Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 8.4.1843 (Keilhau)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 8.4.1843 (Keilhau)
(BlM XIV,23, Bl 105-106, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.+Adr.)

Keilhau b. Rudolstadt am 8 April 1843.·.


Hochgeschätzte Muhme und Freundin.

Hoffentlich ist nun alles zu Ihrer und der Fr. R. R. Hoyel
Wünschen in Hinsicht auf H. Röhr beendigt, mindestens
abgesprochen und eingeleitet. Sie wird, um das nächt-
liche Fahren eines Mädchens in dem Postwagen zu ver-
meiden, woran selbst der Fr: R. R. Hoyel gelegen seyn
muß, Montags früh mit der Diligence von Rudolstadt
abfahren und so noch am selbigen Tage Abends bei Ihnen
in Gera eintreffen und, wie Sie es gütig erlauben, bei
Ihnen absteigen.
Um so wohl Sie, liebe Muhme, als die Fr R. R. Hoyel
ganz zu beruhigen und Ihnen meine völlige Unpersön-
lichkeit zu beweisen, welche nur das Gelingen der Absicht,
das Erreichen des Zweckes im Auge hat, so habe ich Ihren
jüngsten l. Brief, welcher noch manchen Zweifel und
Wunsch aussprach, im Original selbst an die Fr. HofAmtsR.
Hauthal
abgegeben um solchen wörtlich und in seiner
ganzen Ausdehnung an die H. Röhr mitzutheilen; sie hat
versichert daß sie all dem nachkommen würde, was Ihre
gütige und thätige Theilnahme an ihrem Leben u Wirken
darinn ausspricht, und so hat mich denn die Fr. HAmtsR.
auch wiederkehrend versichert, daß sie das Mädchen
- obgleich nicht zu leugt leugnen sey, daß zu einer absoluten
Vollkommenheit noch einiges bei ihr zu wünschen sei (:wo
ist solche aber zu finden:) - mit freudiger Hoffnung in ihre
neue Wirksamkeit abgehen lasse. Zu Ihrer u der
Fr R. R H. Beruhigung spreche ich ferner noch aus, daß /
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das Mädchen im Hause der Fr. HAmtsR. H. auch hat die Stube
scheuern müssen; das erstemal ist sie nun wohl nicht
zur Zufriedenheit der Hausfrau blank oder vielmehr
weiß gewesen; allein das Mädchen hat sich auch die
freundliche Weise gern gefallen lassen und es das zweite
mal besser gemacht. Nur dürfen weder Sie theure Muhme
und die Frau R. R. Hoyel es mir übeldeuten, wenn ohnge[-]
achtet alles dessen was Sie mir über die Häuslichkeit und
über die freudige Übernahme und tüchtige Ausführung aller
häuslichen und wirthschaftlichen Arbeiten aussprache[n] - dessen
Wahrheit ich tief anerkenne und ehre - nochmals und
ganz bestimmt ausspreche: - Eltern welche für ihr
Kind ein sinniges Kindermädchen suchen, dürfen darinn
schlechterdings keine eigentliche Scheuermagd fo[r]dern und
erwarten; dieß schließt sich schlechterdings aus, was
Sie mir auch immer aus Ihren eigenen Lebenserfahrungen und
als die Forderungen Ihrer l. verst. Frau Mutter als Schwä-
gerin dagegen aussprechen mögen. Sie sagen ganz recht
die Gesinnung, d.i. in diesem Falle die Art und Weise der
Forderung macht es. z.B. Meine Freunde B. u M. die
Sie theils persönlich, theils namentlich u aus ihrem Leben
und Wirken als geistig ich darf sagen hochgebildete Männer
kennen, ja die haben gegraben und Mist gefahren, die
haben sich eigens ihre Stiefel geputzt u ihre Kleider ausgekehrt
wie sie jetzt noch letzteres selbst thun, sie haben, wenn ich
so sagen darf oft mehr als Knecht u Bedienter geleistet
aber wodurch? - durch ihre Art u Weise, die schöne geistigere
Art u Weise wie sich ihnen die Forderung aussprach.- Sie
sehen theure Muhme und Freundin, wir sind ganz gleich in
unserer Gesinn[un]g u Lebensforderungen, nur dürfen wir solche /
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nicht zu streng im Leben geltend machen wollen, das
Leben - wir ändern es nun einmal nicht - erträgt
solche Forderungen nicht in ihrer Strenge nicht mehr. Sie
sehen wir selbst als Männer erkennen nicht nur Ihre Gesinnungen
Grundsätze u Lebensforderungen an sondern wir übten sie
in ihrer ganzen Ausdehnung und üben sie, persönlich von ihren heilsamem
Folgen tief durchdrungen noch bis heut, dennoch können wir
eine gleiche Handlungsweise keinem unserer sich noch so eif[-]
rig und eingehend bezeugenden Lehrern, selbst nicht einmal
dennen [sc.: denen] in der Ausübung zu M muthen, die sich sogar Mitar-
beiter nennen; wollten wir unsere Forderungen, die Forde[-]
rungen unserer tiefsten Überzeugungen streng durchsetzen, so
würden wir unsere besten Lehrer verlieren. So meine
ich denn sollen wir zum Besten unserer Kinder
bei den Kindermädchen in äußeren Forderungen
etwas nachsichtig seyn, wenn nur das Mädchen
t um so treuer und sorgsamer die Haltung er[-]
füllt, doch ich hoffe wir verstehen uns nun ganz, und dieß
um so mehr als ich diese meine Ansicht keinesweges zu der
der Kindermädchen mache. Um alles nicht Gekonnte Unvoll-
kommene zum Voraus zu erwähnen, gedenke ich noch daß
die Röhr, aus wirklicher Erfahrungslosigkeit dann und wann
etwas vergessen [sc.: vergeßlich] ist; doch so viel bleibt gewiß - sie
ist in Wort u That von Gemeinheit fern und nimmt Worte
zu ihrer Besserung willig an.
Leben Sie wohl die schönsten Osterfeyertage wünscht
Ihnen und all Ihren Lieben
        Ihr
dankergebener Vetter
FriedrichFröbel /
[106R]
[Adresse:]
       Ihrer Wohlgeboren
der Frau Mgstr Fr: Schmid,
       geb. Hoffmann
in
Gera
frei!