfangen?- Du sagst, Du hörest von
anderen zu wenig über mich, so will ich denn mit mir
Beginnen und zwar mit meinem Hauswesen. Die
Frau Wolfram besorgt dieß mit Augusten auf ihre
Weise immer so fort, wie sie nach Deiner Abreise von
hier damit begonnen. Früh und Abends ist Milch
und Brot meine Speise. Nachmittags- und Abendbrot
ist in eins zusammen gegangen. Mittags gehe ich
mit meinen übrigen Geschäftsgenossen bey Wet-
zels zu Tisch, wo die Frau Pastorin Richter gegen-
wärtig noch unsere Tischgesellschafterin ist. Der Tisch
ist ordentlich, doch verhältnißmäßig zu theuer; doch
da es kein eigentliches Speisehaus ist, was will ich machen.
Meine gewöhnliche Wäsche besorgt seit einiger Zeit
zum öfteren die Fr: Wolfram; die feinere, die Dir wohl
noch bekannte Wäscherin. Zu Zeiten wird mir auch
in Keilhau gewaschen. So bin ich schon mit meinem Haus[-]
wesen fertig, doch noch nicht mit Vorführung meiner Ge- /
[7R]
schäftsgenossen. Erstlich kommt Herr Middendorff noch alle
Dienstage und Freytage von Keilhau zur Unterstützung
in den Spielen und zur Fortführung derselben herüber,
so wie er Mittwochs und Sonnabends wieder herüber
geht, er lebt dann hier wie ich und schläft auch hier bey
mir. Weiter ist auch noch Menger bey mir, doch nur
noch diese Woche, wo er dann, zur Führung eines durch
den Willen der Frau Fürstin Mutter zu errichtenden
Kindergartens, ganz von mir ab und nach Rudolstadt
gehen wird. Davon ein Mehreres, wenn ich Dir nachher
überhaupt über diesen Gegenstand sprechen werde.
Weiter ist jetzt Herr Unger, der Maler wieder hier; er
wohnt bey Löhns in dem Zimmer wo Stephani ge-
wohnt hat und früher Candid: Scheider. Herr Unger
zeichnet mir zu einem Familienbuche, oder vielmehr
einem Mutterbuche, welches ich herauszugeben gedenke.
Auch davon nachher. Auch Herr Unger lebt mit uns, nur,
daß er Kaffe[e] statt Milch trinkt und auch Abends bey
Wetzels ißt. Herr U. wird jetzt wohl ¼ Jahr hier seyn.
Außerdem hat die große Stube jetzt eine gewisse Frl.
Köhler inne, welche ihr Verlobter der He. Kern in Eise-
nach, Vorsteher und Lehrer an der Taubstummenanstalt daselbst
zur Führung eines Kindergartens hie, aus welchen er
später zugleich neben seiner Anstalt zu errichten ge-
denkt hier ausbilden läßt; sie ist jetzt seit 1½ Monaten hier, wird aber nicht
lang mehr hier bleiben. Zum Frühstück und Vieruhrbrot
hält sie sich zu Herrn Ungers Kaffe[e]. Abends nimmt sie
mit meinem Brot- und Milch vorlieb. So hast Du denn
mein ganzes Hauswesen bis aufs Haar gezeichnet.- /
[8]
Nun wirst Du aber wohl auch gern etwas von meinem hiesigen Wir-
ken und dem Fortgange der hiesigen Anstalten wissen wollen.-
Seit diesem Frühjahr hat der hiesige Stadtrath mit noch etwas
verlangsamter Schneckeneile das Spielhaus, den sogenannten
Keller ausbauen lassen; da war dann seit längerer Zeit
Nachmittags keine Spielstunde, Abends wurde jedoch zum
öfteren in den Kindergarten unter Leitung des He. Midden[-]
dorffs und Menger[s] wie Dir bekannt, gespielt, auch die Kin-
derbeetchen daselbst besorgt. Seit einigen Wochen haben jedoch
auch Nachmittags die Spielstunden begonnen, welche wie ge-
wöhnlich besucht werden. Die zu ihrer Bildung daran Antheil
nehmenden sind nun die genannte Frl. Köhler, die Fr: Pastor
Richter
dann noch ein junges Mädchen aus Neustadt eine
Verwandte von Gürtler Dressels, welche sich zu einer Ge-
hülfin eines Kindergartens auszubilden gedenkt. Henriette
Ackermann
besucht noch gewöhnlich die Anstalt. Fräulein
Lina Günther ist seit längerer Zeit verreiset, wird aber
von ihrer Schwester demnächstens wieder zurück erwartet.
