Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 20.7.1843 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 20.7.1843 (Blankenburg)
(BlM XIV,30, Bl 121-122, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Blankenburg b. Rudolstadt am 20 Jul. 1843.·.


Theure, liebe Muhme.

Schon wieder erlaube ich mir Ihnen eine muthmaßliche
Verbreiterin der hier und von mir angebahnten Bethäti-
gungsweise kleiner Kinder - ja was wie ich hoffe eine einstige
wirkliche Kindergärtnerin zu zuführen und ihre [sc.: ihr] Ihre gü-
tige und belehrende Bekanntschaft zu verschaffen. Es ist
dieß Jgfrau Christiane Samsche aus Penig b. Leipzig.
Die Frau Gräfin von Schönburg-Wechselburg sandte
dieselbe vor 4 Monaten hierher, um sich die hier ausgeführte
Spiel- und Beschäftigungsweise so anzueignen, daß sie eine
von der Frau Gräfin in Wechselburg errichtete Verwahr-
anstalt führen, oder wie ich meyne, solche zu einen [sc.: einem] ächten
Kindergarten empor bilden könne.
Die Jgfr Christiane Samsche ist, wie Sie bald finden
werden eine einfache, aber leicht eingehende, besonders
kinderliebende, gemüthliche und treusinnige Person,
ich hoffe deßhalb Gutes von ihr, darum freue ich mich
von Ihnen zum Voraus die Erlaubniß zu haben derselben Ihre
Bekanntschaft verschaffen zu dürfen; denn es ist für
ein solches Mädchen gar zu wichtig daß sie sieht
es beschäftigen sich gebildete, erfahrene Frauen und
Mütter mit einem Gegenstande welcher ihrer Aus[-]
führung und Pflege übertragen worden ist. Wenn
es auch solche Frauen nur einmal sieht und mit Ver-
trauen und Achtung von jenem Gegenstand sprechen
hört.-
Zugleich habe ich die Freude Ihnen endlich auch die /
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weitere Nachricht und Rechenschaft von dem Fortgange
des deutschen Kindergartens für Sie und für alle
diejenigen welche durch Ihre gütige Verwendung
zur Förderung desselben unterzeichnet haben, zu
übersenden. Sie, theure Muhme haben wohl die
Freundschaft für mich solche an die resp: Mitunter-
zeichnerinnen abzugeben, darf ich Sie noch besonders
bitten, mit der gütigen Bemerkung, daß sie die,
nach der in dem Schriftchen enthaltenen Einladung,
nun einzuzahlenden Unterzeichnungsgelder zu geneig-
ter Einsendung an Sie abgeben möchten. Doch hängt das
Hinzufügen dieser Bemerkung, wie es sich von selbst
versteht ganz von Ihrer Güte und von Ihrem Mitwun-
sche ab, dadurch die baldige Ausführung des Ganzen zu
fördern; denn es zahlt wohl manches [sc.: mancher] gern das Geld
wenn es nur der Mühe der Weiterbeförderung über[-]
hoben ist, können und wollen Sie nun aber diese Mühe
übernehmen?-
Von jeher wissen Sie, daß Ihr Vetter, wenn er bit-
tend kommt gleich mit mehreren Bitten zugleich
erscheint, und so ist es leider heut wieder der Fall.
Irre ich nicht, so hatte bald nach Veröffentlichung
des Gedankens der Ausführung eines deutschen Kin-
dergartens der hochgeschätzte Vetter Ihr l. Mann
die Freundlichkeit in Ihrem Localblatte: dem Ge-
raischen Anzeiger, oder wie es heißt, eine Notiz und
eine warme Aufforderung zur befördernden Theil-
nahme mit ein paar Worten einrücken zu lassen.
Dürfte ich denselben, unter herzlicher Begrüßung, /
[122]
nun wohl freundlichst bitten in demselben Blatte nun
in Rückbeziehung auf das früher in ihm Ausgesproche[ne]
eine Anzeige von der jetzt erschienenen Nachricht und
Rechenschaft und von dem gegenwärtigen Zustande der
Unternehmung zu veranlassen, vielleicht aus för[-]
dernder Theilnahme an demselben diese Anzeige selbst
mit einigen Worten zu verfassen und der Redaction
des Blattes zu gefälliger Benutzung zu übersenden.
Wenn auch nicht eben bestimmte Resultate von
einer solchen Anzeige zu erwarten sind, so ist es
doch immer sehr gut, wenn das Publikum nicht
allein vom Fortgange sondern auch von dem [sc.: den] Er[-]
gebnissen und dem Stande der Unternehmung un[-]
terrichtet wird. Ist nun eine solche Anzeige
erschienen so darf ich Sie l. Muhme wohl um die
Mittheilung derselben bitten. Derselben wäre
wohl noch die Bemerkung hinzuzufüh hinzuzufügen, daß
das Schriftchen
"Die Nachricht u Rechenschaft"
in der Expedition des Blattes "gratis" zu haben
sey. Zu diesem Ende und überhaupt zu Ihrem be[-]
fördernden gütigen Gebrauch lege ich einstweilen
noch drei Exemplare unbestimmt hier bei.
Auch den resp: Unterzeichnerinnen bitte ich aus[-]
zusprechen, daß dieselben zur weiteren Beförde-
rung des Unternehmens stets gedachtes Schrift[c]hen
"gratis" von Ihnen empfangen können und bitte
ich Sie nur mich mit dem ferneren Bedarf desselben
bekannt zu machen, sogleich werde ich Ihnen die
gewünschte Anzahl weiterer gern übersenden.- /
[122R]
Nun Einiges über den Fortgang des Ganzen.
Die Stahlplatten zu den Mutter- Kose- und Spielliedchen sind
nun fertig demnächstens wird der Druck des Ganzen be-
ginnen, so daß ich hoffe zu Michaelis soll das Werk
erscheinen; dieß zur Nachricht für etwaige Theilnehmerinnen.
- Das Manuscript zu dem Ball ist auch fertig und wird
der Druck beginnen sobald als der der Koselieder beendigt
ist. Die Balllieder sind auch ganz von neuem redigirt
durch unsern Herrn Kohl und werden vielleicht noch
früher als d[ie] Schrift für sich selbst, wie später mit der[-]
selben zugleich ausgegeben werden; sie erscheinen wie
in einem neuen Frühling jedes in Einklang mit dem Ganzen
und in Übereinstimm[un]g mit sich.-
Auch die Bauliedchen erwarten eine neue Wiederge[-]
burt, mit etlichen 60w ist sie vollendet; auch sie gehen
in Hinsicht auf Gesang und Tonsetzung durch Herrn Kohl
unter Rücksprache mit Herrn Middendorff u mir einer
neuen Redaction entgegen[.] Überhaupt ist mit der 3en
Spielgabe, wie mit dem Ball eine große Ausbildung und
Vervollständigung vorgegangen. Im Allgemeinen
reift jetzt das Ganze täglich seiner Vollendung entgegen[.]
Wenn mir Gott das Unternehmen des deutschen
Kindergarten[s] segnet und die Ausführung desselben zu[-]
nächst nur in soweit gelingen läßt, daß ich von
den Zinsen des eingehenden Kapitals (Siehe Nachricht)
eine Kindermutter für den ganzen Tag und das
ganze Jahr anstellen kann, dann sehe ich mit größter
Freudigkeit auch Ihrer baldigst wiederkehrenden
Prüfung meines Wirkens entgegen. Von allen in K.
die herzlichsten Grüße wie auch von mir an alle.
Friedrich Fröbel