Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ida Seele in Nordhausen v. 1.2.1843 (Keilhau)


F. an Ida Seele in Nordhausen v. 1.2.1843 (Keilhau)
(BN 651, Bl 1, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S., ed. KG 1886, 23 u. 1902, 9f. - Manuskript teilweise zerstört; Ergänzungen aufgrund der Edition möglich)

An Jungfrau Ida Seele in Nordhausen am Harz.


Keilhau b. Rudolstadt am 1 Febr 1843
Ihre vertrauende Anfrage geschrieben am 7en Januar mit dem Postzeichen
des 27en empfing ich gestern. Im Fall Ihnen nun die Bedingungen, an
welche Ihr Eintritt in meine Wirksamkeit für frühe Kinderpflege geknüpft
ist, entsprechend, und besonders mit Ihren ökonomischen Verhältnissen verein-
bar sind, so steht demselben von meiner Seite nichts entgegen; nur muß ich,
wenn er sich verwirklichen sollte, um Ihrer willen gar sehr wünschen, daß
er sich dann sobald als nur möglich verwirklichte, weil ich in diesen Tagen
einen neuen Curs beginne und weil jeder spätere Eintritt für den Theilneh-
menden immer mit Verlust verknüpft ist, der sich schwierig wieder aus-
gleicht.
Die erste Bedingung betrifft nun die Zeit. Nach meinen bisherigen Erfah-
rungen kann sich nun nicht wohl eine Person mit vollständiger Um- und
Übersicht des Gegenstandes und mit entsprechender Einübung in denselben,
also mit dessen völliger Beherrschung vor einem Jahre zu einer tüchtigen
Lehrerin oder wohl gar, was doch besonders Ihr Zweck zu seyn scheint,
Führerin einer Kinderanstalt, oder wie ich solche, den Geist sogleich be-
zeichnend, lieber nenne: Kindergarten ausbilden. Nun geht aber so
wohl aus Ihrem Briefe als besonders aus dem beigefügten Zeugnisse
des Herrn Kerg eine schon erlangte bestimmte Stufe schon erlangter
Vorbildung hervor, vermöge welcher, ob ich solche gleich nicht im Einzelnen
bestimmen kann, es wohl geschehen könnte, daß Sie schon in der Hälfte
der Zeit also binnen 6 Monaten austreten könnten. Früher würde es
freylich wohl schwerlich möglich seyn, weil die Behandlung und Art <dieser>
entwicke[l]nden Kinderpflege noch zu neu, und deshalb schon für den [bloßen]
Gehülfen an Kinderanstalten die Einsicht und Gewandtheit eines F[ührers]
fordert. Könnten Sie, was mir doch unmöglich scheint, od schon mit [4] 
Monaten in eine sich Ihnen darbietende Wirksamkeit derselben genüg[end,]
eintreten, so könnte es mich nur freuen, indem ich recht bald Gehülfen wünsch[e.] /
[1R]
Die Bedingungen sind einfach und hängen wenig von mir ab.
Der Aufenthalt hier kommt jährlich, wo Sie in einem einfachen Bürger[-]
hause, oder sonst einer Familie Wohnung, Kost, Licht, Heizung, Bettstelle
haben ohngefähr Rth 50 zu stehen, was Sie nun ohngefähr für den
Monat berechnen können. Der Unterricht kostet, obgleich sich bis
jetzt immer verhältnismäßig nur noch sehr wenige zu diesem hohen
Berufe finden, vierteljährlich einen Friedrichd'or, für Ihre Verhältnisse[.]
Sollten Sie dieses aber nicht sogleich ganz oder nur theilweise bezahlen
können, so würden darüber Bestimmungen zu treffen seyn, die Ihnen
wohl zusagen könnten.
Da die Post abgeht so eile ich Ihnen nur einstweilen dieses zu schreiben,
und ersuche Sie, wenn Sie auf meine Bedingungen eingehen können,
mir möglichst bald zu antworten.
Ich wohne zunächst für einige Zeit, jedoch stets für denselben Zweck
lebend, hier in "Keilhau bei Rudolstadt", nur eine Stunde von
Blankenburg in der früher von mir gegründeten allgemeinen
deutschen Erziehungsanstalt, wo auch Sie im Dorfe Wohnung be-
kommen würden. Wegen des Bettes müßten Sie mir schreiben, ob
Sie es mitbringen könnten oder nicht, im letzteren Falle würde wohl
noch eine kleine Vergütigung kosten.
Somit glaube ich zu nächst Ihren Wünschen genügt.
Sie können Ihren Brief an mich nach Keilhau, oder Blankenburg
adressiren es ist gleich. Es bedarf auch weiter keines Beisatzes
als meinen Namen.
Mit Gruß, Achtung und mit der Bitte jeden Falls zu
antworten
Friedrich Fröbel