Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ida Seele in Nordhausen v. 2.2.1843 (Keilhau)


F. an Ida Seele in Nordhausen v. 2.2.1843 (Keilhau)
(BN 651, Bl 2-3, Brieforiginal 1 B 8° 2 ½ S., ed. KG 1886, 41-42)

An Jungfrau Ida Seele in Nordhausen am Harz.


Keilhau b. Rudolstadt am 2' Febr 1843.·.
Als ich gestern meine Antwort auf Ihren geehrten
Brief an mich, zur Post beförderte, blieb mir nicht
die mindeste Zeit in den letzteren hinsichtlich seines
Innern einzugehen, indem ich mich nur beeilte, Sie
mit den äußeren Bedingungen des Eintrittes be-
kannt zu machen; da es Ihnen nun leicht als ein we-
sentlicher Mangel meines Briefes erscheinen könnte
in demselben gar kein bestimmtes Eingehen in das
Innere des Ihrigen ausgeprägt zu sehen, so will
ich nicht versäumen das Ihnen nicht minder Wesent-
liche heut noch nachzuholen.
Ein liebender, besonders frommer und Gott vertrauen-
der Sinn ist, wie anerkannt die sichere Grundlage ächter
Pflege und seegensreicher Führung ganz vor allem der
Erziehung der Kinder in den ersten Lebensjahren bis
zur Schulfähigkeit; da Sie sich nun, nach der Gesammt-
heit der Mittheilungen Ihres Briefes dieser Himmels-
gabe erfreuen, so dürfen Sie auch ganz gewiß der
von Ihnen als Ihr eigentlicher, und höherer Beruf erkann[-]
ten Wirksamkeit mit Vertrauen entgegen gehen.
Liebe und Vertrauen wird Ihnen in derselben entgegen
kommen, und auch ich werde Ihnen als Schülerin mit
Vertrauen entgegen kommen, Sie in doppeltem u.
mehrfachem Vertrauen, Ihrem erkannten, gewiß
vielseitig seegensreichem Berufe mit Treu und Sorg- /
[2R]
falt entgegen erziehen und ausbilden. Da ich nun in
mir selbst überzeugt bin, daß für Sie selbst ein Auf-
enthalt von nur wenigen Monaten hier u. für Ihren
erkannten inneren Beruf wesentlich förderlich und
ersprieslich seyn würde, so halte ich es - in vollem
Glauben an die Wahrheit des mir in Ihrem Briefe
und Beilage Ausgesprochenen - für mehrfach heilsam
daß Sie selbst auch nur diesen ausführem [sc.: ausführen], im Fall
es ja Ihre ökonomischen und Gesammtverhältnisse
nicht erlauben sollten, die ganze, zu einer vollkom-
menen Ausbildung, nach meiner bisherigen Erfahrung
nöthige Zeit hier zu bleiben. Es ist so selten der
Fall - und dieß ist mir zum Aussprechen des eben
Gesagten der Hauptgrund -, daß sich, besonders sonst
mit Anlagen begabte Personen von liebendem, ein-
fach frommen Sinn der Pflege, Erziehung und Bil-
dung der Kinder in ihren früheren Lebensjahren
widmen, daß ein solcher Entschluß und die Gesinnung,
aus welchen beide hervorgehen, mit Sorgsamkeit
zu pflegen sind. Sollten Sie darum auch wirklich
genöthigt seyn, jetzt bald wieder und mit geringe-
rem Umfange materieller Ausbildung - welche sich
nicht wohl erzwingen läßt,- auszutreten, um für
Ihr Fortkommen in eine ausübende Wirksamkeit
einzu treten, so findet sich dann vielleicht später Gele-
genheit zu Ihrer weiterer erziehenden Ausbildung
hierher auf einige Zeit zurück zu kehren. Wir
wenigstens würden uns beiderseits, um der höheren
und höchsten Forderungen willen, Mühe geben /
[3]
auch die Zeit Ihres zunächst kürzeren Aufenthaltes
hier bestens auszukaufen.
Diese meine Ansicht Ihrer Verhältnisse nach be-
sonders mit zutheilen hielt ich für Pflicht, so wie
ich darauf von Ihnen jedenfalls einige Worte
Erwiederung [sc.: Erwiderung] erwarte.
Mit Gruß und Achtung mich unterzeichnend
Friedrich Fröbel.