Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 13.2.1844 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 13.2.1844 (Blankenburg)
(BlM XIV,38, Bl 145, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 13 Febr. 1844.·.

            Meine hochgeschätzte, theuerste Muhme.

Sie haben mich durch Ihren lieben Brief vom 10n d. recht tief
bis in das Innerste erschüttert. Was ist denn nur Ihnen und
Ihrem hochgeachteten lieben Manne, dem theuern Vetter geschehen[?]
Welche tiefe schmerzliche Kränkung haben Sie denn beide
erfahren?- Aber warum sagen Sie mir denn theure, liebe
Muhme von dem allen nicht ein Wörtchen; damit meine
Mittrauer und mein inniges Mitgefühl auch noch einen be-
stimmten Anknüpfungspunkt habe. Was Sie mir schrei-
ben ist ja wie ein gewaltiger Schlag aus heiterem Himmel.
Könnten Sie mir denn vor Betrübniß und Schmerz auch
nicht ein Wörtchen mehr über dessen Ursache schreiben?-
Bitte, bitte thun Sie es doch recht, recht bald; mitge-
theilter Schmerz erleichtert ja denselben. Erinnern
Sie sich nicht der schönen Worte Tiedge's
"Getheilte Freud' ist doppelt Freude
Getheilter Schmerz ist halber Schmerz"[?]
Bitte lassen Sie mir doch ja recht bald etwas von dem Grunde
Ihrer so tiefen Erschütterung hören; wenn Sie glauben
mir dadurch ein Leid zu ersparen, o, so teuschen Sie sich
ich fühle mich so nur noch doppelt und mehrfach geängstigt
es will mich durch Ihr Schweigen sogar die Furcht an-
wandeln als sey ich Selbst Schuld an dem tiefen Leid
was Sie getroffen. Können Sie sich liebste Muhme
nicht überwinden mir zu schreiben, so bitten Sie /
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doch Ihren hochgeach[te]ten lieben Mann es zu thun, welchen
ich recht innig theilnehmend von mir zu grüßen bitte.
Offen gestehe ich, daß ich immer erwartet, daß Sie
in der Gesammtheit Ihrer Lage sich ja veranlaßt
sehen würden mir einen Brief wie den heutigen zu
schreiben.
Gott stärke nur wie Ihre Körper[-] so Ihre Geistes[-]
kraft und bewahre Sie in diesem Zustande Ihres
Gemüthes für wahre Körperkrankheit.
Daß Ihnen die Religion als eine so eindringliche
Trösterin zur Seite steht ist mir eine rechte Beruhigung.
Denn wo diese in einem Gemüthe tiefe Wurzel schaf[f]t
da ist doch dem Eindringen des vergiftenden und nagenden
Lebenskummers Thür und Thor verschlossen. Und
so möge es denn Ihr Gemüth immer und nur für das
Eindringen der seegnenden Stärkungen der Religion
geöffnet seyn.
Glauben, glauben Sie mir theure Muhme, auch mein
Leben wäre ohne die schützende und stärkende Begleite-
rin dieser eine drückende Last oft eine Leben vernichtende
Qual, so lasse ich aber durch ihre Tröstungen die Quälgeister
nicht aufkommen, die Last zu keiner niederdrückenden werden.
Muhme! mein Leben war sehr oft der Verzweifelung nahe
allein die unerschöpfliche Trösterin hielt mich aufrecht, machte
mich sogar stark. Möge sie sich auch so an Ihnen erweisen.
Gott gebe daß mir Ihr nächster recht baldiger Brief davon die
Bestätigung schreibt. Beikommend die schuldigen Quittungen [we]lche
Sie gewiß mit den nöthigen Dankesworten abgeben werden.
Die theilnehmendsten Grüße Ihnen allen. Gott stärke Sie,
dieß ist das Gebet Ihres mitfühlenden Vetter[s] Fr Fröbel