Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 30.3.1844 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 30.3.1844 (Blankenburg)
(BlM XIV,42, Bl 157-159, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.+Adr., zit. Heerwart 1905, 318)

Blankenburg am 30 März 1844.

  Liebe theure Muhme

Ihr heutiger so nachhaltiger Brief hat mich hoch erfreut
ganz vor allem daß er mir Ihre wachsende Gesundheit
meldete, möchte sie bald ganz hergestellt seyn.
Nun eiligst zur Beantwortung Ihres lieben Briefes selbst[:]
1. Die Quittung für die [sc.: das] gewesene Frl. E. Lägel liegt bei[.]
       Ich hoffe Sie werden selbst mit entsprechendem Dank abgeben.
       Zu den Ihnen früher übersandten Titeln der Koselieder
       sende ich Ihnen nun auch die so eben aus der Druckerei ge-
       kommene Anzeige in einigen Exemplaren; sagen Sie mir ge[-]
       legentlich über d[i]eselbe Ihre unverholene Meinung. Ich
       glaube ich sandte Ihnen 6 Ex. Titel; darum folgen ebenso
       viele Anzeigen um jeden Titel mit einer zu begleiten[.]-
2. Der Preis des Buches ist als Ganzes mit Notenheft
       Rth. 4 prCrt. An jeden Käufer der es von hier nimmt
       und das Geld erlaubt (wie die Anzeige sagt) durch die
       Post nachzunehmen, wird das Exemplar mit Rth. 3½
       berechnet. Das Porto hat dagegen der Empfänger zu bezahlen[.]
3. In der Buchhandlung ist der Preis Nettopreis.
4. Bei 4 Exemplaren erhält der Sammler das 5e Exem-
       plar frei, oder wenn man dieß nicht will 20%
       doch nur gegen baare Einsendung des Geldes oder, was
       unweit kürzer ist gegen Nachnahme; doch muß dann
       die Bestellung so sicher seyn, daß nie eine Rücksen-
       dung erfolgt.
5. Auch bei den Spielgaben wird wenn solche von hier /
[157R]
bezogen werden, die Spielgabe sey groß oder klein
       20% oder 1/5 Rabbat abgerechnet; ich zweifle nicht
       daß Sie solches au[c]h auf Ihren früheren Rechn[u]ngen
       finden werden und wenn wir einmal Totalab-
       rechnung halten muß Ihnen dieß zu Gut gerechnet
       werden. Sie werden S sich solches auch aus meinen
       früheren Briefe[n] erinnern daß ich Ihnen solches zur
       Deckung des Portos zusicherte.
6. Nochmals zum Preis der Koselieder zurück. Ich sende
       Ihnen beiliegend ein Muster wie ich die Titel mit
       Preisbemerkung versende; doch jetzt stehen S sie auch
       gedruckt auf der Anzeige.
Bei 6 und mehr Exemplar[en] erhält der Sammler 25%
was auch der Buchhändler bekommt, welcher dagegen
das Buch mit Nettopreis verkaufen wird.
7. Es wird jetzt von meiner Seite alles aufgeboten
       die Spielmittel so billig als möglich zu liefern allein
       bisher war es nicht möglich ich habe bei dem geringen
       Absatz - bey den großen Verlusten; denn die
       scheinbar reichsten Menschen, gebildet u angestellt
       haben mich nicht <bezahl[t]> in Betrag von 5 rth. 10 rth bis
       zu 25 rth.- Sehen Sie diese Unrechtlichkeit der Men-
       schen erschwert das Geschäft b verfolgte ich nicht eine
       Idee längst hätte ich die Sache aufgegeben nicht Hunderte
       nein! Tausende habe ich zugesetzt. Ja wenn man
       die Sache beförderte allgemeiner mach[t]e <-> wie Jedermann
       sagt nahe u fern daß sie es verdiente; dann gäbe ich alles /
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so billig daß nur eben dabei zu bestehen wäre; aber alles
       speist mich mit schönen Worten ab, da kann auch ich keine
