Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 20.8.1843 (Blankenburg)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 20.8.1843 (Blankenburg)
(Zu diesem Brief gibt es 2 Dokumente: BN 687, Bl 14-15, undat. Entwurf 1 B fol 4 S.; BN 687, Bl 17-19 Brieforiginal, 1 ½ B 4° 5 S., zit. König I/1984, 68. - Die beiden Bögen in BN 687 enthalten fünf weitere Entwürfe: Lied: "Was will der Sänger und sein Lied" v. 17.8.1843 [2 Entwürfe: Bl 13-14.15-16]; Brief an einen Vetter [Pochhammer] in Berlin v. 17.8.1843 [Bl 13]; Brief an einen Direktor [Zeue] in Berlin v. zw. 17.8. u. 20.8.1843 [Bl 13] und Brief an einen Professor [Lommatzsch] in Berlin v. zw. 17.8. u. 20.8.1843 [Bl 13R-14]. Datierung des Entwurfs an Weiß und der anderen Briefentwürfe: Papier wurde zunächst für die zweifache Niederschrift des Liedes am 17.8. benutzt; am 20.8. wurde Reinschrift des Briefes an Weiß abgefasst.)

a) Entwurf

In[n]ig Hoch Verehrter Herr Prof[es]sor u Director

Irre ich nicht sehr so sind es über 10 Jahre her seit
ich mir nicht erlaubte Ihnen auf irgend
eine Weise unmittelbare Kunde von dem
Fortgange meines erziehenden Wirkens u meiner volks-
thümlichen u nationalen Erziehungsunternehmen zu geben. Viel
ist seit jener Zeit geschehen. In der Schweiz wirkte
ich, wirkte viel, begründete u begründete fest, und
kehrte durch Sorge für Gesundheit eine Lebensverlängerung meiner
geliebten Gattin genötigt wieder nach Deutschl. zurück doch ließ ich
in der Schweiz Freunde u Männer von Charakter zur
Fortführung meiner Unternehm Gründung zurück u merkwür[di]g
der erste meiner Zögl. wurde wie er auch der erste Mitbe-
gründer meines erziehenden Wirkens in [der] Schweiz wurde, so
auch der E gleichsam der Erbe meiner Wirksamkeiten daselbst
Ferdinand Fröbel wurde u ist jetzt der Direktor so wohl
des sämtl. Element begründungs Unterrichtes als auch der Waisen-
hauserziehungsanstalt in Burgdorf (dem [sc.: der] <reichlich> längst bekannten)
u Langethal ist Dir hat einen Ruf als Director der Großen
Töchterschule in Bern gefolgt wo er im glei einigen Geiste mit
uns uns u den Freunden in Deutschland fortwirkt. - Gott hat bisjetzt noch
keinen von uns allen aus unserer geeinten
Wirksamkeit abger. Mein alt wenn auch alter Bruder, Midden.
Barop u ich mit besonders einem jüngsten aber lebensverbundenen Freunde
Herrn Kohl wirken geeint in Gesinn[ung]
u That hier fort. Ich zwar nicht unmittelbar
in Keilhau sondern in dem eine Stunde davon belegenen [sc.: gelegenen]
Blankenburg, wohin ich mich zur Pflege der Gesundheit
meiner nun aber seit 1839 verstorbenen Gattin im Jahr /
[14R]
1837 aus der Schweiz zurück zog um dort
dem Studium u der Ausführug einer frühester
entsprechender Kinderpflege u Erziehung, besonders
durch Pflege des so regen Beschäftigungstriebes der
Kindheit und Jugend zu leben. -
Die Gesinnung in welcher nicht nur das Wirken
begann sondern auch vertrauend fortgeführt
wurde brachten demselben den Seegen den es zu
seiner [sc.: seinem] Bestehen u seiner Fortentwicklung bedurfte.
Nur in Natur u Geschichte u darin gegründeten
ächtem Wissen des Gegebenen u somit in ächtem
tiefen Gottvertrauen und besonders in einem Gefühle nie zu genügenden
Dankes für alles so Gegebene u Daseyende kann ein solches Wirken
begründet werden, in diesen Gesinnungen nun
in welchen ich die nun <1817> G. u. d. [sc.: gegründete und die] schon ihr erstes 25 Jährig[es]
Jubelfest gefeyert habende Allgem. d. Erz.