Da die Kaltwasserheilanstalt durch eigene, freylich wohl
zu beseitigende Umstände keinen lebhaften Fortgang hat,
so ist, bis zu Anfang des vorigen Monats, die hiesige An-
stalt auch wenig von Fremden besucht worden, was mir
auch, weil ich ja kein Locale hatte um etwas zu zeigen
recht sehr lieb wah war. Allein seit der eben genannten
Zeit bin ich zwar nicht von sehr vielen, doch von einigen
und zwar solchen Fremden besucht worden, welche wie
Bienen den befruchtenden Blumenstaub sogleich wei-
ter trugen; so waren 2 Herrn Dr Dr, Gymnasiallehrer aus
Wittenberg hier, welche sogleich b nach ihrer Rückkehr be-
wirkten, daß sich daselbst ein Familienverein zur Ausführung eines /
[8R]
Kindergartens bildete, welcher bestimmte, noch im Laufe dieses
Monats ein gut erzogenes und wohlunterrichtetes, unverhey[-]
rathetes Frauenzimmer hierher zu senden um sich während
¼ Jahres genau mit dem Geist und der Art der hier an-
gebahnt werdenden Spiel- und Beschäftigungsweise kleinerer
Kinder bekannt zu machen.- In derselben Zeit war auch
noch ein Herr Schumann aus Schweinfurt, Nachmittags-
prediger daselbst hier, welchem von dem Magistrate daselbst
zugleich die Führung der dortigen Kinderverwahranstalt
übertragen worden. Um sich dafür zu unterrichten kam
er hierher und wurde bald so vom Geiste, ja den Wirkungen
des Ganzen gefesselt, daß er nicht nur sol sogleich das zur
Einführung dieser Kinderbeschäftigungs- und Spielweise nöthige
Materiale mit sich nahm, sondern auch mit dem festen
Vorsatz wegging, sich nach einiger Zeit von seinen Obern
die Erlaubniß auszuwirken, bald auf eine angemesse-
ne längere Zeit dem Gegenstande hier leben zu können.
Fast das ganz Gleiche war mit einem Herrn Kröber
Lehrer an der Mittlern-Bürgerschule zu Weißenfels
der Fall; auch er kaufte die kurze Zeit seines hiesigen Auf-
enthaltes sorgsam aus, um sogleich nach seiner Rückkehr
nach W. für ihre Ein- und Ausführung dieser Kinderbeschäftigungsweisen wirksam seyn zu kön-
nen wie er mit gleichem Entschluße, wie der vorige, von
hier gieng.
Kaum war dieser weg, als mich ein Herr Dr Bohnstädt
aus Bitterfeld zwischen Wittenberg und Leipzig, aufsuchte; er suchte
von hier seinen Freund in Elgersburg auf, und, wie ich von daher
gestern vernommen, wird er nicht nur mit diesem hierher zu[-]
rück kommen, sondern er hat auch mit demselben schon den
Entschluß gefaßt dafür zuwirken [sc.: zu wirken], daß ein ihnen bekannter /
[9]
junger Mann demnächstens auch hierher komme um sich hier
für die Ausführung eines Kindergartens in Bitterfeld aus[-]
zubilden.
Aber auch ganz in der Nähe soll sich die Sache mehr festwur-
zeln und blühend und wurzelnd entfalten. Durch die eifrig[-]
sten und landesmütterlichsten Bemühungen der Fr: Fürstin Mut-
ter
zu Rudolstadt wird mit nächstem Montage, eigentlich
bis jetzt der größte Kindergarten, in Rudolstadt eröffnet
werden. Viele wohlhabende und mittleren Bürger Rudol-
stadts haben zur Theilnahme daran 80 Kinder unter-
zeichnet. Die Frau Fürstin Mutter besorgt das Locale für
die Kinder wie für den Leiter der Anstalt, welcher somit
freye Wohnung, dann 6 Klaftern Holz zur Heizung des Gan-
zen und Rth. 100 Gehalt bekommt. Herrn Menger
ist die Führung der Anstalt von der Durchl. übertragen
worden. Zugleich muß er auch für die Kinder in der fürstl[.]
