Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Robert Kohl in Keilhau v. 26.2.1844 (Blankenburg)


F. an Robert Kohl in Keilhau v. 26.2.1844 (Blankenburg)
(FMMO, Brieforiginal 1 B 8° 2 S., ed. Kohl 1932, 9f. mit Reinschriftfacsimile)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Blankenburg am 26 Februar 1844.·.

             Mein lieber Herr Kohl,
und im gleichen Streben ächter Kindheitpflege
           innig geeinter Freund.

Um nicht etwa ganz gegen meinen Willen zu einer nicht ganz richtigen Auffassung Ihrer so lieblichen und kindlich[en] musikalischen Dichtungen von Seiten der Leipziger Critiker beizutragen, sende ich Ihnen beikommend 2 Exemplare des Familienbuches, das eine im grünen das zweite in gelben Umschlage zur Versendung nach Leipzig in Gesellschaft der ähnlich gekleideten Musikhefte. Das Familienbuch im zweitgenannten Umschlage habe ich erst heut vom Buchbinder erhalten, sonst hätte ich Ihnen schon gestern beide zurück gelassen; und eines allein dünkte mich Sie in Verlegenheit zu setzen, zu welchen der beiden Redactionen Sie es senden sollten.
Mögen Ihnen Ihre Tages Arbeiten nun wenigstens so viel Muße schenken, daß Sie die Sache recht bald absenden können.
Seyn Sie doch so gut und geben Sie die Festgabe für sinnig Erziehende an Middendorff zur Einsicht ab; er sagte mir, daß er jetzt so etwas Leichtes lesen könne; ihm auch lieb sey es zu haben.- Lieber, dafür so reichbegabter Herr K. halten Sie nur Ihre musikalische Pflege des Kindheit- /
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lebens, zum Heile derselben, recht fest. Wir müssen diesen Gegenstand noch recht miteinander besprechen. Die Wirkung der Musik auf das Kind scheint mir gleich der des Sonnenlichtes auf die Gewächse. Wie die Sonnenstra[h]len, durch das fortgehende Steigen der Sonne, und so durch ihre verschiedene Lagen und Richtungen eine verschiedene Wirkung auf die Entwickelung der Pflanzen hat [sc.: haben]; ja wie die Sonne in ihrer verschiedenen Stellung verschiedene Keime und Blüthen hervorruft, so muß auch die Musik in ihrer verschiedenartigen Einwirkung auf das Kind in demselben eine verschiedene Wirkung hervorbringen. Geben Sie doch einmal darauf recht Acht, dafür die Gesetze aufzufinden. Es müssen sich in der Musik auch Lebens- Schönheits- und Erkenntnißformen nachweisen lassen. Vielleicht wo in der Musik mehr die Melodie, oder die Harmonie, oder der Rhytnus [sc.: Rhythmus] hervortritt. Mündlich darüber mehr. Ich wollte nur Sie könnten der Musik - als Menschheit-entwickelndes-Element ganz leben. Das Tönen gleich Sprechen ist gewiß eine der wichtigsten Eigenschaften der Dinge.
Leben Sie wohl; von Herzen
der Ihrige
FriedrichFröbel. /
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