Anst[al]d zu Keilhau - 1817 das lebendige
Denkmal Luthers stiftete - in diesen sich nun
in mir ganz gleichbleibenden Gesinnungen gründete
ich auch zur Feyer des 400 jährigen Jubelfestes
der hohen Guttenbergsgabe - eine [sc.: ein] neues
Deutsches Erziehungsunternehmen -
ein Erziehungswerk zu früher entsprechen[der]
Pflege der Kindheit u J darum
"Deutschen Kindergarten"
genannt zu und als ein Fortgehendes, nicht
todtes, sondern stets sich lebendig - wie alles
in Natur u Geschichte - sich aus sich selbst fort-
entwickelndes Na
"Deutsches National Werk"
Und Gott segne Und - so still u langsam so
unscheinbar u unbeachtet es sich auch fortwuchs
Gottes Segen war mit ihm wie [er] mit meinen beyden
ersten Unternehmungen thatsächlich war und ist.
Nun komme ich - da sich mir eben durch die Rück-
kehr eines unserer lieben Zögl. eines Schwester
Sohnes der verehrten Schleiermacher Rudolph Just -
eine günstige Gelegenheit dazu darbiethet - um
Ihnen die jetzt eben erscheinende Schrift
u Rechenschaft von dem Fortgange des deutschen
Kindergartens als
eines deutschen Nationalwerkes
vorzulegen. Prüfen Sie, prüfen Sie ernstlich
das Unternehmen auf seinen Geist, seine
Grundlage, es braucht in keiner Hinsicht wohin /
[15]
sich auch immer diese Prüfung u wie tief
sie gehen möge zu scheuen, sie hat die ewigen
Fundamente des Gegebenen, der Lebens-
der Natur u Geschichts, der Gemüths u
Geistesthatsachen für sich. Nun sehen Sie
hochverehrter Herr Professor in dem Zusammenhang
u Einklang mit diesen Unwandelbaren
will ich ewig dem eigenen wie dem einigen Gesetze treu
will ich frühe die deutsche Menschheit
schon in ihrer Erscheinung als Kindheit einführen
mindestens in diesen Gesinnungen zunächst pflegen
machen, das ist mein Streben.
Möchten Sie mich verstehen, u gewiß Sie
verstehen, den ich achte mich würdig, wenn
auch der geringste, doch einer der nachgehendsten
Ihrer Schüler u Jünger, mindestens einer
der dankbarsten - denn nie wird mein Geist
aufhören ihres Wirkens für mich dankbar zu gedenken.
Sie hatten zwar Recht u mehr als hundert mal im Leben
habe ich Ihres gleichsam prophetischen Wortes
gedacht u gegen meine Freunde ausgesprochen:
        "Fröbel wenn Sie gehen werden Sie ein Bettler"
Ich bin es seit jener Zeit ich darf sagen unzählig
oft geworden u bin es eigentl. jetzt allein ich
bin es nicht um meinet sondern ich darf sagen um
aus Liebe zu meinem Volke willen der in der
Kindheit wieder neu erblühenden Menschheit willen
Ich brauche nichts für mich denn Gott gab mir
keine Kinder damit die Kinder meines Volkes
mir Kinder seyn sollte[n] u Hunger u entbehren
habe ich gelernt und selbst Sturm u Wetter
zu ertragen den[n] Gott führte mich durch Lützow[s] Schule
Und so ist es das Schwer mit meinen beyden
Freunden L. u. M. sehe ich mich als ein ächtes Lebens
Zweig ja als einen kräftigen Ast aus der deutschen Lützows
Eiche an, das Schwert ist zum
Lilienzweig der Kinderführung geworden u
das Feuerrohr zum Liebeswort für selbige.
Darum hochverehrter Herr Professor
mir väterlicher u brüderlicher Freund
bewährt sich mein Wirken vor u in Ihrer Prüfung
tritt ihnen aus dem Außen das innen im scheinbar Kindischen vielleicht das kindl. u <manchmal>
im unbedeutenden das Bedeuten[de] u im scheinbar unwichtigen selbst das Lebenswichtigste [entgegen] /
[15R]
dann wirken Sie, wie es Ihnen nur immer mögl.
