Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ida Seele in Nordhausen v. 17.2.1843 (Keilhau)


F. an Ida Seele in Nordhausen v. 17.2.1843 (Keilhau)
(BN 651, Bl 4-5, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., ed. KG 1886, 57f.)

Der Jungfrau Ida Seele in Nordhausen.

In Beziehung auf Ihren gestern empfangenen Brief
vom 10n u. 11en d. M. habe ich Ihnen nur auszusprechen,
daß Sie nach den obwaltenden Umständen nun so-
bald als es immer möglich ist hier eintreffen mö-
gen, denn die Zeit eilt zu schnell, und schon haben
störende Umstände in den jetzigen Bildungscurs
eingegriffen, welcher eigentlich mit Anfang
dieses Jahres hätte beginnen sollen. Denn, da es bis jetzt immer
nur noch Einzelne giebt, welche sich aus Beruf dem
Geschäft der frühen Kinderpflege widmen, so ist man
in jedem Curs gewöhnlich nur auf Wenige beschränkt
und mit dem Beginne desselben oft von den Ver-
hältnissen dieser abhängig. Dieß war und ist nun
jetzt wieder der Fall, freilich zu einem gewissen
Gewinne für Sie. So werden Sie diesen Curs nur
mit einer, vielleicht zwei Personen theilen, da aber
diese eine Person, aus Frankfurt a/m schon seit mehre[-]
ren Tagen hier ist, so hat mit dieser der Curs
wirklich schon begonnen, was wir und die viel-
leicht in der Kürze noch Eintretenden, nun noch
nachzuholen haben.
Wohnung und Bett werden Sie also wie Sie
wünschen bereit finden.
Ich schreibe Ihnen diesen Brief von Keilhau
einem Dörfchen eine kleine Stunde von Blanken[-]
burg, in welchem sich die von mir früher gegrün[-]
dete "allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt" /
[4R]
befindet, welches eine Schwesteranstalt meiner
Blankenburger Bildungsanstalt ist, oder viel-
mehr mit derselben ein einiges größere[s] Gan-
zes ausmacht. Gegenwärtig lebe ich nun, auf
unbestimmte Zeit, wieder hier in meinem Keil[-]
hau, weil ich hoffe durch das Zusammenleben
noch mehrerer erziehender Personen um so besser
meinen nächsten Zweck zu erreichen.
Auch Sie erwarte ich darum hier in Keilhau,
wo ich, wie ich schon sagte, für Wohnung, Kost, und
Bett besorgt gewesen bin. Wegen des Bettes wer-
den Sie sich wohl zu einer besonderen Vergütigung ver-
stehen, indem die jüngst abgegangenen, wie die dem-
nächst vielleicht noch eintretenden Personen ihr eig-
enes Bett mitbrachten und [-]bringen.
Um gleich Anfangs alles möglichst bestimmt aus-
zusprechen, so wird Ihre Kost nahrhaft und sorgsam
gekocht, doch ganz einfach seyn, Sie werden Sich selbst
Ihre Bedienung seyn, also selbst Ihr Bett machen,
Ihre Kammer kehren und sich Ihre Bequemlich-
keiten besorgen. Doch war das Mädchen was vor
Ihnen in diesem Hause wohnte, welches jetzt in Dienst
getreten ist und mit Ihnen gleichaltrig war, mit
allem sehr zufrieden.
Nun noch etwas über Ihre Reise selbst. Am
besten reisen Sie wohl über Sondershausen,
Langensalza, Gotha, Arnstadt, StadtIlm
Rudolstadt. Von Gotha geht glaub ich viermal /
[5]
in der Woche Personenpost, Eilwagen und Diligence
nach Rudolstadt. Keilhau nun liegt in dem Thal
durch welches die Post in der letzten Station geht.
Von StadtIlm aus brauchen Sie daher nicht bis
Rudolstadt zu fahren, obgleich Sie wohl bis
dahin werden bezahlen müssen, Sie können
in Eichfeld (bemerken Sie diesen Ort) ausstei-
gen und von da zu Fuß in einer Viertelstunde
thalaufwärts, hierher nach Keilhau kommen.
Weil von Eichfeld bis Rudolstadt noch eine Stunde
Weges ist, und Sie doch von Rudolstadt nach
Keilhau wieder durch Eichfeld durch müßten,
so gewinnen Sie dadurch zwei Stunden Zeit;
auch finden Sie im Gasthofe zu Eichfeld leicht Je-
manden, welcher Ihnen Ihre Effecten nach Keil[-]
hau trägt; übrigens ist der Weg von Eichfeld
nach Keilhau ganz leicht zu finden. Wollen
Sie übrigens Ihre Effecten durch Frachtfuhre
schicken, so ist in Gotha ein Speditionshaus
Otto, und jede Woche ist von Gotha zweimal
Frachtfuhrgelegenheit nach Keilhau oder viel[-]
mehr Eichfeld.
Sollten Sie in Gotha irgendeines Rathes
bedürfen, so wenden Sie sich an den Tischlerm[ei]st[e]r
Herrn Müller in der Salzergasse, welcher Ihnen
solchen gern ertheilen wird. Er ist mein Neffe.
Führte Sie wider Vermuthen Ihr Weg über
Erfurt, und Sie bedürfen dort eines Rathes, so /
[5R]
wird Ihnen solchen dort gerne ein gewisser Herr Gottlob
Langethal, Schuhmachermeister auf der langen [Brücke]
wohnend, ertheilen, mit welchem wir in viel-
jähriger Geschäftsverbindung stehen. Nach Um-
ständen grüßen Sie einen oder den andern v. mir.
Haben Sie vielleicht Kenntniß von Gesang und
Musik, so bringen Sie Ihre Noten mit.
Würde, gegen Erwarten, sich Ihre Abreise
von Nordhausen noch mehrere Tage hinausschie-
ben, so bitte ich, mir es mit einem Worte
zu melden.
Gott geleite Sie glücklich zu uns.
Friedrich Fröbel

Keilhau bei Rudolstadt, am 17 Febr 1843.·.