Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an "Exzellenz" <?> in Berlin v. <Anfang> 3.1844 (Blankenburg)


F. an "Exzellenz" <?> in Berlin v. <Anfang> 3.1844 (Blankenburg)
(BN 707a, Bl 27-28, hier: 28VR, undat. Entwurf 1 Bl 8° 2 S. ohne Adressat. Der Bogen [ursprünglich ein an F. gerichteter Briefumschlag] enthält außerdem Entwürfe an Bernhard II. Erich Freund Herzog von Sachsen-Meiningen [27VR] und an einen jungen Fürsten [27R]. Alle drei Briefe wohl vom selben Tag und als Begleitschreiben zur Übersendung der Mutter- und Koselieder [erschienen Ende Februar 1844, bereits im März rezensiert]. In diesem Entwurf schreibt F. auf 28R, daß er das Buch "in diesem Augenblick dem deutschen Publikum ... übergebe", d.h. es ist gerade erschienen. Für die genauere Bestimmung des Adressaten fehlen der Forschung vorerst noch die entsprechenden Belege.)

Kaum ist es möglich daß sich Ew. Excellenz noch eines dortmals jungen Mannes Namens des
Un (ehrerbietig?) verehrungsvoll unterzeichneten erinnern welcher in den Jahren 1812/13 Studirender in Berlin zugl. durch das
schützende empfehlende Wort des dortmaligen Staat[s]rathe[s] Heinr[ich] Nicolo[vius] Lehrer am Plamannschen Institute Lehrer war
dem es dann aber besonders auch durch die hochgeneigte Vermittlung wie durch die patriotischen <Vermittelungen> mehrerer hochachtbarer Männer Berlin[s], besonder[s] aber <auch> durch Ew. Excellenz mögl. wurde als <preuß.> Freywilliger unter Lützow
einzutretten; der aber <weiter> nach Beendigung des Feldzugs <im Jahre> 1814 aber durch die Empfehlung des Directors des Königl. Museums für
Mineral[ogie] Prof Dr. Weiß und durch die hochgeneigte Protection Ew. Excell. u. der [sc.: des] genannten Sta[a]tsr.
u d. He. Ministe[r]s von Schuckmann als Gehülfe am kön. mineral. Museum <a.> der Universität eben unter der Direction des Her[rn] Prof. Weiß angestellt wurde.-
Hier war es wo das ernste Studium der Natur mich zum Studium der Entwickelung des Menschen
die ich nachher als meinen Beruf erkannte
zurück führte dessen belehrende Resultate mich dräng[t]en im Juli Herbste 1816 um gnädige Entlassung aus meiner Stelle nieder zu legen bitten um
mich ganz der ausübenden Erziehung zu widmen durch Gründung einer dem edlen deutschen einfachen, frommen praktischen wie wissenschaftlichen strebenden deutschen Geiste u Sinn entsprechenden Erziehungs[-]
anstalt zu widmen - welche deßhalb bald im Verlaufe vollkommner Aus[-]
bildung und ihrer sich rechtfertigenden Grundsätze den Namen der allgem. deutschen Erziehungsanstalt erhielt. Auch als Vorsteher wie Gründer
dieser Anstalt erhielt ich noch Zeichen Ew. Exc. u. der genannten und vieler ander[er] namhafter Männer Berlin[s]
wie fast aller namhaften Männer an der Universität fortdauernden Wohlwollen[s] in dem es eben Berlin mit
seinen ersten Männern namentl. des Cultusministerium[s] u. der Universität es waren welche
den [sc.: dem] von mir zum Reformationsjubelfeste 1817 gegründeten Verein zur Ausführung eines
lebendigen Denkmals Luthers solche Sicherung geben konnte[n] die Erziehung daß in der genannten Erziehungsanstalt besonders durch die Unterzeichnung
aus Berlin zweyer [sc.: zwei] Luther aus dem Hause Möhra Georg u Ernst Luther erzogen werden konnten [wo]von der eine Theologie studierte
u jetzt <Prediger> in der preuß. Provinz Sachsen nächst Halberst[adt] der 2te aber achtbarer Bürger u. Raths[-]
