Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelmine Pochhammer in Berlin v. <23.>12.1842 (Blankenburg)


F. an Wilhelmine Pochhammer in Berlin v. <23.>12.1842 (Blankenburg)
(BN 520, Bl 1-2, hier: 2VR, undatierter Entwurf 1 Bl 4° 1 ½ S. ohne Adressatangabe. Datierung: Auf dem ersten Bogenblatt (= Bl 1) findet sich Briefentwurf an Kommer v. 23.12.1842, dessen Reinschrift dem Brief an Pochhammer zur Weitersendung beilag, daher dürfte der Brief an Pochhammer vom selben Tag sein, zumal der Schriftzug durchgängig derselbe ist, jedenfalls nicht wesentlich später, da das Jahresende noch nicht erreicht ist.
Adressat: In beiden Briefen wird der Bezug beider Briefe deutlich; auch sonst sind beide Adressaten aufeinander bezogen.)

Hochgeschätzte liebe Muhme.

Zuforderst Ihnen meinen besten Dank für die so gütig schnelle Beantwort[un]g meines
jü[n]gsten Briefes betreffend den Antrag des He[r]rn A. L. Kommer, dann Ihnen ganz besonder[s]
noch meinen herzlichst[e]n Dank für Ihre abermalige so freundschaftliche <aber> und Erfolgreiche Bemüh[un]g[e]n
das Häuschen in Schönhausen zu vermiethen als für die gütige Einsend[un]g der Rth 60. 13 <sgr.>
Überw Berechnung der rth. 70 prß Court. Miethsbetr[a]g für den Sommer 1842 und die Baarsend[un]g
von Rth. 60 13 <sgr.> u der Rth. 9. 17 sgr quittirten wesentl. Auslag[e]n; dem Betr[a]g
der letztern u den richtigen Empfa[n]g der genannt[e]n> Rth 60. 13. <sggr.> beschei[ni]ge ich hiermit auf das
Dankbarste.
Mein fester Vorsatz war Ihnen in Betreff Her[r]n Kommers Antrag sogleich
nach Empfa[n]g Ihres gütigen Schreibens welches am 15 Decbr bey mir eingi[n]g zu beantworten
doch die eintrete[n]d[e]n Weyhnachtsgeschäfte drä[n]gten die Antwort leider bis zum heut[i]g[en] [Tage] zurü[c]k[.]
Zuerst spreche ich Ihnen d[a]rum offen aus, daß der Verkauf der Besitz[un]g in Sch[ö]nhaus[e]n
nun theilsweise u nur von einer Seite her mir erwünscht ist, von einer andern Seite aber
ich auch ungern in denselben eingehe: Ich bedarf nemlich zur Förde[run]g meiner Gesammtunter[-]
nehmungen mit Anfa[n]g des nächst kommenden Jahres die Sum[m]e von cca Rth. 400 prßCt, welche ich
mir durch meine gesammt Verhältnisse bestimmt nicht wohl auf andere Weise <procuri[re]n> kann.
Doch soll mich daß keinesweges bestimmte [sc.: bestimmen] das kleine Gr[u]ndstück "zu gering" und unter
dem Werthe zu verkaufen. Ja würde es mir möglich seyn diese 400 Rth. für den Verkauf
des Grundstückes und gegen Verpfändung desselben zu als verzinsliches Kapital zu erhalten
so würde ich dieß immer vorziehen; allein dieß in hier zu bewirken bleibt mir immer etwas
schwierig wegen der Entfer[nun]g des Besitzthums, wen[i]gstens habe ich es eben in dieser Voraus[-]
setzung hier auch gar nicht versucht. Der einzige Geschäftsman[n] in Berlin mit [we]lchem ich früher in Ver[-]
b[i]nd[un]g stand in [sc.: ist] Blumberg und nach unse[r]n <abge?> [sc.: abgeschlossenen] frühe[r]n Geschäft stehe ich mit demselben gar nicht
mehr in Verkehr, weiß also auch nicht wie er jetzt eine solche Anfrage aufnehmen würde.
Dieß also bestimmt mich in den Antrag des Herrn A. Kommer unter den Ihnen früher ausge[-]