       reelle Hülfe geben. Die Frauenwelt könnte viel, viel
       thun z.B. mir jährlich wie z.B. jetzt einen Hut rc mit
       den Koseliedern vertauschen, ja dann, dann sollten Sie
       sehen was Ihr Vetter thun würde. Mann [sc.: Man] schmeißt
       ferner, wie Sie ganz recht bemerken für Plunderspiel[-]
       zeug weil es nur glänzt u Firlefanz ist - mehrere Thaler
       weg wo man hier für 1 rth einen Reichthum für das
       ganze Kinderleben bekommt, man muß freilich f wie
       Sie an einer andern Stelle Ihres Briefes in andern
       Worten aussprechen das Silber mit Kupfer, das ächte
       Gold (ich meine die Spiele von Holz) mit Silber u Kupfer
       d.i. mit Einführung ins Leben zu versetzen wissen.
       Ich gehe jetzt oft selbst um 1 u 2 Uhr des Nachts erst
       zu Bette um selbst dafür zu wirken, doch was
       kann ein Einziger, und verknüpft man sich mit Men[-]
       schen so wollen die alle nur gut u fröhlich leben und
       man muß damit zu u etwas geschieht zum bösen
       Spiel gute Miene machen.- Lassen Sie mich abbrechen
       sonst werde ich bitter und ergrimme in mir über die
       Menschen die sich gebildet u einsichtig, die sich Menschen
       u Männer von [sc.: vom] Fach nennen.-
8. Was Sie mir über die 3e ausgeführte Spielgabe
       schreiben hat mich hoch erfreut besonders auch da,
       wo sie [sc.: Sie] meiner Frau Worte gedenken. Ja wenn deren
       Leben nicht zerbrochen worden wäre vom Leben wie es ist[.]
       Diese Frau war eine Weise, eine Riesin u ein Kind. /
[158R]
9. Herr Grimme ist in Keilhau ich werde an ihn be-
       stellen was Sie wünschen u dieß morgen. Eben
       ist sein Freund Karl Wild bei mir ich habe ihn [sc.: ihm]
       die Stelle Ihres Briefes zu lesen gegeben damit er
       es ausrichte, wenn ich es ja vergessen sollte.
10. Herr Kohl höre ich reist nach Dresden rc ob er
       über Gera reist, weiß ich nicht, doch will ich es
       ihm Morgen sagen, was ihn Liebes in G. erwarte.
11. Der Dritte sollte nach Frankfurt a/m - nach Weimar
       u Jena - nach <Homburg / Hamburg> rc reisen und kann so
       gern er voll [sc.: vor] allem nach Gera u Leipzig reisete
       nicht von Blkenbg [weg]kommen. Warum?- Die Genuß[-]
       sucht und der Eigennutz rc treibt alle Menschen es
       ist an keinen durchgreifenden Lebensverband kein sich
       verstehen zu denken.
12. Frau Pastor Ri[c]hter ist gestern von Nürnberg wieder
       hier angetroffen [sc.: eingetroffen] ihren Gruß habe ich bestellt, ihre
       Schwester die Fr: Henriette Rögner begleitet sie und
       diese reist nach Weihnacht Ostern nach Leipzig viel[-]
       leicht kommt sie d[urc]h Gera - Erfüllen Sie diese Frau
       mit Zutrauen zu mir und meinem Unternehmen.
       Wenn hier Ihr Wort Frucht bringt, so glaube ich
       könnte ich erreichen was sie [sc.: Sie] wünschen nemlich
       die Gegenstände meines Wirkens so billig als
       möglich zu liefern. Eine Person bedarf ich dazu
       welche mir und der Sache vertraut, und der ich
       in dieser Bezieh[un]g wie mir trauen kann.
Vertrauen Muhme! Vertrauen.
Ihr Vetter FrFr /
[159V, Rand]

In diesen Tagen wird ein Herr <Spanaus> welche[r] auf meine Spiele u Schriften reist nach Gera
kommen wenn er die bestimmte Route hält; machen Sie daß man die Koselieder in Gera viel sieht wenn er ein Ex. zur Ansicht bei sich hat. /
[159]
 [Adressierung auf Briefumschlag:]
Der Frau Magister F. Schmidt
in
Gera.
frei!