ist in kleinen u großen Kreisen für das Bestehen u die Fortentwickelung der
Sache, vertrauen
Sie einmal wieder einem Mann Ihrem Schüler und Jünger
es wird sich wenn auch in eigener Form bewähren
wofür Sie wirken Ich hoffe Ja ich hoffe könnte ich
Ihnen das Ganze so vorführen wie es jetzt schon aus
gebildet u in der Anwendung u Ausführung vor
liegt, Sie würden gewiß darin wenn auch nur
im Keime u als Senfkorn, demnach Ihr eigenstes
reinstes u letztes Streben wiederfinden. Darum
suchen Sie mindestens damit bekannt zu machen
wem irgend es Ihnen mögl. ist. Ich bin seit
dem Tode meiner Frau Berlin fremd geworden
ich weiß nicht mehr wer noch lebt u wo die noch
lebenden wirken sonst wie aber leben noch
Männer wie Süvern, Nikolovius, Uhden
Savigny rc rc die früher das lebendige Denkmal
Luthers so kräftig stütz[t]en so bringen sie das jetzige
Unternehmen ihnen nahe, was jenes als ich möchte
sagen als Familien Sache höchstens als Sache des
Kirche re[li]g. Glaubensbekenntniße[s] war ist dieß als
Sache des Volkes, der Menschheit ich möchte
sagen als Sache des höhern u höchsten wenn
auch noch ungeschriebenen doch in Gottes
Welt vielseitig treu ausgesprochenen menschheitl.
u menschheitsglaubensbekenntnisses -
Fragen Sie mich: Kennen Sie keinen Mann in Berlin
der für die Sache wirkt? - So kann ich Ihnen bis jetzt
nur einen nennen der für die Sache ich
glaube begeistert thätig ist es ist dieß der
Professor Lommatzsch; doch kenne ich weder seine
Verhältnisse noch sein Streben noch seine Wirksamkeit.
Könnte Zeue in seiner wie ich jetzt höre er-
weiterten Stellung Wirksamkeit etwas für die
Sache thun? -
Wollen Sie mich u uns wohl gelegentlich mit
ein paar Zeilen Antwort beehren u erfreuen.
Von meinen Freunden Middendorff u. B. hier
verehrungsvolle Grüße. Wie ich den <einen> hochachtungsvollen
Gruß Ihr[er] Fr. Gemahlin zu sagen bitte.
Mit immer gleich[er] Gesinnung
Ihr
dankbar ergebenster
FrFröbel

b) Brieforiginal

[17]
Verehrtester Herr Professor.

Irre ich nicht sehr, so sind es über 10 Jahre her, seit ich mir nicht erlaubte
Ihnen auf irgend eine Weise unmittelbare Kunde von dem Fortgange mei-
nes erziehenden Wirkens und meiner nationalen Erziehungsunternehmen zu
geben. Vieles habe ich seit dieser Zeit durchlebt. In der Schweiz wirkte ich und
wirkte viel, begründete und begründete fest, letzteres besonders im Canton
Bern, mußte aber im Jahre 1836 durch Sorge für Lebensverlängerung meiner
geliebten nun aber verklärten Gattin nach Deutschland zurückkehren, doch ließ
ich in der Schweiz Freunde und Männer von Einsicht und Charakter zur Fort-
führung meiner Gründungen zurück, und merkwürdig: der erste meiner
Zöglinge bei Begründung der allgem: deutschen Erz. Anst. in Keilhau wurde,
wie er der erste Mitarbeiter und Mitbegründer meines erziehenden Wirkens
in der Schweiz ward, so auch gleichsam der Erbe meiner schönsten Wirksam-
keit daselbst; Ferdinand Fröbel wurde und ist jetzt der Director sowohl
des sämtlichen Begründungsunterrichts, als auch der Waisenhauser-
ziehungsanstalt daselbst, nemlich in Burgdorf Canton Bern; Langethal hat
einen Ruf als Director der großen Töchterschule in Bern gefolgt, wo er
im Geiste mit uns in Deutschland und für gleiches Ziel fortwirkt.