Kinderbewahranstalt täglich eine Spiel- und Beschäfti-
gungsstunde geben. Auch wird er von den Adelichen auf[-]
gefordert werden, versteht sich gegen besondere Vergütung,
das von uns im vorigen Jahre mit ihren Kindern Begonnene
fortzusetzen. Dieß alles, liebes Malchen, sind die neuen Ent-
wickelungen im vorigen wie in dem [sc.: den] wenigen Tagen die-
ses Monats, bis zum heutigen.
Allein auch die vorhergehenden Monate waren nicht
leer daran. Daß Amalie Henne in Herbst vorigen Jahres
zur Kinderpflege in das Schellersche Haus nach Hildburg-
hausen gieng, daß sich dort ein Familienkreis für Spiel[-]
stunden vereinete, dieß alles weißt Du, allein doch wohl
nicht, daß mit dem 1n Juni dieses J. sie auch als Gehülfin
bey der Kinderbewahranstalt daselbst und besonders als /
[9R]
Spielführerin an derselben angestellt ist. Sie wirkt zur Zufriedenheit.
Auch daß das weißt Du, daß Herr Stephani im Jan: d. J. von hier ab-
gieng, daß er dann Spielführer und Pfleger bey den fürstlichen
Kindern in Sondershausen wurde. Das Ergebniß nun von diesem
allen hat bewirkt, daß man ihm die Führung der Kinderverwahr[-]
anstalt in Sondershausen, welche am 14' Juni, als[o] am Geburts[-]
tage der Prinzessin, ich glaube Elisabeth eröffnet wurde, übertrug; die
Spiele sollten sogleich am Eröffnungstage eingeführt werden,
weshalb von hier eine Sendung gefordert wurde.
Dieß alles nun das Neue in diesem einzigen Jahre, allein
auch das Alte hat sich erhalten. Herrn Frankenbergs An-
stalt in Dresden ist bis zu 30 und Etlichen gewachsen; die
Anstalt des Herrn Carl Schneider in Frankfurt a/m hat eben-
falls ihren <A> guten Fortgang; sie wurde im vorigen Herbste
bey der Feyer des allgemeinen Geburtsfestes aller theilnehmen-
den Kinder, feyerlich zu einem "Kindergarten" erhoben.
- In Gera grünt, blüht und fruchtet der Kindergarten unter
der mütterlichen und sinnigen Pflege unserer Muhme, der
Fr: Magister Schmidt geborene Hoffmann (Aus dem Hause Singen)-
lieblich fort. Ich wollte nur ich könnte all meinen und unsern
lieben und hochachtbaren Muhmen, die seelenvollen Briefe dieser,
in ihrem, freywillig gewählten Berufe und Geschäfte glücklichen
Frauen zu lesen geben - (sie widmet nemlich ganz aus sich, wöchentlich
an einigen Tagen in einigen Nachmittagsstunden, einem klei-
nen Kreise von Kindern, pflegend ihre deren Spiele u Beschäftigungen
leitend, ihre Thätigkeit) - gewiß alle die es könnten würden
sich dann wenigstens an einem Nachmittage in der Woche während
einiger wenigen Stunden, diese beglückende Wirksamkeit
verschaffen. Sie kommt aus ihren Spiel- und Beschäftigungsstunden
ihrer Kleinen immer erfrischt, wie aus einem duftigen blühenden Blumengarten. /
[10]
Zu den gleichaltrigen d.h. 1½ bis 5 oder 6jährigen Kindern wöchentlich
einmal wenigstens einige Stunden 4 bis 8 andere Kinder genommen
und sie spielend und geordnet beschäftigt, dieß ist keine Bürde, son[-]
dern, wenigstens nach einigen Stunden, wenn nur die erste Unbe-
hilflichkeit überwunden ist, eine Erleichterung; denn die Kinder bilden
und belehren sich bald gegenseitig und Verträglichkeit, Lust sich selbst
still und anhaltend zu beschäftigen, Sinnigkeit u Sittigkeit und
viele andere Tugenden werden, durch gemeinsame geordnete und
von dem erziehenden Auge überwachte Tätigkeit, geweckt
und viele Untugenden: Eigensinn, Halsstarrigkeit, stete Begehr-
lichkeit, Trägheit rc, rc werden beseitigt. Könnte ich doch nur
allen Eltern, Vätern u Müttern zeigen, was solche Gemeinsam-
