Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 25.4.1843 (Keilhau)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 25.4.1843 (Keilhau)
(BlM XIV,26, Bl 110-112, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

       Keilhau b. Rudolstadt am 25' April 1843.·.


       Hochgeschätzte, theure Muhme.

Mit welchen lieblichen und mir werthvollen Gaben haben Sie,
hat Ihre Güte mich wiederkehrend zu meinem Lebensfeste er-
freut. Das Briefchen mit den Zeilen welche mir den günstigen
Eindruck meldeten, welchen Henriettens erstes Erscheinen auf
alle gemacht habe, kam schon am Abend vorher in meine Hand.
Ich gestehe Ihnen ganz aufrichtig, daß mir dieß, als von Ihnen
ausgesprochen, die beste und schönste Gabe war, welche mir zur
Festesfeyer nur gereicht werden konnte. Ich sehe darin Ihr Herz
welches sich den Himmel dadurch schafft, daß es andern die rein[-]
sten Freuden schaff bringt. Möge nur Henriettens Betragen,
mögen ihre Leistungen nur auch nun von der Art seyn
daß der erste Eindruck sich immer mehr rechtfertige. Gott
gebe es, denn ich gestehe es, es würde mich sehr niederschla-
gen wenn in Henrietten abermals meine schönen Hoffnungen
geteuscht würden.
Gern theilte ich Ihnen als kleine Gegengabe, f die freund-
lichen Worte mit, welche mir besonders von Midden-
dorf[f]en
als Festesgabe gereicht worden sind; doch will
es mir heut die Zeit nicht erlauben, da mich etwas
anderes Ihnen zu schreiben und mich abermals mit
einer Bitte, mindestens Anfrage, an Sie zu wenden
drängt.
War der Herr Dr Karl Schramm bei Ihnen?-
Welch einen Eindruck hat dessen Erscheinen auf Sie
und sonst auf die lieben Ihrigen gemacht?- /
[110R]
Gestern habe ich von demselben nun einen Brief
empfangen worinn mir derselbe, in Rückbeziehung
auf frühere gemeinsame Berathungen und Mitthei-
lungen schreibt: - daß derselbe auf ein Halbes- oder
ein Jahr zunächst, nach Blankenburg kommen
wird um sich dort ganz mit meinem erziehenden
Leben bekannt und vertraut zu machen in der
Absicht gemeinsam mit mir für die Einführung
meiner erziehenden Ansichten in die verschiedenen
Lebenskreise erzieh zu wirken.
Mich selbst drängen sämtliche Lebensverhältnisse
mit einer gewissen Gewalt, in welcher ich eine
höhere Lebensführung sehen muß, nach Blankenburg
zurück, so, daß schon die ersten Tage künftigen Mo-
nats uns ohne Zweifel in Blankenburg vereinigen
werden und ich gestehe es Ihnen offen, daß ich
mit großer Freudigkeit und bestimmten Hoffnungen
diesen neuen Lebensverhältnissen entgegen gehe;
ja ich trage sogar die frohe Ahnung in mir als wollte
und sollte sich mir endlich dadurch erfüllen, was ich
seit dem Tode meiner l. Fr. als schöne Lebensge-
staltung in mir trage, denn der Herr Dr Schramm
und dessen Ida sollen ein sehr glückliches Gatten[-]
und sehr beglücktes Elternpaar drei[er] lieber Kinder
seyn. In diesem Eltern[-] und Kinderkreis hoffe und
ahne ich vielmehr, gleichsam als Großvater
zu finden was längst mein Herz ersehnt. Doch
dieß führt mich jetzt zu weit und sollte eigentlich
gar nicht Gegenstand dieses Briefes seyn: Sie /
[110]
sehen daraus liebste Muhme, wie gern ich Ihnen
das Innerste meiner Lebensverhältnisse mittheile
allein dazu ist nun aber heut keine Zeit, also zur
Sache mit meiner Bitte, meiner Anfrage.
Die Familie Schramm sucht nun für deren Aufent[-]
halt in Blankenburg, der, wie Sie aus den Andeutungen
ersehen, eine ganz unbestimmt lange Dauer haben kann
eine "tüchtige Hülfe für Küche und bei den Kindern"[.]
Ich hatte Hoffnung in Rudolstadt eine solche zu finden;
doch Umstände haben mir die Hoffnung zu Wasser
gemacht; da ist mir nun der Gedanke gekommen,
welchen ich Ihnen eben zur Prüfung vorlegen
wollte: Sollte sich in Gera ein Mädchen finden,
welche sich gern mit den Kinderbeschäftigungen, mit
Kinderpflege u Kinderwartung bekannt machen
wollte ohne jedoch darauf eine besondere Zeit
noch eigene Mittel verwenden zu wollen,
so würde sich hier in der Familie Schramm in Blkbg
eine sehr günstige Gelegenheit finden: das Mädchen
hätte einen bestimmten Dienst - ihren angemessenen
Lohn - die schönste Gelegenheit sich mit dem Genannten
in Beziehung auf Kinderpflege bekannt zu machen
und könnte so die Hoffnung heegen künftig einen
Dienst mit besseren Lohn zu erhalten. Genug ich
wollte Ihnen liebste Muhme nur mittheilen um da-
durch vielleicht einem günstigeren Verhältnisse ent-
gegen zu kommen: die Familie Schramm wird in
den ersten Tagen des Monat Mai durch Gera kommen
und ich habe ihm so eben geschrieben seine Gattin
und Kinder Ihnen vorzuführen; sollte sich nun eine /
[111R]
Person Ihnen zeigen welche zum Eintritt
in das dargelegte Verhältniß geeignet u ge-
neigt wäre, so könnten Sie solche Herrn Dr
Schramm und dessen Frau wohl Gelegenheit ver-
schaffen solche zu sehen.
Verzeihen Sie mir nun ja theuerste Muhme
diese wiederkehrende Beschwerde, welche ich
Ihnen verursache, allein es liegt mir wirk-
lich daran, nach und nach, nach Gera Personen
zu bringen, wodurch sich die Früchte Ihres
so ausdauernden Wirkens daselbst immermehr
verallgemeinern möchten.-
Recht sehr bin ich erwartungsvoll auf
wiederkehrende Nachrichten von Henrietten
besonders auch aus dem Hoyelschen Hause. Sollte
nun aber die Röhr wider Erwartung wie man
zu sagen pflegt, nicht einschlagen, so bitte ich
es mir sogleich zu melden, denn dann würde ich
versuchen, sie zu einer weiteren Durchbildung wieder
in das Haus der Fr. H. Amts Räthin Hauthal
zu bringen, welche mir gesagt hat, daß auf
den Fall, daß sich die Verhältnisse in Gera
nicht machten, sie geneigt sey die Henriette
wieder zu sich zu nehmen.
Verzeihen Sie mir dieses kaum lesbare
Geschreibsele, allein unter steter Störung und
in größter Eil schrieb ich es nieder.
Mit dem reinsten Herzens Dank
Ihr Vetter
FriedrichFröbel /
[112]
[Adresse auf Briefumschlag:]
Ihrer Wohlgeboren
der Frau Magister Schmidt
in
Gera
frei.