Gott hat somit bis jetzt noch keinen von uns allen aus unserer geeinten
erziehenden Wirksamkeit abgerufen. Mein wenn auch nun alter Bruder,
Middendorff, Barop und ich mit besonders einem jüngeren aber auch
Geistes verbundenen Freunde, Herrn Kohl wirken geeint in Gesinnung und
That hier fort. Ich, zwar nicht unmittelbar in Keilhau, sondern in dem
eine Stunde davon gelegenen Städtchen Blankenburg, wohin ich mich zur
Pflege der Gesundheit meiner nun aber seit 1839 verklärten Gattin in
Jahr 37 zurück zog und um dort zugleich dem Studium und der Aus-
führung frühester entsprechender Erziehung und Kinderpflege besonders
durch richtige Leitung des so regen Beschäftigungstriebes der Kindheit zu leben. /
[17R]
Die Gesinnung in welcher nicht nur das Wirken und Werk begannen, sondern
auch vertrauend fortgeführt wurde, brachten demselben den Seegen, den
es zu seinem Bestehen und seiner Fortentwickelung bedurfte.-
Nur in Natur und Geschichte und darin gegründeten ächtem Wissen
des Gegebenen, somit in ächtem tiefen Gottvertrauen und besonders in einem
Gefühle nie zu genügenden Dankes für alles so Gegebene und Daseyenden
kann ein solches Werk begründet werden. In diesen Gesinnungen nun,
in welchen ich vor mehr als 25 Jahren die Erz. Anst[alt] zu Keilhau - 1817 das
lebendige Denkmal Luthers stiftete - in diesen sich immer in mir ganz gleich
bleibenden Gesinnungen gründete ich auch zur Feyer des 400jährigen Jubel-
festes der hohen Guttenbergs Gabe ein neues deutsches Erziehungsunterneh-
men - ein Erziehungswerk für frühe entsprechenden der Kindheit und
der Verallgemeinerung derselben, in erster beider Beziehung darum - ["] deutscher
Kindergarten
" genannt, zu einem und als ein Fortgehendes, nicht todtes
sondern stets sich lebendig - wie alles in Natur und Geschichte - sich aus
sich selbst fortentwickelndes
"deutsches Nationalwerk".
Und - so still und langsam, so unscheinbar und unbeachtet es auch bisher
fortwuchs, Gottes Seegen war mit ihm, wie mit meinen beiden ersten
Unternehmungen er thatsächlich war und ist.
Nun komme ich, da sich mir eben durch die Rückkehr eines unserer
lieben Zöglinge, eines Schwestersohnes der verehrten Schleiermacher -
Rudolph Just - eine günstige Gelegenheit dazu darbietet, - um Ihnen die
jetzt eben erscheinende "Nachricht und Rechenschaft von dem Fortgange
des deutschen Kindergartens, als eines deutschen Nationalwerkes
["] zu freund-
schaftlicher Beachtung und zugleich vertrauensvoll vorzulegen.
Prüfen Sie, prüfen Sie ernstlich das Unternehmen auf seinen Geist,
seine Grundlage, es braucht in keiner Hinsicht, wohin sich auch immer diese
Prüfung wende, und wohin wie tief sie gehen möge, dieselben zu scheuen, sie hat die ewigen
Fundamente des Gegebenen, der Lebens-, der Natur- und Geschichts-, /
[18]
der Gemüths- und Geistesthatsachen für sich. Im Zusammenhang, Einklang u.
Einigung nun mit diesem Unwandelbaren, ewig dem eigenen Gesetze
des Einzelnen wie dem einigen des Ganzen treu, suche ich früh die auf-
keimende deutsche Menschheit zu erfassen, will ich sie in ihrer Erscheinung
als Kindheit einführen; in diesen Gesinnungen suche ich die Pflege und
Erziehung jedes deutschen Kindes besonders schon in den so hochwichtigen
Jahren seiner Vorschulfähigkeit, in dem Alter bis zum 6' Jahre zunächst
allgemein zu machen, namentlich durch richtiges Behandeln seines Beachtungs-
seines Spiel- und Beschäftigungstriebes - dieß ist mein Streben.
Möchten Sie, hochverehrter Herr Professor! mich verstehen, und ge-
wiß Sie verstehen mich auch, denn ich achte mich würdig wenn auch der
geringsten einer, doch auch einer der nachgehendsten Ihrer Schüler zu seyn,
doch aber auch einer der dankbarsten, denn nie wird mein Geist aufhören
Ihres Wirkens für mich dankbar zu gedenken.
Sie hatten zwar Recht, und mehr als hundert mal im Leben mag ich Ihres
gleichsam prophetischen Wortes gedacht und es gegen meine Freunde erwähnt haben.
"Fröbel, wenn Sie von hier gehen, werden Sie ein Bettler!["]- Denn ich bin es seit je-
ner Zeit ich muß es sagen unzählig oft geworden; allein ich darf sagen ich bin es
nicht durch einen selbstsüchtigen, eigennützigen Zweck meiner, sondern ich bin es aus
Liebe zu meinem Volke, zu der in seiner Kindheit immer wieder neuerblühenden
deutschen Menschheit geworden; ich bedarf nichts zu einem anderen Zweck, als
für den, der mich unmittelbar zum Ziele führt. Gott gab mir keine Kinder
damit die Kinder meines Volkes mir und meine Kinder seyn sollten.
