Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 10.2./18.2./19.2.1843 (Keilhau)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 10.2./18.2./19.2.1843 (Keilhau)
(KN 56,18, Brieforiginal 2 ½ B 8°gr 10 S., zit. Prüfer 1909, 44)

        Keilhau b. Rudolstadt am 10 Februar 1843.·.


Hochgeschätzte, theure Muhme.

Ganz erschrocken bin ich, als ich gleich zu Eingang Ihres lieben
Briefes vom 3en dieses M. las, daß ich Ihnen noch auf einen
Brief vom 28' und 31n Dezbr meine Antwort schuldig bin.
Ich würde dieß bestimmt nicht glauben, wenn Sie es nicht wären
liebste Muhme die es mir aussprechen. Allein da nun nach Ihrem
Ausspruche die Sache sich wirklich so verhalten muß, so kann ich
mir nun wohl erklären wie es so kommen konnte und wirk-
lich so gekommen ist. Mit dem verflossenen Weihnachtsfeste
nemlich begann es, daß ich wieder mehr hier in Keilhau, als in Blankenburg
heimisch wurde. Ja in der ersten Hälfte des vor[igen]
Monats wurde ich völlig, wenigstens für einige Zeit, und nament-
lich für diesen Winter wieder hier in Keilhau heimisch; damit waren
denn manche Störungen und Einrichtungen verknüpft, die mich
leicht vom Briefschreiben abhalten konnten; auch mochte ich Ihnen
wohl selbst nicht früher schreiben als bis mein Leben und Wirken
hier selbst wieder mehr eine bestimmte Gestalt genommen habe.
Die Ursache meines wenigstens einstweiligen und wohl bald vorübergeh-
enden Wohnens in Keilhau ist nemlich ein mehrfacher. In Blan-
kenburg wollte es sich nemlich wegen Mangel an Heizung u.s.w
nicht möglich machen für diesen Winter einen Kreis von Kindern zu
Spiel und Beschäftigung zusammenzubringen, diesen, gleichsam ein
wirklicher Kinder-Garten ist mir aber zur Ausführung meines gewählten
Berufes als Bildner von Kinderpflegern u Pflegerinnen eben so un-
erläßlich nothwendig wie dem Gärtner zur Betreibung seines Ge-
schäftes ein Pflanzengarten; dazu kam, dazu kam daß unsere Keil-
hauer Kinder d.h. die unseres Kreises nemlich Barops u Middendorffs
Kinder eine sorgsamere Beachtung und die Ausführung eines streng /
[1R]
und bestimmt geordneten Kindergartens forderten, um aber
dieß möglich zu machen hätte wenigstens Middendorff seyn
Kommen nach Blankenburg aufgeben müssen, wodurch wieder
in die Blankenburger Wirksamkeit eine wesentliche St Lücke
gekommen wäre, so glich sich aber alles am leichtesten aus und es
zeigten sich die wenigsten Hemmnisse wenn ich mich entschlösse,
wenigstens für diesen Winter wieder hier zu leben, was denn
am Ende auch geschah indem dadurch noch ein 3es mir besonders
Wesentliches erreicht wurde, nemlich ein engeres Zusammenleben
der gemeinsam an der Veröffentlichung des Ganzen Arbeitenden und
so die Herbeiführung einer größeren, allgemeineren und tieferen
Kenntniß des Gegenstandes unter den Gliedern des Kreises
selbst. Dazu kam daß mir der Eintritt eines jungen Frankfurter
für diese Zeit angekündigt wurde (welcher auch erfolgt ist) <dessen>
Bestimmung ist sich durch einen einjährigen Aufenthalt bei mir
zum Vorsteher eines Kindergartens in Crefeld am Rhein aus
zubilden, da nun dazu nothwendig ein Kinderkreis gehört, so
stimmte denn alles dafür wenigstens für einige Zeit wieder
meinen Aufenthalt in Keilhau zu nehmen, was denn nun auch
wirklich seit der ersten Hälfte des verflossenen Monats geschehen
ist. Aber mit meinen Wiedereintritt in Keilhau wurde ich aber
auch, wie Sie aus dem Angedeuteten leicht sagen können, gleich
so in Anspruch genommen und meine Zeit so beschränkt, daß ich
oft von Morgens 8 bis Abends 8-9 Uhr beschäftigt war.
Wie es nun dadurch möglich war, daß ich Ihren lieben, lieben
Brief so lange Zeit unbeantwortet lassen konnte, und zwar
ohne daß ich selbst es wußte werden Sie nun leicht einsehen
und den Grund davon nicht in irgend einem Unschönen finden.
