Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an einen jungen Fürsten [<= Ernst II. Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha>] v. <Anfang>3.1844 (Blankenburg)


F. an einen jungen Fürsten [<= Ernst II. Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha>] v. <Anfang>3.1844 (Blankenburg)
(BN 707a, Bl 27-28, hier: 27R, undat. Entwurf 1 B 8° ½ S. ohne Adressat. Adressat: lt. Brief handelt es sich um einen jungen Thronbesteiger in einem Nachbarland Schwarzburg-Rudolstadts; lt. Patze/Schlesinger 5.1.2, S.891 regierte Ernst II 1844-1893, lt. ebd. S.704 war er 1818 geboren worden. - Der Bogen [ursprünglich ein an F. gerichteter Briefumschlag] enthält außerdem Entwürfe an Bernhard II. Erich Freund Herzog von Sachsen-Meiningen [27VR] und an eine "Exzellenz" [28VR]. Alle drei Briefe wohl vom selben Tag und als Begleitschreiben zur Übersendung der „Mutter- und Koselieder“ [erschienen Ende Februar 1844, bereits im März rezensiert]. Im Entwurf an eine „Exzellenz“ schreibt F. auf 28R, daß er das Buch "in diesem Augenblick dem deutschen Publikum ... übergebe". Es ist also soeben erschienen.)

Blbg
Zu jedem der von neuem mit Mannes Kraft u Muth hin in die Lebensschranken tritt das hohe Ziel nach dem als Menschen alle wir alle
streben zu erringen auf seiner Laufbahn in seiner Wirkung zu erringen da wendet sich ver[-]
trauens[-], freudevoll der Blick, Nicht eigennützig schauen wir nach dem err[un]g[enen] Preis, nein wenn
er nur errungen ist so freuts uns schon wir wünschen keinen andern Lohn denn das errungene Gute wirkt verbreitet und als Gemeingut unaufhaltsam sich
wie das gepflegte Licht die angefachte Wärme.
Ist aber der der muthvoll kräftig reines Sinns u Strebens in des Lebens Schranken tritt ein Fürst
ein deutscher Fürst seys welches Gaus Landes es sey so wendet jeder Deutsche auf ihn vertrauens[-]
voll den Blick uneigennützig in froher Hoffnung <inne> daß er erringe immer mehr des Lebens Preiß
erreiche immer mehr des Lebenszweck. Erziehen aber ist am Ende aller Fürsten Wirken, die
Völker zu erziehen ihr Plan ihr Zweck. Drum wendet wohl vor allem der Erzieher zum
jungen Fürsten der den Thron besteigt den Blick u leb[t] u wohn[t] er auch in dieses Fürsten Lande nicht[.]
Und darum möge denn auch Ew. Herzogl. Durchl. es nicht <ungnädig> nehmen, wenn der unterzeichnete
Erzieher aus fremdem Nachbarlande <mehr> vertrauensvoll auf Ew. Herzogl. Durchl. blickt. Erziehen ist ja
der Zeiten ist der Welten ruf[.] Erzieh[ung] ist strenggenommen alles was <geschieht> und wie sie sich
hinauf uns führt, so führt sie uns auch ganz herab zur ersten frühen Kinderwelt hier ruht der
Grund hier sprießt der Keim[.] Und wie der Vater hoffnungsvoll auf seine Kinder blickt
voll Hoffnung sie pflegt so wendet auch der Fürst als Landesvater auf die Kin[d]heit auf
ihre Pflege seine Liebe, seinen treu[en] <Blick>.
Darum lege ich ein Buch zu Euer Durchl. Fürstl. [Verwendung] daß [sc.: , das] Kindheitpfl[ege] sich zum Ziele setzt stellt
gleich zarten Pflänzchen machts die Kindheitpflege zu reinen wahren Kindergärten machts darum den
Grundstein legen den Saamen streuen denn nur wenn die Erziehung allgemein
Mögen dann Ew. Herzogl Durchl. dieß Buch gnädig auf[-] u annehmen u. dann zugl. ein Bild
dessen finden was es als Kindergarten anzubahnen zu erreichen strebt. In Kindergärten
wo jedes Mensch Kind so seiner Anlage seinen Kräften seiner Natur nach behandelt keines aus
sich heraus ver- u überbildet wird und so ächter Lebensfrieden in allen Berufs[-] u Lebens[-]
kreisen errungen u heimisch wird. [Text bricht ab]