Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 30.7.1844 (Darmstadt)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 30.7.1844 (Darmstadt)
(BN 566, Bl 44, hier: 44V, dat. Entwurf 1 Bl 8° 1 S.)

1844.·. Darmstadt, Dienstags am 30 Juli. Im Gebäude der Garnisonschule

   Lieber Middendorff

Seit gestern Nachmittags 4 Uhr bin ich wieder hier in Darmstadt, bei dem
glücklichen Fölsing. Ich habe nemlich hier in Darmstadt das ganz eigene Ge[-]
schick, daß ich bei meinen Eintritt in die Wohnungen der Freunde ebengeborne
Kinder und, irre ich nicht sehr, <-> lauter Mädchen vorfinde, als sollte ich recht
auf die Wichtigkeit der E ersten und frühesten Erziehung und ganz namentlich auf
die Wichtigkeit der ersten und frühesten Erziehung des Mädchens, des Weibes
hingewiesen werden; so war, als ich das vorige Mal den ersten Besuch dem
S He. Schlapp und He. Lange machte, jedem so eben ein Kindlein, dem Schlapp bestimmt
ein Mädglein geboren und so eben auch jetzt wieder dem Fölsing. Die Mutter ließ mir es
bald nach meiner Ankunft zeigen, um seine klaren Augen zu sehen: Abends mußte ich es
schlafend betrachten das kleine Engelchen und heut am Morgen im Bade; es gehört dieß
Kind zu den schönsten ausdruckvollsten, wie es denn auch alle Kennzeichen eines vollendet
gereiften Kindleins: über und, ausgewachsene Nägel rc an sich hat; deßhalb siehst Du warum ich
Fölsing den Glücklichen nenne. Mir ist die Erscheinung höchst wichtig, weil wir zu allem
was wir <gerade> gerad über diesen Gegenstand mit einander verhandeln die
Sach- und Lebensanschauung zur Hand haben.
Wir haben diesen Vormittag unsere Mittheilungen begonnen. Wir erkannten das Kind erziehen
hieße, es seinem Wesen nach, als Besonderes, in Übereinstimmung und unverkürzten Zusammen-
hange mit dem Allgemeinen zu entwickeln. Wir erkannten also sogleich, daß bei der Ent-
wickelung, also der Erziehung des Kindes, ein Gegebenes, mit seinem Erscheinen ein Gesetztes, (ein Gegebenes) ein
Gesetz gegeben sey[.] Allgemein ist Luft (Athm[en]) Licht (Sehen) Wärme (Empfinden)
Wasser (Waschen (eines des ersten was <mit dem> Kinde geschiehet wie es nur Athmet u sieht)[).] Das
Besondere ist die Mutter, die Nahrung der Mutter; dieses alles eint es gleichsam
d[urc]h Verdauung[.] Später die Aussonderung. Athmen ist ein <unnatürlich> <geistiges> später Verdauen Ausscheiden also das ächt <ver[da]uen>[.]
Wie nun das Athmen an eine <Pulsatur>, einen Rhythmus
also <gesetzlich> <gebunden> ist, so ist es alles <indem> auch das Nahrung zu sich <nehmen>, das Verdauen
das Absondern) das Waschen, das <Wachen> wie das Schlafen; also d[urc]h diese kann man das
Kind sogl. für Wahrnehmung und sogar zur Befolgung der Naturgesetze erziehen?— Spricht
sich <denn> dieß wirkl[ich] im Kinde so aus: Herr!— Dieß liebl kleine Töchter Enkelchen <eins>
der schönsten welche ich je von diesen <alter> sahe, erst 4 Tage alt, erwachte schon am 3n Tage alle 2 Stunden
um Nahrung zu haben suchen bey der Mutter und jetzt hält es seinen <Stuhl> fest - es zeigt schon
an wenn es der Absonderung bedarf. es kennt fühlt schon seine Mutter ob es in der Nähe
schläft oder abgesondert; es fühlt sich schon glücklich im Bade schreit nicht schlägt klar
die Augen auf arbeitet mit <Händchen u Füßen>[.]