keit bewirkt.-
Doch unter der Menge des die Förderlichen, welches ich Dir
mitzutheilen hatte, hätte ich bald das nächste und besonders
Dir Interessante mitzutheilen vergessen:- Seit dem Jubel-
monate der Keilhauer Anstalt im vor: Jahre - ich weiß
wirklich nicht ob ich es Dir geschrieben habe - hat Herr Mid-
dendorff
auch in dem Pfarrspiele Eichfeld die Spielstunden
eingeführt. Er versammelt nemlich alle Sonntage Nach-
mittags in Eichfeld in der Nähe der Schule oder nach Um-
ständen auch in derselben die Kinder des Pfarrspiele[s] wel-
che sich dazu einfinden wollen, selbst schon Kinder der Schule,
beschäftigt sich und spielt mit ihnen auf die mannichfachste
Weise doch so, daß darinn immer ein höherer doch leicht er-
kennbarer Sinn und eine Wirkung auf Sinnigkeit und
Sittigkeit, selbst auf Weckung religiöser Gefühle und Gesinnung liegt.
Der Herr Pfarrer (Meurer), der Herr Schullehrer, selbst zum
öfteren mehrere Ortsvorstände und viele Erwachsene,
besonders Mütter, nehmen daran Antheil, sogar welche aus Rudolst: /
[10R]
Nicht aber allein in der Nähe und im Inlande, sondern auch im Aus-
lande weckte die hier angebahnte Kinderpflege- Spiel- und
Beschäftigungsweise die Aufmerksamkeit; so mußte ich
Anfangs dieses Jahres wiederholt Mittheilungen darüber
nach Ungarn machen auch selbst Spielmateriale dazu
dahin senden. Die Antwortschreiben darauf sind auf das
höchste dankbar und freudig, nur von den einzelnen Er-
gebnissen, ob man gleich die Spielgaben schon in Anwen-
dung gebracht hatte, konnten mir noch keine Mittheilungen
gemacht werden, weil die Beförderin und Beschützerin des
Ganzen, die Gräfin Brunswik Korompa eben krank war.
Du siehst aus allen diesen Mittheilungen, daß es nun ernst-
lich den Anschein hat, als wollte der Gegenstand: stärkend
entwickelnde Kindheitpflege durch entsprechendes Spiel und
Bethätigen, endlich Wurzel im Vaterlande zu stetig fort-
gehender Verallgemeinerung fassen.
Daß ich bey einem solchen Stande der Dinge auch in mir,
d. heißt in der innern Bearbeitung in der Bearbeitung
des Gegenstandes für Veröffentlichung nicht stille stehen
durfte, wirst Du ganz natürlich ja unerläßlich noth-
wendig finden; und so habe ich denn das Ganze in einem
kleinen Mutter- oder Spielst Kinderstubenschriftchen
dessen ich schon oben gedachte, welches den Titel führen wird
            "Mutter- Kose- und Spielliedchen nebst Glieder- und Sin[-]
nen Spielen" pp- zu begründen gesucht. Dieß ist die eine Arbeit
welche mich beschäftigte, allein schon längere Zeit beendigt ist.
Die Fortsetzung davon ist die Bearbeitung der Spiele selbst,
von welchen aber jetzt auch, "der Ball das erste und
bleibende Spielzeug des Kindes ein Einführungsmittel ins
Leben in die Natur und zur Selbstbeachtung pp" - beendigt ist und /
[11]
als Handschrift zum Abdruck vorliegt. Du wirst, und Ihr alle samt und
sonders, könnt aus diesen hingeworfenen Andeutungen sehen, wie
stark ich seit länger als einem Jahre arbeitend und denkend ange-
strengt war und wie wenig, ja fast keine Zeit, mir zu freyen brief-
lichen Mittheilungen übrig geblieben ist. Du und Ihr alle insge-
sammt, besonders auch Dein lieber Bruder Ernst mit seiner hochacht-
baren l. Frau, werden mir es nun nicht mehr übel deuten, daß
ich so lange Zeit gegen Euch alle fast stumm und todt war; ich
möchte fast sagen ich war es für mich selbst, denn ich selbst er-
laubte mir selten nur Gedanken und Gefühle, welche sich nicht
unmittelbar auf die Förderung meines Werkes bezogen.