Wo beginne ich nun aber meine Mittheilungen?- Am besten
wohl gleich da wo ich eben brieflich stehe: nemlich, auch im Gedanke /
[2]
unser ehrwürdigen, allverehrten Fr Fürstin Mutter trug bei, mich für
einen einstweiligen Aufenthalt in Keilhau zu bestimmen, sie wünschte,
daß Herr Menger sich während einer Ferienzeit des Kindergartens
zu Rudolstadt, zu seiner Fortbildung wieder bei mir leben möchte, dieser
Wunsch ließ sich nun auch, unter den bewandten Umständen, besser hier als [in]
Bl[an]kenburg ausführen.- Da nun eine Kinderkrankheit, das Scharlachfieber,
den Eintritt der J[un]gfr[au] Röhr im Hause der Fr[au] Hofamtsräthin Hauthal ver-
spätete, so daß sie erst künftigen Montag (den 13 Febr) dahin abgehen wird,
so war ich genöthigt auch diese aus Blankenburg mit hier herüber zu
nehmen um nun ihren Unterricht der Kinderbeschäftigung weiter
fortzusetzen als ich mich früher
bestimmt hat [sc.: habe]. Hierdurch werden Sie nun theure Muhme einigermassen
ein Bild meines Beschäftigtseyns seit Neujahr haben und mir verzeih-
en, daß ich es vergessen konnte Ihnen seit dieser Zeit eine Anwort schuldig
zu seyn.

Sonnabends am 18n Febr. 43:. Sie sehen theure, liebe Muhme! daß
schon wieder über 8 Tage verflossen sind seit ich diesen Brief an
Sie begonnen habe, und noch bin ich nicht einmal in dieser Zeit zur
Fortsetzung desselben gekommen, obgleich mein bestimmter Vorsatz
war, daß er unmittelbar nach seinem Beginne an Sie abgehen sollte
und so wäre er dann zu meiner großen Freude bald gegen den
13en bei Ihnen eingetroffen; dagegen sagen mir nun die als
Beweise Ihres vertrauendsten Wohlwollens jüngst wieder em-
pfangenen lieben Zeilen vom 13n d M. was ich dadurch ver-
loren habe, daß Hemmnisse die Absendung der Zeilen ver-
hinderten. Ich kann Ihnen aber doch nun wenigstens zur Recht-
fertigung der Erwartung Ihres Gemüthes und zu meiner
wahren Freude, den sprechenden Beweis liefern, daß ich
mich gerad in jener Zeit in meinem Innern wirklich gedrungen
fühlte Ihnen zu schreiben, so daß der Zeit nach, der Brief
gerad jenen gefeierten dreizehnten bei Ihnen hätte eintreffen können. /
[2R]
Seit meiner frühesten Kindheit nun, wie seit meiner spätern
Jugend ist mir der Monat Febrar wichtig. Irre ich
nicht so starb am 20n Febr: meine Mutter und später
am gleichen Tage mein Vater. Drei Personen welche wesent.
in die Entwickelung meines Leben und, wie der 13.e, zur
Fortbildung meines Lebens mitwirkten wurden im
Monat Februar geboren und bei einem prüfenden Blick
auf den Entwickelungsgang meines Lebens muß ich finden
daß seit einer langen Reihe von Jahren der Monat Febr:
für einen Jahrescyclus immer der Saamen - ausstreu-
ende Frühlings Monat ist, was auch wirklich in diesem
Jahre wieder, wovon Ihnen Andeutungen in diesem Briefe
Zeuge seyn können. Wie Darum freue ich mich nun seit einer
langen Reihe von Jahren immer auf die Erscheinung des
Monates Febr: in der sichern Hoffnung, daß wenn es mir
auch besonders gegen das letztere u in dem letzteren
Viertel jedes Jahres gewöhnlich sehr trübe geht, ich
dann gewiß im Monat Febr: eine günstige Wendung
des Lebens eintreten werde, und wie ich schon sagte seit
vielen Jahren und auch in diesem wieder hat mich die Hoff-
nung nicht geteuscht. Wie nun der Mensch für alles
gern einen im Bereiche seiner Einsicht liegenden Grund
sucht, so finde ich den Grund von dem Angegebenen
darinn, daß mir lebenswichtige Personen gerad in
diesem Monat ins Leben eintraten, wie mit Wünschen
für mein Wohl aus demselben traten. Wohl mag diese
Meynung in der Ahnung und dem Wunsche des Menschen
seinen Grund haben: - in dem Leben geistig nicht
und nie allein zu stehen. Immer aber bleibt es ein
schöner Lebens- und erhebender Geistes-Verband.- /
[3]
