Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 28.5.1843 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 28.5.1843 (Blankenburg)
(BlM XIV,28, Bl 115-117, Brieforiginal 1 B 8° 2 ½ S.+Adr.)

Blankenburg b. Rudolstadt am 28 Mai 1843.·.


        Theure, liebste Muhme.

Sie sind böse, sehr bös mit mir daß ich einige Ihrer so lieben
Briefe bis jetzt unbeantwortet und Ihre Wünsche, ja mei-
ne Verpflichtung so mangelhaft erfüllt habe, allein s Sie könn-
ten und würden es nicht seyn, wenn es möglich wäre, daß
s Sie sich von dem Gedräng meines Lebens seit mehreren Wochen ein Bild zu machen im Stande
wären. Seit dem Monat Febr
wo ich von hier abwesend und in Keilhau war, während wel-
cher Zeit, mir ganz unerwartete Entwickelungen in meinem
Leben vorgingen, auch mehrere Bildlinge eintraten, bin
ich wie in eine Maschine eingespannt, jeder Tag und jede
Stunde fordert ihr Recht unerbittlich und ich habe nun genug
zu thun mir die klare und ruhige Übersicht über das Ganze
zu erhalten. Wie könnte ich Ihnen alles einzelne M mittheilen
ein Brief größer als alle die von Ihnen seit meinem Schweigen
empfangene hätte ich damit auszufüllen. Dr Schramms sind
bei mir eingezogen bis ihre Möbeln erschienen und dann
wieder ausgezogen; was hängt alles an dieser einzigen
Thatsache, doppeltes Reinigen, Ordnen rc des ganzen wenn
auch kleinen Hauswesens und dabei - ganz, ganz allein
dazu die Forderung des Unterrichts, die Forderungen Rudolstadts
dabei Ausgleichung unzähliger Differenzen; endlich Ver-
mehrung der Bildlinge wie schon erwähnt, hierfür die Ordnung
des Hauswesens in Stand zu setzen u.s.w.
Doch wozu weiter ein Wort; ich glaubte Sie würden fest
bestimmt wissen hätte ich, einen Augenblick Zeit gehabt, ich würde mir /
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die Freude Ihnen zu schreiben nicht entzogen haben.-
Auch jetzt kann ich Ihnen dieß nur andeuten und nur
auf das Wichtigste muß ich mich einschränken[:]
1. empfangen Sie 2 Spiele 6. Gabe für 1½ rth.
2. 2 Ex. Ausstechhefte von No 7 u No 8 für 4 gl.
3., Ob der Nadler Wort hält und ich die längst gewünsch[t]en
½ Hundert Nadeln beilegen kann, weiß ich noch
nicht; nur ein Nadler ist hier und schwer von ihm
Kleinigkeiten zu erlangen, weil er für auswärtige
Handlungen ins Große l arbeitet. Sie folgen bei[.]
4. Das Wichtigste jedoch betrifft Henriette Röhr.
Sage[n] Sie ihr gütigst, daß ich sie um ihres eigenen
Wohles willen bitte, ja ihre jetzige Stelle nicht
eher zu verlassen, bis sich ihr eine andere darge-
boten habe und ihr dieselbe ganz sicher sey.
Vor der Hand kann ich ihr von meiner Seite auch
zu gar nichts Hoffnung machen indem mir ihr
Austritt schon jetzt ganz unerwartet kommt.
Auf Stadtilm soll sie schlechterdings nicht rechnen
und ja nicht eher als sie dort mit Personen von
Gewicht und Stimme, Rücksprache genommen hat.
Sehr übel hat Henriette gethan, daß, wie ich
höre sie im Ausdruck ihrer Dankbarkeit Herrn
Lehrer Menger in Stadtilm etwas zurück gesetzt hat,
dieser hätte ihr jetzt, wie ich glaube von großem
Nutzen seyn können. Doch ich will sehen was zu
thun ist, nur soll sie ausdauern; allein von Stadtilm
erwarte ich keinesweges etwas.
Eiligst muß ich schließen bald mehr von Ihrem stets gleichgesinnten
Vetter Fr Fröbel /
[116]
Bitte: Wie hat Ihnen Herr Schöpper
aus Landsberg an d. W. gefallen?- /
[115R]
(Nachschrift auf dem Rand neben der Nr. 4)
Übrigens grüße ich Henrietten freundlich.
[116R]
[erste, innere Adressierung:]
Frau Mag. Schmidt
  wohlgeb.
         Gera /
[117]
[äußere Adressierung auf Briefumschlag:]
Ihrer Wohlgeboren
der Frau Magister Schmidt
in
Gera
frei!