Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Maria Leopoldine, Königin von Sachsen in Dresden v.3.4.1844 (Blankenburg)


F. an Maria Leopoldine, Königin von Sachsen in Dresden v.3.4.1844 (Blankenburg)
(BN 618, Bl 5-6, Reinschrift 1 B 4° 3 S. mit Bleistiftkorrekturen, auf 5R Entwurf des Begleitschreibens ½ S. )

a) Reinschrift


Majestät!

Ew Königliche Majestät hatten die allerhöchste Gnade,
den in allertiefsten Ehrfurchtsvoll Unterzeichneten auf seine
allerunterthänigste Bitte – um Unterzeichnung förderlicher
Mitwirkung für die Ausführung einer Anstalt
für entwickelnde Pflege der Kinder bis zum schulfähigen
Alter unter dem Namen ”deutscher Kindergarten” aller-
gnädigst zu
unterstützen zu wollen, durch allerhöchst Dero Hof- /
[5R]
Sekretär allergnädigst antworten zu lassen, daß
bey Gründung einer Anstalt außerhalb Sachsens
nicht die erste Mitunterzeichnerinn zu seyn möchte, Sich in-
dessen für die Zukunft weitere Entschließung gnädigst
vorzubehalten.
Gestützt auf dieß allerhöchste Wort Ew Königl Majestät
wagt es der allerunterthänigst Unterzeichnete Ew Majestät
sein jüngstes Buch in allertiefster Ehrfurcht zu Füßen zu
legen, welches den in dem deutschen Kindergarten zu pflegenden
religiösen Sinn und fromm schaffenes Leben schon früh in den
Kindern wecken und pflegen soll.
Möchten Allerhöchst Dieselben huldvollst geruhen, es zur
Prüfung dieses Sinnes und in Beziehung auf alles das-
jenige, was vor allem uns jetzt Noth thut, - den Menschen /
[6]
früh zur innigen Einigung der altdeutschen Sitte
”bete und arbeite”, und der Forderung Jesu: denkende
Beachtung der Natur und des Lebens mit frommem
Gemüthe entgegen zu erziehen, - allergnädigst anzunehmen
In der allertiefsten Ehrfurcht
Ew Königlichen Majestät


Blankenburg bey Rudolstadt
den 3ten April 1844.
allerunterthänigst gehorsamster
[Unterschrift fehlt]

b) Entwurf des Begleitschreibens

[5R]
        Ew. Wohlgeboren

theilte mir (vor einigen Jahren) auf meine allerunterthänigste Bitte an ihre Majestät die Königin um förderl huldv[olle] Mitunterzeich[nung]
gef. Gründung des d. K[inder]gartens auf Allerhöchst[en] Befehl Ihrer Majest. Willen dortmals mit den Worten mit
      daß bey Gründung einer Anstalt außerhalb Sachsens Allerhöchstdieselbe nicht die Erste

      mit seyn wollte doch <indessen> für die Zukunft weitere Entsch[eidung] vorbehielte[.]
Da nun seit jener Zeit die Anstalt durch huldvolle Unterzeichnung erhabe[ner] u königl wie ander[er] christl mildthtätig gesinnter Frauen wirkl [ich]
gegründet worden ist und da ich zur Kind[er]erziehung des treuen Sinnes Geistes christlichen Sinnes der welcher in der die auszuführende Anstalt herrschen wird geordnet ist ein Buch
[un]ter dem Name[n] der Mutter[-] u Koselieder veröffentlicht habe, so wage ich es in der Anlage Ihrer Majestät gestützt auf allerhöchst dero
königl Wort: dieß meine erziehenden Bestrebungen auch ferner prüfend zur Bestimmung Ihres ersten Bestimmung Entschlusses Allergnädigst im
Auge zu behalten diese Schrift als die Grdlge [sc: Grundlage] der ersten u frühesten Kindheitspflege u somit auch des deutschen Kindergartens, allerunter[-]
thänigst zu Füßen zu legen. In dieser Beziehung erlaube ich es mir [erlaube] Ew Wohlgeboren zu übersenden um in geeigneter Weise es Ihrer Majestät
zu überreichen. Da sich darinn keinesweges [ein] belästigendes Gesuch sondern nur die Bitte um AllerGnädigste Prüfung der darinn ausgesprochenen Erziehungsgrundsätze in
Rückbeziehung auf daß [sc.: das], was
Ihre Majestät mir früher
deßhalb zum Wohle der Kinderwelt vorgelegt – enthält [sc.: enthalten ist]
so hoffe ich daß weder die [sc. der]
gütige[n] Überreichung als die [sc: der] Gnädige[n]
Aufnahme Ihr[er] Majestät keine[s] äußere[s]
Hemmendes entgegen seyn wird, sollte
sich jedoch in ähnl Falle solches statt
finden so ersuche ich Ew Wohlgeboren
diese Hemmnisse eben zum Wohle der
Kinderwelt wie Sie aus der Beylage
ersehen zu beseitigen.
In Hoffnung gütiger Erfüllung meiner
Bitte zeichne[t] hochachtungsvoll
Ew W
ergebener [Unterschrift fehlt]