Da ich Ihnen nun noch die Beantwortung des Briefes vom
31 Dzbr schuldig bin, muß ich doch mit demselben beginnen[.]
1., Daß Ihnen und Ihren lieben Kleinen die Ausstechhefte so zu
sagen freut mich gar sehr, auch in meinem jetzigen Wirken
zu Keilhau machen solche den Kindern große Freude. Jüngst
habe ich auch schon zweimal einen gewissen vom Einfachern
zum Zusammengesetzteren und so vom Leichteren zum Schwereren
fortschreitenden Stufengang der Farbengebung der ausgestoche-
nen Hefte, bis zum 8.en Heft durchlaufen und dadurch sehr be-
stimmte Fortschritte erreicht. Auch ich gestatte natürlich einen
großen Umfang der Variationen allein bei jeder No in einer
gewissen Beschränkung die sich erweitert wie die Nrn steigen
wodurch also dem Kinde immer eine neue Entwickelung und
Steigerung vorliegt. Ich möchte wohl daß wir gegenseitig die
Erzeugnisse unserer Schüler austauschen konnten, allein es
geht mir mit den meinen gerad so wie Ihnen mit den Ihrigen
nicht einmal ich für mich habe etwas ausgeführtes; allein
dennoch möchte ich wohl die von Ihnen so schön geschilderte Aus
führung von No 2 wenigstens einmal sehen, wo Sie <zwischen>
2 Linien die Vierecke ausfüllen und jedes Viereck vom
Hellen bis zum Dunkel schattieren lassen. Dieß ist nun freilich
eine Übung die bei mir sehr spät eintritt weil ich zur
Sicherung für die Kinder sehr lange bey einer Farbe in ver-
schiedenen Ausführungsweisen nach der Zahl u Stärke der
Striche u Ausfüllungen, dann bey den Verknüpfungen von
je 2, je drei u.s.w. Farben aufhalte. Auch suche ich zuerst
roth, gelb und blau, die Hauptfarben, dann grüne, goldgelb
veilchenblau so rein als möglich anzuwenden. Andere
Misch- und Übergangsfarben vermeide ich Anfangs ganz.
Alo wenigsten sehen möchte ich <erkennenswerth> das Bezeichnete, gern werde /
[3R]
ich es zurück schicken. Daß Sie die in den Ausstechheften
liegenden Zahlenverhältnisse oder sogar 4 Spezies gefunden
haben freut mich; allein es liegt auch noch mehr darinn.
Sehn Sie Freundin und Muhme, so haben Sie denn in einem
der Spiele selbst entdeckt, was der Geist von jedem ist
daß nemlich jedes Spiel alle die wichtigsten Lebens
beziehungen, wenn auch oft etwas versteckt in sich trägt
In den erwähnten Heften zum B. in No 4 eben liegen auch die
Anschauungen der gebrochenen Zahlen 1/2 1/3 1/4 1/5,- 2/2 2/3 2/4 2/5,-
3/3 3/4 3/5, 4/4 4/5 5/5 rc. dan 1 1/2, 1 1/3, 1 1/4, 1 1/5, 2 1/2 u.s.w.
2., Nicht nur die Wasserflasche am Abend, sondern auch
das Wasserglas und die Wasserflasche am Tage und die
Seifenblasen im Sonnenschein, dann die Thau u Regentropfen
wie die Schneesterne im Winter führen zur Anschauung
der reinen gebrochenen Farben, welche von Kindern be-
achten zu lassen man jede Gelegenheit benutzen muß
dann die Anschauung der reinen u einfachen Farben in
der Blumenwelt.
3. Sie hatten in dem gedachten Briefe Sorge um das Bestehen
ihres schönen Kinderkreises, hat sie sich bestätigt?-
Ich hoffe, nicht.-
4. Für die übersandte Häkelnadel danke ich gar sehr, wo
kann ich solche dutzendweise erhalten? und was kostet d[a]s Dutz[en]d?
