Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 9.4.1843 (Keilhau)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 9.4.1843 (Keilhau)
(BlM XIV,24, Bl 107-108, Brieforiginal 1 B 8° 2 S.+Adr.)

Keilhau bei Rudolstadt am 9 April 1843.


       Liebste Muhme

Sie wissen und fühlen gewiß tief daß ich jedes was
mir lieb ist mit Ihnen theile und so nehme ich die
Gelegenheit wahr Ihnen einen Freund meines kinder[-]
pflegenden Unternehmens g bei seiner Durchreise durch
Gera zuzuführen; es ist dieß ein mir ganz jüngst ge-
wonnenener, oder vielmehr meines Wirkens u Wollens
gewonnener Freund
der Herr Dr Karl Schramm
aus Bunzlau in Niederschlesien[.]
Es wird mich freuen, wenn sich Gelegenheit finden
sollte I ihm manche Ihrer Erfahrungen über die An-
wendung und den Erfolg der von mir aufgestellten
Kinderbeschäftigungen und Spiele an Kindern und be-
sonders in den Familien auszusprechen. Auch ist
es mir sehr erfreulich wenn sich Gelegenheit finden
sollte sich über mich ganz offen und besonder[s] über
meine Schwächen, Einseitigkeiten ja wenn Sie wollen
selbst Fehler auszusprechen; denn es könnte seyn
daß er ein ernsteres Interesse an meinem Wirken
nehme und ich wünsche nicht, daß er selbst gegen
meinen Willen über mich geteuscht würde. Eben
so bitte ich Sie aber auch theure Muhme u Freundin /
[107R]
mir in Ihrer nächsten Zuschrift offen auszusprechen
wie Sie Herrn Dr Schramm finden. u.s.w.
Doch ich muß Lebewohl sagen.
Nur erwähnen will ich noch daß Henr: Röhr
Mondtags  Uhr von hier abgehen und daß
sie also zu der selben Tages Zeit nach Gera kommen
wird, wenn d[er] Herr Dr Schramm dort einge[-]
troffen ist.
Endlich muß ich noch sagen, daß in diesen
Tagen Frau Dressel geborne Satzinger aus Blankenburg nach
Gera kommen wird, sollten Sie diese sehen
und sollte sie sich Ihnen über die Henriette Röhr,
welche ohngefähr 3 Monate bey ihr an der
Kost und bei ihr in Wohnung war - etwas ungünstig aussprechen,
was in mancherley seinen
Grund hat, so legen Sie vorläufig darauf
keinen so großen Werth bis Sie das Mädchen
selbst gesehen haben und vertrauen Sie
zu nächst doch mehr Ihrem Vetter, u wenn auch
diesem nicht, doch der tüchtigen erziehenden Haus[-]
mutter der Fr HofAmtsräthin Hauthal[.]
Leben Sie wohl verzeihen Sie daß ich so
viel Zeit Ihnen vom Gespräch mit den [sc.: dem]
Herr[n] Dr Schramm raubte.
Ihr Vetter FrFröbel /
[108]
[leer] /
[108R]
[Adresse:]
        Ihrer Wohlgeboren
der Frau Magister Fr: Schmidt
        geborene Hoffmann
in
Gera.

        im Collegenhof
Durch Herrn
Dr Schramm aus Bunzlau
Freund unseres
erziehenden Bestrebens.
["9te April" wohl von anderer Hand]