Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Geheime Legationsräthin <v. Pistorius> in Gaisburg b. Stuttgart v. <Anfang> 3.1844 (Blankenburg)


F. an Geheime Legationsräthin <v. Pistorius> in Gaisburg b. Stuttgart v. <Anfang> 3.1844 (Blankenburg)
(BN 707a, Bl 29-30, hier: 30R-29V, undatierter Entwurf 1 Bl 8° 1 ¼ S. ohne Adressat. – Datierung: Dieser Brief findet sich auf demselben Bogen wie die Widmungen für die Prinzeß Albertine und für Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt sowie einem Briefentwurf an Pauline Hauthal, die beiden Widmungen und die beiden Briefe sind wohl jeweils in einem Zuge geschrieben. Die Briefe sind gegenüber den Widmungen sekundär. Anlaß ist jeweils die Publikation der Mutter- und Koselieder. Aus beiden Briefen geht hervor, daß das Buch eben erst erschienen ist [Erscheinmonat Ende Februar 1844, bereits im März rezensiert], daraus folgt Datierung der vier Schreiben auf diesem Bogen. – Adressatin des Briefs könnte die Gehreimräthin v. Pistorius in Gaisburg b. Stuttgart sein, die 1844 dort einen Kindergarten gründete.)

            Hochwohlgeborene Frau
Hochzuverehrende Frau Legationsräthin

Ew. Hochwohlgeboren schenkten schon vor Jahren meinen erziehenden Bestrebungen Ihre
aufmunternde Beachtung u förderliche Pflege. Es war natürlich daß solche
hohe Gunst in mir das Streben wecken mußte das vorgesteckte Ziel in
mir möglichster Vollkommenheit zu erreichen. Seit den letzten Jahren nun waren
meine Bemühungen <auch> ganz auf u in mich zurück gegangen ganz nur diesem Streben gewidmet; doch wie ich auch meine Kräfte für
dieß eine Ziel zu einen suchte, so
dauerte es doch unerwartet lange <jene> Jahre schwanden ehe von diesem Streben <sichtbar> reife Früchte
zu reichen mir gelingen wollte.
Endlich liegt nun das Buch fertig vor mir was seinem Geiste nach,
die Grundlage meiner Erziehenden u Kindheitpflegenden Bestrebungen bilden
soll was gleichsam eine Mutterpädagogik in unterhaltender Anwendung u
erfreulichem Kinderspiel seyn soll.
Wem konnte ich es nur zur Prüfung ob es seinen Zweck auch entspricht
u ob es sich der Theilnahme u der Anwendung der Mütter erfreuen wird zur geneigten Prüfung
zuerst mit vorlegen als Ew. Hochwohlg., als Ihnen hochzuverehrende
Fr. Legationsräthin u durch sie den gesammten hochverehrlichen Kreis edler
gütiger u gnädiger Frauen welche meinem Wirken Achtung u Theilnahme
schenkten. Möchten Ew. Hochw. so geneigt seyn es denselben gel. zur prüfenden Einsicht mitzutheilen.
Sollte es dem Büchlein so gelingen sich unter denselben Freunde zu gewinnen die
es als Familienbuch gern willkommen heißen möchten, so wird die Verlags[-]
anstalt gern gegen den billigsten Preis dafür 3½ rth. das Ganze ablassen.
Freylich müßte ich dann auch bitten die Liedchen in ihrer Einfachheit treu zu lassen
<da> Ich darf gern in dieser Beziehung mich auf das Urtheil der bekanntesten <Musikl. Cretner>
zurück beziehen darf.- Auch die erziehend belehrend[en] Ballliedchen werden in der <Kürze>
[vor]liegen, und so das Ganze in unterbrochener Folge nun dem Publikum zur Prüfung vorgelegt werden[.]
Möchten Ew. Hochwohlg. es der fortlaufenden Prüfung werth nehmen /
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u möchten vor allem Ew. Hochwohlg. meine Bitte darum gütig u gnädig aufnehmen
Ew. Hochwohlg.
             hochverehrungsvoller
FrFröbel.