5, Für die an den Zeichnungen gerügten unbeschuheten Kinder
danke ich; es war blos von dem Zeichner vielfach über-
sehen worden. Seit jener Zeit sind wieder mehrere
Blätter fertig geworden, welche, wenn Sie solche sehen
würden Ihren und Anderer gerechten Ansprüchen mehr
genügen würden. So schreitet das Werk rasch vorwärts
und gegen Ostern hoffe oder Pfingsten hoffe ich die Anzeigen der Er- /
[4]
scheinung desselben drucken und ausgeben lassen zu können.
Möge es Ihnen in jeder Beziehung erfreulich seyn zu hören,
daß mir das von Ihnen so offen und freundlich über das
Buch ausgesprochen worden, auch von Anderen darüber
gesagt worden ist. Möchte sich nur, wie Sie mir auch so gütig
wünschen all dieß schöne Gehoffte erfüllen!-
6. Recht erfreulich war und ist mir, was Sie mir über Ihre An-
wendung der Färbelege Spiele schreiben, und ich bin Ihnen
auch hierfür wie für jede Ihrer Bemerkung in allen Be-
ziehungen sehr dankbar. Ja, Sie haben Recht, auch hier
müssen alle Theile des Spieles bei der Anwendung
aufgehen, d.h. etwa ja noch einzeln übrigbleibende
Stücke und Theile müssen wenigstens zu dem dargestell-
ten Ganzen in eine directe Beziehung gesetzt werden, z B.
als Stiel zu einem Fächer oder einer Blume. Bey
2 <und> 2 seitigen oder bauwerkartigen Gestalten ist es
uns bis jetzt noch immer gelungen alle einzelnen Stücke
in Beziehung zum Ganzen zu setzen, sey es auch nur im
äußersten Fall, daß ein übrigbleibendes Stück gleichsam
als Verzierung auf das Mittelstück oder in die Mitte
des Ganzen gelegt werden müßte. Es sind bis jetzt
in meiner Nähe selbst von einem 5 jährigen Mädchen
mit dem 1sten Spiele schon sehr schöne Sachen gelegt worden,
allein natürlich noch schönere und reichere mit dem 2ten,
Spiele, dießes ist besonders bildend, nur freilich muß
ein Erwachsenes Anfangs in der Nähe des spielenden Kindes
seyn um einige kleine andeutende Hilfen zu geben. Ich be-
sitze jetzt schon eine kleine Sammlung möglicher Gebilde,
wollen Sie mir solche nicht vermehren?- Ich freue mich
gar sehr und fühle mich belohnt wegen des Findens dieser Spiele. /
[4R]
7. Wohl gestatte ich dem Kinde und sehr häufig daß es die ge-
legte Form oder sein Bauwerk bis auf den Grund zer-
stört und wieder ganz neu aufbaue. Eines thun und
das andere nicht lassen! Es handelt sich zuforderst <nur> da-
rum in einzelnen vorkommenden Fallen dem Kinde zu zeigen
und ausführen zu lassen, daß sich eine Form und Gebilde, ein
Gegenstand aus dem anderen darstellen lasse. Zu solchem
Wechsel muß das Wesen des Kindes, sein Spiel und der Ge-
genstand desselben die Anforderung geben. Für das Leben
ist beydes gleich wichtig, sowohl Etwas ganz von Neuem,
ein ganz neues Werk zu beginnen, so wie eines aus dem
anderen zu entwicken. Überhaupt ist nur in all solchen doppel-
seitigen Fällen das Wesen, die Natur des Kindes und deren
unumgehbare Forderung, leitend und bestimmend.-
8. Für die Mittheilung des Briefes Ihrer Freundin bin ich Ihnen
gar sehr dankbar vielleicht sende ich Ihnen denselben mit
diesem zurück, wenn derselbe nicht zu stark werden sollte.
Machen Sie mir ja die Freude <solcher> Mittheilungen so oft
als möglich, damit ich immer mehr das Mutterleben kennen
lerne.-
9. Eben finde ich meine Frage wegen des Duzzendpreises [sc.: Dutzendpreises] der
Häkelnadeln schon beantwortet.-
10. Wann ich getraut wurde wünschen Sie zu wissen?- Es
war am 11 Septbr 1818.
Nun zur Beantwortung des Briefes vom 3n Febr
1. Herzlichen Dank für die Übersendung von <Ribkens> Gedichten
mit gleichem Danke hoffe ich solche demnächstens Herrn <Nes>
zurück zu senden.
2., Noch immer haabe ich keine Nachricht von Herrn Langethal
und so muß ich vielleicht Herrn Buri wieder abreisen [lassen] /
[5]
ohne von seiner gefälligen Erlaubniß, durch ihn etwas nach der
Schweiz zu besorgen Gebrauch machen zu können; jeden falls
ihm meinen Dank dafür.
