Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 23.4.1844 (Blankenburg)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 23.4.1844 (Blankenburg)
(KN 56,22, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. Aus dem Textansatz auf 2R ist zu folgern, daß der Bogen zunächst für eine Empfangsquittung o.ä. gedacht war.)

Blankenburg am 23en April 1844.·.

  Guten Morgen Barop.

Weißt Du vielleicht jetzt schon welche Lexica Du noch brauchst
und willst mir die Titel derselben, genug Deinen augen-
blicklichen Bücherbedarf durch den Überbringer dieses
melden, so ist es mir lieb; indem ich heute wohl werde
veranlaßt werden an Gebhardt & Reissland in L[ei]pzig
zu schreiben. Durch Mähler den Begleiter der beyden
Flinsch habe ich gestern erfahren, daß Gebhardt & R.
nur 4-5 Häuser von Flinsch wohnen, so wie daß
auch diese Handlungen in directen [sc.: directem] Geschäftsverkehr
stehen; man kann aber nicht wissen wie so etwas ein-
mal in einem bedeutenden Lebensmoment von Wichtig[-]
keit kann zeigen, denn daß [sc.: dieß] ist gewiß in je stetigerer
Verbindung das Leben steht um so ruhiger und kräftiger
entwickelt sich dasselbe. All unsere Lebenserscheinungen
führen uns jetzt auf die Wichtigkeit der ruhigen und vor
allem der stetigen Entwickelung des Lebens hier.
Noch habe ich Dir nicht gesagt, daß [ich] auf meinem letzteren
Gang nach Rudolstadt den He. Superint: Lunderstädt
aus Kl. Hettstädt getroffen und mit demselben in der
Porzmühle wohl 1 Stunde und mehr verkehrt habe, auch
von demselben sogleich 1 Ex. Kosel. und 1 Ex Ballliedern [sc.:Ballieder]
für seinen Leseverein fest bestellt wurden. Er sagte
mir nur, daß er demnächstens Keilhau besuchen wolle;
er wünschte dann daß Du mir sogl. einen Bothen sendetest, da-
mit ich ihm auch Einiges der Spiele vorführen könnte.
Bitte, sey doch ja so gut dieß zu beachten. Siehe lieber Brp.
das Lebensgewebe bekommt immer mehr Richtungen und /
[1R]
wird immer dichter; laß theurer Barop uns dieß
ja auf das sorglichste beachte[n].
Warum sind so viele, dem Wohle der Menschheit
feindliche Mächte so unbesiegbar?- Wegen dieses
innigen stetigen Verknüpftseyn!- Sollen nun
nicht die dem Wohle der Menschheit dienenden Mächte
und Kräfte nicht unter sich dasselbe seyn?-
Wahrlich die Edlen und Guten erschweren sich ihr
Wirken selbst, daß sie nicht mit gleicher Macht und
zwar zunächst nur das in der vom Leben dafür G gegebenen
Weise die Stetigkeit unter sich pflegen.
Darum lieber Barop pflege so treu und so still Du
kannst allseitig die Stetigkeit des Lebens welche
vorgestern im Saale so vielseitig angeregt wurde
und Du selbst [wirst] sehen wie bald sich wesentlich der
Seegen kund thun wird, welcher dadurch über das
Ganze kommt.
Guten Morgen nochmals Dir und Euch allen
Eu. D. FrFr. /
[2]
[Adresse:]
Herrn J. Barop
             Keilhau
frei!
Nebst 1 Packet an Herrn Langethal
sogleich an denselben abzugeben - /

[2R]
 [quer: Von Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht empfing]