Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Professor <Lommatzsch> in Berlin v. <17./20.> 8.1843 (Blankenburg)


F. an Professor <Lommatzsch> in Berlin v. <17./20.> 8.1843 (Blankenburg)
(BN 687, Bl 13-14, hier:13R-14V, undat. Briefentwurf fol. 1 ¼ S. Die Datierung ergibt sich aus F.s Brief an einen Vetter seiner Frau in Berlin vom 17.8.1843 auf gleichem Briefbogen. Der erwähnte Briefbote ”Rudolph” ist wiederum Rudolph Just. Adressat könnte „Lommatzsch“ sein, ehemals Keilhauer Lehrer, nun Gymnasialprof. in Berlin; wird von F. im Brief an Weiß v.20.8.1843 als Berliner Bekannter genannt.)

       Verehrtester HErr Professor
Sie haben Sich vor einigen Jahren so treu u aus[-]
dauernd der Förderung eines der in der Kindheit neu aufkeimenden
deutschen Menschheit gewidmeten
Erziehungsunternehmen – der Förderung des deutschen
Kindergartens so angeleg[ent]lich angenommen.
Pflicht ist es mir deßhalb Sie wenigstens mit
dem Fortgange u dem gegenwärtigen Stande dieses
Unternehmens zuviel bekanntzu machen; darum
benutze ich die Rückkehr unsers braven Rudolph
ihres [sc.: Ihres] wackern Vetters in seine Vaterstadt um Ihnen
einige Exempl. der jüngst so eben erscheinenden Nachricht u
Rechenschaft von dem deutschen Kindergarten zu
verschicken. Mögen Sie Sich daraus überzeugen daß
wenn der Fortgang auch still langsam u unbemerkt
geht, daß dennoch Gottes Seegen auf ihm ruht, daß
die sichere Hoffnung da ist daß Gott Vertrauen u Ausdauer
das Unternehmen ferner zu seinem Ziele führen wird. Mögen
auf diesem sichern Grund Sie auch Sie Sich nach wieder[-]
gekehrter u sich die Bewährtenung als Ergebniß gebrachten
Prüfung sich aufgefordert fühlen, so weit es
immer die Verhältnisse Ihres Wirkens u die
Berlins überhaupt es gestatten mit ihren [sc.: Ihrer] kleinen
oder großen zeit
hoffentlich der zweyten in kleiner oder großer Erfüllung in
für die Förderung der Sache zu wirken u möchte
es Ihnen gefällig seyn mir gelegentl von der
jetzigen Stimmung Berlins dafür einige Nachricht zu
geben. Auch Bemerken will ich nur daß seit
den [sc.: dem] letzten Jahre einige praktisch erfahrene wie
durchgebildete preußisch Pädagogen sich langer Zeit
z. B. aus Weißenfels [Lücke], aus Landsberg an der Wart[h]e
<Schopper> (Direkt[or] einer Präparandenanstalt[)] ,<Kehr> ein <Stadt-> u Rüdiger Oberlehrer /
[14V]
an der Übungsschule u Lehrer der Pädagogik an
dem theol. Seminar in Witten]berg] sich hier in längeren
Zeiten den Gegenstand prüfend ent[gegen]gehalten haben
u daß sie mit den allergünstigsten Äußerungen u
wie es schien tiefsten Überzeugung von der g[an]zen Erscheinung
der Sache von hier gegangen sind.
Möchte doch auch ein in einer großen Wirksamkeit
besonders in unmittelbarem Lebensverbande wie
den das Pädagogische in Berlin leitend befördernd
stehende geistvolle u vrfassungsreiche, menschl
freundl. u Kinderliebende Mann Berlins, auch
zu pflegende Familie
recht bald sich zu
einer durchgreifenden Prüfung des Gegenstandes
hier einfinden. Läßt sich nicht wenigstens ein
solcher Gedanke verbreiten. –
Genehmigen sie [sc.: Sie] die Versicherung innigster Hochachtung
u Verehrung
Ihres
Dankbar ergebenen
Fr Fröbel