Allein da fällt mir ja gleich noch ein Punkt ein über welchen
ich Dir noch nichts mitgetheilt habe: es ist dieß der Fortgang
des "deutschen Kindergartens" der Unterzeichnung[en] sind
bis jetzt 140 eingegangen. Mein zu großes Beschäftigtseyn
für das Allgemeine, hat nur meine Kraft von der Förderung
dieses besondern abgezogen, doch in der Kürze gedenke ich nun
wieder all meine Kraft darauf zu verwenden. Ich lege Dir
das zuletzt gedruckte Unterzeichnungsverzeichniß hier bey.
Wir gedenken nun mit der Ausführung ganz im Kleinen zu beginnen[.]
Hauptsächlich liegt es daran, daß es bis jetzt noch nicht möglich
war eine Kindermutter für das Ganze zu finden oder vielmehr
sie noch nicht anstellen zu können.- Mache von diesen Mittheilungen
an Deine sämtlichen Geschwistern, vielleicht auch im Auszuge nach Ber-
gedorf, Gebrauch; denn einmal habe ich jetzt nicht Zeit auch an Augu-
sten, wie ich doch dann billig sollte, einen längeren Brief zu schreiben
und dann habe ich hier auch mehreres in besonderer Beziehung auf Dei[-]
nen Bruder Ernst niedergeschrieben. Grüße all die Deinen herzlichst.
Ich hoffe nun auch, daß Ihr lieben Verwandten sämmtlich es einsehen
werdet, war und namentlich Ernst mit seiner von uns allen so /
[11R]
hochgeschätzten lieben Frau, warum ich ohngeachtet meines so oft
gegebenen Versprechens mindestens gemachter Hoffnung, bis
jetzt immer noch nicht zu Euch gekommen bin. Ja, hätte es nur
an meinem Wünschen und Wollen gelegen, so würde ich viel-
leicht schon einigemal in diesem Jahre, wenigstens seit Dei-
nem Abgange von hier zu Euch gekommen seyn; allein so seht
Ihr ein, muß ich mich mit Wünschen und Hoffnungen begnügen,
bis endlich auch einmal beydes in Erfüllung geht. Schreibst Du
an Augusten so grüße Sie [sc.: sie] besonders von mir und sage ihr,
sie möchte es doch zu erreichen suchen, im Verein mehrerer
Mütter und Familien, einen Spiel- und Beschätigungskreis
vorschulfähiger Kinder, wenn auch wöchentlich wirklich nur
zwey- ja selbst nur einmal in Gemeinsamkeit mit den ihrigen, zu bilden; die seegensreichen
Wirkungen davon würden für Eltern, Mütter, Väter und
jedes einzelne Kind wie für die gesammten Familien handgreif[-]
lich seyn und dieß um so mehr, als das, was der Kinderkreis
im Ganzen ausführe, der besondere Familienkreis wieder über
Eine wahre Ägide ein ächtes Pall Paladium wird den lieben Kleinen
dadurch gegeben und ein Füllhorn der reinsten Freuden über sie
ausgegossen. Sag allen Deinen Verwandten, sie möchten doch,
als auch meinen Verwandten, nicht die letzteren seyn die es
in Ausführung brächten, denn daß sie es später in ihren Fa-
milien auch ausführten wenigstens in denselben auch ausgeführt
würde, davon wäre ich wegen der rein menschlichen Grund-
lage und den das Familienleben pflegenden Sinn des Ganzen, tief in mir überzeugt.
