Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Robert Kohl in Keilhau v. 3.3.1844 (Blankenburg)


F. an Robert Kohl in Keilhau v. 3.3.1844 (Blankenburg)
(FMMO, Brieforiginal 1 B 8° 2 S., ed. Kohl 1932, 11f.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Blankenburg am 3' März 1844.·.

  Lieber, treuer Herr Kohl

Daß ich nicht heut schon Ihren so natürlichen als schönen Wunsch erfüllt habe, daran war einzig das gar zu schlechte Wetter schuld. Bei solchem Wetter weiß man gar nicht wie man etwas vor Nässe schützen soll, besonders verstehen es die Bothenleute selten und ich habe noch ganz kürzlich erst hierin unangenehme Erfahrung gemacht; und so hoffe ich es wird sich Ihre etwaige Unzufriedenheit mit mir lösen.
Sie lieber, eingehender Herr Kohl bitte ich ein Ex: der Koselieder zum Andenken unserer gemeinsamen Arbeit von mir anzunehmen; ob Sie nun dieß oder ein anderes Exemplar dafür annehmen wollen hängt ganz von Ihnen ab. Ich hätte nur gewünscht Sie hätten die Farbe des Umschlages bestimmt welche Ihnen lieb ist; denn bei keiner, die ich wähle, bin ich in mir sicher das Richtige zu treffen. Die Zueignungsworte habe ich auf ein besonderes Blatt geschrieben, damit Sie dadurch im Gebrauche des Buches nicht gestört werden.
Ja lieber Herr Kohl, es kommen mir jetzt schon vielfach die Beweise, daß wir durch dieß unser Werk mit unsern Bestrebungen in dem edlen /
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deutschen Leben Wurzel fassen werden und daß von diesem Punkte aus sich unser beiderseitiges ja unser aller Leben sich sicher, klar und schön entwickeln wird; lassen Sie uns diesen Punkt nur recht treu und ausdauernd pflegen; es ist und bleibt immer ein großes und erhebendes Bewußtseyn mit seinem Wirken in das Gesammtleben seines Volkes förderlich einzugreifen.
In der Berliner Zeitung soll ein für mich recht wichtiger Artikel stehen: - daß man nehmlich Bewahranstalt[en] habe, allein man wisse nicht was mit den Kindern an[zu]fangen und wie sie zweckmäßig zu beschäftigen; man habe begonnen sie eigentlich zu unterrichten; allein man habe davon abstehen müssen. Sehen Sie lieber Kohl da kommen wir wie gerufen, wir sollten nur recht bald gemeinsam einige Reisen machen einmal nach Westen, dann nach Osten, wieder einmal nach Norden und dann nach Süden[.]
Sehen Sie so macht das Streben für freie, edle selbstständige Erziehung, Entwickelung und Bildung zu wirken auch den dafür thätigen Mann frei u selbstständig und so soll es, so muß es auch seyn; denn Wahrheit, Wahrheit muß sich endlich einmal in dem Leben zeigen. Bleiben wir nur der Menschheit in unserm Volke treu, so wird uns jene auch durch unser Volk treu bleiben; und wir frei! Gott alles befohlen!
I.Fr.Fr. /
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[Adresse:]
Herrn Robert Kohl
Keilhau
Nebst 1 Päcktchen.