Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 22.7.1844 (Frankfurt/M.)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 22.7.1844 (Frankfurt/M.)
(KN 56,25, Brieforiginal 1 B 4° 2 S.)

Frankfurt a/m Montags am 22 Juli 1844. In der C. Schneidersch[en] W[o]hn[un]g.

          Lieber Barop.


Ob ich Dir gleich seit meiner wieder Rückkehr nach Frankfurt von hier
aus schon geschrieben habe, so erhältst Du doch schon wieder einige Zeilen
von mir, weil ich leider auf meinen ausführlichen Brief von Darm-
stadt, hinsichtlich des Entschlusses der Ida: ob sie in Übereinstimmung und
in Rücksprache mit Euch geneigt ist auf den Antrag von Darmstadt
einzugehen?—noch keine Antwort habe, die ich doch so sehr ersehne.
Denn nach meiner festen Überzeugung, welche ich täglich mehr gewin-
nen muß hängt, wenigstens das augenblickliche Gelingen
meines Unternehmens: einen festen musterhaft wirkenden
Punkt zur Verbreitung entwickelnder Kinderpflege namentlich
durch die Ausführung von solchen Kindergärten - wesentlich
von Ida's und Eurem Entschluß hinsichtlich des Antrages von
Darmstadt ab. Ein Besuch bei dem Herrn Bürgermeister Müller
hier und dessen Mittheilungen bestätigen mich darin, <nun> ich
komme eben deshalb hier schon wieder zu Dir und durch Dich zu Euch
allen um auch Euch die Ansicht dieses Mannes auszusprechen
damit Euch nichts mangeln möge um die Sache in ihrem
wahren Stande zu beurtheilen. Er sagt wörtlich: "daß
Darmstadt und sein Handeln in Beziehung auf den in Frage steh[-]
enden Gegenstand wesentlich wichtig sey; und zwar deßhalb
weil es nicht nur für sein ganzes Land: Ober- Nieder[-] und
Rheinhessen musterhaft und vorbildlich dastehe sondern so-
gar für alle benachbarten Länder und Städte; der Grund
ist es hat alle Behörden wie auch zugleich einen Hof in sich.
Dazu kommt daß die Idee welche wir vertreten so wohl
ihrem Gedanken als ihrer Ausführung nach und so auch das
Familienbuch durchweg und in den verschiedensten Kreisen vollen /
[1R]
Anklang und fast einschränkungslose Anerkenntniß findet.
Noch heut Nachmittags hatte ich bei einem durchaus gebildeten
wissenschaftlichen, aber auch für erste Kindheitspflege neben
seinem ärztlichen Berufe, durch Gründung einer Kinderpfle-
geanstalt, wirkenden Manne - dafür den sprechendsten
Beweis. Also theurer Barop und liebe Freunde einen günsti[-]
geren Ort und eine bessere Zeit, so wie zusagendere Ver[-]
hältnisse im kleinen Einzelnen, wie im großen Ganzen
und mehr Hoffnung zur entsprechenden Fortwirkung und Aus-
breitung als uns Darmstadt bietet können wir schwer-
lich je finden, darum bitte ich Euch: bietet alles auf daß
wir die Hoffnungen und Erwartungen mindestens das Be-
dürfniß von Darmstadt befriedigen können.
- Sollte - da ich wieder [sc.: wider] alles mein Vermuthen auf meinem
Brief von Darmstadt aus, welcher auch Drucksachen für
Middendorffen enthielt, - [nichts höre und dieser] verloren gegangen seye so bitte
ich es mir sogleich zu schreiben. Kurz er enthielt von dem
Ausschuß des Vorstandes des Darmstädter Frauenvereines einen
Antrag als Kinderführerin für Ida Seele, mit 180 fl. Gehalt
bey freier Wohn[un]g (ohne Möbel) Holz, Licht, Kost durch das was
der Vorrath der Anstalt enthält und 3 Lbthlr Weihnachten
nebst 25 fl. Reisegeld. Mit dem Bedi[ngun]ge daß ich sie
während mehrerer Wochen ganz in ihrem neuen Wirk[un]gs[-]
kreis ein führe und dafür weiter befähige.-
Ich bitte Dich lieber Barop schreibe mir doch umgehend
Euren Entschluß und ist es nur einigermaßen mög[-]
lich Euren beistimmenden. Auch die Diplomatie ist hier
wirklich aus Anerkenntniß für uns.- Also lasset nicht
mehr länger auf Antwort warten.
D. u E. FrFröbel /
[2]
leer] /
[2R]
[Adresse:]
Herrn Johannes Barop
Director der allgem: deutschen
Erziehungsanstalt
zu
Keilhau b. Rudolstadt