3. Auch für Ihre gütige Nachricht wegen des sich bei Fr Satzinger
befindlichen Mädchen bin ich Ihnen dankbar. Keinesweges
kann mir es in den Sinn kommen, solches der Fr Satzinger zu
entziehen.
4. Daß die J[un]gfr[au] Röhr - welche jetzt bei der Fr: Amtsräthin
Hauthal
in Rudolstadt ist - wohl geneigt seyn könnte bei
entsprechenden Lohn nach Brandenburg zu gehen, daran zu
zweifeln habe ich nicht nur keinen Grund,- sondern es scheint
mir sogar möglich; es käme auf eine ernste Anfrage an.
5. Was nun den in Brandenburg oder Gera gewöhnlichen
Jahrlohn betrifft, so müßte ich bitten außer den eigentlichen
festen Jahrlohn auch die gewöhnlichen Geschenke zu bestimmen
Was die Hauthal giebt und was in Rudolstadt gewöhnlich ist
weiß ich nicht. Daß ein hier gebildetes Mädchen und zwar
umso weiter als sie von hier in Dienste tritt, auch mehr als
gewöhnlichen Lohn fordern, mindestens erwarten wird, ist wohl natürlich. Bei den bis
jetzt von mir geforderten Mädchen waren die Löhne u Geschenke
immer bedeutend, allein was konnte dieß nützen, ich hatte keine
Mädchen welche den gemachten Forderungen entsprachen.-
6. Frau Hofamtsräthin Hauthal schreibt mir nun über das erst
kürzlich bey ihr eingetretene Mädchen die Jfr Rohr: "Bis jetzt
"hat die Art und Weise ihres Umganges auf beide Kinder,
und somit auch auf mich einen guten Eindruck gemacht."
Ich selbst konnte noch nicht nach Rudolstadt kommen und mich ausführlicher von dem Betragen der Rohr pp unterrichten.
Nächstens daher über sie mehr. Eines schreibt noch Fr[au] H[au]thl[al]:
"Die Rohr wird für Ihre Thätigkeit bei mir ein weites Feld finden."- /
[5R]
7. Ob ich heut oder vielmehr dießmal schon die versproche-
ne Feyer des letzteren Christfestes werde beilegen können, weiß
ich wirklich noch nicht indem ich erst deßhalb mit dem Ver-
fasser derselben Herrn Middendorff Rücksprache zu nehmen
habe.
8. Die Familie des Herrn Pastor Lang ist nun doch ganz wie-
der hergestellt?- Empfehlen Sie mich, darf ich bitten
derselben hochachtungsvoll.

______________
Möchte ich nun alles beantwortet haben was Ihre lieben
Briefe seit den 28 u 31 Dzbr v. J. von mir wünschen.
Da mir nun sehr viel daran liegt, daß Sie endlich diesen
Brief von mir erhalten mögen, so weiß ich wirklich
nicht ob mir noch Zeit übrig bleiben wird Ihnen weitere
Mittheilungen über mein gegenwärtigen Wirken und Leben
hier in Keilhau machen zu können. Kurz bemerken
will ich nur daß seit Anfangs dieses Monats ein junger
Mann namens Stolze aus Frankfurt a/m bei mir eingetreten ist, welcher sich
in Jahresfrist hier zum Führer eines Kindergartens
ausbilden wird. Ebenso wird in den nächsten Tagen
eine gewisse Jgfr Ida Seele aus Nordhausen hier ein
treffen um während eines 6 monatlichen Aufenthaltes sich
zu einer Kinderführerin auszubilden gedenkt. Noch sind
einige andere Hoffnungen da, welche ich Ihnen aber erst
aussprechen will, wenn solche in Erfüllung gegangen sind.
Nun gute Nacht, liebste Muhme, eben schlägt es 12 Uhr Mitternacht.

Am 19en Vormittags. Zwar hätte ich Ihnen noch gar viel mitzutheilen, aber
ich will doch lieber eilen, daß endlich der Brief an Sie theuerste Muhme
gelange. Die herzlichsten Grüße an den lieben Vetter u die braven Söhne.
Nochmals meinen innigsten Dank für Ihr liebes Briefchen vom 13en d. M.
er war mir ein wahres Lebensgeschenk und erfreuen Sie mich recht bald
wieder mit Ihrer schriftlichen Einkehr. Alles grüßt Sie durch Ihren Vetter FrFr