Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Joseph Meyer (= Redaktion "Universum") in Hildburghausen v. <Ende>1.1844 (Blankenburg)


F. an Joseph Meyer (= Redaktion "Universum") in Hildburghausen v. <Ende>1.1844 (Blankenburg)
(BN 34, Bl 6, undatierter Entwurf 1 Bl fol 1 S., Beibrief zu einem zur Veröffentlichung bestimmten Aufruf zum Kindergarten. Datierung: Veröffentlichung der „Mutter- und Koselieder“ steht kurz bevor: „mit kommendem Monat“; soeben „erst heut“ erhaltene Exemplare gibt F. an Kohl am 26.2.1844. Die „Mutter- u. Koselieder“ sind also im Februar 1844 erschienen.)

Mit diesem Briefe verehrtester Herr und Freund komme ich mit einer ganz
persönlichen Bitte zu Ihnen, mögen Sie so gütig seyn mir solche, erlauben es
Ihre Geschäfte, zu erfüllen.
Der Gedanke des deutschen Kindergartens bildet sich nach Weg, Mittel, Ziel Zweck
immer klarer und bestimmter aus und zeigt sich mit als eines der Hauptobjecte des
im Stillen wirkenden Zeitgeistes, Sie selbst haben ihn ja dem Universum beigegeben
und lautlos zählt derselbe viele Freunde wie denn überhaupt die Beachtung und Pflege der
Kinderwelt als die Hoffnung der neuerstehenden Menschheit zum Charakter der Zeit gehört.
Nun aber gleicht mir die Masse einem Stück harten Holzes welches gerieben zwar lauh-
warm wird, aber auch gleich zur vorigen lauligen Temperatur zurückkehrt wenn das
Reiben früher aufhört, als bis es wirklich selbstständig Feuer gefangen und sich selbst durch[-]
glüht hat; so gleicht sie es einem Stück Eisens in welchem zwar die magnetische Kraft ruht, welche
aber auch angeregt sogleich wieder schwindet wenn das frey nicht so lang fortgesetzt wird
bis die Magnetische Kraft selbstständig ist. Jede[s] Unterbrechen des Reibens, jeder Stillstand
der Erregung verspätet mindestens die Zielerreichung wenn sie solche nicht gänzlich aufhebt. Noch
ander[e] Naturgesetze sagen das Gleiche[.]
Dieß nun angewandt auf die jetzt besonders auch durch Ihre Güte so allgemein u weitver[-]
breitet angeregte Idee des deutschen Kindergartens, so meine ich auch diese Erregung darf
nicht unterbrochen, sondern muß vielmehr mit stetig gesteigerter Kraft fortgesetzt werden
dazu scheinen mir nun die mit kommenden Monat endlich dem Publikum übergeben werdenden
Koselieder (nur noch der letzte Bogen der Erklärung ist auszudrucken) und anderes jetzt von mir Veröffentlichte
mir treffliche Gelegenheit zu bieten. Da ich nemlich bemerkt habe daß zum öfteren
Bücher vom Werth besonders gewählten Äußeren zu dessen Schutz z.B. namentl[ich] Almanachs
in besondern Umschlägen gleichsam Couverts ausgegeben werden, so schien mir doch
nebst einer anderen Bemerkung daß der Mensch wenn er ein Buch bekommt, dem umhüllenden
Maculatur Bogen nicht wegen jederzeit auch <wirklich> seine Aufmerksamkeit schenkt ja von dessen Inhalt sich oft gefesselt fühlt - ein Mittel in die Hand
zu geben dem Publikum aufs neue die Idee des d[eutschen] K[inder]G[artens]
von neuem und zwar nun in einer in Gestalt sprechender Gesellschaft vorzuführen, nemlich so: - daß ich
die Koselieder auch gleichsam in solche Makulaturbögen geschlagen ausgebe, und daß ich die
die den Gedanken von neuem nach mehreren Seiten dem betreff[enden] Publikum warm ans Herz
legenden Worte in das Innere dieses Bogens abdrucken ließ bemerke.-
Dieser Gedanke schien mir nun besonders deßhalb der Beachtung [wert,] weil weil [2x] sich dann der Aufruf
welcher bisher sich mir an das Gefühl den Gedank[en] u den Begriff knüpfte - nun an eine Sachanschauung
das beiliegende Werk anschließen würde, was ich für ganz wesentlich halte. Dieser Gedanke <hier> ist es nun welchen ich mir
erlaubt wel Ihnen hier zur Prüfung vorzulegen, so wie die Worte u. Form
des Aufrufs selbst.- Wohl ist derselbe nun viel zu lang geworden allein ich wußte gar nicht
wo ich abbrechen sollte u man sagt mir, daß sich derselbe leicht weglieset. Nun etwas wozu nicht auf[-]
gefordert wird zu lesen was besonders mit einer bestimmten Äußerlichkeit entgegen tritt, lieset
man des Wegen wohl eher noch als eine bestimmte Schrift. [Text bricht ab]