Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Pauline Hauthal in Rudolstadt v. <Juli> 1843 (Blankenburg)


F. an Pauline Hauthal in Rudolstadt v. <Juli> 1843 (Blankenburg)
(BN 467, Bl 3, undatierter Entwurf 1 Bl 8° 1 S. Datierung: Briefliste Nr.1115 dat. „(1842)“. Es fehlt der Korrespondenzbrief mit der Anfrage Hauthals. Der älteste erhaltene Brief Hauthals stammt vom 17.1.1844. Da soll Caroline Renovanz bereits eine Stelle vermittelt werden. Hier steht die Ausbildung bei F. zur Diskussion. – F. schreibt am 19.9.1843 an F. Schmidt [128R], diesen Sommer sei „auch eine Tochter [Caroline] des verstorbenen Buchhändler[s] Renovanz in Rudolstadt“ in Bl. zur Ausbildung. F. begann den Sommercursus Anfang Mai. Der vorliegende Entwurf geht von einer verkürzten Ausbildung C. R.’s aus [F.s gegenwärtige Schülerinnen hätten bereits „seit Monaten Unterricht u Übung“]. Wenn die gängige Bezeichung „seit Monaten“ 2-3 Monate bedeutet, hätte Caroline R. frühestens im Juli 1843 ihre Ausbildung in Blankenburg begonnen. Entsprechend würde auch das Datum des vorliegenden Briefs lauten: <Juli> 1843.)

Verehrte Frau Hofamtsräthin

Auf Erlauben Sie mir die im [sc.:in] Ihrer geehrte[n] Zuschrift vom gestrigen in <Bezieh[ung]> auf Frl. C. R. [sc.: Caroline Renovanz] an mich gethanenen
Fragen einzeln beantworten zu dürfen[.]
< ? > Erstl. werde ich zwar die gedachte Frl zwar gern für die Zahl meiner gegenwärtigen
Schüler aufnehmen, da jedoch diese schon seit Monaten Unterricht u Ubg [sc.: Übungen]
erhalten haben würde es nöthig seyn sie ihr in mehre[re]n Beziehungen einzeln zu
belehren, doch würde sich dieß wohl ordnen lassen da indem ich in Beziehung auf Ihre
zweyte Frage:
Wo könnte dieselbe während ihres Aufenthaltes in Blankenb[ur]g
Aufnahme finden?- Ihnen nach der jetzigen Gestaltung meiner häuslichen Verhältnisse
der Fra Ihnen für die Frl. R. dasjenige Kämmerchen in meinem Hause -
<welches> früher für die Gehülfin meiner Fr: benutzt wurde - zum Schlafraume
an bieten kann wenn ihr anders dieß da es ein Dachkämmerchen ist
zusagen könnte. Freylich müßte sie auch für ein Bett sorgen[.] Zu ihren Arbeiten würden sich ein anderen angemessenen Zimmern Raum u Platz in m[einem] Hause
finden.
Nun fragen Sie aber
drittens unter [we]lchen Bedingungen ich die gedacht[e] Frl aufnehmen könnte?-
Die Bedingungen sind nun von meiner Seite sehr einfach indem sie sich blos auf
den Unterricht beziehen, davon nachher; allein die Sorge für die
Kost <Wäsche> u oder den gesammten Unterhalt müßte ich der Frl. R. selbst überlassen, indem ich
selbst, sobald die <Braut> des Herr[n] Dr Schramm mit welcher ich in diesen [sc.: diesem] Augenblick da sie bey mir in m[einem] Hause wohnt an ein[em]
Tische esse, ihre eigene Wohnung bezogen haben wird, was ohne Zweifel in diesen Tagen geschiehet -
mich wieder vom Speisehause aus beköstigen lassen werde, indem weil ich wo jetzt alles so enorm
theuer ist, daß ich glaube das man steht sich im [sc.: in] einem Verhältnisse wie das meine, wo
auch das Geringste theuer bezahlt werden muß beym Speisen aus dem Rasthause billiger als bey
<Besorgung> des Tisches im Hause. Auf welche Weise u wie billig sich daß die Frl. R <nun> ihre
Beköstigung einrichten wolle müßte ich ihr g[an]z selbst über anheimstellen.
Sie wünschen nun zuletzt die ["]möglichst billigsten Bedingungen" was soll ich dazu sagen
1.) Will ich wie gesagt schon < ? ? sehr hatte> wohl das gedachte Kämmerchen, so wie sonst die Benutzung von Zimmern
gern unentgeldlich hergeben[.]
2.) Will ich auch keines weges zunächst das Honorar - ob sie gleich Frl R. viellseitig [sc.: vielseitig] allein belehrt werden
mußt [sc.: müßte] u die Förderung dieser Belehrung ausgedehnter als bey den <grösseren> Mädchen seyn würde - höher
stellen als das bis jetzt für diese festgesetzt billigste neml[ich]; vierterljährlh [sc.: vierteljährlich] <Rth 1> für ¼ Jahr. Ich wollte nun wohl auch
gern dieß nicht erwähnen, allein ich bin bisher u selbst bis in diesen Augenblick
so mit <Verzichtleistung> auch < ? > dieses an sich klein[en] Betrag gedrängt worden, daß ich offen gestehen muß ich
nicht einsehe nicht ein wie ich auf diese W[eise] die Erreichung meines Zieles <gelangen> [sc.: erlangen] kann. 3) 6 Rth / 2 Rth <auch> Dennoch will ich darüber
mit Ihnen gern noch besonders besprechen, wenn Sie glauben <wohl> sollten, daß es nicht mögl seyn sollte die Unter-
stützung der Frl. R bis zu diesem Punkt zu erreichen. [Text bricht ab]