Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 20.7.1844 (Frankfurt/M.)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 20.7.1844 (Frankfurt/M.)
(KN 56,24, Brieforiginal 1 Bl 4° 1 S.)

Frankfurt am Main am 20 Jul: 1844. Wohnung bei Herrn C.
   Schneider. Große Eschenheimer Straße Lit. D. No 165.

Dir lieber Barop und durch Dich allen Freunden und Freundin[n]en in Keilhau die herzlich-
sten Grüße deutschen Kind- und Menschheit pflegenden Lebens und Strebens von dem
linken und rechten Ufer des Ober- und Mittelrheihns und von der Mündung des Mayns.
Angekommen von meiner Flugreise aus Darmstadt nach Köln und wieder hier in Frankfurt
beeile ich mich Euch davon Nachricht zu geben, damit ich auch recht bald die Nachricht von Euch
empfange welche ich so sehr ersehne und welche mir für mein Fortwirken selbst hier in
Frankfurt von der größten Wichtigkeit ist.
Doch vor allem zuerst Dir mein treusinniger Barop, Deiner mütterlichen Emilie, Deiner
gesammten lieben Familien und allen Dir und Deinem Leben ganz besonders nahe Stehenden
meinen herzlichsten Glückwunsch zu der glücklichen Vermehrung Deiner hoffnungsvollen
Familie durch ein liebes Töchterchen; möge in ihr, wie in jeder Deiner Mädchen geboren seyn
eine sinnigliebende Gärtnerin für die Kindergärten der Familien wie ganzer Gemeinsamkeiten
deren Wichtigkeit jetzt so tief gefühlt, deren Ausführung so ernstlich erstrebt wird, für deren Pflege
und Leitung man sich so sehnend nach dafür gebildeten, den Beruf zu solcher Wirksamkeit in sich
findenden weiblichen Wesen umsieht. Nach meinen jetzigen Lebenserfahrungen fände ich
für Dich und Dein Euch neugebornes Töchterlein keinen höheren und besseren Wunsch in mei[-]
nem Herzen als daß dasselbe frühe das Gemüthbefriedigende und endlos Seegensreife
einer solchen Wirksamkeit in sich finden und sie dieselben zu ihrem einstigen Lebensbe-
rufe wählen möge. Nun ihr Herz, ihr Geist möge einst ihrem innersten Bedürfniß
entsprechend entscheiden.-
Die Zeit ist leider abermals zu kurz um wie ich so seelengern möchte Euch das End-
ergebniß meiner Reise und meines Reisens zu schreiben; doch ich kann es aber
auch wirklich noch gar nicht bis ich von Euch die Nachricht habe wie Ihr Euch wegen
Ida und wie sie sich in Hinsicht auf Darmstadt entschieden hat. Unendlich viel, nicht
so leicht mit Schwarz auf Weiß darzulegendes Vor- oder Rückwärtsschreitendes
mindestens die ganze zu fassende Art und der Werth Weg des Vorwärtsschreitens
hängt davon, hängt von diesem Entschlusse ab; darum muß ich Euch alle gar
sehr bitten, ja von Eurer allseitigen Lebenspflege erwarten, daß Ihr mir diesen
Entschluß, wenn seine Mittheilung an mich noch nicht abgegangen seyn sollte, sey
es auch nur vorläufig, doch ja mit umgehender Post meldet; alles mein hiesiges
Fortwirken hängt jetzt von dem Wissen dieses Entschlusses ab, damit ich nicht
nur meine nächste Wirksamkeit, sondern auch meine Mittheilungen darüber
darnach bestimmen kann.- Eben tritt schon wieder ein Fremder zu mir ich muß
abbrechen damit diese Zeilen nur noch zu Post kommen.
D. u. E. FrFröbel.