sprochenen u von Ihnen als billig erkannten Verkaufsbed[in]g[un]g[e]n einzugehen.
In dieser Beziehung nun habe ich beyliegenden Brief an denselben geschrieb[e]n. Ich bin so frey Ihnen
denselb[e]n off[e]n zu übersenden, damit Sie genau von allem unterrichtet sind, wie ich denn
hoffe eben gar sehr wünsche und bitte daß Sie mir gütig erlaub[e]n mögen, daß das g[an]ze Geschäft wen[i]gstens von meine[r] Seite durch
Ihre gütige Vermittelung hind[urc]h gehe.
- Irre ich nicht S so hatten Sie schon früher die Güte uns zu der noch von meiner l. verstorb[enen] Frau mit-
unterzeichneten Vollmacht ein Formular wie es vor preußis[.] Gerichten Gültigkeit hat zu überschicken; ich hoffe dasselbe noch unter dem [sc.: den] Papie[re]n mei[ne]r
l. v. Fr: zu finden , sonst müßte ich mir im Fal[l]e der Kauf zu stande käme freylich abermals eines erbitt[e]n damit man nicht erst in deshalb [sc.: deshalb in] <Streitläuftigkeiten> geriethe.
Das Nöthige wegen des Besitztitels des klein[e]n Grundstückes zu besorgen ist schon seit den letzten
W Jahren mein Vorsatz gewesen; um alle Schreibe[re]yen u Weitläuftigkeit[e]n zu verme[i]den /
[2R]
hoffte ich immer einmal persönl nach Berlin zu kommen, wozu wohl manche Aufforde[-]
rungen mir vorgelegen hätt[e]n, allein aufrichtig gestanden ich habe immer die deßhalb nöthigen
Unkosten gescheut. Nach unsern hiesigen Landesgesetzen ist freylich dieser Nachweis des Besitz[-]
titels sehr leicht, was dazu in Berlin gefordert würde müßte ich mir fr[e]ylich erst bekannt
machen, doch fürchte erwarte ich deßhalb auch dort keine Schwie[ri]gkeit[e]n. Daß Sie die Güte haben wollen wegen
der Formalitäten des Verkaufes mit Ih[re]m Her[r]n Schwager zu sprechen dafür bin ich sehr dankbar[.]
Sollte nun nach diesem Allen mein Br[i]ef an den <nachgedachten> Herrn Kommer Ihre Beystimm[un]g hab[e]n
so ersuche ich Sie ergebenst m denselb[e]n mit einer Oblate u gleichgültigen Pettschaft gütigst zu verschließen
und d[urc]h die nächste Stadtpost gefälligst an ihn gel[an]gen zu lassen.
Daß ich an dessen Darstel[lun]g der groß[e]n Baufäll[i]gkeit des Ga[n]zen gleich Anf[an]gs kein[en] Glauben hatte
wird Ihn[en] liebe g[e]schätzte Muhme daraus hervorgehen; Wenn ich dieß nicht schon in den meinem letzten Briefe an Sie
aussprach so hatt dieß blos in [sc.: an] der Eile gel[e]g[e]n mit welchem ich dem [sc.: welcher ich den] Brief dortmals zur Post beförderte[.]
Freuen werde ich mich in Ihren nächsten freundlich[e]n Zeil[e]n etwas von Ihrem lieben Br[u]der Karl zu hören welcher
noch immer bey uns in warmen Andenken lebt; ohne Zweifel ist er jetzt glücklicher Vater schon ein[i]ger lieber Ki[n]der[.]
Schreiben Sie ihn [sc.: ihm] so grüßen Sie ihn herzl[.] von mir und von denen, welche[r] er sich noch als mein[e] Fre[u]nde> erinnert.
Ich wi[e]derhole meine Wünsche für Ihre[n] froh[e]n und segensreichen Austritt aus d[e]n Eltern [sc: dem alten] und frohen hoff[nun]gsrei[chen] Eintritt
ins neue Jahr mir auch für dieses die Fortdauer Ihrer geschätzten Fre[un]dschaft erbittend.

      Mit acht[un]gsvol[l]en [Grüßen]
Ergebe[n]st
       Ihr
       dankba[rer] Vetter
[Unterschrift fehlt]