Mitglied in der Stadt Salzungen seines Meininger Heimathlandes ist[.]
Durch die Erfahrung u Ergebnisse dieser Erziehung wurde ich zu der Überzeugung gebracht daß
die Erziehung Pflege u pflegende Erziehung des Menschen soll sie zu dem Ergebniß führen welches
die jetzige Bildungsstufe der Menschheit u ihre die Gesamtheit
der Lebensverhältnisse fordert, so muß weit tiefer, daß sie mit dem Eintritt
des Menschen als Kind auf die Erde erfaßt u daß sie dem GesamtWesen des Menschen u <in>
Übereinstimmung mit der Gesammtheit seiner Lebensverhältnisse vorgeführt werden müsse[.]
Da nun aber der <Einigungspunkt> dafür eben das Lebens, der Lebens- u der Thätigkeits[-]
trieb selbst sey welcher sich früh im Kinde schon als wahrer Beschäftigungstrieb äußert, so zog ich
mich von der unmittelbaren Führung meiner der allgem. deutschen Erziehungsanstalt zurück um nur der
Ausbildung dieses Gedankens zurück [sc.: zu leben] indem ich die unmittelbare Führung der Keilhauer Anstalt
einem Geistes[-] u Lebensverwandten Freund übertrug ich aber im Jahr 1837 hier in Blankenburg
bei Rudolstadt eine neue Anstalt
eine Anstalt zur Pflege des Beschäftigungstriebes der Kindheit u J[u]g[en]d gründete[.]
Zugleich gründete ich im Jahre 1839 hier eine neue Kinder(pflege)anstalt in welcher in der Anwendung jener Grundsätze u Mittel die Kinder
vor erlangter Schulreife jenen Grundsätzen gemäß behandelt u mit den
dadurch aufgestellten Mittel[n] bethätigt werden sollen, - u die diese Anstalten [werden] wegen der
<dem gesch.> Lebens Gesetz im Menschen treuen Pf[l]ege Kindergärten [genannt.] - Da sich die darin auf-
gestellten Grundsätze in allen Lebensverhältnissen als allseitig genügend bestätigten so
forderte ich nun solche in ihrem Ganzen Umfange auszuführen u zur Feyer des 400jährigen
Gutenbergs Jubiläum zur Stiftung eines (allgemeinen) deutschen Kindergarten auf <welche>
[*Zeile fehlt da Papier abgerissen*] /
[28R]
und stetig ihrer Entwickelung entgegen geht. Vor allen diesen erschien mir nun wichtig
das Kind vor allem in der Säuglingszeit richtig zu erfassen. Ich fand daß der Deutsche
erziehungs Sinn viel Richtiges dafür besagte durch Mutterliedchen Mutterkose u Mutterspiel be[-]
säße, wie aber alles dessen [ungeachtet] dieser Sinn nicht erkannt wird ins Leere übergeht so
auch dieser. Dieses ursprüngl[iche] deutsche Mutter[-] u Säuglingsleben suchte ich nun im klaren Geiste
u reinen <Gemü[t]h> möglichst lebenvoll sich wieder abspiegeln zu lassen u so entstanden
["]Mutter[-], Kose[-] u Spiellieder"
allein sollten sie dem ächten deutschen Geist u Sinn entsprechen so müssen Leben, Bild
Wort u Gesang ein innig einiges seyn u so gestalten sich

Mutter[-,] Kose[-] u Spiellieder
Dichtung u Bilder
zur Edlen Pflege des Kindheitleben[s]
als das was sie in ihrer Gesammtheit seyn sollten
ein ächtes Familien Buch
welches ich in diesem Augenblick dem deutschen Publikum dem deutschen Vater u Mutter
so zur Prüfung übergebe.
Gestatten mir es nun Ew. Exc. <gnädigst> es auch Ihnen
verehrungsvoll <angebogen> überreichen zu dürfen,
theils als Zeichen nicht v erkalteter Dankbarkeit
für frühe durch Ew. Exc. hohe Gewogenheit u vom preußisch. Staate empfangene
Güte theils mit der ehrerbietigen
Anfrage ob es wohl erlaubt sey das Buch
Sr Majestät dem Kö[ni]ge als gleiches Zeichen bleibenden Dankes für
das vom preußischen Staate empfangene Gute [zu überreichen.] [Text bricht ab]