Hungern und Entbehren habe ich auch gelernt und selbst Sturm und Wetter
auf den Wegen zum Ziele zu ertragen, denn Gott führte mich ja durch
Lützow's Schule und so ist es, dieß alles halte ich als Geschichtsthatsachen
tief gegründet, um zu einem deutschen Volks- ja auch nur eines Kindheits-
erzieher gebildet zu werden; ja ich gestehe es offen: mit meinen beiden
Freunden L. M. sehe ich mich als einen gesunden kräftigen Ast aus der deutschen
Lützows-Eiche an; das Schwert ist zum Lilienzweig der Kinderführung /
[18R]
geworden, und das Feuerrohr zum Liebeswort für selbige.
Darum hochverehrter Herr Professor! mir väterlicher und brüderlicher
Freund! bewährt sich mein Wirken vor und in Ihrer Prüfung, tritt
Ihnen aus dem Einzelnen das Ganze, aus dem Äußeren das Innere, im
scheinbar Unbedeutenden das Bedeutende, in scheinbar Zufälligen und Will-
kührlichen, das Nothwendige und Gesetzmäßigste, in dem scheinbar Unwich-
tigen selbst Lebenswichtiges entgegen, dann wirken Sie verehrtester Herr
Professor! wie es Ihnen nur immer möglich ist, in kleineren und größeren Kreisen
für die Fortentwickelung der Sache und vor Allem für möglichst baldige und nach
Möglichkeit vollkommene Ausführung "des deutschen Kindergartens". Ver-
trauen Sie wieder einem Manne, Ihrem Schüler; es wird sich in seinem Wir-
ken, wenn auch in eigener Form bewähren, wofür Sie wirken, wofür Sie die
jungen, strebenden Geister zu gewinnen suchen. Ja ich hoffe könnte ich Ihnen
das Ganze so vorführen, wie es hier jetzt schon ausgebildet in der Anwendung
vorliegt; Sie würden gewiß darinn, wenn auch nur im Keime und als Senf-
korn wiederfinden was das eigenste und letzte Ziel Ihres wissenschaftlichen
Strebens ist. Ich suche das Volk durch und in seiner Kindheit, seiner Kinderwelt
den Forderungen und Seegnungen seiner Forscher und Seher entgegen zu bilden.
Darum suchen Sie wenigstens auf dieß Streben aufmerksam zu machen, wen[n]
irgend Ihnen möglich ist.- Seit dem Tode meiner Frau bin ich Berlin so
ganz fremd geworden, daß ich gar nicht weiß, wer von früher wirksamen
Männern noch lebt, wo die noch lebenden wirken und welchem Geiste und
Wirkungsziele sie sich zugewandet haben. Sollten aber noch Männer
wie Süvern, Nicolovius, Uhden, Savigny rc, welche früher das Denk-
mal Luthers so kräftig stützten, leben, so bitte ich, suchen Sie auch
das jetzige Unternehmen denselben nahe zu bringen. Was jenes,
ich möchte sagen, als Personen- oder Familien-Sache, höchstens als Sache
des religiösen Glaubensbekenntnisses war, das ist dieß als Sache
des Volkes, der Menschheit; ich möchte sagen, als Sache des höheren
und höchsten, wenn auch noch ungeschriebenen, doch in Gotteswelt viel- /
[19]
seitig treu ausgesprochenen menschheitlichen oder vielmehr Menschheits-
glaubensbekenntnisses.
Fragen Sie mich: Kennen Sie keinen Mann in Berlin, welcher für
die Sache gestimmt ist, für sie wirkt? - so kann ich Ihnen bis jetzt nur
einen Mann nennen, von welchem ich glaube, daß, wie er schon für die
Sache thätig war, so auch für dieselbe begeistert ist: es ist dieß der
Professor Lommatzsch an irgend einem der Königl[ichen] Gymnasien; doch
kenne ich weder seine Stellung, noch die Bedeutung seiner Wirksamkeit.
Wollen Sie, hochgeehrtester Herr Professor, mich wohl gelegentlich
mit einigen Zeilen Antwort beehren, so würde mich dieß hocherfreuen.
Von meinen Freunden Middendorff und Barop hier verehrungs-
volle Grüße, wie ich Ihrer geehrten Frau Gemalin ganz besonders
meinen hochachtungsvollen Gruß zu sagen bitte.
Mit nie schwindender dankbarer Gesinnung
Ihr
       ergebenster
       Friedrich Fröbel
Blankenburg
b. Rudolstadt
am 20 Aug:
1843.·.