Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an ”Vetter” Greiner in Weitersroda v. <Ende>3.1844 (Blankenburg)


F. an ”Vetter” Greiner in Weitersroda v. <Ende>3.1844 (Blankenburg)
(BN 707a, Bl 38, undat. Entwurf auf Zettel 16° 2 S. Auf Rückseite (38R) überschriebene datierte Briefnotiz an ”Henriette” Ackermann v.17.6.1843. Adressat nach Hinweisen auf „Greiner“ und „Weitersroda“ im Text, Datierung nach dat. Briefnotiz an H. Ackermann irrelevant, maßgebend Hinweis auf Beilage. Dem Brieforiginal war das im Text erwähnte „Buch“ der „Mutter- und Koselieder“ beigelegt, das Ende Febr. 1844 erschienen ist. F. konnte den Versand des Buchs erst nach dessen Lieferung im März durchführen.)

Mein sehr werthgeschätzter lieber Vetter[.]

Sie Du haben [sc.: hast] mich so herzlich und in alter Freundschaft u Liebe begrüßt, daß mein Gemüth ganz
jetzt davon ganz beglückt von Freude daran durchdrungen ist. Wie sehr mich diese durch Jahre der Trennung u des
Nichtsehens warme u unverletzt erhaltene Liebe u Treue beglückt hat kann ich Dir mein theurer
Vetter gar nicht aussprechen. Du hattest g[an]z recht es war daß Du mich schaltest mit Herzlich-
keit u Liebe u Innigkeit schaltest [sc.: gescholten hast], daß ich es dem Zufall überließ der so Dich [sc.: mich] auf diese [Weise] Dir und
Deinen Lieben zusammenführen wiederzusammenführen wird; allein ich will Dir offen den Grund gestehen [.]
Als ich vor ich glaube 5-6 Jahren Deinen lieben seel. Vater zum letztenmale sahe zu sprechen so glücklich war
erinnere ich mich ein[ig]e wenige von Euch und nur Dich theurer Vetter gesehen zu haben, vorher müssen
viele Jahre der Trennung u des Nichtsehens verflossen seyn; da fürchtete ich denn wirklich ohne es mir jedoch mit Worten klar auszusprechen
Ihr und beson Ältere müßtet den nun auch gealterten u alten Vetter vergessen haben u
u die jungen möchten nie ein Wort von ihm gehört haben, und da glaubte ich an
einem [sc.: einem] solchen Tage der besonders der Pflege <Person> der Jugend galt möchte eine solche
unbekannte uralte Erscheinung mehr stöhrend als erfreuend seyn; wenn Du auch deßhalb schildst so
hast Du g[an]z recht; siehe mein lieber Vetter, daß solcher Glaube solche <Überzeugung als> die Früchte unseres
Welt[-] u Lebensverkehrs, da machen wir die traurige die lebenertödtende
Erfahrung daß wenn wir unser g[an]z[e]s Herz u Liebe in Treue u Ausdauer Jahrl[an]g hingegeben haben, alles /
[38R]
dieß nach wenigen Jahren der Trennung u Nichtsehens wie nicht blos aus dem Gedächtniß, nein! wie
aus dem Leben verschwunden ist, wer kann sich der Wirkung solcher Erfahrung auf Herz
u Gemüth erwe[hr]en, daß dasselbe dad[urc]h wenn auch nicht gerad zu ein geschickter doch in dem Heraustreten, seinen Erwartungen Hoffen u Wünschen aus Deiner Liebe und Treue doch wenigstens wenigstens [2 mal] <gesprossen> ist[.]
Siehe dieß war auss [sc.: es], ohne daß ich
es mir, wie gesagt in Worten aussprach,
wohl der Grund nicht so gerad zu bey Dir einzusprechen besonders eben an ein[em]
Tage wo derer welchen ich unbekannt eini Viele waren. Aber mein Herz fühlte sich nun
doppelt u vielfach beglückt durch Deine mir treu bewahrte alte Greinersche Lieb u Treu
welche ja besonders auch ich stets noch mit Freudigkeit Weitersroda u Bl[anke]nb[ur]g
gedenke, so viel verdanke. -Damit aber auch die der junge[n] Welt der Name Vetter Fröbel
wenn es mögl[ich] ist ein kleinw[eni]g lieb ist oder wenigstens <eher> bekannt werde, erlaube mir Dir
für die <in ihr> schützenden Führer die Jungfrau[-] u vielleicht auch die Mutterliebe Deines lieben <engsten> Familien-
kreises, u wenn Dich für die Kinderwelt der gesamt[en] Verwandtsch[aft] wenn sie bei
Dir einspricht Dir hier ein Buche zu senden, welches ich beilege [Text bricht ab]