Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 30.4.1843 (Keilhau)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 30.4.1843 (Keilhau)
(BlM XIV,27, Bl 113-114, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.)

Keilhau b. Rudolstadt am 30 April 1843.·.


        Meine liebe Muhme und theure Lebensfreundin.

Sie werden sich gar sehr wundern von mir wieder schon einen
Brief zu erhalten und werden denken beim Vetter Fröbel
bestätigt sich doch auch das allbekannte Sprichwort: "reichst
Du Jemanden den Finger so nimmt er leicht die ganze
Hand!" Ja, geschätzte Muhme, so ist es auch wirklich:
Wer so wie Sie den innigsten und förderlichsten Antheil
an meinem höchsten Lebenszweck und erkannten Berufe
nimmt, mit dem möchte ich dann auch gern alles und
jedes darauf Bezug habende theilen, was nur immer
in mein Leben wirkend eingreift. Irre ich nicht so
habe ich Ihnen schon früher mündlich oder schriftlich aus-
gesprochen daß in Frankfurt a/m auch einige Frauen sind
welche sich mit ihrer Theilnahme an meinem Kindheit pfle-
genden Wirken und ihrem ausdauernd treuen Vertrauen
an die hochgeschätzten und lieben Geraischen Frauen und
Mütter anschließen. Eine diese[r] vertrauenden Frauen
nun schrieb schon im vorigen Jahre an mich und bat
um eine Kinderpflegerin für ihre beiden lieben
Kinder; allein für die Zeit des Eintrittes war eine
so kurze Frist bestimmt, daß ich den Wünschen
derselben nicht genügen konnte; doch sprach ich ihr
aus, daß ich wohl später im Stande werden [sc.: sein] würde
dieselben zu erfüllen; und offen will ich es Ihnen
gestehen, daß ich bei der Ausbildung der Röhr
dieses Verhältniß als ihren künftigen Wirkungs- /
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[kreis] etwas mit im Auge hatte, und ich hoffte darum
wirklich auch von einer Zeit zur anderen, daß sich,
wie mir für die nächste Zukunft Hoffnung gemacht wurde
dieser Antrag von Frankfurt a/m an mich erneuen
würde; jedoch von meiner Seite dahin auszusprechen
daß ich nun ein Mädchen habe, von welchem ich hoffe
sie werde den Forderungen entsprechen, dieß hielt
ich mehrfach nicht für gut, und so war ich denn gar
sehr erfreut und Gott dankbar als Ihre Güte mir
für das Mädchen eine entsprechende Stelle vorschlug,
und noch mehr wirklich beglückt als Sie mir schrieben,
daß wenigstens der erste Eindruck den das Mädchen
gemacht habe allgemein Hoffnung erregend gewesen
sei.
Nun aber habe ich leider schon zu oft nur die Erfah-
rung gemacht, daß man sich durch den ersten Eindru[ck]
geteuscht zu haben glaubt, und so komme ich denn
zu Ihnen Sie offen zu fragen: ob dieß vielleicht bei
der Röhr auch der Fall sei.
Wäre dieß nun, so innig Leid es mir auch thun
würde, wirklich der Fall, so komme ich mit der Bitte
zu Ihnen, mir dieß sogleich zu mit umgehender
Post zu melden, um dann, wenn Sie mir nicht we-
sentlich
Nachtheiliges über das Mädchen auszu-
sprechen haben
, dasselbe für die Stelle in Frankfurt a/m
in Vorschlag zu bringen, ja, wie gewünscht wird,
dasselbe sogleich auf mein Wort dahin abgehen zu
lassen. Doch überwiegend lieber ist es mir, wenn Sie
mir schreiben können, daß man gegenseitig, wenig[-] /
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stens so zufrieden ist, daß bald ein einmüthiges Ver[-]
ständniß zu hoffen ist.
Was ich jedoch hier zu Ihnen sagte, wünschte ich der
Röhr nicht anders als im höchsten Fall der Noth
ausgesprochen, um das Mädchen in seinem jetzigen
Erwarten und Wirken nicht irre zu machen.
Ich schreibe Ihnen dieß überhaupt nur um mögliches
Unangenehme möglichst bald wieder von Ihnen und
von dem Hoyelschen Hause zu entfernen, denn
wir leben leider in einer Zeit des Schwankens,
wo am allerwenigsten auf das Bestehen dessen
zu hoffen ist, welches wir eben am meisten wünschen
wie jetzt ich, - daß die Röhr dem Verhältniße in
welchem sie jetzt wirkt, wie dieses ihr zusagen möge.
- Mein eigenstes Leben gleicht jetzt, wie es
überhaupt in seinem Charakter mit der Natur
verwandt ist, - sehr den Erscheinungen des Frühlings:
alles knospet und sprosset wenigstens in ihm, und
jeder Tag zeigt wenigstens neue Spuren möglicher
frischer und gesunder Entwickelungen. Im Laufe des nächsten
Monats und ohne Zweifel schon in der ersten
Hälfte desselben hoffe ich Ihnen mehreres darüber
mittheilen zu können geschätzte liebe Muhme.
Doch jetzt muß ich eilen daß der Brief zur Post
komme; die herzlichsten Grüße an alle die sich
meiner gütig erinnern. Stets
Ihr
gleichgesinnter Vetter
FriedrichFröbel

Kennen Sie die Gattin eines gewissen Ferdinand Flinsch, Papierfabrikbesitzer in Leipzig?-