Sag Ihnen, wenn sie es ernstlich ausführen wollten, dann
wollte auch ich sogleich zu ihnen kommen und es ausführen
helfen und dieß selbst nach Bergedorf.- Es bedarf wenig
dazu nur einige Übersicht über das Ganze, einige Einsicht in das Einzelne
hauptsächlich nur ein kinderliebender, kinderachtender hingebender Sinn. /
[12]
Ich freue mich recht, daß sich jetzt immer mehr ein freundlicher Lebens-
verkehr und [-]verband mit Schnepfenthal anknüpft; so war
im Laufe des Sommers, ich glaube Harald Salzmann bey uns;
irre ich nicht, so habe ich denselben früher einmal in Eurem
Hause gesehen und bin mit ihm nach Gotha gegangen. Jüngst
war auch ein gewisser Außfeld bey uns, welcher jetzt in
Jena studirt und jetzt ist sogar ein junger Außfeld als
Lehrer der Mathematik (ein Vetter des letztgenannten, er war
früher in Wien) an die Keilhauer Anstalt gekommen. Bey die[-]
ser Veranlassung ist auch Barop wiederkehrend in Schnepfen-
thal gewesen; es hat ihm daselbst überall sehr, besonders aber
in dem stillen und sinnigen Frauenkreise gefallen. Es war
mir dieß alles in vielen Beziehungen recht lieb. Schade ist es
nur, daß des Lebens Last und Sorge und dadurch auch die Ent-
fernung, den Lebensverkehr so schwer macht; ja wenn wir
eine Eisenbahn nach Gotha hätten. Fahrpost haben wir
jetzt von hier zweymal nach Gotha, doch muß der Wagen
von früh bis Nachmittags in Rudolstadt liegen bleiben.

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Nun wirst Du aber auch etwas von Blankenburg selbst
wissen wollen. Badegäste waren nur einige wenige
hier, unter diesen auch wieder die Frau von Ahlefeld, sie wohnte
wieder bey Seiler Heinemann auf dem Markte. Einige
andere die beyden Dr Dr und die Fr: Pastorin R. habe ich Dir
schon genannt. Der Herr Stiffer mit Nichte ist auch wieder
hier und wohnt wieder bey Bäcker Axt. Sonst sind höchstens
noch ½ Dzzd hier gewesen. Dennoch hatten sie im Verein mit der
hiesigen gesellschaftlustigen Frauenwelt alle Mit[t]woch Zusammen[-]
kunft in Watzdorf und jetzt auch auf dem Chrysopras, doch ist
bis auf Her[r]n Stiffer und 2 oder 3 andere, alles abgereist.- /
[12R]
Daß unser Herr Diakonus Bähring die Nichte des Herrn von Alten-
stein in Großkochberg geheyrathet hat, wirst Du wissen. Im [sc.: In]
Folge dieser Heyrath werden wir in der Kürze unsern Herrn
Diakonus Bähring verlieren, indem derselbe nach dem Wunsche
des Herrn v. Altenstein und der Gutsherrschaft zu Kochberg
Pfarrer in Großkochberg wird. Wer an dessen Stelle
hierher kommen wird, ist noch unbestimmt.
Wir haben jetzt eine sehr schöne und sehr besuchte Hochstraße
nach Königsee und Ilmenau und in Folge derselben die oben
erwähnte Post.
Dieß sind aber nun auch alle meine Neuigkeiten von
Blankenburg, doch nein!- Auch einen neuen jungen Artzt [sc.: Arzt]
haben wir hier, den Herrn Dr Sigismund. Er soll schon prak-
tiziren, doch habe ich noch nichts von dem Erfolge seiner
Curen gehört.
Alles übrige ist hier, nur daß die Menschen älter geworden
und jüngere nachgeboren, wie ganz alte gestorben sind
z.B. der alte Hopf, der alte Wurm, alles beym Alten;
was soll ich Dir nun ohngeachtet Deiner Liebe zum Einzelnen
und der Nachfrage darnach noch Einzelnes melden?-
Von der Schweiz kann ich Dir eben auch nichts Neues melden
als daß es Ferdinanden fortdauernd gefällt. Langethal
hat lange Zeit nichts von sich hören lassen.- Sein Bruder
Christian in Jena wird sich nächstens mit der Tochter des Hofrath
Luden verheyrathen.- Herr Lommatzsch wird nächstens in
Dresden sein Examen machen, um baldigst dann, als Fr. Pastorin
seine Verlobte heimzuholen[.]- Von Keilhau wird Dir
Elise ausführlich berichten. Ich sage Dir blos daß Fr: v[.] Born und
Allwina gesund zurück sind und sonst auch in Keilhau, Gott
sey Dank, alles ganz gesund ist. Möge dieser Brief, welcher Euch alle
alle auf das herzlichste grüßt Dich aussöhnen mit Deinem Oheim Fr Fröbel